Geschäftsreisen Krisen bringen positive Nebeneffekte

Kriege, Krisen und politische Umwälzungen beeinflussen auch die Geschäftsreisetätigkeit von Unternehmen. Sicherheit wird wichtiger. Dennoch dürften die Kosten 2017 nur moderat steigen.

Flughafen Quelle: PHOTOMORPHIC PTE. LTD. - Fotolia

Im zu Ende gehenden Jahr verlief die wirtschaftliche Entwicklung auf den wichtigsten Märkten Europas und in den USA überwiegend positiv. Doch der Krieg in Syrien, die politische Unsicherheit in vielen Teilen der Welt, die nach wie vor nicht gelöste Euro-Krise, die anhaltende Terrorgefahr, der Brexit und zuletzt die Präsidentschaftswahlen in den USA haben aber für Verunsicherung gesorgt.

2017 wird das kaum anders sein: Die rückläufige Wirtschaftsentwicklung in China, anhaltend niedrige Ölpreise, die anstehenden Wahlen in Frankreich und Deutschland, der Erfolg nationalistischer Parteien mit ihren protektionistischen Forderungen und Auflösungserscheinungen innerhalb der EU bremsen die Weltmärkte, ein weltweiter Konjunktureinbruch ist jederzeit möglich.

So problematisch Rahmenbedingungen auch sind – die Zahl der Geschäftsreisen dürfte dennoch hoch bleiben: Gerade in schwierigen Zeiten müssen Geschäftsbeziehungen sorgfältig gepflegt werden. Auch wenn das zynisch klingt – die vielen Unsicherheiten haben einen wirtschaftlichen Nebeneffekt: Die zu erwartenden Preissteigerungen bei Flugtickets, Hotelzimmern, Bahnfahrkarten oder Mietwagen dürften moderat ausfallen. Das zumindest prognostiziert der Global Business Travel Forecast 2017 der internationalen Reisebürokette American Express.

Unterwegs für den Chef: Was Angestellte über ihre Rechte auf Geschäftsreisen wissen sollten

„Die Travel Manager der Unternehmen sollten sich auf deshalb auf die Themen Einkaufssteuerung, Compliance und Sicherheit und auf die Zufriedenheit der Reisenden konzentrieren“, empfiehlt Rodolfo Elizondo, Vice President und Head of Global Business Consulting bei American Express Global Business Travel (GBT).

Weltweit geht GBT davon aus, dass die Nachfrage nach Flugkapazitäten auf Rekordniveau bleibt. „Da der Ölpreis als Haupttreiber derzeit konstant niedrig ist, dürfen Einkäufer von Flugreisen nächstes Jahr durchaus mit einer positiven Preisentwicklung rechnen“, heißt es im Global Travel Price Outlook 2017 der internationalen Reisebürokette Carlson Wagonlit Travel (CWT). Allerdings nur, wenn sie gleichzeitig die wachsenden Zusatzgebühren im Griff behalten.

Die werden von den Fluggesellschaften für Zusatzleistungen wie etwa Sitzplatzreservierungen für Plätze mit mehr Beinfreiheit erhoben und machten schon 2016 fast acht Prozent aller Airline-Einnahmen aus.

