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E-FuelsDie E-Fuel-Forderung des Lufthansa-Chefs ist absurd

Carsten Spohr will, dass die Autobauer auf E-Fuels verzichten. Das ist antimarktwirtschaftlich und würde wohl auch die Airline-Passagiere künftig viel Geld kosten. Was Spohr stattdessen endlich tun sollte. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Thomas Stölzel 07.09.2023 - 10:13 Uhr

Lufthansa-Chef Carsten Spohr beim Eröffnungsgespräch zur IAA Mobility 2023 in München.

Foto: imago images

Auf der internationalen Automobilausstellung IAA hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Dienstag die Autobranche aufgefordert, doch bitte auf die knappen E-Fuels zu verzichten – und sie stattdessen den Fluglinien zu überlassen. Die bräuchten sie dringender für einen klimafreundlicheren Luftverkehr.

Doch wenn die Lufthansa E-Fuels braucht, sollte sie sich erst einmal selbst darum kümmern, diese zu entwickeln. Sie sollte Investoren und Partner finden, die helfen, eine eigene Massenproduktion dafür hochziehen.

Stattdessen sind es zurzeit Porsche, die Mutter Volkswagen und der chilenische Partner HIF, die in Patagonien die weltweit erste Anlage für solche synthetischen Treibstoffe gebaut haben. Gegen viel öffentliche Häme. Es sind Porsche und Volkswagen, die nun selbst eine sogenannte Direct-Air-Capture-Technik entwickeln, weil der ursprüngliche US-Partner Global Thermostat eine versprochene Maschine nicht geliefert hat. Die Technik soll CO2 aus der Luft saugen. Das ist notwendig, um die Kohlenwasserstoffverbindung E-Kerosin herzustellen.

Schneller schlau: Was Sie über E-Fuels wissen müssen
Mit E-Fuels sind in der Regel verschiedene kohlenstoffhaltige Kraftstoffe gemeint, die mit Hilfe von grünem Strom aus den Rohstoffen Wasser und CO2 hergestellt werden. Sie ähneln chemisch sehr stark konventionellem Diesel beziehungsweise Benzin, lassen sich daher ohne großen Änderungsaufwand über bestehende Tankstellen vertreiben und in konventionellen Motoren verbrennen. Letzteres erfolgt in der Theorie dann klimaneutral, wenn nur so viel CO2 frei wird, wie zuvor hineingesteckt wurde.
So gut das in den Ohren vieler Autofahrer klingen mag, gibt es doch ein Problem: der hohe Energieaufwand in der Herstellung. Er macht die E-Fuels teuer und mindert den Wirkungsgrad im Vergleich mit der Nutzung der gleichen Energie im E-Auto deutlich.Solange grüner Strom nicht im Überfluss zur Verfügung steht, dürften es die synthetischen Kraftstoffe im Pkw-Bereich also schwer haben. Auch, weil der Privatwagen bei der Verfügbarkeit von E-Fuels in Konkurrenz zu Schiffen, Zügen und Flugzeugen steht.
Besonders günstig wird das Tanken des Designer-Sprits unter momentanen Bedingungen nicht – die Literkosten würden wohl deutlich über den heutigen von Diesel und Benzin liegen.Denkbar ist aber nicht nur der Verkauf von E-Fuel in Reinform, sondern auch eine Beimischung zu Mineralölkraftstoff, um dessen Klimabilanz zu verbessern. Konkrete Planungen dazu gibt es aber bisher noch nicht.(Stand: 26. Juli 2023)
Bislang sind E-Fuels noch an keiner Tankstelle zu bekommen. Die Produktion des klimaneutralen Sprits steckt noch in der Pilotphase. Bis nennenswerte Mengen zur Verfügung stehen, wird es noch dauern.(Stand: 26. Juli 2023)

Unternehmertum statt Nehmertum

Nun ist es nicht so, dass sich die Lufthansa nicht auch an Projekten beteiligen würde, die E-Fuels zum Ziel haben. Doch keines der Projekte ist so weit wie das von Porsche und HIF. Und das Engagement weniger intensiv. Spohr sollte sich nicht auf die Öl- und Gasindustrie oder andere Branchen verlassen, sondern die Dinge endlich selbst in die Hand nehmen. Unternehmertum statt Nehmertum ist hier gefragt. Die Forderung des Lufthansa-Chefs lässt sich daher vor allem antimarktwirtschaftlich deuten. 

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Der Manager verkennt zudem die Macht der Skaleneffekte. Je mehr Direct-Air-Capture-Anlagen auf der Welt produziert werden, desto weniger werden sie kosten. Gleiches gilt für die Elektrolysetechnik, die es braucht, um aus Grünstrom und Wasser jenen Wasserstoff zu produzieren, der im Kerosin steckt. Und natürlich für Windräder und Solarzellen. Bei Solarzellen etwa gilt seit Jahren die Faustregel, dass jede Verdoppelung der Kapazität den Preis um 20 Prozent fallen lässt.

Fallende Preise für das klimaneutrale Kerosin wären auch gut für die Fluggäste, die sich die Tickets auch zukünftig noch leisten können müssen. Fläche, um solche E-Fuel-Produktionen inklusive Wind- und Solarparks aufzubauen, gibt es jedenfalls mehr als genug. In Nordafrika, im Nahen Osten, in den USA, in Australien, in Grönland. Legen Sie los, Herr Spohr.

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