Das Ende der Autohändler: BMW setzt auf Autokauf vom heimischen Sofa
So weit die Beine reichen: Die Karbonkarosserie des i3 ermöglichte die Neugestaltung des Innenraums, der nun mehr Platz bietet als herkömmliche Fahrzeuge.
Foto: PresseDer Neuling misst vier Meter. Die Außenhaut ist aus glänzendem Kunststoff, das Gerippe aus Karbon, der Innenraum eigenartig luftig. Das Wunderding braucht keinen Auspuff, kein Getriebe und kein Motoröl. Schnellt es los wie ein Sportwagen, dann brummt es weder kräftig noch edel. Es bleibt still.
Wenn BMW am 29. Juli zeitgleich in New York, London und Peking der Weltöffentlichkeit den i3 vorstellt, sein erstes Elektroauto, wird viel von technischen Revolutionen die Rede sein. Doch was Deutschlands drittgrößter Autobauer mit dem i3 hinter den Kulissen anstellt, ist nicht weniger bahnbrechend.
Stärke 1: Sicherheit durch Großaktionäre: Seit mehr als 50 Jahren hat BMW einen Großaktionär, um den die Münchener in der Branche beneidet werden. Gut 48 Prozent der Stimmrechte halten Johanna Quandt sowie ihre Kinder Stefan Quandt und Susanne Klatten. Am Bekenntnis zu dem Erbe ihres Vaters lassen die Kinder wenig Zweifel: Beide nehmen als Mitglieder des Aufsichtsrats aktiv Einfluss auf die Geschicke des Unternehmens. Das Ergebnis ist eine stetige Unternehmenspolitik, die den Kapitalmarkt nicht mit kurzfristigen Renditen beeindrucken will. Dennoch fährt BMW Spitzengewinne ein und schüttet in diesem Jahr eine Rekorddividende aus.
Strategin und Hauptaktionärin Susanne Klatten lenkt die Geschicke des Autobauers BMW: Regelmäßige Strategiewechsel wie bei Daimler („integrierter Technologiekonzern“, „Welt AG“) sind den Münchenern fremd. Stattdessen punktet BMW mit frühzeitigen Weichenstellungen im Kerngeschäft. So investierte BMW in Spritspar-Techniken und hat damit heute einen Wettbewerbsvorsprung gegenüber Daimler. Für die Zukunft haben sich die Quandts und BMW noch einiges vorgenommen. Insbesondere Susanne Klatten hat mit ihrem Einstieg bei SGL Carbon eine strategische Entscheidung getroffen. In einem Joint Venture produzieren der Autobauer und der Chemiekonzern Karosserien aus Kohlefaser in Serie. VW-Patriarch Ferdinand Piëch ist düpiert. Als VW überraschend SGL-Anteile kaufte, sicherten sich Klatten und BMW kurz darauf eine Sperrminorität.
Foto: dpaStärke 2: Volle Kassen. Noch nie war BMW so profitabel wie heute. Längst operiert die Autosparte deutlich über dem Zielkorridor von acht bis zehn Prozent Umsatzrendite. Das Ergebnis ist eine schon fast überbordende Liquidität. Inzwischen hortet der Konzern Barmittel von mehreren Milliarden Euro. Noch ist unklar, was die Münchener mit dem Geld vorhaben. Die Aktionäre sollen eine Dividende erhalten, fast die Hälfte davon geht an die Großaktionäre der Quandt-Familie. Ein weiterer Teil steckt der Konzern in die Entwicklung alternativer Antriebe. BMW produziert mit dem i3 das erste deutsche Elektroauto in Großserie und will in den nächsten Jahren als erster Autohersteller der Welt weitere Modelle mit Karosserien aus Kohlefaser in großen Stückzahlen an den Markt bringen.
Foto: dapdAußerdem steht die Erweiterung der Produktion in China auf dem Programm, in Russland und den USA sollen ebenfalls die Fertigungen ausgebaut werden. Ein Großteil des Geldes dürfte jedoch als Polster für schlechte Zeiten dienen und sichert BMW am Kapitalmarkt ab. Der Konzern hat in den vergangenen Jahren aufgrund seiner guten Finanzlage sein Rating deutlich verbessert. Als ausgeschlossen gilt ein Zukauf in der Autosparte. BMW hatte 1994 den Massenhersteller Rover übernommen und war anschließend in Schieflage geraten.
Foto: dapdStärke 3: Die Marke ist ein Magnet. Das wohl größte Vermögen der Münchener schlummert in ihren Markenwerten. BMW, Mini und Rolls-Royce sind weltweit ausgezeichnet positioniert. Die Kunden sind bereit, mehr zu zahlen als für ein Allerweltsprodukt. Alleine BMW wird mittlerweile auf einen Markenwert von über 22 Milliarden Dollar geschätzt, damit ist die Marke deutlich mehr wert als die Konkurrenten Daimler und Audi. In den guten Namen wird reichlich investiert. So eröffneten die Münchener für fast eine halbe Milliarde Euro ein Abholzentrum direkt neben dem Stammwerk. Die „BMW-Welt“ gilt mittlerweile als die größte Touristenattraktion der Stadt und zieht mehr Besucher an als das Schloss Neuschwanstein.
Foto: ReutersPeinlich genau wird das Emblem angebracht. Und peinlich genau legt BMW Wert auf strikte Markentrennung. Mini, BMW und Rolls-Royce laufen über strikt getrennte Vertriebskanäle. In Markenlabors werden Verkäufer und Händler geschult, um die Zielgruppen klar voneinander zu trennen. Die Aufteilung lautet: Mini ist hip und cool, BMW steht für Sachlichkeit und Präzision, Rolls-Royce ist der Luxus für die Superreichen. Angedockt werden Submarken. So startet unter dem Namen "BMW i" ein Label für die geplanten Elektroautos. Der hohe Markenwert hilft aber nicht nur dem Absatz. BMW zählt bei Umfragen seit Jahren zu den beliebtesten Arbeitgebern in Deutschland - ein wichtiger Trumpf im Kampf um die Köpfe von morgen.
Foto: ReutersStärke 4: Vorreiterrolle beim Leichtbau. Der „i3“ verfügt neben einem vollelektrischen Antrieb auch über eine Karosserie aus Kohlefaser. Das bereits im Flugzeugbau erprobte Material soll das Gewicht der Batterien kompensieren und dem „i3“ einen Vorsprung vor der Konkurrenz verschaffen. Gemeinsam mit dem Kohlefaserspezialisten SGL Carbon wurde ein Joint Venture gegründet, um die Kohlefaser in den USA herzustellen. BMW selbst verarbeitet den Werkstoff in den Standorten Wackersdorf, Landshut und Leipzig. An dem strategisch wichtigen Zulieferer SGL Carbon haben der Autobauer und BMW-Großaktionärin Susanne Klatten jetzt kombiniert 43 Prozent und damit gegenüber Volkswagen mit acht Prozent das Sagen. Der Nachteil: Noch ist Kohlefaser mindestens um den Faktor zehn teurer als Stahl und schwer zu verarbeiten. Nur hohe Stückzahlen und große Fortschritte im Verarbeitungsprozess machen eine solche Produktion rentabel. Die wahren Kosten des Abenteuers Kohlefaser lassen sich für BMW und seine wichtigste Anteilseignerin bislang nur erahnen.
Foto: ReutersSchwäche 1: Der Mini. Für Norbert Reithofer ist ausgemacht: Die Schlacht um die Vorherrschaft im Premiumsegment tobt in den kommenden Jahren vor allem bei Kleinwagen. Jahrelang war das für BMW kaum ein Thema. Doch 2001 retteten die Münchener aus den Trümmern ihrer Rover-Beteiligung die Kleinwagenmarke Mini. Seitdem entwickelt sich die britische Tochter prächtig. Waren einst 100 000 Stück pro Jahr geplant, so kann BMW in diesem Jahr dreimal so hohe Mini-Verkäufe verkünden. Mini ist ein Pionier: Erstmals sind Kunden bereit, für Kleinwagen deutlich mehr als 20 000 Euro zu bezahlen. Neben dem Basismodell bietet die britische Kultmarke mittlerweile ein Cabrio, einen Geländewagen, einen Roadster und ein Coupé an.