Was Sie schon immer über Geschäftsreisen wissen wollten
Geschäftsreisen Quelle: dpa Picture-Alliance
Buchung Quelle: dpa
Worauf sollte ich bei der Buchung achten?Eine schnelle Reiseverbindung hat für die meisten Geschäftsreisenden oberste Priorität: Für 40 Prozent steht dies immer im Fokus der Buchung. Ebenso sehr wichtig ist den Befragten die Einhaltung der Reiserichtlinien Ihres Unternehmens, Komfort und stressfreies Reisen. Die Nachhaltigkeit der Reiseverbindung spielt dagegen eine verhältnismäßig untergeordnete Rolle. Gerade einmal 26 Prozent legen immer wert auf ein umweltfreundliches Verkehrsmittel. Unter den älteren Geschäftsreisenden spielen persönliche Präferenzen und Wünsche eine größere Rolle. 81 Prozent der über 40-Jährigen geben an, diese bei der Buchung zu berücksichtigen. Zum Vergleich: In der Gruppe der unter 40-Jährigen sind es gerade einmal 72 Prozent. Quelle: dpa
Welche Verkehrsmittel werden am Zielort benutzt?Am Zielort angekommen wird am häufigsten auf Taxis (42 Prozent), Mietwagen (41 Prozent) und Dienst- beziehungsweise Geschäftswagen (39 Prozent) zurückgegriffen. Auch der Öffentliche Nahverkehr wird viel zur Fortbewegung genutzt: 22 Prozent gaben ihn als das am häufigsten genutzte Verkehrsmittel an. Eher selten wird auf Mietfahrräder oder Carsharing-Anbieter zurückgegriffen. Für nur 16 Prozent der Reisenden stellen diese beiden Möglichkeiten häufig genutzte Varianten dar. Während Unternehmensleiter überdurchschnittlich oft bequem in Shuttle- oder Chauffeur-Diensten reisen (61-65 Prozent), sind alternative Verkehrsmittel besonders für Geschäftsreisende interessant, die viel reisen. Quelle: dpa
Werde ich über Risiken im Ausland informiert?In der Regel werden Mitarbeiter bei der Suche nach Informationen zu Risiken im Ausland unterstützt. Das gaben 73 Prozent der befragten Geschäftsreisenden an. Die Auskünfte über das Zielland werden Mitarbeitern hauptsächlich über das Intranet verbreitet, zum Beispiel durch die Einbindung von Links zum Auswärtigen Amt oder Robert-Koch-Institut. Ebenso üblich ist die Verbreitung von Informationen über die Abteilung, die sich um die Buchung der Reisen kümmert. Übliche Vorkehrungen im Risikomanagement sind die Vergabe von zentralen Telefonnummern, die Verfügbarkeit von Ansprechpartnern und die Überwachung von eintretenden Naturereignissen, Epidemien oder politischen Unruhen im Zielland. Quelle: dpa
Passkontrolle Quelle: dpa
Reiseunterbrechung Quelle: dpa

In Anbetracht des wachsenden Preisdrucks werden die Fluglinien versuchen, diese Einnahmen weiter zu steigern. „Einkäufer sollten die ihnen zur Verfügung gestellten Reporting-Daten besonders sorgfältig auf diesbezügliche Einsparpotenziale prüfen, da sich so die für bestimmte Märkte prognostizierten Kostensteigerungen abfedern lassen“, rät CWT seinen Firmenkunden.

Auf vielbeflogenen Kontinentalstrecken sollten die Unternehmen mit vielen Geschäftsreisen außerdem das Sharing von Privatflugzeugen als kostengünstige Option prüfen. „Die Nutzung dieses Angebots wird künftig voraussichtlich signifikant zunehmen.“ Damit könnte Druck auf die etablierten Fluggesellschaften und deren Tarife ausgeübt werden. „Doch auch viele große Liniengesellschaften bieten Privatflüge an, so dass sich Geschäftsreiseeinkäufer auch direkt bei den Airlines attraktive Tarife sichern können“, heißt im CWT-Forecast.

