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Streik des Bodenpersonals Wie es auf der Tourismusmesse ITB plötzlich ganz ruhig wird

An den Flughäfen Tegel und Schönefeld streikt das Bodenpersonal. Hundert Flüge fallen aus. Parallel findet in Berlin die Tourismusmesse ITB statt und die erlebt wegen des Streiks den wohl ruhigsten Tag ihrer Geschichte.

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Eine Angestellte spricht mit ihrer Vorgesetzten Quelle: Fotolia.com
Die Leuchtreklame eines Hotels Quelle: Fotolia.com
Ein Haus mit Blick aufs Meer Quelle: Fotolia.com
Ein Mann sitzt mit seinem Laptop am Strand Quelle: Fotolia.com
Ein Kalender liegt auf einem Schreibtisch Quelle: Fotolia.com
Ein Frau sitz am Strand und entspannt Quelle: Fotolia.com
Ein Koffer ist auf das Dach eines Autos geschnallt Quelle: Fotolia.com

Ein Streik des Bodenpersonals an den Berliner Flughäfen hat der Internationalen Tourismus-Börse ITB eine ruhige Zeit beschert. Bereits gestern prägte der Streik den für die meisten Manager der Reiseveranstalter, Airlines oder Hotelkonzerne angenehmsten Teil des Messealltags: Die zahllosen Feten zu denen die Konzerne einladen, waren ungewöhnlich leer. Ob die Fete der Stadt New York im Inhotel "Das Stue" oder die Sause des Flughafenkonzerns Fraport in einer Disco am Alexanderplatz: Überall war es deutlich leerer als sonst. Denn jeder, der konnte und das Reisebudget für kurzfristige Umbuchungen hatte, verließ bereits gestern Nachmittag die Hauptstadt. Manche - wie Fraportchef Stefan Schulte - sogar mit mehr Zeitpuffer als üblich, um dem Abreisetrubel am Flughafen Tegel zu entkommen, der schon an normalen Tagen aus den Nähten platzt.

Der Streik, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hatte, begann am Freitagmorgen um 4.00 Uhr und soll bis Samstag früh 5.00 Uhr dauern. Allein in Tegel wurden 466 Verbindungen gestrichen. In Schönefeld sollten es laut Flughafengesellschaft mindestens 204 Flüge sein.

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann hatte bereits am Tag zuvor kritisiert: „Wir halten es für unverantwortlich, den Streik zum Abschluss der ITB durchzuführen, wenn Besucher aus aller Welt von Berlin aus zurückreisen“. Hintergrund des Ausstands ist der andauernde Tarifstreit zwischen der Gewerkschaft Verdi und dem Forum der Bodenverkehrsdienstleister, in dem die an den Flughäfen tätigen Unternehmen organisiert sind.

Fakten zur ITB und Reisen

Die ITB mit mehr als 10.000 Ausstellern aus 184 Urlaubsregionen öffnete bereits am Mittwoch für Fachbesucher und ist am Wochenende für Privatbesucher zugänglich. Der Konflikt mit der Türkei und die Debatte um Wahlkampfauftritte türkischer Minister in Deutschland hatte den ersten Tag der Messe überschattet. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu war auf der ITB zu Besuch, um um deutsche Urlauber zu werben.

Heute folgte nun der wohl ruhigste Tag, den die weltgrößte Reisemesse in ihrer jahrzehntelangen Geschichte je erlebt hat. Wo normalerweise am letzten der drei für Fachbesucher aus der Urlaubsbranche reservierten Tage emsig Termine machen, sind die Gänge auf dem Gelände am Berliner Funkturm fast frei. Und die vielen aus allen Teilen der Welt von Bolivien, Botswana oder den Fiji-Inseln angereisten Tänzer oder Kunsthandwerk stehen ein wenig gelangweilt an den aufwändig designten Ständen.

Selbst an den mit großem Aufwand designten dreistöckigen Protzbau der Golf-Airlines wie Emirates herrscht wenig Andrang. In der gestern noch von einer langen Warteschlange umlagerten Business-Class-Suite von Qatar Airways kann sich heute jeder sofort ausstrecken. Den meisten Mitarbeitern an den Ständen ist die Ruhe aber ganz recht. Denn wenn die Messe am Samstag und Sonntag für alle öffnet, kommt der übliche Trubel zurück und die 26 Hallen füllen endlose Massen und Musik aus allen Teilen der Welt.

Dass Verdi bei Streikaktionen die Folgen für unbeteiligte Dritte wenig im Blick hat (oder bewusst ignoriert), müssen bisweilen sogar befreundete Organisationen erfahren. Im Oktober 2011 bestreikte Verdi den kommunalen Nahverkehr in Karlsruhe, während die IG Metall in der Stadt ihren Gewerkschaftstag abhielt. Die rund 500 Delegierten mussten daraufhin mit Taxen und auf die Schnelle angemieteten Privatbussen ins Kongresszentrum gekarrt werden. Die damalige IG-Metall-Spitze war stinksauer - die  von den Verdikollegen verursachten Kosten für die Gewerkschaft lagen dem Vernehmen nach im hohen fünfstelligen Bereich.

(Mit Material von dpa)

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