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ReiseveranstalterTui ist besser, aber noch nicht gut

Der Strategiewandel in Richtung Digitalisierung und Premiumurlaub beschert Tui einen Gewinnsprung. Doch weitere Verbesserungen dürften Europas größtem Reiseveranstalter schwerfallen.Rüdiger Kiani-Kreß 14.08.2024 - 16:32 Uhr

Auch wenn Tui ihr Gewinnversprechen einlöst, werden die Zahlen zwar besser, aber nicht wirklich gut.

Foto: imago images (10)

Tui-Chef Sebastian Ebel war sichtbar stolz, als er die Bilanz für die ersten neun Monate seines Geschäftsjahrs vorstellte. Braungebrannt und weitgehend entspannt verkündete der 61-Jährige, dass der Reisekonzern den operativen Gewinn erneut steigern konnte, zum achten Mal in Folge, wie er seinen Finanzchef Matthias Kiep bei dessen Vortrag ergänzte. Satte 37 Prozent ging es diesmal nach oben.

Wenn Ende September das zweite Geschäftsjahr mit Ebel auf dem Chefsessel endet, soll das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) immerhin ein Viertel größer sein als im Jahr zuvor. Damit setzt sich Tui deutlich ab von anderen Unternehmen der Ferienbranche, die wie Ryanair oder Lufthansa reihenweise ihre Prognose nach unten berichtigten. Zudem konnte der Konzern teure Coronakredite durch billigere ersetzen.

Viel Mühe, wenig Begeisterung

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Den ersten möglichen Grund zeigt ein genauer Blick in die Bilanz. Denn auch wenn Tui ihr Gewinnversprechen einlöst, werden die Zahlen zwar besser, aber nicht wirklich gut. Selbst mit einem Viertel mehr Ertrag bleiben von den wahrscheinlich knapp 23 Milliarden Euro Umsatz wohl nur rund 700 Millionen Nettogewinn übrig, eine Marge von weniger als drei Prozent. Damit liegt der Marktführer bestenfalls im Mittelfeld der Reisebranche und weit hinter vielen anderen ähnlich großen Unternehmen. Zudem profitierte Tui von einigen Sondereffekten. So gewann Tui nach der Pleite des Münchner Veranstalters FTI in Deutschland viele neue Kunden.

Entscheidend für den Erfolg ist jedoch der von Ebel getriebene Umbau des Geschäftsmodells. Lebte der Konzern vor Corona vor allem von Reisepaketen für fast alle Kundenschichten, so fokussiert sich die Gruppe nun auf drei Felder.

Das Wichtigste ist der Premiummarkt. Statt auf den preisgetriebenen Massenmarkt beschränkt sich die Gruppe inzwischen weitgehend auf Angebote rund um hochwertige Kreuzfahrten sowie Hotels mit vier oder fünf Sternen. Dazu baut sie gehobene Reiseziele wie die Kapverden aus, wo bald der zweite Robinson Club öffnet. „In dem Segment ist die Marge größer und die Nachfrage stabiler“, so Ebel. Und das gelte besonders in unsicheren Zeiten wie derzeit.

Weniger Pakete, mehr Flüge

Viel Neugeschäft brachten die digitalen Angebote. Mit enormem Aufwand und offenbar reichlich Kinderkrankheiten modernisiert der Konzern seine betagte und von Nutzern als kundenunfreundlich beschriebene IT. Damit will Ebel zum einen ein breiteres Angebot: Statt fester Reisepakete aus dem eigenen Bestand zu verkaufen, will die Tui mehr Flüge, Übernachtungen oder Erlebnispakete anderer Anbieter vermitteln. Das ist deutlich rentabler. Denn wo sich der Konzern die Bestandteile eigener Pauschalangebote mit teilweise hohen Garantiezahlungen sichern muss, kassiert er bei Vermittlung ohne großen eigenen Aufwand eine ordentliche Provision von bis zu 15 Prozent vom Umsatz.

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Dazu soll die IT Ebels drittes Expansionsfeld treiben: die Internationalisierung. Bisher lebt der Konzern vor allem von Kunden aus Deutschland oder Großbritannien, die ans Mittelmeer oder in die Karibik gebracht werden. Nun sollen neue Märkte folgen wie Osteuropa oder auch Lateinamerika, die der Konzern mit seinen digitalen Plattformen leichter erreicht als über den traditionellen Weg Reisebüro. Das verspricht hohe Renditen, weil zusätzliche Onlinekunden fast keine Extrakosten verursachen.

Doch der Erfolg ist keineswegs sicher. Zwar bringt das Urlaubserlebnisse genannte Geschäft um Hotels und Kreuzfahrten sowie vermittelte Leistungen Tui mit bis zu gut 40 Prozent operativer Marge bereits eine Traumrendite. Doch der Bereich liefert nur 14 Prozent des Konzernumsatzes. Das Gros bringt das Veranstaltergeschäft, bei dem der Konzern in den ersten neun Monaten 400 Millionen Euro draufzahlte.

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Besser, aber nicht gut

Dazu ist die Expansion nicht ohne Risiken. So beschreiben Nutzer die neue IT als „zwar allmählich besser, aber noch nicht wirklich gut“. Dazu wächst die Konkurrenz in dem „Dynamic Packaging“ genannten spontanen Kombinieren von Reiseteilen zum Tagespreis. Noch legt der Markt zu, doch deutlich schwächer als bisher. Dazu ist Tui hier nur ein Nachzügler neben IT-getriebenen Anbietern wie Booking.com oder den KI-basierten Urlaubsprogrammen von Fluglinien wie Easyjet oder Eurowings. International müsste sich Tui durchsetzen gegen Weltmarken wie Expedia, Hotelkonzerne wie Marriott und Hilton oder auch Trip.com aus China. Den Versuch haben sogar die Internetriesen Google oder Amazon wieder aufgegeben.

Aber im Kerngeschäft droht Gegenwind. Hier ist die Frage, wie lange der aktuelle Premiumboom anhält. In diesem Sommer sind die Premiumsitze der Airlines und die gehobenen Hotels voll, trotz im Vergleich zur Vor-Coronazeit teilweise doppelt so hoher Preise. „Doch hier haben die meisten Urlauber gebucht, bevor sich die Konjunktur eintrübte, bei Kreuzfahrten sogar nicht selten vor anderthalb Jahren“, so ein Manager der Branche. „Und ein Blick auf die Vorausbuchungen zeigt uns: wenn die Kunden nach dem Urlaub Kassensturz gemacht haben, halten sich viele für den kommenden Sommer erstmal zurück.“ Und das trifft vor allem Hotels und Kreuzfahrtanbieter, die wegen der hohen Fixkosten nur Geld verdienen, wenn sie mehr oder weniger voll sind.

Das sehen Analysten offenbar genauso. Zwar rechnen auch sie mit einem Gewinnsprung in diesem Jahr. Aber danach erwarten fast alle weitgehend stagnierende Umsätze und nur kleine Gewinnsteigerungen.

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