Was bei der Geschäftsreise nervt
Vis-à-vis schlägt digital Quelle: Fotolia
Fremde Kulturen Quelle: REUTERS
Fremde Sprachen Quelle: Fotolia
Jugendherberge in Magdeburg Quelle: dpa
Zeitmange am Reiseziel Quelle: Fotolia
Reisezeiten Quelle: Fotolia
Planänderungen Quelle: Fotolia

Eine ähnliche Entwicklung erwarten die beiden Reisedienstleister in der internationalen Hotellerie, allerdings mit regionalen Unterschieden: In Lateinamerika werden die Zimmerpreise tendenziell eher nachgeben, in der Region Asien und Pazifik ist die Entwicklung je nach Land uneinheitlich. Bei der Bahn, in der Mietwagenbranche und im Taxigewerbe wiederum dürften die neuen Marktteilnehmer wie Airbnb oder Uber mit ihren Sharing-Economy-Angeboten dafür sorgen, dass die traditionellen Anbieter kaum Chancen haben, ihre Preise zu erhöhen.

Die teuersten Städte für Geschäftsreisende
10. Riad (Saudi-Arabien)In der Hauptstadt des Königreichs müssen Geschäftsreisende durchschnittlich mit 495 Dollar am Tag rechnen, vor allem das Essen ist teuer. Erstmals hat der Reiseanbieter BCD Travel die Kosten speziell für Business-Reisende berechnet. Dabei wurden Hotelpreise, sowie Transport- und Essenskosten verglichen. Quelle: REUTERS
9. Oslo (Norwegen)Eine vergleichsweise günstige Stadt, zumindest in Europa, ist die norwegische Hauptstadt Oslo. 497 Dollar kosten Transport, Verpflegung und Übernachtung hier. Quelle: dpa
8. Paris (Frankreich)502 Dollar am Tag geben Geschäftsreisende in der französischen Hauptstadt durchschnittlich aus. Auch für Unternehmen ist Paris besonders teuer: Angesichts sinkender Mieten, der Dollar-Aufwertung und des schwachen Euro ist die Stadt erstmals seit Mitte 2012 unter die 100.000er-Marke pro Mitarbeiter gerutscht. 97.198 Dollar kostete die Miete im Dezember 2014 im Durchschnitt. Quelle: dpa
7. London (Großbritannien)In der britischen Hauptstadt zahlen Business Traveler durchschnittlich 508 Dollar am Tag. Quelle: REUTERS
6. Zürich (Schweiz)Mit 509 Dollar am Tag ist Zürich nicht die teuerste Stadt der Schweiz - zumindest nicht für Geschäftsreisende. Einer Untersuchung des "The Economist-Instituts" zufolge ist sie allerdings mit Abstand die teuerste Stadt der Welt. Das Institut untersuchte 130 Städte, veröffentlichte aber immer nur die zehn teuersten und die zehn günstigsten Städte. Quelle: dpa
5. HongkongEine Geschäftsreise in die Sonderverwaltungszone kostet Reisende 523 Dollar am Tag. Quelle: dpa
4. Stavanger (Norwegen)Idyllisch sieht es im Hafen der viertgrößten Stadt Norwegens auf, in deren Großraum mehr als 200.000 Menschen leben. Sie ist übrigens eine der Städte mit einem hohen Anteil bebauten Stadtareals. Geschäftsreisende müssen tief in die Tasche kaufen: 524 Dollar kosten hier Übernachtung und Verpflegung am Tag. Quelle: gms

CWT sieht darüber hinaus längerfristig das Risiko von Preiserhöhungen durch die fortschreitende Konzentration in der internationalen Hotellerie. Die Übernahme der Holding FRHI Hotels & Resorts mit den Marken Fairmont, Raffles und Swissotels durch Accor und der Merger von Marriott und Starwood Ende 2015 sieht CWT als Schachzug der traditionellen Kettenhotellerie gegen die neuen Sharing-Anbieter wie Airbnb. Das veränderte Kräfteverhältnis sollten Firmenkunden aber im Auge behalten.

„Bei Hotels mit geringerem Buchungsvolumen können Einkäufer auch künftig die Möglichkeiten der dynamischen Preisgestaltung nutzen, vorausgesetzt, es lassen sich Rabatte von 15 bis 20 Prozent auf die beste verfügbare Rate aushandeln“, so die Empfehlung der CWT-Experten.

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