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Ryanair Deutsche Piloten streiken am Freitag

Die Tarifverhandlungen zwischen Ryanair und der Pilotenvereinigung Cockpit sind vorerst gescheitert. Quelle: dpa

96 Prozent der deutschen Ryanair-Piloten hatten sich in der Vereinigung Cockpit für einen Streik ausgesprochen. Betroffen sind alle Verbindungen zwischen Freitag- und Samstagmorgen.

Mitten in der Ferienzeit machen die deutschen Ryanair-Piloten mit ihrer Streikdrohung ernst. Sie wollen wie ihre Kollegen in Belgien, Irland und Schweden am Freitag die Arbeit niederlegen, wie die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit am Mittwoch mitteilte. Es seien alle Verbindungen des Billigfliegers betroffen, die zwischen Freitagfrüh um 03:01 Uhr und Samstagfrüh um 02:59 Uhr aus Deutschland abfliegen sollen. Ryanair streicht deshalb europaweit rund 400 von 2400 Flügen, davon 250 in Deutschland, wie Ryanair-Vertriebschef Kenny Jacobs auf einer Pressekonferenz in Frankfurt sagte. Die Piloten in Baden-Baden werden sich nach Angaben von Ryanair als einzige nicht an dem Ausstand beteiligen. Ryanair wollte die europaweit 55.000 betroffenen Passagiere, davon 42.000 in Deutschland, bis Mittwochmittag informieren. Sie können kostenlos umbuchen oder sich ihren Flug erstatten lassen. Der Flugbetrieb solle am Samstag wieder normal aufgenommen werden.

„Der Streik ist unnötig und nicht gerechtfertigt“, kritisierte Jacobs. „Wir haben in den vergangenen Wochen deutliche Fortschritte in den Verhandlungen gemacht“, sagte Ryanair-Manager Peter Bellew. Die Pilotengewerkschaft Cockpit beklagte hingegen fehlende Bewegung in den seit Januar laufenden Tarifgesprächen. Bei Ryanair sei kein konstruktiver Wille auf eine Einigung erkennbar, begründete VC-Präsident Martin Locher in einer Pressekonferenz in Frankfurt den Schritt. Er warf der Fluggesellschaft vor, eine Lösung am Verhandlungstisch zu blockieren und für die Eskalation allein die Verantwortung zu tragen. „Ryanair hat in den Verhandlungen jedwede Personalkosten-Erhöhung kategorisch ausgeschlossen. Gleichzeitig hat Ryanair zu keinem Zeitpunkt erkennen lassen, an welchen Stellen Spielräume zur Lösungsfindung bestehen“, erklärte der Gewerkschafter. Ihm fehle die Fantasie, wie Verbesserungen für das Personal ohne Kostensteigerungen erreicht werden könnten.

Die VC hat nach Angaben ihres Tarifexperten Ingolf Schumacher keine konkrete Geldforderung gestellt. „Wir wollen eine feste Struktur zu zahlreichen Einzelthemen erreichen und darüber mit Ryanair verhandeln.“ Als Maßstab zieht die Gewerkschaft Tarifverträge von deutschen Fluggesellschaften wie der Tuifly heran, ohne auf den dort genannten Gehaltsstufen zu beharren. Vorhaltungen des Managements, man verlange Gehaltserhöhungen von mehr als 60 Prozent, wies Schumacher als falsch zurück. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit schließt weitere Streiks beim Billigflieger Ryanair in Deutschland nicht aus. "Wir werden auch in den kommenden Wochen und Monaten, wenn es sein muss, immer wieder zu Arbeitskämpfen kommen, die können dann auch durchaus mal spontaner erfolgen", sagte Ingolf Schumacher, Vorsitzender Tarifpolitik bei der Gewerkschaft, am Mittwoch in Frankfurt. Es bleibe aber dabei, dass Streiks mindestens 24 Stunden vorher angekündigt würden.

Die Vereinigung Cockpit, bereits kampferprobt in Konflikten mit der Lufthansa, verhandelt seit mehr als einem halben Jahr mit Ryanair. Nach den fehlenden Fortschritten bei den Verhandlungen hatten sich in einer Urabstimmung 96 Prozent der befragten Gewerkschaftsmitglieder für einen Arbeitskampf ausgesprochen. „Die Piloten sind keine Nomaden, die ihre Zelte da aufschlagen, wo Ryanair Geschäft wittert. Es muss Schluss damit sein, dass Ryanair von heute auf morgen quasi seinen Piloten sagen kann, ich versetze dich jetzt auf eine andere Station irgendwo in Europa“, sagte Ingolf Schumacher, Vorsitzender Tarifpolitik bei der Gewerkschaft.

Während die Piloten beklagen, sie würden weniger als bei TUIfly erhalten, erklärte Ryanair, die Piloten würden bereits deutlich besser bezahlt als bei der Lufthansa-Billigtochter Eurowings oder beim norwegischen Billigflieger Norwegian. "Ryanair-Piloten verdienen mindestens 30 Prozent mehr als Eurowings- und 20 Prozent mehr als Norwegian-Piloten", sagte Jacobs. Rechtliche Schritte will Ryanair gegen den Pilotenstreik in Deutschland nicht einlegen. "Wir erkennen an, dass Menschen ein Recht zu streiken haben", sagte Bellew. Ziel sei es, bei den Tarifverhandlungen zu einem Ergebnis zu kommen. "Das wird etwas Zeit dauern", sagte Jacobs. Er hoffe, dass man bis Weihnachten einen Abschluss erziele.

Die Gewerkschaft hatte Ryanair eine letzte Frist bis zum vergangenen Montag gesetzt, ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen. Die Ryanair-Geschäftsführung habe sich in einem Schreiben an die Gewerkschaft aber darauf beschränkt, die aus ihrer Sicht maßgeblichen Verhandlungspositionen zu wiederholen und zusammenzufassen, erklärte die Vereinigung Cockpit.

Ryanair beschäftigt in Deutschland rund 400 Piloten – einige davon als selbstständige Piloten. Die Vereinigung Cockpit hat sich bisher nicht dazu geäußert, wie viele davon bei der Gewerkschaft organisiert sind. Ein erster Warnstreik der deutschen Ryanair-Piloten kurz vor Weihnachten war verpufft, kein Flug fiel aus.
Die Arbeitsniederlegungen führen eine Streikwelle fort, die irischen Piloten haben bereits vier Mal die Arbeit niedergelegt, ein Schlichter soll nun eine Lösung in dem verhärteten Konflikt finden. Ryanair hatte wegen vorangegangener Streiktage der Piloten angekündigt, insgesamt 300 Arbeitsplätze in Dublin abzubauen. Die Airline hatte zudem erklärt, der Konzern habe durch die streikbedingten Flugausfälle weniger Buchungen und müsse deshalb die Flugzeugflotte für den Winterflugplan in Dublin um ein Fünftel reduzieren.

Auch mit dem Kabinenpersonal liegt Ryanair im Clinch. Vor rund zwei Wochen musste das Unternehmen wegen eines Streiks der Flugbegleiter in Spanien, Portugal, Italien und Belgien mehrere Hundert Flüge streichen.

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