Foto: dpaDoch unangreifbar ist BMW damit längst noch nicht. Die Konkurrenz zieht nach, denn steigende Spritpreise und Emissionsvorschriften haben den Markt verändert. Audi und Daimler wollen ihre Stückzahlen bei den Stadtflitzern deutlich erhöhen. Der VW-Konzern zieht seine Synergien aus viel höheren Stückzahlen, der Mini-Konkurrent A1 ist eine Ableitung des Massenprodukts VW-Polo. Künftig sollen die Synergien durch eine gemeinsame Nutzung des Frontantriebs vergrößert werden. Ab 2014 sollen alle BMW-Kompaktmodelle und Mini auf eine gemeinsame technische Plattform gestellt werden.
Foto: dpaSchwäche 2: fehlende Brennstoffzelle. Die Ölpreise steigen fast so schnell wie die Vorschriften für den Klimaschutz. Wer im Jahr 2020 in Europa, den USA oder Japan noch Autos verkaufen will, kommt an alternativen Antrieben nicht mehr vorbei. BMW gehört zu den Autoherstellern, die das schon relativ früh erkannt haben. Konsequenter als andere setzt der Konzern auf Elektroautos. Doch während Daimler zusätzlich an der Einführung von Brennstoffzellen arbeitet, ist BMW skeptisch. „Wir sehen keinen nennenswerten Serieneinsatz des Wasserstoffantriebs bis 2025“, prognostizierte Konzernchef Norbert Reithofer einst. Profitieren könnte VW am Ende von Partner Toyota. Die Japaner wollen ihr erstes Serienmodell mit Wasserstoffantrieb bereits 2015 auf die Straße schicken.
Foto: dpa-tmnDennoch macht die Lücke im eigenen Haus unruhig, denn bei Brennstoffzellen hat BMW nichts zu bieten. Jahrelang hatten die Münchener auf die Verbrennung von Wasserstoff gesetzt und Politikern und Prominenten eine Flotte von 100 Testfahrzeugen gestellt. Doch der erhoffte Durchbruch blieb aus: Die Tanks konnten das flüchtige Gas nicht halten, 2009 stellte BMW das Projekt ein. Der Wasserstoff-BMW steht heute im Deutschen Museum. Seit einigen Monaten spricht BMW intensiv über "Zukunftsthemen". Verhandlungskreisen zufolge steht auch die Brennstoffzelle ganz oben auf der Agenda. Gut möglich, dass die Münchener das Spielfeld Wasserstoff schon bald wieder betreten.
Schwäche 3: Anfälligkeit für Währungseffekte. Kürzlich machte eine Meldung die Runde, die BMW sofort dementierte. In der Slowakei, nahe der ukrainischen Grenze, plane der Konzern ein Werk für Kleinwagen mit einer Kapazität von mehreren Hunderttausend Autos pro Jahr. Alles nur halb gare Meldungen slowakischer Regionalmedien? Wie kaum ein anderer Autohersteller ist BMW mit seiner Produktion auf Deutschland fixiert. Anders als die Konkurrenten Daimler und Volkswagen haben sich die Münchener Anfang des Jahrtausends für Leipzig als neue Produktionsstätte entschieden.
Im Bild: Mitarbeiter montieren im BMW-Werk in Leipzig einen 1er BMW
Die Konkurrenz setzt auf günstigere Löhne in der Slowakei und Ungarn. Auch weltweit betrachtet droht dem Verhältnis Absatz und Produktion eine Unwucht. Noch profitiert BMW von dem schwachen Euro, der die Exporte aus Deutschland zusätzlich attraktiv macht. Doch die Schere geht immer weiter auf: Zwölf Milliarden Euro jährlich beträgt nach Analystenschätzungen BMWs Umrechnungsvolumen gegenüber chinesischem Yuan und dem US-Dollar. Eine so hohe Summe ist gegen Währungsschwankungen anfällig. Ein Auseinanderbrechen der Währungsunion und die Aufwertung eines "Folge-Euros" wäre für BMW fatal. BMW reagiert und schafft zusätzliche Produktionskapazitäten in China, den USA und den Schwellenländern. Dort wachsen die Märkte. Das hat Folgen: Sollte der Absatz in Europa weiter lahmen, bekommen mittelfristig auch die deutschen BMW-Werke ein Problem mit der Auslastung.
Als erster Hersteller der Welt will BMW Autos nicht nur über seine Händler verkaufen, sondern auch direkt über das Internet. Und der i3 im BMW-Online-Shop soll offenbar erst der Anfang sein. Man könne sich "gut vorstellen", sagt BMW-Deutschland-Vertriebschef Roland Krüger gegenüber der WirtschaftsWoche, dass der Verkauf im Internet "bei allen Modellen ergänzend eingesetzt wird". Damit nicht genug, sollen Verkäufer die Kunden künftig sogar zu Hause aufsuchen, vorbei an den BMW-Händlern. Eine sogenannte Mobile Sales Force, die Kunden im Wohnzimmer oder am Arbeitsplatz treffen soll, ist laut Krüger bereits eingerichtet.
Was die Münchner mit ihrem ersten serienmäßigen Elektroautos anstoßen, dürfte den Fahrzeugverkauf in Deutschland über kurz oder lang tief greifend verändern. 55 Milliarden Euro setzten die hiesigen Händler im vergangenen Jahr um, indem sie die Kunden in ihren Showrooms empfingen und sie von den Vorzügen der Ausstellungsstücke überzeugten. Nun blickt die Branche gespannt auf den Versuch, mit dem i3 den rituellen Eigentumsübergang durch neue Vertriebsformen abzulösen. "Natürlich schauen alle auf das, was BMW da treibt", meint der Vertriebschef eines führenden Autokonzerns, "und wenn es klappt, ist der Bann gebrochen. Dann dürfte der Direktvertrieb von Fahrzeugen auf Dauer nicht zu stoppen sein."
Minirendite statt Top-Service
Der i3 ist zwar der Auslöser, doch die Gründe für den Tabubruch sind andere. BMW sucht, wie die meisten anderen Hersteller auch, händeringend nach Alternativen zum Vertrieb über das klassische Autohaus. Denn zufrieden sind die Hersteller mit ihren Händlern schon lange nicht mehr, auch wenn sie sie öffentlich gern als wichtige Stütze preisen. Der Grund: Die Händler, die unter schrumpfenden Umsätzen und mickrigen Renditen leiden, können die Anforderungen der Hersteller oft kaum noch erfüllen. Spitzenservice sollen die Handelsbetriebe bieten, mit talentierten Verkäufern und edlen Verkaufsräumen ein strahlendes Aushängeschild der Marke sein.
Dunkle Wolken über dem europäischen Automarkt: Nach dem leichten Hoffnungsschimmer im Vormonat sackten die Pkw-Neuanmeldungen auf den niedrigsten Stand in einem Monat Mai seit 20 Jahren. Als einziger großer Markt konnte sich erneut Großbritannien dem Abwärtssog entziehen - hier stieg der Absatz um elf Prozent.
Nach Daten des Herstellerverbandes ACEA vom Dienstag kamen im vergangenen Monat in den 27 EU-Staaten und den drei EFTA-Ländern Schweiz, Island und Norwegen rund 1,1 Millionen Fahrzeuge neu auf die Straßen, 5,9 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Vor allem im schuldengeplagten Süden des Kontinents kaufen die Menschen wegen der hohen Arbeitslosigkeit und den düsteren wirtschaftlichen Aussichten kaum neue Autos.
Foto: dpaUnter den großen Herstellern verbuchte der angeschlagene französische Peugeot-Citroen-Konzern mit minus 13,3 Prozent den schärfsten Rückgang.
Statt wie im Vorjahresmonat 72.191 Autos verkaufte Peugeot diesen Mai nur 64.034 Wagen. Auch Citroen verlor kräftig: Von 60.479 Neuzulassungen im Mai 2012 ging es runter auf 51.157.
Foto: APAuch der Fiat-Konzern verlor im zweistelligen Prozentbereich, um elf Prozent ging es bei den Neuzulassungen bergab. Insgesamt wurden im Mai nur 56.155 Autos der Kernmarke Fiat neu zugelassen. Auch bei den anderen Marken Lancia/Chrysler, Alfa Romea und Jeep liefen die Geschäfte schlecht - an den Vorjahresmonat reichte keine Marke heran. Insgesamt verlor die Gruppe 0,4 Prozentpunkte beim Marktanteil.
Foto: REUTERSDie Neuzulassungen bei Renault gingen im Vergleich um zehn Prozent zurück. Nur noch 60.429 der rund 1,043 Millionen Neuzulassungen in Europa gehen auf das Konto der Kernmarke Renault.
