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Teva und Ratiopharm Wie der Pharma-Gigant sich selbst heruntergewirtschaftet hat

Teva und Ratiopharm Quelle: imago images

Der Pharmakonzern Teva will weltweit 14.000 Stellen abbauen. Bei der Tochter Ratiopharm in Deutschland herrscht Verunsicherung. Die Geschichte eines Unternehmens, das den großen Sprung wagte – und abrutschte.

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Die Mitarbeiter von Ratiopharm verbrachten die Feiertage mit Ratlosigkeit. Sie wissen nicht, wie es für sie im nächsten Jahr weiter geht. Sie wissen nicht, ob sie ihre Jobs behalten werden. Oder welche Zukunft ihr Arbeitgeber überhaupt noch hat.

Die Konzernmutter Teva, einer der weltgrößten Pharmakonzerne, steckt in der schwersten Krise seiner Geschichte. Das Unternehmen sitzt auf einem Berg von Schulden und schreibt Verluste. Die Rahmenbedingungen für die Geschäfte verschlechtern sich nur noch. Und so will der Konzern 14.000 Stellen abbauen, beinahe jeder vierte Beschäftigte soll gehen.

Die Nachricht löste in Israel einen nationalen Skandal aus: Teva ist der größte Arbeitgeber des kleinen Landes. Hunderttausende Menschen gingen auf die Straßen, der Flughafen stand über Stunden still. Premierminister Benjamin Netanjahu machte die Angelegenheit zur Chefsache, er bestellte den Vorstandsvorsitzenden von Teva zum persönlichen Gespräch ein. Er will eine Rechtfertigung dafür, warum Teva 1700 Mitarbeiter in Israel entlassen will.

Doch während die israelischen Mitarbeiter wissen, was auf sie zukommt, fehlen den Beschäftigten der Teva-Tochter Ratiopharm in Deutschland solche Informationen. „Im Verlauf des Januars werden Pläne darüber vorliegen wie die Umsetzung der Restrukturierung in Deutschland erfolgen wird“, erklärt ein Sprecher des Unternehmens. „Dementsprechend sind Zahlen über den Abbau von Arbeitsplätzen in Deutschland noch nicht bekannt.“

Die Krise bei Teva ist symptomatisch für die Branche. Generika – so nennt man Medikamente, auf die es keinen Patentschutz mehr gibt und die kopiert werden dürfen – sind essentiell für unsere Gesundheitssysteme. Sie kosten nur ein Bruchteil der Medikamente unter Patentschutz. Fast 80 Prozent der in Deutschland verschriebenen Medikamente sind Generika, berichtet der Herstellerverband Pro Generika. Das senkt die Kosten im System enorm.

Doch viele der Generika-Hersteller befinden sich wie Teva in einer wirtschaftlich schwierigen Lage. Sie stehen unter enormem Wettbewerbsdruck, sie haben sich überteuerte Zukäufe und Fusionen geleistet und sie müssen mit neuen politischen Rahmenbedingungen zurecht kommen.

Was Teva von allen anderen Herstellern noch unterscheidet, ist der eigene Ehrgeiz. Der kleine Pharmahersteller wollte sich innerhalb von wenigen Jahren zum Weltkonzern aufschwingen. Damit das gelingen konnte, kaufte Teva, ohne auf die Preisschilder zu achten. Das rächt sich nun.

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