BrandIndex

Die dunkle Seite von Volkswagen

Holger Geißler
Holger Geißler Psychologe, Werbepsychologe

Die Abgas-Manipulation von Volkswagen ist nicht nur ein Medien-Hype. Die Deutschen interessieren sich für das Thema, sprechen darüber und registrieren negative Meldungen über VW – und die anderen Marken des Konzerns.

Greenpeace-Aktivist im Jahr 2011: Bereits damals sah die Umweltorganisation die dunkle Seite des Autokonzerns. Quelle: dpa

Meistens ist Aufmerksamkeit für Marken etwas Gutes. Für Volkswagen gerade weniger. Im YouGov-Markenmonitor BrandIndex messen wir sie in der Kategorie „Attention“. Hier fragen wir, wer aktuell über eine Marke etwas wahrgenommen hat. Bei Volkswagen meldete sich im September einer von vier Deutschen. Kein schlechter Wert. Aber jetzt liegt er viel höher: Vier von fünf Deutschen geben an, über VW etwas wahrgenommen zu haben. Nur: In der aktuellen Situation um die Abgas-Manipulation bedeuten diese hohen Werte natürlich nichts Gutes.

Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

Der Buzz hilft uns, sie zu interpretieren. Er gibt Auskunft darüber, wie positiv oder negativ eine Marke aktuell im öffentlichen Gespräch ist. Volkswagen ist bekannt, war bisher eines der Vorzeige-Unternehmen Deutschlands, ein Symbol für die deutsche Wirtschaft, einer der größten Arbeitgeber – entsprechend viele Medien berichten über die Manipulationen seitens VW, und entsprechend viele Menschen haben davon erfahren. Als Konsequenz belegt Volkswagen aktuell mit -70 Punkten und großem Abstand den letzten Platz im Buzz-Ranking der Automarken (auf einer Skala von -100 bis +100). Vor einem Monat stand VW hier noch auf Platz 1.

Zur Einordnung: Dieser Wert (der in den kommenden Tagen und Wochen auch erfahrungsgemäß wieder steigen wird) gehört zu den niedrigsten, die wir im BrandIndex je registriert haben. Zum Vergleich: Der Toyota-Rückruf im Januar 2010 erzielte einen ähnlichen großen Buzz, aber bei einer deutlich geringeren Attention. Im Vergleich zu Toyota liegt Volkswagen den Deutschen doch spürbar näher am Herzen. Die Rahmenbedingungen für einen niedrigen Buzzwert, wenn man so will, sind aber auch nahezu perfekt: höchste Bekanntheit des Unternehmens, omnipräsente Berichterstattung, ein leicht zu verstehendes Ereignis und ein Produkt mit Alltagsanbindung.

Auch negative öffentliche Wahrnehmung über VW-Schwestermarken und in den USA

In den USA, dem Land, in dem die Abgaswerte-Manipulation per Software aufgeflogen ist, ist Volkswagen ebenfalls deutlich negativ im öffentlichen Gespräch. Zwar ist der Verlust nicht ganz so groß wie in Deutschland, doch -49 Punkte im Buzz zeigen: Die breite US-amerikanische Öffentlichkeit nimmt über den deutschen Autobauer aktuell nur negative Schlagzeilen wahr. Auf Audi als Teil des VW-Konzerns färbt der Skandal in den USA kaum ab: nur sechs Punkte Verlust im Buzz im Vergleich zu Mitte September.

  • 1
  • 2
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%