Foto: dapdAuch bei Opel und Vauxhall setzte sich der Abwärtstrend bei den Neuzulassungen fort: minus 8,4 Prozent. Nach fünf Monaten verharrte der Marktanteil der GM -Tochter auf dem Tiefstand von 6,7 Prozent.
Foto: dpaMarktführer Volkswagen kam mit einem blauen Auge davon: Während die Hauptmarke VW sieben Prozent weniger verkaufte als vor einem Jahr hielt sich der Rückgang bei Audi mit minus 3,9 Prozent erneut in Grenzen. Die lange schwächelnde spanische Marke Seat legte sogar um fast 13 Prozent zu.
Insgesamt sanken die Neuzulassungen des Wolfsburger Konzerns im vergangenen Monat um 2,8 Prozent.
Foto: dapdAuch der Münchner Autobauer BMW musste Federn lassen (minus 6,6 Prozent): Nur noch 65.392 neuzugelassene Wagen kamen aus dem Hause BMW. 52.204 machte die Kernmarke BMW aus, 13.188 die Tochter Mini.
Foto: dpaUnter den Premiumautobauern schlug sich die Daimler -Tochter Mercedes-Benz am besten. Die Neuzulassungen der Stuttgarter stiegen um einen halben Prozentpunkt. Smart dagegen verlor leicht.
Foto: REUTERSWährend in Europa keine Erholung absehbar ist, konnten sich die Automanager über Zuwächse in Übersee freuen. Auf dem weltgrößten Pkw-Markt in China legten die Pkw-Verkäufe im Mai um 14,4 Prozent zu, in den USA rollten acht Prozent mehr Pkw und leichte Nutzfahrzeuge zu den Käufern. In Brasilien wurden um fast zehn Prozent mehr Autos verkauft als vor Jahresfrist. Dagegen schrumpften die Neuzulassungen nach Daten des deutschen Verbandes der Automobilindustrie (VDA) in Russland um zwölf Prozent.
Foto: dpa
Doch die Realität sieht anders aus. Vielen Händlern steht wegen schrumpfender Umsätze das Wasser bis zum Hals. "Mit dem Verkauf von Neufahrzeugen sind in Deutschland bereits seit Jahren kaum noch Gewinne zu erzielen", sagt Thomas Brede, Autohandelsexperte der Berliner Unternehmensberatung Unitcell. Zahlreiche Händlerbetriebe seien von der Insolvenz bedroht und müssten von den Herstellerkonzernen jedes Jahr mit Millionenzahlungen gestützt werden. "Und für die Zukunft ist keine Besserung in Sicht." Trotz guter Konjunkturlage in Deutschland verkauften die hiesigen Autohändler in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres 120.000 Neuwagen weniger als im Vorjahr.
Dieses niedrige Niveau wird nach Ansicht der Unternehmensberatung AlixPartners der neue Normalzustand in Deutschland. Nach Berechnungen des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) an der Hochschule Nürtingen-Geislingen sind deshalb bis 2025 über 100.000 Arbeitsplätze in Autohandel und Werkstätten bedroht. IFA-Leiter Willi Diez rechnet mit einer "neuen Konsolidierungswelle" im Autohandel. In sieben Jahren seien von den heute rund 8.000 rechtlich und wirtschaftlich selbstständigen Autohändlern wohl nur noch 4.500 übrig.
Teure Dependancen
Im Vergleich zu Audi und Daimler steht der Vertrieb von BMW in Deutschland besonders unter Druck. Während die Schwaben im vergangenen Jahr knapp ein Prozent und Audi sogar sechs Prozent mehr Neuwagenzulassungen verbuchten, ging die Zahl bei BMW und Mini um über vier Prozent zurück. Auch in den ersten sechs Monaten dieses Jahres musste sich BMW seinen Konkurrenten geschlagen geben.
Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hat gut Lachen: "Wir werden in diesem Jahr wahrscheinlich erstmals mehr als zehn Millionen Fahrzeuge verkaufen, dieses große Ziel hatten wir eigentlich erst für 2018 angestrebt", sagte Winterkorn der „Bild am Sonntag“. "Unser großer Wachstumsmarkt ist natürlich China. Dort werden wir in diesem Jahr voraussichtlich 3,6 Millionen Autos verkaufen, von denen übrigens weit über 90 Prozent vor Ort in China gebaut werden."
Erreicht VW dieses Ziel, stiegen die Wolfsburger dadurch zum größten Automobilhersteller der Welt auf. Doch noch sieht das Ranking der größten Autobauer wie folgt aus...
Foto: dpaBentley
Der britische Luxuswagen-Hersteller Bentley hat im abgelaufenen Jahr so viele Autos verkauft wie noch nie. Die Volkswagen-Tochter mit Sitz in Crew lieferte 2013 genau 10.120 Wagen aus. 2012 waren es 8510. Im bisherigen Rekordjahr 2007 waren 10.014 Bentleys verkauft worden, wie Vorstandschef Wolfgang Schreiber sagte. „2013 ist das vierte Jahr in Folge, in dem der Absatz zweistellig steigt“, so Schreiber. Der weltweite Marktanteil im Preissegment über 150.000 Euro liege bei 25 Prozent.
86 Prozent der Produktion geht in den Export, vor allem in die USA, China und Nahost. Der europäische Markt läuft schleppender. Allerdings stieg auch der Absatz in Deutschland deutlich. 544 Bentleys wurden den Angaben zufolge 2013 nach Deutschland geliefert, ein Plus von 22 Prozent zum Vorjahr. Kunden warten derzeit im Schnitt 45 Monate auf ihren bestellten Bentley. Schreiber will den Absatz bis 2018 auf 15.000 Autos hochschrauben und dafür in den nächsten Jahren mehrere hundert Millionen Euro in den Standort Crew investieren. Die Mannschaft von derzeit 3700 Mitarbeitern soll allein um 400 zusätzliche Leute aufgestockt werden, um bis 2016 einen luxuriösen Geländewagen auf den Markt zu bringen.
Von den Absatzzahlen der Autohersteller wie Audi, BMW oder Daimler kann Bentley allerdings nur träumen...
Foto: REUTERSAudi
Audi hat auch im Dezember deutlich mehr Autos verkauft und damit erneut ein Bestjahr perfekt gemacht. Im vergangenen Jahr verkaufte der Konzern weltweit rund 1,57 Millionen Autos, ein Plus von 8,3 Prozent. Bereits im November hatte Audi die Rekordwerte von 2012 erreicht. „Unser strategisches Etappenziel von 1,5 Millionen Auslieferungen haben wir zwei Jahre früher als geplant erreicht und sogar komfortabel übertroffen“, sagte Vorstandschef Rupert Stadler.
Foto: REUTERSDaimler
Die Schwaben haben und im vergangenen Jahr 1,32 Millionen Autos ihrer Top-Marke Mercedes verkauft. Das entspricht einem Plus von 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Foto: dapdBMW
Von ihrer Kernmarke setzten die Bayern im vergangenen Jahr 1,54 Millionen Fahrzeuge ab. Das entspricht einem Plus von 12 Prozent gegenüber 2011.
Foto: dpaFiat-Chrysler
Der Fiat-Konzern lieferte im vergangenen Jahr 4,2 Millionen Fahrzeuge weltweit aus - sechs Prozent mehr als 2011. Fiat profitiert dabei vom guten Geschäft der US-Tochter Chrysler. Denn ähnlich wie die Kollegen von PSA Peugeot Citroen litten die Italiener massiv unter der Absatzkrise in Europa, sie verkauften dort 16 Prozent weniger als im Vorjahr.
Foto: dpaNissan Renault
Carlos Ghosn - Chef der französisch-japanischen Allianz - kann zufrieden mit sich sein. Bei Nissan lief es hervorragend, Partner Renault litt unter der Schwäche des europäischen Markts. Die Renault-Gruppe setzte weltweit 2,55 Millionen Fahrzeuge und damit 6,3 Prozent weniger als im Vorjahr. In Europa sank der Absatz um volle 18 Prozent. Die Marke Renault verkaufte weltweit 2,1 Millionen Fahrzeuge, Dacia knapp 360.000 Autos. In Deutschland setzte Renault inklusive der Marke Dacia im Jahr 2012 mit 170.000 Einheiten rund 11.000 Fahrzeuge weniger ab als 2011. Die Marke Renault allein verkaufte 2012 in Deutschland 123.779 Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. Der Marktanteil sank um knapp 0,4 Prozentpunkte.
