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Handelsstreit200 Millionen Euro weniger Gewinn können die Quittung sein

DHL erwartet im schlimmsten Fall erhebliche Einbußen aus Trumps Zoll-Chaos. Der Logistikkonzern will dennoch weiter profitabel wachsen.Nele Husmann 05.08.2025 - 13:26 Uhr
Die Express-Sparte rettete das Halbjahresergebnis von DHL. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Die Handelswelt befindet sich seit dem Frühjahr mit Donald Trump und seinen hochvolatilen Zollankündigungen auf Achterbahnfahrt. Als globaler Logistikkonzern hängt DHL wie wenig andere Unternehmen am freien Handel – schließlich befördert DHL die gehandelten Güter per Flugzeug, Schiff und Lastwagen durch die ganze Welt.

Bislang hatte sich DHL-Vorstandschef Tobias Meyer betont entspannt gegeben. „Handelsbarrieren können in Teilen zu geringeren Volumina führen, aber bedeuten für unser Unternehmen zugleich mehr Wertschöpfung“, sagte er im März im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. Und brachte den Brexit als Vergleich an: „Positive und negative Auswirkungen auf unser Ergebnis hielten sich die Waage.“

Mit den Halbjahreszahlen lichtet sich der Schleier zum ersten Mal: „Von Woche zu Woche ist das Geschäft so volatil, wie auch ich es noch nie erlebt habe“, erklärte Finanzvorständin Melanie Kreis. Der Konzern überraschte die Analysten dennoch positiv. Zwar brach der Umsatz im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal um vier Prozent auf 19,8 Milliarden Euro ein. Durch Kosteneinsparungen und das Ausnutzen von strategischen Wachstumschancen stieg der erwirtschaftete Gewinn, gemessen am EBIT, um 5,7 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Die Handelsvolumina seien rückläufig, es gebe aber auch Gelegenheiten, den Handel mit den USA in anderen Regionen auszugleichen.

Die Halbjahreszahlen des dänischen Logistikers DVS, der gerade das Frachtunternehmen DB Schenker von der Bahn übernommen hat, enttäuschten: Der Gewinn im ersten Halbjahr fiel um drei Prozent schlechter aus, als die Analysten erwartet hatten.

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Auch der amerikanische Logistiker UPS hat im zweiten Quartal bereits weniger umgesetzt und verdient. Besonders besorgniserregend: Er gab keine Prognose für das Gesamtjahr ab. Die UPS-Aktie stürzte deshalb um zehn Prozent ab und zog auch DHL mit nach unten.

Im März und April waren die US-Importe noch stark angezogen, weil Unternehmen sich beeilten, ihre Lagerbestände in den USA noch vor der Einführung von Zöllen auszubauen. Dann aber gingen die Handelsvolumina, die in die USA importiert wurden, bereits zurück. Containerimporte fielen im Mai um ganze 9,7 Prozent gegenüber dem Vormonat.

Die Gewinne von DHL hängen zu mehr als 70 Prozent vom Welthandel ab: Sowohl die Express- als auch die Frachtsparte sind betroffen und in Teilen auch das Kontraktlogistik-Geschäft (Supply Chain). Gerade, weil DHL Express eine eigene Flugzeugflotte mit rund 220 Maschinen betreibt, gilt sie als „asset-heavy“. Allerdings werden 25 Prozent der Kapazitäten kurzfristig geleast.

Gerade auf der Transpazifikstrecke zwischen den USA und China stand DHL als abgeschlagener Dritter in dem Marktsegment nicht so stark im Risiko wie die Konkurrenten UPS und Fedex. DHL hatte die Volumina auf der Route bereits vorausschauend zurückgefahren. Die abgewickelten Express-Sendungen pro Tag fielen im Jahresvergleich um 20 Prozent. Als größte Sparte konnte Express durch Kosteneinsparungen trotz sinkender Umsätze den Gewinn steigern.

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Die in der vergangenen Woche jäh angekündigte Abschaffung der De-Minimis-Regel für Päckchen aus aller Welt macht DHL Kopfzerbrechen. In den nächsten vier Monaten könnte das für DHL im schlimmsten Fall 200 Millionen Euro weniger Gewinn bedeuten, weil die Handelsvolumina fallen könnten, so Kreis. Das Szenario schätzt sie aber nicht als sehr wahrscheinlich ein, weil die Regierung um US-Präsident Donald Trump die Regeln immer wieder kurzfristig verändert. Am stärksten im Risiko stehe das Express-Geschäft. Schon jetzt ging die Versendung von B2C-Päckchen um 20 Prozent zurück.

Päckchen an Privatpersonen im Wert von weniger als 800 Dollar galten in den USA als zollfrei. Im März schaffte Trump die Regel aber spontan für vier Tage ab. Als ein Chaos von nicht abgefertigten Päckchen entstand, führte er sie wieder ein. Für Lieferungen aus China hatte Trump die Sonderregel bereits im Mai aufgehoben – eine Maßnahme, die das boomende Geschäft der chinesischen Online-Händler Temu, Shein und Alibaba eindämmte. Für Päckchen aus aller Welt wurde ein Ende der Zollfreiheit für 2027 festgelegt. Letzte Woche zog Trump diese Deadline auf Ende August vor. Am Anfang des De-Minimis-Zickzackkurses hatte DHL sich noch als nicht besonders betroffen dargestellt.

