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Nach Vale-Dammbruch Berlin will Autokonzerne zur Lieferketten-Kontrolle zwingen

Exklusiv
VW, Daimler und BMW: Vale-Dammbruch in Brasilien Quelle: imago images

Der Dammbruch an einer brasilianischen Eisenerzmine bringt die deutsche Autoindustrie in Bedrängnis. Teile des von VW, Daimler und BMW verarbeiteten Stahls stammen aus brasilianischen Minen. Die Bundesregierung nimmt die Autobauer in die Pflicht.

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Der Dammbruch an einer brasilianischen Eisenerzmine des Vale-Konzerns, bei dem vermutlich über 300 Menschen getötet wurden, bringt die deutsche Autoindustrie in Bedrängnis. Weil große Teile des von Volkswagen, Daimler und BMW verarbeiteten Stahls aus brasilianischen Minen stammen, sieht die Bundesregierung die Autobauer in der Verantwortung.

„Jeder Autohersteller sollte wissen, unter welchen Bedingungen sein Stahl produziert wird‎“, sagte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) der WirtschaftsWoche. „Die Bundesregierung überprüft jetzt, wie die größeren Unternehmen in Deutschland mit mehr als 500 Mitarbeitern ‎ihrer Sorgfaltspflicht in den Lieferketten nachkommen. Sollten wir feststellen, dass Freiwilligkeit nicht zum Ziel führt, werden wir das gesetzlich regeln.“ Dies, so Müller, sei als „letzter Weckruf“ an die deutschen Unternehmen zu verstehen.

Die Gefahr, dass sich weitere Katastrophen an Eisenminen ereignen, ist offenbar groß. Laut der Aachener Hilfsorganisation Misereor soll es allein in der Unglücksregion Minas Gerais etwa 720 Rückhaltebecken für Grubenschlämme geben, von denen mindestens 50 nicht ausreichend gesichert seien. Nach Schätzungen von Misereor leben in Brasilien mindestens 100.000 Menschen in der Gefahr, Opfer eines Minen-Dammbruchs zu werden.

VW räumt ein, dass der Konzern Stahl von Vale bezog und dass ein Teil davon aus der Unglücks-Mine stammen könnte. BMW und Daimler wollten sich zu dieser Frage nicht äußern. VW und BMW nehmen nach der Katastrophe ihre Lieferanten nun verstärkt in die Pflicht. „Nach dem Unglück in Brasilien sind wir aktiv geworden und überprüfen derzeit unsere Stahl-Lieferketten“, erklärt eine BMW-Sprecherin. Aufgrund der „hohen Komplexität“ dauere die Prüfung noch an. Bei „Verletzungen von Menschenrechten aller Art“ droht BMW mit der „Beendigung der Zusammenarbeit“. VW hat  in den vergangenen Monaten einen detaillierten Fragenkatalog für ihre Zulieferer zu den Themen Umwelt, Soziales und Korruption erarbeitet. „Im Sommer beginnen wir mit der Einführung der neuen Regeln“, erklärte ein VW-Sprecher.

BMW und Daimler sind für gesetzliche Vorgaben zur  Kontrolle von Lieferanten: „BMW begrüßt Gesetzesinitiativen, die auf die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltgesetzen fokussieren und Rechtssicherheit schaffen“, heißt es in München. BMW plädiert wegen der globalen Lieferketten für internationale Vorschriften. Auch Daimler unterstützt den Vorstoß von Entwicklungshilfeminister Müller: „Für die Umsetzung unserer Nachhaltigkeits-Anforderungen entlang der Lieferkette könnte Regulierung hilfreich sein, um einheitlich akzeptierte Standards zu schaffen.“

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