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Deutsche Bank unter DruckCryans Strategie steht auf dem Prüfstand

Mit der Gewinnwarnung der Deutschen Bank zerstob vergangene Woche die Hoffnung, dass nach zwei Jahren Dauerkrise endlich ruhigere Fahrwasser erreicht sein könnten. Der Druck auf Vorstandschef John Cryan steigt. 09.01.2018 - 14:43 Uhr

Die Gewinneinbrüche der Deutschen Bank belaufen sich teilweise auf ein Fünftel.

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Das Silvesterfeuerwerk war kaum vorbei, da platzte bei der Deutschen Bank die Bombe. Mit der Gewinnwarnung des größten deutschen Geldhauses zerstoben Ende vergangener Woche alle Hoffnungen, dass nach zwei Jahren Dauerkrise und satten Verlusten nun endlich ruhigere Fahrwasser erreicht sein könnten. Einmal mehr ist es das Investmentbanking, die einstmalige Vorzeigesparte, die hinter den Erwartungen und der Konkurrenz zurückbleibt. Der Druck auf Vorstandschef John Cryan steigt: 2018 steht der Lackmustest für seine Drei-Säulen-Strategie an. Klappt der nicht, dürften die Rufe nach einem - auch personellen - Plan B lauter werden.

In den nächsten Monaten muss der 57-jährige Brite deshalb beweisen, dass es Sinn macht und für die Aktionäre finanziellen Wert schaffen kann, eine Investmentbank, eine Privatkundenbank und eine Vermögensverwaltung unter einem Dach zu betreiben. Noch glauben die großen Investoren an das Modell Universalbank. Doch bei weiteren Hiobsbotschaften riskiert die Bank, dass mächtigen Aktionären der Geduldsfaden reißt. "Die Strategie Cryans als solche steht nicht infrage – noch nicht", heißt es im Umfeld des Emirats Katar, mit zehn Prozent größter Einzelaktionär der Bank. Das klingt fast wie eine Drohung.

Auch der zweite wichtige Ankeraktionär, der hierzulande immer noch weitgehend unbekannte und oft misstrauisch beäugte Mischkonzern HNA aus China, wird langsam unruhig angesichts des dritten Verlustjahrs in Folge. Hielten sich die Anteilseigner aus dem Reich der Mitte mit Kritik bislang eher zurück, steigt nun hinter den Kulissen vernehmlich das Grummeln. "Das ist sehr enttäuschend", heißt es von Seiten eines großen Investors, der nicht namentlich genannt werden will.

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Alle warten nun gespannt darauf, wie sich die Deutsche Bank auf dem wichtigen US-Markt im Vergleich zu den Platzhirschen geschlagen hat. Erste Hinweise darauf gibt es am Freitag, wenn JP Morgan die Bilanz 2017 veröffentlicht, kommende Woche folgen weitere Dickschiffe wie Morgan Stanley und Goldman Sachs. Auch sie haben bereits gewarnt, dass der Handel mit Aktien, Anleihen, Devisen und Rohstoffen im vierten Quartal alles andere als gut gelaufen ist. Im Schnitt rechnen die US-Häuser mit einem Minus von 15 Prozent.

Die Deutsche Bank erwartet aber sogar einen Absturz um mehr als ein Fünftel. Verschärfend kommt noch hinzu, dass die Amerikaner im Vergleichsquartal, also dem Zeitraum Oktober bis Dezember 2016, außerordentlich hohe Gewinne einfuhren, weil die Märkte vor und nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten hervorragend liefen. Die Deutsche Bank darbte in dieser Zeit - unter anderem, weil eine milliardenschwere Strafe ausgerechnet in den USA wie ein Damoklesschwert über dem Institut hing und viele Kunden auch deshalb fernblieben. Im Ergebnis ist der Ertragsrückgang bei der Deutschen Bank damit schmerzlicher als bei der Konkurrenz.

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Harte Zeiten für die Frankfurter also. Umso härter, als die beiden anderen Säulen, die das Institut eigentlich stabil halten sollen, wenn es im Handel und in der Beratung bei Übernahmen und Börsengängen mau läuft, derzeit Großbaustellen gleichen. Zwar treibt Cryan die Integration der Postbank mit Hochdruck voran und der Börsengang der Vermögensverwaltung soll noch im Sommer frisches Geld in die Kasse spülen. Doch ob das reicht, um die frustrierten Aktionäre bei Laune zu halten?

Im Fadenkreuz

Halbzeit für John Cryan: Sein Vertrag als Chef der Deutsche Bank läuft noch bis 2020. Über Langeweile konnte sich der Brite, der Mitte 2015 nach dem Abgang von Anshu Jain das Ruder beim größten heimischen Geldhaus übernahm, in der ersten Hälfte seiner Amtszeit nicht klagen.

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Investmentbank auf Kurs bringen

Der Wertpapierhandel und das Geschäft mit Börsengängen, Fusionen und Übernahmen war einst die Vorzeigesparte der Deutschen Bank. Nach der Finanzkrise und erst recht nach dem Abgang des ehemaligen Star-Investmentbankers Jain sanken jedoch die Erträge und das Institut läuft den großen US-Häusern wie Morgan Stanley und Goldman Sachs hinterher. Die neue Doppelspitze, Marcus Schenck (im Bild) und Garth Ritchie, steht unter Druck, schnell Kunden zurückzugewinnen, die der Bank zuletzt den Rücken gekehrt haben.

