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Satelliteninternet aus Deutschland„Ich habe es ja überall angeboten, es wollte keiner haben“

Schnelles Internet via Satellit, der deutsche Raumfahrtunternehmer Matthias Spott verfolgte diese Idee so früh wie Elon Musk. Doch in Europa wollte niemand investieren. Womit Spott Musk übertrumpfen will.Andreas Menn 16.06.2023 - 15:01 Uhr

Matthias Spott hatte zur gleichen Zeit die Idee eines Satelliteninternets wie Elon Musk, doch er konnte sich nicht durchsetzen

Foto: PR, REUTERS

Das Weltall hat Matthias Spott schon seit seiner Kindheit fasziniert. Doch wenn der deutsche Unternehmer heute in den Sternenhimmel schaut, „dann sehe ich mit viel Glück vielleicht Starlink-Satelliten – und freue mich und ärgere mich zugleich“, erzählt Spott im aktuellen WirtschaftsWoche-Podcast „Chefgespräch“.

Starlink, das ist die Satellitenkonstellation, mit der der Raumfahrtunternehmer Elon Musk in den vergangenen Jahren eine neuartige Kommunikationstechnik geschaffen hat: Sehr schnelles Internet via Weltall, überall auf der Erde verfügbar zu gegenüber klassischem Satelliteninternet vergleichsweise geringen Kosten.

Spotts zwiespältige Gefühle zu Starlink haben einen guten Grund: Zeitgleich mit Elon Musk hatte der Deutsche eine ähnliche Idee. Genau genommen war Spott sogar früher dran als der Silicon-Valley-Unternehmer: Im Jahr 2014 hatte er sich in Liechtenstein die nötigen Funkfrequenzen für Satelliteninternet aus dem niedrigen Erdorbit besorgt – zehn Tage, bevor Musk sich selbst Frequenzen sicherte.

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Spott, der Luft- und Raumfahrt studiert und in der Branche in führenden Positionen gearbeitet hat, war überzeugt von der Idee, irdische Funknetze mit solchen aus dem All zu ergänzen. Eine eigene Satellitenflotte plante er, bis 2025 sollten 300 Satelliten um die Erde kreisen, vier Milliarden Euro Investitionen taxierte Spott dafür.

„Mitunter hat es sich verzweifelt angefühlt“

Doch während Musk ein Team auf sein Projekt Starlink ansetzte, Satelliten entwickeln ließ, Wagniskapital einsammelte und im Mai 2019 die ersten 60 Satelliten auf einen Schlag ins All brachte, kam Spott in Europa nicht voran. „Da war gar keine Offenheit dafür, dass ein Start-up so ein großes Thema machen kann“, erinnert sich der Unternehmer, der dennoch ohne allzu viel Gram auf Musks Weg schaut.

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„Auf der einen Seite ist Elon Musk ja schon jemand, der mit den Dingen, die er macht, viele bahnbrechende Wege beschreitet“, sagt Spott. Auf gleichen Pfaden wie Musk unterwegs sein zu dürfen, sei in gewisser Weise eine Ehre. „Auf der anderen Seite glaube ich eben auch, dass viele Disruptionen, sei es jetzt im Automobilbereich oder auch in der Luft- und Raumfahrt, mehr sind als nur diese eine Person Elon Musk.“ Dass diese Vielfalt nicht gesehen werde, findet er schade.

„Mitunter verzweifelt hat es sich angefühlt“, sagt Spott. „Wenn man so überzeugt ist und dieses Thema nach vorne bringen möchte und im Grunde nur Widerstände erntet, dann ist es sehr frustrierend.“ Er habe mit Investoren gesprochen und potenziellen Kunden etwa aus der Autoindustrie – doch niemand folgte der Vision des Raumfahrtexperten. Sogar in der Raumfahrtszene habe er Ablehnung erfahren. „Ich wurde zum Teil wirklich ausgegrenzt“, sagt Spott.

Hören Sie hier das ganze Gespräch mit Matthias Spott im Podcast

Oft sei er stattdessen gefragt worden: „Was ist, wenn Du scheiterst?“ Wer in Deutschland einmal gescheitert sei, dem gebe eine Bank kein Geld mehr. Im Silicon Valley, in das er oft gereist sei, habe ein ganz anderer Geist geherrscht. „Scheitern dürfen, immer wieder aufstehen, neue Dinge auszuprobieren – das ist natürlich ein ganz spezielles Umfeld dort.“

Starlink hat inzwischen weit mehr als 4000 Satelliten im All, wurde zum Kommunikationsrückgrat von Teilen der ukrainischen Armee im Kampf gegen die russischen Angreifer und zum Datennetz für Helfer und Anwohner nach der Flutkatastrophe im Ahrtal.

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Und nun haben auch Politiker in der Europa plötzlich großes Interesse an einem Satellitennetz – mir Iris2 will die EU sich ein eigenes Starlink aufbauen. Und ist damit spät dran. „Ich habe es ja überall angeboten“, sagt Spott, „es wollte keiner haben, weil es keiner gesehen hat. Das darf uns nach Möglichkeit in all den anderen Dingen, die jetzt kommen, nicht  schon wieder passieren.“

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Etwa beim Zugang ins All: Seit dem letzten Flug der Ariane 5 hat Europa nicht einmal mehr eine eigene Rakete, um Satelliten ins All zu bringen – der erste Start der neuen Ariane 6 soll erst im nächsten Jahr erfolgen. „Europa hat es versäumt, rechtzeitig eine wettbewerbsfähige Rakete ins All zu bringen“, sagt Spott.

Als Investor will er nun die Technologie der nächsten Generation an den Start bringen. Raketen seien eine viele Jahrzehnte alte Entwicklung. Doch nun entstehe ein Wirtschaftsraum im All mit Raumstationen, Produktionsfähigkeiten, Menschen, die dort arbeiteten. „Da möchte ich ein Transportmittel haben, das mich dorthin fliegt, innerhalb des Wirtschaftsraums selbst Verbindungen herstellt und dann auch wieder auf die Erde zurück fliegt.“

Darum seien Raumflugzeuge der nächste technologische Durchbruch für die Raumfahrt. An einem solchen Transportmittel arbeitet das deutsche Start-up Polaris, in das Spott investiert hat. „Als ich fast durch Zufall auf das Unternehmen aufmerksam geworden bin, war ich sofort Feuer und Flamme“, sagt Spott. Das Team baue auf 20, 30 Jahren Forschung aus der europäischen Raumfahrtszene und neue Fertigungsverfahren wie 3-D-Druck.

Schon wieder höre er Kommentare: Das ist ja ganz schön groß, war Ihr da macht, ihr müsstet damit in die USA gehen. „Und das“, sagt Spott, „darf’s eigentlich nicht sein.“

Transparenzhinweis: Dieser Artikel erschien erstmals im Juni 2023 bei der WirtschaftsWoche. Wir zeigen ihn aufgrund des hohen Leserinteresses erneut.

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