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Lufthansa Riskanter Flug nach Skandinavien

Lufthansa denkt über Kauf von Billigflieger Norwegian nach

Lufthansa-Chef Carsten Spohr zeigt Interesse am angeschlagenen skandinavischen Billigflieger Norwegian. Das könnte seine problemgeschüttelte Tochter Eurowings endgültig überfordern – und ist trotzdem eine gute Idee.

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Die Anzeigetafel voller „Abgesagt“ und „Verspätet“ Zeichen, die Schlange vor dem Umbuchungs-Schalter ist länger als vor dem Check-in und auf Twitter machen sich hunderte Passagiere wütend Luft. Wie heute Morgen auf dem Flughafen Düsseldorf erleben derzeit in ganz Europa Passagiere von Eurowings hautnah, dass die Lufthansa-Billigtochter den Kauf von großen Teilen der Air Berlin noch nicht so recht verdaut hat.

Trotzdem überraschte Konzernchef Carsten Spohr die Branche heute mit der ehrgeizigen Ankündigung, dass er über den Kauf einer weiteren Fluglinie nachdenkt. „Wir stehen mit Norwegian in Kontakt“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. Zur Begründung erklärte nur knapp, „es steht eine weitere Konsolidierungswelle an“ und ergänzte „Übernahmen sind immer eine Frage des strategischen Mehrwertes, des Preises und der wettbewerbsrechtlichen Möglichkeiten“.

Zwar machten führende Manager der Lufthansa bereits länger Andeutungen, dass die Fluglinie den skandinavischen Billigflieger beobachtet. Doch von einem echten Kaufinteresse wollte bis heute aus einem gutem Grund keiner etwas wissen. Denn im Moment würde selbst der Kauf einer gesunden und zuverlässig agierenden Fluglinie die Lufthansa überfordern. Das zeigen die vielen Pannen der vergangenen Tage. Zwar schiebt die Linie ihre Flut an Verspätungen und Absagen zu recht auf Dinge, auf die sie keinen Einfluss hat. Der Streik der französischen Fluglotsen zwingt die Linie zu langen Umwegen, die alle Flugpläne sprengen. Dazu gab es vor allem im Mai mehr Unwetter als üblich, so dass viele Maschinen deutlich länger als geplant auf Starts und Landungen warten mussten.

Doch das Bild ist nicht ganz vollständig. Ähnliche Probleme gab es auch in den vergangenen Jahren. Das größere Durcheinander in diesem Jahr rührt vielmehr daher, dass die ganze Branche in diesem Sommer quasi am Limit fliegt. Nach der Pleite von Air Berlin wechselten rund 100 Maschinen den Besitzer. Die werden nun mühsam in Flugpläne gepresst, die bereits lange vor dem Aus der zweitgrößten deutschen Linie erstellt und an die Kunden verkauft wurden. „Das läuft immer anders als man denkt“, so ein hoher Lufthanseat.

Dazu spricht gegen Norwegian, dass sie derzeit alles andere als eine gesunde und zuverlässige Fluglinie ist. „Wer auch immer Norwegian kauft, muss erstmal viel Umbau und Sanierungsarbeit leisten“, sagt Willie Walsh, Chef der britisch-spanischen IAG, zu der unter anderem British Airways gehört. Es ist zwar eine der typischen Übertreibungen, wenn Ryanair-Chef Michael O’Leary der Gesellschaft ein baldiges Ende prophezeit. Doch außer Alitalia tut sich derzeit wohl keine größere Linie aus Europa schwerer als Norwegian. Die Gesellschaft mit Sitz in einem Vorort von Oslo schrieb im vergangenen Jahr horrende Verluste. Und das zu einer Zeit, als der niedrige Ölpreis fast allen anderen Linien zu Rekordergebnissen verhalf.

Dafür sorgen zwei Dinge, die noch vor zwei Jahren als die große Stärke der Skandinavier galten.

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