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BrandIndex
Aldi, Lidl, Rewe, Edeka: Die Hälfte der Deutschen zahlt gerne mehr für Bio Quelle: imago images

Auch Bio-Fans kaufen gern bei Aldi und Lidl – aber lieber bei Edeka

Dass die Deutschen bei Lebensmitteln stark auf die Preise achten, ist nur die halbe Wahrheit. Für umweltfreundliche Produkte oder Bio-Qualität zahlen viele gerne mehr – bei manchen Einzelhandelsketten eher als bei anderen.

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Das ist ziemlich schnell eskaliert. „Essen hat einen Preis verdient: den niedrigsten“, plakatierte Edeka im Landkreis Oldenburg und wenig später blockierten Bauern mit Traktoren ein Zentrallager der Kette und Landwirtschaftsministerin und Bauernverband meldeten sich zu Wort. Dabei sei alles nur ein Missverständnis, beteuert Edeka. Mit „Essen“ seien nicht Lebensmittel gemeint, sondern die Gemeinde Essen, wo die Plakate hingen. Doch der Werbespruch passte zu gut in das Narrativ der mangelnden Wertschätzung für Lebensmittel und ihre Erzeuger, die Bauern – durch Verbraucher einerseits und große Handelsketten andererseits. Vertreter von Aldi, Lidl, Rewe und Edeka wurden für heute ins Kanzleramt geladen und werden dort wohl zu ihrer Preispolitik Stellung nehmen müssen.

Wie Verbraucher über den Lebensmitteleinkauf denken, zeigen YouGov-Analysen: Dass die Deutschen stark auf die Preise achten, ist nur die halbe Wahrheit. 63 Prozent der Erwachsenen sagen zwar, dass sie beim Einkauf nach dem niedrigsten Preis Ausschau halten, jede/r Zweite sagt aber auch, dass er oder sie gerne bereit ist für Bio-Qualität mehr Geld auszugeben. Für Produkte ohne künstliche Zusatzstoffe zahlen sogar 60 Prozent gerne etwas mehr. Eine gleich große Gruppe nimmt für umweltfreundliche Produkte einen Aufpreis in Kauf. Für den größten Teil der Verbraucher spielen also Qualitätskriterien durchaus eine entscheidende Rolle beim Einkauf.

Edeka-Kunden achten auf Nachhaltigkeit

Unter Edeka-Kunden sind diese Tendenzen noch deutlich ausgeprägter. Dass die Marke in ihrer Kommunikation die Liebe zu Lebensmitteln und somit die Qualität in den Vordergrund stellt, scheint sich entsprechend auszuwirken. Wer bei Edeka einkauft, gibt viel häufiger als der Bevölkerungsdurchschnitt an, auf nachhaltigen Anbau, nachhaltige Produktion oder nachhaltige Fischerei zu achten.

Dem Vorwurf des Preisdumpings und des Missbrauchs ihrer Marktmacht sehen sich vor allem Discounter ausgesetzt. Allen voran Lidl und Aldi als Supermarktketten mit den meisten Kunden in Deutschland. 46 Prozent der Deutschen kaufen bei Lidl ein, 28 Prozent bei Aldi Süd und 23 Prozent bei Aldi Nord. Überraschend: Das Zielgruppen-Segmentierungs-Tool YouGov Profiles zeigt, dass das Verhalten der Discounter die Verbraucher nicht zu stören scheint. Wer für umweltfreundliche Produkte, Produkte in Bio-Qualität oder ohne künstliche Zusatzstoffe bereit ist mehr zu zahlen, gehört genauso häufig zur Discounter-Kundschaft wie alle anderen. Allerdings kauft diese Gruppe deutlich häufiger als andere Deutsche auch bei Alnatura oder Denn's Biomarkt ein.

Discounter mit Einbußen beim Preis-Leistungs-Verhältnis

Insgesamt sind die Deutschen mit den vier großen Ketten Aldi, Lidl, Rewe und Edeka zufrieden. Im YouGov-Markenmonitor BrandIndex kommen sie auf ähnliche Zufriedenheitswerte. Große Unterschiede gibt es hingegen beim Preis-Leistungs-Verhältnis, wo Aldi und Lidl mit großem Abstand führen, und bei der Qualitätswahrnehmung, wo Edeka und Rewe vorne liegen. Tendenziell verschiebt sich das Bild zugunsten der Nicht-Discounter. Im Laufe der vergangenen zwölf Monate hat Aldi leicht bei der Bewertung des Preis-Leistungs-Verhältnisses verloren, während für Rewe eine leichte Besserung verzeichnet wurde.

Besonders oft bewerten wiederum jene das Preis-Leistungs-Verhältnis von Rewe und Edeka als positiv, denen Umweltschutz, Bio-Produkte oder Verzicht auf Zusatzstoffe etwas wert ist. Der Lebensmittel-Einzelhandel ist also gut beraten, die Themen Nachhaltigkeit und Qualität, wie von Bauern und Politik gefordert, ernst zu nehmen. Eine große Zielgruppe dafür gibt es.

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