Banken: Unicredit will bei Commerzbank-Übernahme Bundestagswahl abwarten
Die italienische Bank Unicredit will sich beim Werben um eine mögliche Übernahme der Commerzbank bis zu den vorgezogenen Bundestagswahlen zurückhalten. Unicredit wolle in dieser Sache während des Vakuums vor den für Februar geplanten Wahlen nicht aktiv werden, sagte Bankchef Andrea Orcel auf einer Branchenkonferenz in London.
Seine Bank werde ihr Hauptquartier nach einer Übernahme der zweitgrößten deutschen Bank nicht nach Frankfurt oder München verlegen, sagte er. Wenn sich die Frage des Hauptquartiers als Problem herausstellen sollte, würde die Commerzbank-Übernahme nicht zur Unternehmenskultur des Bankkonzerns passen.
Damit widerspricht er indirekt auch der Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp. Sie hatte auf dem 34. Frankfurt European Banking Congress am Freitag gesagt, das Ergebnis der Bundestagswahl im Februar werde keinen Einfluss auf mögliche Übernahme des Geldhauses durch Unicredit haben. Die Verantwortung liege stattdessen beim Management.
An den Aussichten für einen Deal habe sich nichts geändert. Die Kunden des Frankfurter Instituts seien aus verschiedenen Gründen gegen eine Übernahme und es liege kein Angebot auf dem Tisch. Orcel hatte in der Vergangenheit betont, die Übernahme weiter verfolgen zu wollen. Die beiden Institute passten perfekt zusammen, hatte der Italiener bei der Veröffentlichung des eigenen Zwischenberichts Anfang November gesagt. Er rechnete mit einer Entscheidung, eine mögliche komplette Übernahme der Commerzbank einzuleiten, innerhalb eines Jahres.
Bundesfinanzminister Jörg Kukies hat indes die Übernahmeavancen der italienischen Unicredit für die Commerzbank erneut scharf kritisiert. In dem Einzelfall gehe es um fehlendes Vertrauen wegen des Vorgehens der Mailänder, sagte der SPD-Politiker am Freitag bei einem Bankenkongress in Frankfurt. Dies sei die Auffassung der ganzen Regierung und auch der Opposition.
Das Vorgehen der Unicredit sei feindlich und nicht transparent. „Kein Land würde ein solches Verhalten akzeptieren bei einem potenziellen Übernahmeangebot für eine systemrelevante Bank.“ Insgesamt sei Deutschland aber offen für ausländische Banken. Es gebe mit Unicredit, ING, JP Morgan, Morgan Stanley und Goldman Sachs gleich fünf ausländische Institute, die hierzulande systemrelevant seien. „Im Allgemeinen ist der deutsche Markt sehr offen für Investments von ausländischen Banken.“
Kukies bekräftigte auch, angesichts der bisherigen Einnahmen und Ausgaben des Bundes im laufenden Jahr keine drastischen Maßnahmen zu brauchen. Der Staat könne seinen Verpflichtungen weiterhin nachkommen. Kukies sagte zudem, er halte eine moderate Reform der Schuldenbremse für möglich.
Italiens zweitgrößte Bank hatte sich über Finanzderivate nach eigenen Angaben Zugriff auf bis zu 21 Prozent der Anteile an der Commerzbank gesichert. Sie hat zudem bei den bei der Europäischen Zentralbank angesiedelten Aufsichtsbehörden beantragt, ihre Beteiligung auf bis zu 29,9 Prozent ausbauen zu können. Das Frankfurter Geldhaus will aber unabhängig bleiben.