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Chevrolet-, Buick- und GMC-Fahrzeuge zum Verkauf bei einem Autohändler. Foto: Bloomberg

Grönland-KonfliktAmerikanische Autokäufer müssen Trumps Zoll-Politik ausbaden

Ein Neuwagen kostet in den USA durchschnittlich schon über 50.000 Dollar – und die Preise steigen munter weiter. Ein Grund: die neuen US-Zölle auf importierte Autos und Autoteile.Martin Seiwert 20.01.2026 - 09:10 Uhr

Wer in Deutschland 20.000 Euro zur Verfügung hat und einen Neuwagen kaufen will, hat die Qual der Wahl: Ab 12.000 Euro bekommt er den kompakten Dacia Sandero, für etwas mehr auch kleine Modelle von Toyota, Mazda oder Fiat. In der 15.000-Euro-Klasse treten Modelle wie VW Polo, Ford Fiesta oder Citroën C3 gegeneinander an. Ab 20.000 Euro gibt es etliche kleinere SUVs, Kompakte der Golf-Klasse, Kombis – und auch elektrische Einsteigermodelle.

Und in den USA? Gibt es kein einziges Modell mehr unter 20.000 Dollar, wie der US-Sender CNN unlängst berichtete. 2024 gab es noch drei Modelle. Heute: Null.

Das liegt zum einen an der Vorliebe der Amerikaner für große Autos. Aber auch daran, dass die Autobauer unter immer höheren Kosten leiden. Laut Berechnungen der Marktforschungsfirma Kelley Blue Book zahlten amerikanische Autokäufer im Dezember 2025 durchschnittlich 50.326 US-Dollar für ihren neuen Wagen – ein Rekordhoch. Auch die amerikanische Auto-Website Edmunds meldete mit durchschnittlich 49.466 Dollar einen neuen Rekord.

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Im amerikanischen Automarkt macht sich nun bemerkbar, was Experten schon im vergangenen Jahr befürchteten: dass nicht zuletzt durch die von der US-Regierung verhängten, neuen Importzölle die Autopreise in den USA in die Höhe getrieben werden.

So ergab eine Analyse des Center for Automotive Research, dass die von Präsident Donald Trump Anfang April verhängten Autozölle in Höhe von 25 Prozent die Kosten für Automobilhersteller in den USA im Jahr 2025 um etwa 108 Milliarden US-Dollar erhöhen werden. Laut der Studie müssten etwa die amerikanischen Autobauer GM, Ford und Chrysler pro Auto mit Zöllen von durchschnittlich fast 5000 Dollar für die von ihnen importierten Teile rechnen. Bei komplett importierten Autos würden die Zusatzkosten bei durchschnittlich 8600 Dollar pro Auto liegen.

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Das jüngste Opfer war der Nissan Versa, der vor fast 20 Jahren mit einem Einstiegspreis von etwa 12.500 Dollar auf den Markt kam. Nissan stellte die Produktion des Versa im Dezember ein. Der Versa, der im Oktober rund 18.000 US-Dollar kostete, war das letzte Automodell, dessen Kaufpreis unter 20.000 US-Dollar lag.

So wird der amerikanische Neuwagenmarkt zunehmend zum Luxusmarkt für die gesellschaftliche Oberschicht. Aber auch für diese Schicht, die gern zu europäischen Premiummarken greift, dürfte der Autokauf immer teurer werden: Die neuen Zölle, mit denen Trump wegen des Grönland-Konflikts europäische Länder bedroht, könnten die Preise etwa für Mercedes-, Audi-, Porsche- oder BMW-Modelle weiter in die Höhe treiben. Denn den hiesigen Autoexporteuren scheint etwas zu gelingen: Sie müssen die Zölle nur zum Teil selbst tragen. Viele können einen deutlichen Teil durch Preissteigerungen an die Kunden weitergeben.

„Die Zölle sind ein Eigentor“

Diesen Effekt beleuchtet das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) in einer neuen Untersuchung. Die Wirtschaftsforscher analysierten über 25 Millionen Lieferdatensätze mit einem Gesamtwert von fast vier Billionen US-Dollar an US-Importen. Ergebnis: Die US-Strafzölle belasten nicht die ausländischen Exporteure, sondern die amerikanische Wirtschaft selbst.

Dabei seien die Ergebnisse eindeutig: Die US-Zolleinnahmen stiegen im vergangenen Jahr um rund 200 Milliarden US-Dollar. Doch nur etwa vier Prozent der Zolllast trugen ausländische Exporteure, während 96 Prozent auf US-Käufer abgewälzt wurden. Gleichzeitig brach das Handelsvolumen ein, ohne dass die Exportpreise sanken.

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„Die Zölle sind ein Eigentor“, kommentiert Julian Hinz, Forschungsdirektor am IfW und Mitautor der Studie. „Die Behauptung, dass ausländische Staaten diese Zölle tragen, ist ein Mythos.“ Die Zölle verteuerten importierte Waren wie eine Konsumsteuer und verringerten zugleich Vielfalt und Menge der verfügbaren Güter.

Es gibt nur Verlierer

Zudem untersuchte die Studie die Zollerhöhungen gegen Brasilien und Indien im August 2025. Dabei stiegen die Zölle für Brasilien auf 50 Prozent und für Indien von 25 auf 50 Prozent. Laut IfW zeigen die Daten, dass ausländische Exporteure in der Folge ihre Preise nicht senkten, um die zusätzlichen Zölle abzufedern.

Ein Vergleich indischer Exporte in die USA mit Lieferungen nach Europa oder Kanada zeige zudem ein klares Muster. Hinz erklärt: „Exportwert und -menge nach Amerika sanken deutlich, um bis zu 24 Prozent. Aber die Stückpreise – die Preise, die indische Exporteure verlangen – blieben unverändert.“ Das heißt, es wird weniger geliefert, aber nicht günstiger.

Die Studie ergab unter dem Strich, dass US-Unternehmen langfristig mit sinkenden Margen und Verbraucher mit höheren Preisen rechnen müssen. Gleichzeitig verkauften exportorientierte Länder mit Schwerpunkt USA weniger und stünden unter Druck, neue Märkte zu erschließen. Studienautor Hinz: „Die Zölle bringen langfristig Nachteile für alle.“

Mit Material von dpa-AFX

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