Foto: REUTERSPSA Peugeot Citroen
Der Absatz der Franzosen brach gegenüber dem Vorjahr um 16,5 Prozent ein. Insgesamt setzte der gebeutelte Hersteller PSA nur noch 2,97 Millionen Fahrzeuge ab. In Frankreich verkauften Peugeot und Citroen gut 13 Prozent weniger Autos, in Spanien fast 15 Prozent weniger und in Italien sogar fast 21 Prozent weniger. PSA hat bereits Konsequenzen aus der Absatzkrise gezogen und Werksschließungen angekündigt. 8000 Stellen sollen fallen. In China hingegen legten die Verkäufe um 9,4 Prozent auf 442.000 Fahrzeug zu. Der Konzern will bis 2015 die Hälfte seines Absatzes außerhalb Europas erzielen.
Vor gut einem Jahr hat PSA mit dem Opel-Mutterkonzern General Motors zudem eine strategische Partnerschaft geschlossen, um künftig beim Einkauf und bei der Entwicklung zu sparen. Einen direkten Einstieg von PSA bei Opel dementierte das Unternehmen aber. Die Verkäufe in China dagegen legten um 9,4 Prozent zu auf 442.000 Fahrzeuge.
Foto: dapdHyundai
Koreas größter Automobilhersteller verkaufte 2012 insgesamt 4,4 Millionen Fahrzeuge der Marke Hyundai. Das sind 8,6 Prozent mehr als im Vorjahr (4,05 Millionen). Noch stärker fiel mit 10,2 Prozent das Wachstum in Europa aus. Zwischen Nordkap und Sizilien konnte Hyundai in 2012 rund 444.000 Fahrzeuge absetzen.
Foto: dapdNissan
Japans zweitgrößter Autobauer legt für das Kalenderjahr 2012 ein neues Rekordergebnis vor. Nissan verkaufte nach eigenen Angaben 4,94 Millionen Autos. Das entspricht einem Zuwachs von 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das noch laufende Geschäftsjahr (Ende 31. März 2013) muss der japanische Teil der französisch-asiatischen Allianz seine Prognose jedoch senken. Wegen des Boykotts japanische Hersteller in China rechnet Nissan weltweit nur noch mit einem Absatz von 5,08 Millionen statt 5,35 Millionen verkaufter Autos. Im ersten Halbjahr hatte Nissan auch dank des kräftigen Wachstums in China 16,7 Prozent mehr Autos verkauft als im Vorjahr, der Inselstreit machte den Japaner nun einen Strich durch die Rechnung.
Foto: REUTERSPlatz 3: Volkswagen
Die Wolfsburger setzten als Gruppe 9,1 Millionen Autos weltweit in 2012 ab, ein Plus von 11 Prozent (2011: 8,3 Millionen). Die Premiumtochter Audi legte um 11,7 Prozent auf knapp 1,5 Millionen zu, die Pkw-Marke VW hat ähnlich stark zugelegt wie BMW. Sie setzte 5,74 Millionen Autos ab - ein Plus von 12,7 Prozent. VW Nutzfahrzeuge steigerte den Absatz um 4,1 Prozent auf 550.000 und Skoda um 6,8 Prozent auf 939.200. Die Zahlen der spanischen Tochter Seat und von Sportwagenhersteller Porsche liegen noch nicht im Detail vor.
Besonders stark entwickelten sich die Märkte in Asien und Amerika. In den USA legte VW um 35 Prozent zu, in China um 25 Prozent und in Russland sogar um 40 Prozent. In Westeuropa sanken die Verkaufszahlen jedoch um knapp 7 Prozent, in Deutschland um gut ein Prozent. Bis 2018 will Volkswagen zum weltgrößten Automobilhersteller aufsteigen. Nach einer Studie des CAM Center of Automotive Management könnte VW 2012 9,4 Millionen verkaufen - mehr als Konkurrent General Motors.
Foto: dapdPlatz 2: General Motors
Der amerikanische Auto-Riese verkaufte 9,29 Millionen Autos. 2011 lag General Motors mit rund 9 Millionen verkaufter Fahrzeuge an der Spitze. VW kam konzernweit auf 8,2 Millionen Stück. Problematisch bleibt der europäischen Markt. Der Absatz der deutschen Tochter Opel ist massiv eingebrochen. Mit neuen Modellen wie dem Stadtflitzer Adam will Opel den Verkauf wieder ankurbeln.
Foto: dapdPlatz 1: Toyota
Die Japaner haben nach eigenen Angaben weltweit 9,75 Millionen Autos verkauft. Gut 23 Prozent mehr als im Vorjahr, als Naturkatastrophen Produktion und Absatz gebremst hatten. In Europa verkaufte der japanische Autobauer zwei Prozent mehr Autos, insgesamt fast 838.000 Fahrzeuge. Vor allem der Kleinwagen Yaris und die Hybridmodelle waren Absatzschlager. In Deutschland steigerte Toyota seinen Pkw-Absatz in einem rückläufigen Markt um 0,1 Prozent auf 82.800 Einheiten (inklusive Lexus). In Westeuropa wurde in Großbritannien mit 102.000 Einheiten und einem Wachstum von zwölf Prozent das beste Ergebnis erreicht. Besonders kräftige Zuwächse erzielte Toyota erneut in Russland und der Ukraine mit einem Plus von 27 Prozent und 169.000 Fahrzeugen. Für das Kalenderjahr 2013 plant Toyota eine Steigerung des konzernweiten Absatzes um zwei Prozent auf 9,91 Millionen Fahrzeuge.
Besonderen Handlungsbedarf haben BMW und Daimler in ihren Niederlassungen ausgemacht, also den konzerneigenen Autohäusern. Sie haben über die Jahre gigantische eigene Vertriebsstützpunkte aufgebaut, die voll in der Konzernrechnung zu Buche schlagen. 34 Mercedes-Benz-Niederlassungen mit 140 Betrieben und 16.000 Mitarbeitern sind im Lauf der Jahrzehnte in Deutschland entstanden. In den 20 BMW-Niederlassungen mit ihren 43 Betriebsstätten arbeiten immerhin 6.500 Mitarbeiter.
Der Grund für den Vertrieb in Eigenregie ist einfach. Besitzt der Hersteller die Hoheit über die Verkaufsstätten, kann er ihnen seine Fahrzeuge einfach aufzwingen. Dadurch hat sich deren Anteil am Gesamtabsatz in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Das Absatzproblem wird dadurch aber nicht gelöst, sondern nur verlagert. "Das Werk stellt uns 1.000 Autos auf den Hof, auch wenn wir nur 200 brauchen", moniert ein Verkäufer der BMW-Niederlassung München. Das nagt an der Profitabilität des Gesamtkonzerns.
Der Kern des Problems liegt jedoch tiefer, nämlich in den anderen Gehaltsstrukturen der Niederlassungen im Vergleich zu den selbstständigen Autohäusern. Denn wer in einer konzerneigenen Verkaufs- und Werkstatt arbeitet, hat Recht auf sämtliche Sonderzahlungen im Mutterkonzern. Bei BMW etwa erhalten die Beschäftigten an der Verkaufs- und Reparaturfront die gleichen Sonderzahlungen wie der Bandarbeiter in der Autofabrik: Gewinnbeteiligung, Urlaubsgeld, erhöhtes Weihnachtsgeld, Sonderleistungen wie Betriebsrenten. Mitarbeiter bei unabhängigen BMW-Händlern arbeiten 40 Stunden pro Woche, bei den Niederlassungen nur 36 Stunden. Und anders als in den Konzerndependancen sind bei den selbstständigen Händlern die Verträge vieler Mitarbeitern befristet. Bricht das Geschäft ein, wird das Autohaus überzählige Beschäftigte leichter los.
Der Münchener Konzern will mit seinem Elektroauto i3 die Revolution im Autohandel einläuten.