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Unlängst bat das neue Duo die Investoren öffentlich um mehr Geduld; der Umbau der Investmentbank werde noch mehr Zeit - zwei bis drei Jahre - in Anspruch nehmen. Helmut Hipper, Fondsmanager bei Union Investment, einem der größeren Aktionäre der Bank, geht mit dem Geldhaus hart ins Gericht. "Die Deutsche Bank hat bei den Investoren zu hohe Erwartungen geweckt." Die Bank habe sich schlechter geschlagen als die Konkurrenz und müsse nun schnellstens aufholen. "Sonst muss man sich schon fragen: Funktioniert der Business-Plan?"

Cryan, Schenck und Ritchie bleibt als Trost, dass sie zuletzt Boden gutmachen konnten. In der jüngsten von Reuters veröffentlichten Weltrangliste von Fusionen und Übernahmen kletterte das Frankfurter Haus auf Platz sechs und war damit die beste Bank, die nicht aus den USA kommt. Auch auf dem Heimatmarkt ging es nach oben.

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Postbank in den Konzern integrieren

Wahrscheinlich komplexester Teil der von Cryan im Frühjahr ausgegebenen Strategie ist die Integration der Postbank in den Konzern. Nachdem der Verkauf des Bonner Instituts nicht gelungen war, soll sie nun mit der Privatkundensparte der Mutter verschmolzen werden. Damit entsteht mit rund 20 Millionen Kunden und einem Kundenvermögen von 325 Milliarden Euro ein neuer Riese auf dem deutschen Markt. Mitte 2018 ist die rechtliche Zusammenführung unter einem Dach geplant. Der Fusion der beiden Institute werden in den kommenden Jahren Tausende Stellen zum Opfer fallen, vor allem bei der Postbank - wie viele genau ist noch unklar. Aber die Deutsche Bank hat kurz vor Weihnachten ein Freiwilligenprogramm aus der Taufe gehoben und will zunächst bis zu 1000 Mitarbeiter über Altersteilzeit und Abfindungen loswerden. Kündigungen sind bis 2021 ausgeschlossen.

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Vermögensverwaltung an die Börse bringen

Ein weiterer wichtiger Baustein in Cryans Strategie ist der Teil-Börsengang der Vermögensverwaltung, der im ersten Halbjahr 2018 über die Bühne gehen dürfte. Schätzungen von Analysten zufolge könnte der Verkauf von einem Viertel der Aktien der Deutschen Asset Management (DAM) zwei Milliarden Euro bringen. Das erste Feedback potenzieller Investoren fiel verhalten aus, weil sich die Bank über das rechtliche Konstrukt der Kommanditgesellschaft auf Aktien Einfluss auch für den Fall gesichert hat, dass ihr Anteil sinkt. Das Team um DAM-Chef Nicolas Moreau wird noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten müssen, damit der Börsengang ein Erfolg wird.

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Großaktionäre treffen und bei Laune halten

Auf die ganz persönliche To-do-Liste von John Cryan dürfte Aufsichtsratschef Paul Achleitner (im Bild) für das kommende Jahr Treffen mit den Großaktionären geschrieben haben. Das Emirat Katar, der hierzulande misstrauisch beäugte chinesische Mischkonzern HNA, der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock und der US-Investor Cerberus wollen umgarnt werden, damit sie bei der Stange bleiben. Nachdem Cryan unlängst schon Ärger mit Achleitner bekam, weil er es terminlich nicht schaffte, zum Antrittsbesuch bei den Chinesen vorbeizuschauen, sollte ihm ein solcher Fauxpas 2018 nicht nochmal passieren. Zu deutlich wurde seitens der großen Geldgeber schon Kritik an Cryan laut als das Achleitner diese überhören könnte. Aus dem Umfeld eines der größeren Anteilseigner sind deshalb warnende Töne zu hören - wenn auch hinter vorgehaltener Hand: "Achleitner hat einen Pakt mit den Großinvestoren geschlossen und wenn die ihm sagen, er soll Cryan fallenlassen, dann wird er das auch tun."

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Noch halten vor allem die großen Aktionäre zu Cryan. Dagegen rückt die zweite Reihe - Marcus Schenck und Garth Ritchie, die beiden für das Investmentbanking verantwortlichen Top-Manager - ins Fadenkreuz. "Letztlich stellt sich die Frage, ob da die richtigen Leute an der Spitze der Investmentbank stehen", heißt es von einem großen Investor. Dringend vertragen könne die Bank eine Persönlichkeit, die in den USA das Handelsgeschäft wieder auf die Erfolgsspur führt, heißt es. Von einem "Regenmacher" wie dem einstigen Star-Händler und späteren Co-Vorstandschef Anshu Jain kann man in Frankfurt derzeit wohl nur träumen.

Michael Hünseler von dem auf institutionelle Investoren spezialisierten Vermögensverwalter Assenagon kann sich einen Befreiungsschlag nur dann vorstellen, wenn auch die Köpfe ganz oben ausgetauscht werden. "Man sollte darüber nachdenken. Cryan hat sich viele Verdienste erworben, aber für die Zukunft ist es Zeit, eine Strategiedebatte anzustoßen und das kann nur mit einem neuen Management geschehen." Sollte sich Aufsichtsratschef Paul Achleitner diese Argumentation zu eigen machen, wäre der seit Mitte 2015 mit der Sanierung der Bank beschäftigte Cryan wohl Geschichte. Die Zeit wird knapp: zum 150. Geburtstag der Bank in zwei Jahren wollen die Aktionäre Grund zum Feiern haben.

rtr
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