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Um pünktlicher zu werden Deutsche Bahn spielt Fahrgäste gegeneinander aus

Zu viele ICE sind unpünktlich - dagegen will die deutsche Bahn mit radikalen Maßnahmen vorgehen Quelle: dpa

Mit einer radikalen Maßnahme gegen Zugverspätungen hat Infrastrukturvorstand Pofalla der Unpünktlichkeit auf der Schiene den Kampf angesagt. Doch das Projekt spielt Fahrgäste gegeneinander aus. Kann das gutgehen?

Die am stärksten überlastete Strecke Deutschlands auf der Schiene befindet sich zwischen Köln und Dortmund. Mitarbeiter der Deutschen Bahn nennen sie liebevoll „NRW-Banane“, wegen der lang gezogenen Kurvenform. Auf dem rund 100 Kilometer langen Korridor im Herzen Nordrhein-Westfalens fahren 40 Prozent mehr Züge als für einen stabilen Bahnbetrieb vorgesehen sind. Kein Korridor bundesweit ist enger getaktet. Alle Puffer sind aufgebraucht. Jeder verspätete Zug hat gravierende Folgen für Folgezüge.

Die Deutsche Bahn will das ändern. Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla hat den Korridor vor einigen Wochen zum Testfeld für eines der wichtigsten Projekte der Deutschen Bahn auserkoren. Mit neuer Philosophie bei der Zugsteuerung will er die Züge vor allem im Fernverkehr wieder pünktlicher machen. Die simple Idee: Ein verspäteter ICE dreht früher um, damit er auf dem Rückweg wieder in den Fahrplan kommt. Hat das Projekt Erfolg, wird es bundesweit bei weiteren Engpässen zum Einsatz kommen. Und Pofalla hätte seinen ersten Test als Chef der wichtigen Netzsparte bestanden.

Doch für viele Bahnreisende – und das ist die Krux an dem Projekt – ist die Pofalla-Wende mit Nachteilen verbunden. Ihre Halte entfallen, sie kommen verspätet an und müssen außerdem vorher in einen Nahverkehrszug umsteigen. Pünktliche Züge produzieren daher Opfer unter ICE-Reisenden. Kann das gutgehen?

Die Deutsche Bahn steht derzeit massiv unter Druck. Auf einer Strategiesitzung will der Vorstand dem Aufsichtsrat die Maßnahmen erklären, wie der Zugverkehr in Deutschland wieder verlässlicher werden soll. Bahnchef Richard Lutz hofft auf doppelt so viele Milliarden vom Bund für den Ausbau des Schienennetzes. Allein für Sanierung und Erhalt der Gleise und Weichen (ohne Neubau) fordert die Bahn inzwischen sieben Milliarden Euro pro Jahr. Aufsichtsräte und Politik wollen nun sehen, ob die Bahn ihre eigenen Herausforderungen in den Griff bekommt. Die ARD hat gerade aus einer internen Aufsichtsratsunterlage zitiert, dass derzeit etwa nur 20 Prozent der ICE „vollständig funktionsfähig“ seien.

Laut Deutscher Bahn gilt das Pofalla-Projekt, das seit einigen Monaten läuft, inzwischen als Erfolg. Man habe zunächst im Rahmen eines Sanierungsprojekts „stark frequentierte Streckenabschnitte identifiziert, auf denen es häufig zu Verspätungen kommt“, heißt es bei der Bahn. Dort habe ein verspäteter Zug oft „erhebliche Auswirkungen auf weitere Verkehre und das gesamte System“ . Es folgten „zahlreiche Verspätungen und nicht erreichte Anschlüsse für unsere Fahrgäste“. Ein Dominoeffekt. Kunden kennen das als „Verzögerungen im Betriebsablauf“.

Das Projekt findet zur Zeit Anwendung auf den Strecken Köln-Dortmund und Fulda-Mannheim. Der Pofalla-Turn werde noch in diesem Jahr auf der NRW-Banane „in den Echtbetrieb gehen“, heißt es. Auf der Strecke von Fulda nach Mannheim soll der Test im April 2019 in den Live-Betrieb umgestellt werden. Die Bahn verspricht sich dadurch kurzfristige Verbesserungen. Weitere Korridore werden „in Erwägung gezogen“. Langfristig sollen die überlasteten Korridore ausgebaut werden.

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