(zum Vergrößern bitte anklicken)
Foto: Presse
Der Porsche Panamera
soll von Herbst an als erster Plug-in-Hybrid aus dem VW-Konzern auf den Markt kommen
Foto: PresseDer Audi A3
wird im März als Steckerhybrid der Öffentlichkeit vorgestellt
Der Opel Ampera
war 2012 das erste E-Auto Deutschlands und hat einen Elektro-Benzin-Antrieb
Der BMW Active Tourer
wurde im Herbst 2012 vorgestellt, viele weitere Plugin-Hybridmodelle folgen
Foto: dpaDer VW Golf
wird Ende 2013 gezeigt und schafft mehr als 50 Kilometer rein elektrisch
Der VW Cross Blue
wurde in Detroit präsentiert und beschleunigt in 7,5 Sekunden auf Tempo 100
Foto: REUTERS
Das Zusatzeinkommen in den Niederlassungen addiert sich auf bis zu zweieinhalb Monatsgehälter. "Laut Unternehmensleitung verdienen die Angestellten der BMW-Niederlassungen in Deutschland pro Jahr 50 Millionen Euro mehr als vergleichbare Händler", sagt Betriebsratschef Manfred Schoch.
"Werksniederlassungen rechnen sich nicht", sagt trocken der Präsident der Autohändlervereinigung ZDK, Robert Rademacher, "und haben sich nie gerechnet." Zu allem Überfluss machen die vom Hersteller subventionierten Niederlassungen den selbstständigen Vertragshändlern oft das Leben schwer. Audi hat das Problem nicht. Die Ingolstädter sind mit nur 16 Niederlassungen und insgesamt 1.600 Mitarbeitern wesentlich schlanker im deutschen Markt unterwegs.
Niederlassung zu verkaufen
Daimler und BMW erwägen deshalb, ihr Niederlassungsnetz kräftig auszudünnen. Bei beiden Autobauern werde inzwischen sogar die Frage diskutiert, ob man die Niederlassungen überhaupt noch brauche, sagt Michael Rahe, ehemaliger Leiter der BMW-Niederlassung München. Und in Stuttgarter IG-Metall-Kreisen heißt es, 26 der 34 Mercedes-Niederlassungen stünden zur Disposition, an die 10.000 Arbeitsplätze könnten bedroht sein.
Leichtbau mit Karbon
Seit 2013 produziert BMW Karosserien aus Karbon in Serie. Die Elektrofahrzeuge i3 und i8 werden zum Großteil aus dem neuen, leichten Kohlefaser-Material gefertigt. Auch Audi setzt auf Leichtbau, doch die Tage der großen Innovationen liegen weit zurück. Der Audi A8 war 1994 die erste Serienlimousine mit einer Aluminiumkarosserie. Karbon kommt beim R 8 und RS 3 zum Einsatz - im großen Stil setzt man in Ingolstadt aber nicht auf die faserverstärkten Kunststoffe. Und während BMW-Großaktionärin Susanne Klatten über ihre Anteile an SGL Carbon den Zugang zum Werkstoff der Zukunft für den Autohersteller gesichert hat, bleibt es bei Audi seit 2011 bei einer Entwicklungspartnerschaft mit Voith.
Foto: Steffen Jahn/BMW
Foto: dpaElektroantrieb
Erst kommt der i3, dann der i8 - BMW setzt voll auf den Elektroantrieb. Ob die Kunden diesen Mut belohnen, wird sich noch zeigen. Klar ist, BMW positioniert sich als innovativer Autobauer mit Visionen. Audi holt sich dagegen den Titel als größter Zauderer. Beim Elektrosportwagen R 8 e-tron und auch beim A 2 e-tron zogen die Ingolstädter den Stecker und setzen nun auf ein Sammelsurium an Antriebsarten - Plug-In-Hybride, Erdgas-Varianten, sparsame Diesel und Benziner. Ökonomisch wird Audi damit Ende wahrscheinlich sogar besser fahren - ihrem Image als technischer Vorreiter wird die VW-Tochter aber nicht mehr gerecht.
Foto: dpaLifestyle-Kleinwagensegment
Mit der britische Tochter Mini startete BMW seit 2001 im Premium-Kleinwagensegment so richtig durch und das mit Preisen, die deutlich über den Kosten für andere Stadtflitzer liegen. Mehr als 20.000 Euro sind Kunden bereit für einen Mini zu bezahlen. Mehr als 300.000 Stück setzte BMW 2012 ab. Dafür sorgen auch zig Abwandlungen und Ausstattungsvarianten bei Innenraum, Farbe und Lack. Den A1 nahm Audi erst 2010 ins Programm auf. Seit 2011 gibt es ihn als Sportback mit vier Türen. Weitere Varianten, die der BMW Mini längst bietet - wie etwa Kombi oder SUV bzw. Crossover - stehen noch aus. Auch wenn der A1 eindeutig praxistauglicher ist und in der Verarbeitung mehr überzeugt als der Mini - in diesem Segment hat BMW die Nase vorn.
Foto: REUTERSDesign
In jüngster Vergangenheit häufen sich die Kritikpunkte an der Optik der Audi-Modelle. A4 und A6 sind zu ähnlich, auch die SUV Q3 und Q5 unterscheiden sich kaum. Der nun geschasste Entwicklungsvorstand Wolfgang Dürheimer hatte gegenüber der WirtschaftsWoche angekündigt, das Problem in Angriff zu nehmen - jetzt wird sich sein Nachfolger Ulrich Hackenberg um mehr Abwechslung bemühen. Insgesamt wirkt die Palette eher langweilig und brav als sportlich-elegant. Eine Ausnahme bildet der R 8 e-tron - den Elektrosportwagen hat Audi aber nicht in Serie gebracht. BMW beweist deutlich mehr Mut - auch wenn der Bruch mit Konventionen nicht immer gelingt. Gelungen ist den Münchenern aber der neue 3er. Obwohl mit dem 5er technisch verwandt, bleibt er optisch eigenständig.
Foto: BMW AGZweirad-Sparte
Motorräder von BMW sind beliebt – vor allem, weil sie vergleichsweise langweilig sind. Insbesondere die Tourenmaschinen a lá R 1200 GS sind bei Familienvätern mittleren Alters beliebt, weil sie zuverlässig, bequem und ohne sportliche Ambitionen leicht beherrschbar sind. ABS und große Koffer am Heck sind diesen Fahrern wichtig, den ausgedehnten Wüstentrip machen aber nur die Wenigsten. Das BMW die Modellpalette im Laufe der Jahre auch um Sportmaschinen und Chopper erweitert hat, hat dem Gummikuh-Image der bayrischen Zweiräder keinen Abbruch getan.
Eine gänzlich andere Klientel bedient Audi mit der italienischen Marke Ducati: Motorradleidenschaft pur. Wer eine feuerrote Ducati mit dem sprechenden Typennamen „Monster“ (siehe Foto) bewegt, will nicht bummeln und keine Kontinente durchqueren. Der will sich lieber in die Kurve legen, bis die Fußraste am Asphalt kratzt, den Motor fauchen lassen, bis die Reifen qualmen. Ducati-Fahrer haben ihren Spaß in engen Kehren und nicht auf Reisen. Dass die Maschinen aufregendes Design mit technischer Brillanz verbinden, macht sie für ihre Besitzer zum Non-Plus-Ultra. Immerhin: Bei den Zweirädern hat Audi mit Ducati das bessere Pferd im Stall.
Foto: REUTERS
Der große Kahlschlag steht zwar nicht so schnell an, denn bis Ende 2015 ist ein Verkauf ganzer Niederlassungen laut Vertrag zwischen Daimler und IG Metall ausgeschlossen. Kündigungen sind dem Konzern bis 2017 untersagt. Einzelne Teile von Niederlassungen werden jedoch losgeschlagen. So soll Daimler etwa Betriebe der Niederlassungen Ostwestfalen/Lippe und Weser/Ems bereits Interessenten zum Kauf angeboten haben.
Die BMW-Führung hat deutlich größeren Gestaltungsspieltraum als die Stuttgarter Konkurrenz. Im Dezember lief der Beschäftigungssicherungsvertrag mit der IG Metall für alle BMW-Angestellten der 20 deutschen Niederlassungen aus. Die Unternehmensleitung sehe nun die Möglichkeit, in ihren hiesigen Ablegern drastisch die Personalkosten zu reduzieren, heißt es in den Niederlassungen. Betriebsstätten sollen angeblich verkauft oder geschlossen, Sonderzahlungen gekappt werden. In kleineren Niederlassungen und Filialen - so ein Betriebsrat - plane der Konzern tarifliche Zahlungen zu umgehen, indem er die Betriebe künftig vermehrt mit Leiharbeitern und Werksverträgen führen wolle.