Kreative Lösungen bedeuten Mehrgeschäft

In der Speditions- und Frachtsparte erlebte DHL den herbsten Einbruch – zwei kurzfristig angekündigte Abgänge im vergangenen Monat waren bereits ein Anzeichen dafür, dass das Geschäft dort nicht rund läuft. Sowohl der Spartenvorstand Tim Scharwath als auch der Frachtchef Deutschland, Uwe Brinks, verabschiedeten sich in den Ruhestand.

Der Umsatz ging im zweiten Quartal um 5,3 Prozent zurück. Der Gewinn (Ebit) fiel im Vergleich zum Vorjahresquartal sogar um 30 Prozent. Besonders stark rückläufig entwickelte sich der europäische Straßengüterverkehr. Das Frachtgeschäft gilt als das reaktivste Geschäft. Jetzt soll ausgerechnet Oscar de Bok, der bislang das am trägsten reagierende Geschäft der Kontraktlogistik leitet, den Turnaround schaffen: „Oscar hat Forwarding-Geschichte im Blut“, erklärte Kreis mit Hinweis auf dessen Karrierestart beim Spediteur Net Lloyd.

Auch das Kontraktlogistik-Geschäft enttäuschte mit weniger starken Margen als sonst. Das führte Kreis auf eine geringere Warendurchsatz-Geschwindigkeit in den gemanagten Lagern zurück – ein Zeichen, dass die DHL-Kunden ob der Zoll-Ungewissheiten eher abwartend agieren: „Das ist eine zyklische Anpassung auf das, was in der Welt um uns geschieht.“

Zum zweiten Mal in Folge plant DHL, in der Weihnachtssaison eine Zusatzgebühr von seinen Kunden zu verlangen. Die Höhe steht bisher nicht fest, könnte wegen der derzeit stark schwankenden Fracht-Volumina aber geringer ausfallen als im vergangenen Jahr.

Für das dritte Quartal, das grundsätzlich etwas schwächer ausfällt, erwartet Kreis weiterhin starke Volatilität. Die angekündigte Zollquote von 15 Prozent für Exporte von Europa in die USA ließ zwar noch viele Details offen. Zu erwarten ist aber ein Einfluss auf das Volumen auf der transatlantischen Handelsroute in die USA: „Wir werden die Zollabwicklung handhaben, da steckt der Teufel im Detail“, meint Kreis.

Kreis erwartet aber Chancen für mehr Volumen von den USA in Richtung Europa. Fielen die Volumina, würde DHL weiter Kosten senken: „Aktuell könnte man sich mit einem Transportnetzwerk-Geschäft ganz in Planungsspielen versinken.“ Falls die Nachfrage dann schneller als erwartet zurückkäme, ergäbe sich oft ein „Sweet Spot“ mit höheren Margen. Kreis versprach: „Wir werden auch weiterhin Wachstum abliefern.“

„Die Gewinnsaison fürs zweite Quartal schließt eines der volatilsten Quartale im Welthandel ab“, schreibt Bernstein-Logistik-Analyst Alex Irving: „Fest steht, dass die Zollraten im Vergleich zum Jahresanfang steigen – das wird die Nachfrage im zweiten Halbjahr teilweise senken.“ Allerdings gehen weltweit eben nur 13 Prozent aller Importe in die USA. Der Handel unter anderen Staaten könnte sich intensivieren. Logistik-Analyst Irving bleibt für DHL deshalb zuversichtlicher als für andere europäische Logistikanbieter: „DHL kann das Jahresziel, mehr als sechs Milliarden Euro Gewinn zu machen, noch immer erreichen.“ Das schlösse aber eine weitere Eskalation der Zollstreitigkeiten aus.

Herstellende Unternehmen reagieren durchaus kreativ auf die Zölle. Das bedeutet oft ein Mehrgeschäft in der Logistik. Zum Beispiel haben manche Firmen ihre Waren vorausschauend in Freihandelslager in den USA importiert. So zahlen sie erst später Zölle, wenn sie die Waren ausliefern – eine Spekulation auf eine Deeskalation des Zollstreits. Andere verkaufen jetzt ihre Waren von Deutschland aus zunächst an eine US-Tochter. So zahlen sie den Zoll nur auf die Nettopreise und haben oftmals Einsparungen um 20 bis 30 Prozent. Das bedeutet in der Logistik einen Zwischenstopp und eine Einlagerung – womöglich also ein Geschäft fürs Supply-Chain-Management der Logistiker.

Sportartikelhersteller, die in China produzierten, lieferten bei der Zolleinführung gegenüber chinesischen Importen in Trumps erster Amtszeit zunächst mit einem Zwischenstopp in Ländern wie Vietnam oder Kambodscha. Dieses Schlupfloch schließt Trump: „Transshipping“-Artikel aus Vietnam werden jetzt mit 40 Prozent doppelt so hoch verzollt wie dort hergestellte Güter. Insgesamt bringen die Zölle mehr Abwicklungsbürokratie und Beratungsbedarf mit sich – auch das sind Services, die DHL ihren Kunden in Rechnung stellen kann.

Die Hersteller von Smartphones haben etwa blitzschnell auf die zeitweise auf 145 Prozent gestiegenen Zölle für chinesische Produkte reagiert: Laut dem Marktforscher Canalys fiel im zweiten Quartal die Zahl der in China in die USA verschifften Smartphones von 61 Prozent im Vorjahresquartal auf aktuell nur mehr 25 Prozent. Die Zahl der Made-in-India-Handys stieg zugleich um 240 Prozent. Natürlich sind in den Geräten noch immer viele China-Komponenten verbaut, die entsprechend zunächst nach Indien geliefert wurden. Solche Verlagerungen der Welthandelsströme bedeuten für die Logistikbranche mehr Geschäft.

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