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Plastiksteuer Wie der Kampf gegen Plastikverpackungen gelingen kann

Kampf gegen Plastikmüll Quelle: dpa

Mit einem Verbot von Einwegplastik hat die EU bereits einen ersten Schritt im Kampf gegen Plastikmüll gemacht. Doch riesige Konzerne könnten mehr Eigeninitiative zeigen. Klappt das nicht, hilft wohl nur eine Pflicht.

Konsumgüterfirmen und Verpackungshersteller sind mit guten Vorsätzen ins neue Jahr gestartet: Großkonzerne wie Coca Cola, Unilever, Nestle, BASF oder Henkel haben sich in den vergangenen Wochen an verschiedenen weltweiten Allianzen beteiligt mit dem Ziel, Plastikmüll zu vermeiden und den Recyclingprozess zu verbessern. Was die Firmen dabei antreibt, ist nicht nur Idealismus: Vielmehr steigt der Druck von Umweltschützern und der Politik, etwas gegen die rasch wachsende Menge von Kunststoff im Meer und an Land zu tun. Um gegen das Müllproblem vorzugehen, halten Experten neben bereits bestehenden Verboten bestimmter Plastiksorten in Zukunft auch radikalere Maßnahmen für möglich - etwa eine Plastiksteuer.

Vorbilder aus der Lebensmittelbranche gibt es bereits: In Mexiko, Teilen der USA, Großbritannien und Irland werden Softdrinks mit besonders viel Zucker besteuert. Die Maßnahme zeigt Wirkung: Lebensmittelkonzerne haben daraufhin den Zuckergehalt in Getränken reduziert. Ähnlich könnte das auch bei Plastik funktionieren, erläutert Nordal Cavadini von der Unternehmensberatung Oliver Wyman. „Wir werden möglicherweise ein System erleben, wo auch Steuern eingesetzt werden, um Plastik teurer zu machen oder den Einsatz weniger einfach zu gestalten“, sagte Cavadini. „Das ist ein großes Thema, das alle Hersteller bewegt.“ Noch ist eine solche Kunststoffsteuer in vielen Teilen der Welt Zukunftsmusik - doch die EU hat bereits erste Zeichen gesetzt und ab 2021 Einwegprodukte wie Besteck, Teller oder Trinkhalme aus Kunststoff verboten.

Die Politik reagiert damit auf das Plastikmüll-Problem: Von dem weltweit hergestellten Plastik wird nach Angaben der Umweltschutzorganisation WWF der Löwenanteil von 36 Prozent für Verpackungen verwendet. Diese sind nur kurz in Gebrauch: drei Viertel davon werden nach der ersten Verwendung weggeworfen und landen auf Mülldeponien oder unkontrolliert im Meer, wo der Abfall vielen Vögeln und Fischen zum Verhängnis wird. Besonders in Südostasien, wo oft keine gute Recycling-Infrastruktur besteht, wird so der Ozean verschmutzt.

Dazu haben auch die Europäer beigetragen, die jahrelang einen großen Teil ihrer gesammelten Plastikabfälle zur Weiterverarbeitung nach China exportiert haben. Doch dem hat die chinesische Regierung einen Riegel vorgeschoben: Sie will lieber „heimischen“ Müll recyceln und gegen die Verschmutzung im eigenen Land vorgehen. Nun landet ein Teil des Kunststoffs aus Europa stattdessen in umliegenden Ländern wie Malaysia, Thailand oder Vietnam. Trotz all dieser Probleme ist das Material aus dem modernen Konsumleben bislang kaum wegzudenken. Denn Plastik ist günstig und leicht und verlängert die Haltbarkeit von Lebensmitteln in den Regalen der Supermärkte.

Geldverdienen mit Plastikmüll

Firmen und Behörden verfolgen zwei Ansätze, um gegenzusteuern: Zum einen wollen Nahrungsmittelhersteller und Händler Plastik vermeiden. Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern Nestle etwa weicht verstärkt auf Papierverpackungen aus und beteiligt sich etwa an der Entwicklung einer biologisch abbaubaren Plastik-Wasserflasche. „Ein sehr wichtiges Ziel ist, neue Verpackungsmaterialien und -designs zu entwickeln, damit wir den Umwelteinfluss unseres Geschäfts weiter reduzieren“, sagte Nestle-Technologiechef Stefan Palzer.

Einzelhändler wie die Supermarktkette Rewe haben bereits vor einiger Zeit Kunststoff-Tragetaschen ausgemustert und reduzieren den Kunststoff in den Verpackungen ihrer Eigenmarken-Produkte. Und auch an der Obst- und Gemüsetheke verschwindet die Plastikverpackung zunehmend von Gurken und Bananen. Das kommt letztlich auch bei den umweltbewussten Konsumenten gut an.

Zum anderen forcieren Firmen und Behörden ein besseres Recycling. Denn die Wiederverwertung von Plastik ist derzeit noch nicht so gang und gäbe wie etwa bei Aluminium oder Papier. Doch wenn das Plastikrecycling in großem Umfang anrollt, ließe sich damit einer Studie von McKinsey zufolge auch gutes Geld verdienen - besonders in der Chemiebranche. Wenn sie es schafft, die Wiederverarbeitung von Plastik zu verbessern, winkt ihr bis 2030 ein zusätzliches Gewinnpotenzial von weltweit bis zu 55 Milliarden Dollar pro Jahr, wie die Berater erläutern.

Das kommt auch an der Börse an: Anleger setzen zunehmend auf Firmen, die sich hier engagieren. „Plastik zu recyceln ist ein Megatrend, der sich wahrscheinlich über viele Jahre fortsetzen wird“, erklären die Anlageexperten von Nordea. Zu den Gewinnern würden jene Firmen gehören, die dabei eine nachhaltige Strategie verfolgten.

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