Schleichender Prozess
"Der Konzern sieht", sagt BMW-Betriebsratschef Schoch, "dass man Autos auch reparieren und verkaufen kann, wenn man die Leute viel schlechter bezahlt." Fraglich sei jedoch, wie BMW mit unzureichend qualifiziertem Personal "Premium-Qualität" sicherstellen möchte. "Es wird nicht funktionieren, vom Kunden BMW-Preise zu verlangen für Arbeit, die in Hinterhofwerkstätten gemacht wird", behauptet Schoch und malt bereits den Teufel an die Wand: Auch die Kfz-Versicherungen würden das nicht akzeptieren. Er glaube deshalb, "dass BMW auf dem falschen Weg ist, wer heute Premium-Hersteller sein will, braucht Premium-Mitarbeiter".
Platz 4
Klein, praktisch, elektrisch - diese Kombination scheint vor allem Frauen zu gefallen. Der VW up! landet daher auf dem vierten Platz im Ranking. Er hat einen Marktanteil von 3,04 Prozent bei Frauen und 1,75 Prozent bei Männern. Der VW up! ist ab einem Kaufpreis von11.914 Euro erhältlich, der Listenpreis liegt bei 14.786 Euro.
Foto: VolkswagenPorsche Panamera S E-Hybrid
Zumindest mit Hybridunterstützung ist der Porsche Klassenbester. Auf 270 km/h bringt er es, rein elektrisch auf 135 km/h. Der Spaß hat seinen Preis. Ab 110.409 Euro ist der E-Porsche zu haben.
Foto: Porsche
Renault Fluence
Marke: Renault
Modell: Fluence
Preis: ca. 25.950 Euro plus Batteriemiete von 79 €/Monat
Reichweite (in km): 185 km
Leistung (kw/PS): 70kW/95 PS
Foto: PresseMercedes SLS ed
Marke: Mercedes
Modell: SLS ed
Preis: ca. 416.500 Euro
Reichweite (in km): 250 km
Leistung (kw/PS): 530 kW/720 PS
Foto: DaimlerRenault Twizy
Mit futuristischem Design und ohne echte Türen kommt der Twizy daher. Der Zweisitzer ist besonders klein und wendig und für den Stadtverkehr konzipiert. Er kann an jeder Haushaltssteckdose aufgeladen werden.
Marke: Renault
Modell: Twizy Urban
Grundpreis (inkl. MwSt): ab 6990 Euro, zusätzlich fallen mindestens 50 Euro Batteriemiete pro Monat an
Reichweite (in km): 100
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 80
Stromverbrauch (kWh/100km): 6,3
Smart ed
Marke: Smart
Modell: Smart ed
Preis: ca. ab 18.910 Euro, plus Batteriemiete von 65 €/Monat
Reichweite (in km): 145 km
Leistung (kw/PS): 55 kW/75 PS
Foto: DaimlerKangoo Rapid
Der Elektro-Kangoo soll den städtischen Lieferverkehr sauberer und leiser machen. Er bietet mit bis zu 3,5 Kubikmetern Laderaum soviel Platz wie sein konventioneller Dieselbruder. Das ist möglich, weil die Batterien im doppelten Ladeboden verschwinden. Mit 60 PS ist der Elektro-Kangoo ausreichend schnell.
Marke: Renault
Modell: Kangoo Rapid Z.E.
Grundpreis (inkl. MwSt): 15.100 (+ 86 Euro monatlich fürs Batterie-Leasing)
Reichweite (in km): 160
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 130
Stromverbrauch (kWh/100km): nicht bekannt
Renault Zoe
Marke: Renault
Modell: Renault Zoe
Grundpreis (inkl. MwSt): 21.700 (+ 79 Euro monatlich fürs Batterie-Leasing)
Reichweite (in km): 210
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 135
Stromverbrauch (kWh/100km): nicht bekannt
213 Elektro- oder Hybrid-Modelle von Renault wurden nach einer Studie des CAR Instituts von Ferdinand Dudenhöffer 2012 in Deutschland zugelassen. Bis April 2013 folgten weitere 61. Ab 8. Juni ist der Renault Zoe (Foto) auf dem deutschen Markt zu haben und soll den Absatz ankurbeln.
Foto: WirtschaftsWocheBMW i3
Deutlich langsamer als der i8, dennoch muss sich der i3 nicht verstecken. Zumal er bei einem Grundpreis von etwa 34.950 Euro deutlich erschwinglicher ist. Geschwindigkeitstechnisch bringt er es auf akzeptable 150 km/h.
Stromverbrauch (kWh/100km): 12,9
Foto: dpa
Opel Ampera
Mit dem Ampera legte Opel 2012 ganz schön vor: 828 Zulassungen auf Opel-Modelle mit Elektro-/Hybrid-Antrieb zählten die Zulassungsbehörde. Bis April 2013 wurden aber nur noch 100 Opel-Modelle mit Elektroantrieb neu zugelassen - zum Jahresende könnten es rund 300 sein. Opel scheint sich etwas Neues einfallen lassen zu müssen, will die GM-Tochter vom Elektro-Trend profitieren.
Marke: Opel
Modell: Ampera
Grundpreis (inkl. MwSt): 43.900
Reichweite (in km): reich elektrisch zwischen 40 und 80 Kilometer
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 160
Stromverbrauch (kWh/100km): 15-20
i-Miev
Den i-MiEV, ein Elektrofahrzeug auf Basis des in Japan bekannten Mikrocars i, präsentierte Mitsubishi bereits auf der IAA 2007 zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit.
Marke: Mitsubishi
Modell: i-Miev
Grundpreis (inkl. MwSt): 34.990 Euro
Reichweite (in km): 150
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 130
Stromverbrauch (kWh/100km): 13,5
Mit dem iMiev startete Mitsubishi relativ erfolgreich. 2011 wurden insgesamt 683 Elektro-Modelle der Marke in Deutschland zugelassen, doch 2012 ebbte das Interesse merklich ab. Nur noch 96 Neuzulassungen auf Ökomodelle von Mitsubishi weist die Statistik aus. Bis April 2013 kamen 39 dazu. Das CAR-Institut rechnet mit nicht mehr als 126 Modellen bis zum Jahresende.
Berlingo First Electric
Der Citroën Berlingo First Electric ist als Firmenwagen für die Stadt konzipiert. Für Handwerker, Pflegedienste oder Lieferanten kann es sich auf Dauer rechnen, Strom statt Benzin zu tanken.
Marke: Citroën
Modell: Berlingo First Electric
Grundpreis (inkl. MwSt): 50.694 Euro
Reichweite (in km): 120
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 110
Stromverbrauch (kWh/100km): 21
Im vergangenen Jahr wurden insgesamt mehr als 454 Citroen-Modelle mit emissionsarmen Antrieben in Deutschland zugelassen. Bis April 2013 weitere 262. Nach der Hochrechnung des CAR-Instituts schaffen die Franzosen die Vorjahresmarke nicht mehr und müssen sich bis Jahresende mit 350 verkauften Stromern zufrieden geben.
Foto: PressePeugeot iOn
Der Elektroflitzer von Peugeot ist baugleich mit dem Mitsubishi i-Miev und dem Citroen C-Zero. Der Lithium-Ionen-Akku lädt 6 Stunden.
Marke: Peugeot
Modell: iOn
Grundpreis (inkl. MwSt): 29.393 Euro
Reichweite (in km): 150
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 130
Stromverbrauch (kWh/100km): 13,5
Der Schwester-Konzern von Citroen wollte die Kundschaft mit dem Elektro-Flitzer iOn für sich gewinnen. In Deutschland ließen sich im vergangenen Jahr 263 Autofahrer von einem emissionsarmen Peugeot-Modell überzeugen. Bis Ende April 2013 nur weitere 27, so dass zum Jahresende wohl nur rund 80 Ökofahrzeuge vom Hof fahren.
Foto: dpaTesla Roadster
Wer sagt, dass Elektroautos nur was für Öko-Latschen-Träger sind und nicht schnell und sexy sein können? Der Tesla Roadster beweist das Gegenteil. Mit 288 PS kommt er in 3,7 Sekunden von 0 auf 97 Stundenkilometer. Das reicht immerhin für eine Höchstgeschwindigkeit von 201 km/h.
Tesla Model S
Der Markenbruder Tesla S unterscheidet sich was die Spitzengeschwindigkeit angeht kaum - er bringt es auf 200 Stundenkilometer.
Foto: WirtschaftsWoche
Leaf
Der Nissan Leaf erfreute sich bereits vor Marktstart größerer Beliebtheit in den USA. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 145 km/h durchschnittlich.
Foto: dapd
Volvo C30 Electric
Vom C30 des schwedischen Autobauers sollen europaweit nur 250 Exemplare ausgeliefert werden. Das Auto ist nur für drei Jahre zu leasen. Die Batterieladedauer ist mit 8 bis 10 Stunden verhältnismäßig hoch.
Marke: Volvo
Modell: C30
Grundpreis (inkl. MwSt): 1131 Euro Monatsrate bei drei Jahren Leasing
Reichweite (in km): 163
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 130
Stromverbrauch (kWh/100km): 15
Die Schweden, die jetzt zum chinesischen Autokonzern Gheely gehören, haben 2012 gerade einmal 12 Elektromobile in Deutschland verkauft. Dieses Jahr könnten es 20 werden. Sehr überschaubar.
Foto: dpaTransit Connect Electric
Die modernen Batterien des Ford Transit Connect Electric kommen von Johnson Controls. Der Zulieferer präsentierte das neue Batteriesystem mit einer Lebensdauer von 300.000 Kilometern auf der Hannover Messe.
Marke: Ford
Modell: Transit Connect Electric
Grundpreis (inkl. MwSt): ab 53.544 Euro
Reichweite (in km): 130
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 120
Stromverbrauch (kWh/100km): nicht bekannt
Ford Focus Electric
Der Focus Electric des amerikanischen Autokonzerns Ford ist das Flaggschiff der Elektro-Flotte und der erste rein elektrisch angetriebene Pkw des Unternehmens. Seine Ladezeit gibt der Hersteller mit 3 bis 4 Stunden an. Im Sommer 2013 kommt er nach Deutschland.
Marke: Ford
Modell: Focus Electric
Grundpreis (inkl. MwSt): noch nicht genannt
Reichweite (in km): 160
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 136
Stromverbrauch (kWh/100km): noch nicht genannt
Ampera
Der Opel Ampera mit einer Reichweite von über 500 Kilometern taugt sogar für eine Familienreise. Mit immerhin 161 km/h darf es auch ein etwas längerer Ausflug sein.
Mega eCity
Der e-City wird vom französischen Kleinstwagenspezialist Aixam-Mega gebaut, bei dem jährlich 13.000 Leichtfahrzeuge vom Band laufen. Der Viersitzer gehört zu den günstigsten Elektroautos am Markt.
Marke: Aixam Mega
Modell: Mega eCity
Grundpreis (inkl. MwSt): 19.490 Euro
Reichweite (in km): 80
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 64
Stromverbrauch (kWh/100km): 12-17
Citysax
Der Citysax ist "Made in Dresden" und hat moderne Lithium-Batterien, kostet wegen der geringen Stückzahlen aber leider fast 40.000 Euro. Mit Schnellladefunktion sind die Akkus in zwei Stunden fast voll.
Marke: Citysax Mobility
Modell: Citysax
Grundpreis (inkl. MwSt): 39.499 Euro
Reichweite (in km): 60-120
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 130
Stromverbrauch (kWh/100km): 16-18
Van EQ 6380
Der elektrische DFM Mini Van stammt vom chinesischen Hersteller Dongfeng, einem der größten LKW-Hersteller weltweit und der zweitgrößte chinesischen Anbieter bei Mittel- und Kompaktklasse-Fahrzeugen.
Marke: DFM Mini Auto
Modell: Van EQ 6380
Grundpreis (inkl. MwSt): 15.988 Euro
Reichweite (in km): 120
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 85
Stromverbrauch (kWh/100km): 15,5
Delta 1
Der Delta 1 des Kölner Unternehmens eWolf ist ein Stadtflitzer mit fünf Türen und einem voll nutzbaren Kofferraum. Der Hersteller verspricht zuverlässige und günstige Fahrzeugflotten auf der Basis seiner Elektroautos.
Marke: eWolf
Modell: Delta 1
Grundpreis (inkl. MwSt): 64.053 Euro
Reichweite (in km): 105
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 110
Stromverbrauch (kWh/100km): 13
Stromos
Mit dem Stromos von German E-Cars will der hessische Autozulieferer Fräger seine Kompetenz bei Elektroantrieben unter Beweis stellen. Der Stromos ist bereits Teil der Elektroautoflotte des Autovermieters Sixt.
Marke: German E Cars
Modell: Stromos
Grundpreis (inkl. MwSt): 41.990
Reichweite (in km): 100
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 120
Stromverbrauch (kWh/100km): 15-20
Jetcar Elektro
Sieht nicht nur interessant aus, ist auch schnell: Auf 160 km/h Spitzengeschwindigkeit bringt es das Jetcar.
500 Electro
Der Karabag 500 ist ein umgerüsteter Fiat 500. In einem Elektroautotest von Auto Bild konnte der teure Flitzer mit den Elektroautos großer Konzerne gut mithalten.
Marke: Karabag
Modell: 500 Electro
Grundpreis (inkl. MwSt): 36.194 Euro
Reichweite (in km): 100
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 105
Stromverbrauch (kWh/100km): 15,7
Ducato E
Der Hamburger Nutzfahrzeuganbieter Karabag bietet sieben Fiat-Modelle mit Elektroantrieb an, darunter auch große Transporter wie den Ducato.
Marke: Karabag
Modell: Ducato E
Grundpreis (inkl. MwSt): 98.398
Reichweite (in km): 75-155 (je nach Version)
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 90
Stromverbrauch (kWh/100km): nicht bekannt
Buddy
Der Pure Mobility Buddy ist 17 Zentimeter kürzer als ein Smart, dennoch passen drei Personen rein. Auf die Batterie gibt es eine Garantie für 100.000 Kilometer.
Marke: Pure Mobility AS
Modell: Buddy
Grundpreis (inkl. MwSt): 26.989 Euro
Reichweite (in km): 120
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 80
Stromverbrauch (kWh/100km): 12,5
Reva i
Der Reva ist mit über 4000 verkauften Fahrzeugen ein Klassiker unter den Elektroautos. Der Strom für 100 Kilometer kostet knapp zwei Euro.
Marke: Reva Electric Car Company
Modell: Reva i
Grundpreis (inkl. MwSt): 14.499 Euro (Blei) / 18.499 Euro (Li)
Reichweite (in km): 50 (Blei) / 100 (Li)
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 75
Stromverbrauch (kWh/100km): 8-10
Sam EV II
Das Elektroauto SAM EV II kommt aus Schwaben – und isch echt billig. Preis: 16660 Euro. Strom für 100 Kilometer: 1,60 Euro. Kfz-Steuer: 0 Euro für fünf Jahre, danach 22 Euro.
Marke: S.A.M. Group
Modell: Sam EV II
Grundpreis (inkl. MwSt): 16.600 Euro
Reichweite (in km): 90
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 90
Stromverbrauch (kWh/100km): 8
City EL
Der CityEL ist ein Elektroauto der ersten Stunde. Mit einem modernen Auto hat er zwar nicht viel gemein, aber er kommt mit zeitgemäßen Lithium-Batterien und ist mit einem Preis von rund 10000 Euro und Stromkosten ab 50 Cent pro 100 Kilometer unschlagbar günstig.
Marke: Smiles AG
Modell: CityEL
Grundpreis (inkl. MwSt): 9.999 (+ Batterie, an 1599 Euro)
Reichweite (in km): 60-120, je nach Batterie
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 46-63, je nach Batterie
Stromverbrauch (kWh/100km): ca. 5
Zero
Der Tazarri Zero kommt aus der Formel-1-Stadt Imola und ist laut Anbieter das „weltweit schönste Citycar“. Nun ja… Zumindest im Elektro-Kleinstwagensegment liegt der Zero mit seinem Italo-Design aber weit vorn.
Marke: Tazarri
Modell: Zero
Grundpreis (inkl. MwSt): 24.499 Euro
Reichweite (in km): 140
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 100
Stromverbrauch (kWh/100km): 13,5
Luis 4U Green
Marke: Luis AG
Modell: Luis 4U Green
Grundpreis (inkl. MwSt): 39.900
Reichweite (in km): über 200
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 90-120, je nach Software
Stromverbrauch (kWh/100km): 14-17
Bollore Bluecar
Das Bluecar der französischen Bollore-Gruppe wurde zunächst nur im Carsharing eingesetzt ist nun aber auch für private Käufer erhältlich. Das Lithium-Metall-Polymer-Batteriepaket braucht 6 Stunden Ladezeit.
Marke: Bollore
Modell: Bluecar
Grundpreis (inkl. MwSt): ab 12.000 Euro
Monatsgebühr für Batterie: 80 Euro
Reichweite (in km): 250
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 130
Stromverbrauch (kWh/100km): nicht bekannt
BMW selbst weicht der Frage aus, ob in den Niederlassungen tatsächlich Personal abgebaut werden soll. "Die BMW AG plant nicht, das Stammpersonal am Standort Deutschland zu reduzieren", heißt es in München. Konzernchef Norbert Reithofer kündigte im Herbst 2012 sogar an, "3.000 neue Mitarbeiter einzustellen" dabei auch "viele Zeitarbeiter zu übernehmen".
Doch die Gewerkschaften argwöhnen, dass dieser Segen an den Niederlassungen vorbeigeht und nur dem Kern des Konzerns nützt. Die Niederlassungen würden "langsam ausbluten", fürchtet Axel Oelker, Betriebsratsvorsitzender der Niederlassung Bremen. Mitarbeiter, die in Altersteilzeit oder den Ruhestand gingen, würden nicht ersetzt. Neueinstellungen gebe es so gut wie nicht. "Wenn Personal ersetzt wird, strebt man Lösungen über Werkverträge an." Es sei ein "schleichender Prozess".
Um den heißen Brei
Gegen die miese Stimmung in so mancher Niederlassung und Vertragswerkstatt zündet BMW, ausgehend vom i3, nun ein wahres Feuerwerk neuer Ideen. "Future Retail" heißt der Plan, den der Konzernvorstand am 20. November 2012 absegnete und der zurzeit der wohl ambitionierteste Umbauplan im Autohandel ist. In der neuen BMW-Vertriebswelt gibt es schicke Vorzeigeläden in den Metropolen anstelle darbender Autohäuser auf dem Land. Speziell trainierte Kundenberater sollen hemdsärmelige Verkäufernaturen ablösen. Statt selbstständiger Händler, die auf eigenes Risiko Autos verkaufen, sollen Vertreter auf Honorarbasis BMW-Autos absetzen.
Den größten Effekt versprechen sich die Münchner vom Direktverkauf im Internet. Warum sollte der Konzern Händlern Preisnachlässe von über zehn Prozent gewähren, so das Kalkül, damit diese die Fahrzeuge dann mit der entsprechenden Marge verkaufen?
Dass bis heute kein Hersteller den Schritt ins Internet gewagt hat, liegt an der Macht des Autohandels. "Die ganze Branche schleicht um den heißen Brei herum", gesteht Karl Schlicht, Vertriebschef von Toyota in Europa, "aber niemand will derzeit in den Online-Vertrieb einsteigen." Dass der Autohandel für immer eine internetfreie Zone bleibt, wird inzwischen aber immer unwahrscheinlicher. "Die Erwartungen und Bedürfnisse unserer Kunden verändern sich, dem wollen wir Rechnung tragen", sagt BMW-Vertriebsmanager Krüger.
Um den neuen Absatzkanal zu bespielen, zieht BMW beim i3 gleich mehrere Register. So dürfen nicht alle 570 BMW-Verkaufsstätten das Elektroauto anbieten, sondern nur 14 Niederlassungen und 33 selbstständige Händler. Diese insgesamt 47 Stützpunkte heißen "BMW i Agenten" und wurden vom Konzern sorgsam ausgesucht. Sie sollen den i3 im Auftrag und auf Rechnung von BMW verkaufen. Beratung, Verkaufsgespräch, Vertragsabschluss oder Wartungstätigkeiten werden jeweils einzeln honoriert. Anders als bei anderen BMW-Modellen müssen die Agenten den i3 also nicht auf eigenes Risiko ordern und in den Showroom stellen. Damit kommt BMW den Verkäufern entgegen für den Fall, dass die Kundschaft nicht wie erhofft auf den Elektroantrieb abfährt.
Wie das "i" vermuten lässt, haben die Münchner bei ihrer Neuausrichtung ein großes Vorbild: Apple. Das "i", das Apple dem Namen seiner Audioplayer, Smartphones und Rechner voranstellt, hat sich BMW für sämtliche Elektroautomodelle markenrechtlich gesichert. Nach dem Kompaktwagen i3 und dem Sportwagen i8 sollen weitere i-Modelle folgen, von i1 bis i9 ist dabei alles denkbar.
Auch im Vertrieb bedient sich BMW der Methoden von Apple. Wie der kalifornische Kultproduzent lässt nun auch BMW einen "Product Genius" auf die Kunden los. Dieser Kundenberater soll potenzielle Käufer informieren und begeistern, aber nicht verkaufen. Sein Auftrag ist es, Fan des i3 zu sein und Fans für den i3 zu schaffen, ohne mit Euro- oder Dollar-Zeichen in den Augen Kunden zu bedrängen.
Eingesetzt werden die Animateure in den 47 Verkaufsstellen des i3, aber auch - weil der Beratungsbedarf bei Autos generell zunimmt - beim Verkauf herkömmlicher Fahrzeuge. "Der Product Genius wird nicht an Verkaufszahlen gemessen, sondern nur an der Zufriedenheit der Kunden", sagt BMW-Manager Krüger. Wichtigstes Arbeitsgerät des BMW-Product-Genius: natürlich ein iPad von Apple, auf dem er über die BMW-Modelle informieren kann.
Auf diese Weise will BMW ganz neue Kundengruppen erschließen: junge, moderne Städter, für die das Smartphone derzeit wichtiger ist als ein eigenes Auto. Klassische Autoverkäufer, die sich selbst "Benzin im Blut" attestieren, werden sich mit einer solchen Klientel eher schwertun. Auf Facebook konnten die Münchner inzwischen 1,3 Millionen Fans für den i3 sammeln. 17 Prozent davon haben sich auch als BMW-Fans registriert. Das bedeute, folgert BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson, dass das Unternehmen "mit dem i3 viele neue Menschen für BMW gewinnt".
Im Gegenzug will BMW auf Dauer offenbar seine insgesamt 20 BMW-Niederlassungen auf nur noch wenige große Standorte konzentrieren: München, Berlin, Hamburg, Frankfurt, Düsseldorf und eventuell Stuttgart. "Megacities" heißen die künftigen Autohaus-Standorte intern. Alle BMW-Niederlassungen in kleineren Städten sollen langfristig verkauft oder geschlossen werden. Heiße Kandidaten sind Insiderquellen zufolge die Niederlassungen in Darmstadt, Kassel, Bremen, Dresden, Bonn und Chemnitz. "Der Konzern sieht seine Kerneigenleistung im Entwickeln und Bauen von innovativen Fahrzeugen und nicht im Verkaufen", sagt Michael Feininger, Betriebsratsvorsitzender der BMW-Niederlassung Stuttgart.
Umso opulenter sollen die BMW-Tempel in den Metropolen ausfallen, die BMW "Brand Stores" nennt. Die Auswahl eines Fahrzeugs soll dort zum emotionalen Erlebnis werden. Kauf und Übergabe der Fahrzeuge will BMW in futuristischen Showrooms zelebrieren. Die Brand Stores werden keine Parkplätze voller Neuwagen haben, sondern nur wenige Modelle vor Ort präsentieren. Das individuelle Wunschauto wird stattdessen auf riesigen Bildschirmen virtuell präsentiert. Zu besichtigten gibt es solche Brand Stores bereits in Paris und in London sowie als Mini-Verkaufsstätte in Amsterdam.
Angst vor Statistenrolle
Gegen die Pläne der BMW-Konzernzentrale, selbst in den Autoverkauf einzusteigen, formiert sich Widerstand. "Wir haben BMW unmissverständlich gesagt, dass direkte Verkaufskanäle von uns abgelehnt werden müssen", sagt Werner Entenmann, Präsident des BMW-Händlerverbands. Und bei einem anderen einflussreichen Händler heißt es, der Konzern müsse mit heftigen Reaktionen der Händler rechnen, sollte er es wagen, nicht nur seine Elektroautos, sondern alle Fahrzeuge online anzubieten.
Bei den mobilen Verkäufern können die deutschen BMW-Händler zumindest einen Achtungserfolg verbuchen. "Nach unseren Protesten", sagt ein Händler, "hat BMW zugesichert, die Verkaufstruppen in Deutschland vorerst nicht einzusetzen."
Andere bleiben skeptisch. "Beim Verkaufsprozess der Zukunft führt BMW Regie", befürchtet der Chef eines westdeutschen BMW-Autohauses. "Uns bleibt womöglich nur noch die Statistenrolle."