Dieter Schwarz wird 80: Der unsichtbare Lidl-Gründer
Symbolbild statt Portraitfoto. Das hat einen Grund: Vom Lidl-Gründer Dieter Schwarz sind, auch in Zeiten von Social Media, keine öffentlich zugänglichen Fotos vorhanden.
Foto: imago images„Bei mir im Blatt gibt es keine Fotos von Herrn Schwarz“, sagt Uwe Ralf Heer, Chefredakteur der „Heilbronner Stimme“, die ansonsten durchaus in der Lage ist, kritisch über die Vorgänge im Imperium von Schwarz zu schreiben. Dieter Schwarz, der am 24. September seinen 80. Geburtstag feiert, fotografiert man nicht. Es ist der Respekt vor dem größten Mäzen der Stadt, der selbst die Lokalmedien zur Zurückhaltung bewegt.
Das aktuellste bekannte Bild von Dieter Schwarz ist ein Schnappschuss. Ein Reporter der „Süddeutschen Zeitung“ hatte den Lidl-Gründer bei der Eröffnung der von ihm gestifteten Außenstelle der TU München dieses Jahr mit dem Handy abgelichtet. Auf dem Foto ist halb verdeckt ein unscheinbarer, älterer Herr im Dreiteiler mit pinkfarbener Krawatte zu sehen. Erkennen dürften ihn danach auf offener Straße dennoch nicht viele.
In Frankfurt-Niederrad hat Lidl die erste Metropolfiliale Deutschlands eröffnet. Der neuartige Filialtyp, den Lidl etwas bereits in Spanien einsetzt, soll vornehmlich in Großstädten mit wenig Platz gebaut werden.
Foto: WirtschaftsWocheDie Besonderheit: Die Verkaufsfläche ist über der ebenerdigen Parkfläche platziert. Damit braucht die Metropol-Variante weniger Platz als konventionelle, freistehende Discounter-Filialen. Es ist einer von mehreren Versuchen des Discounters, sich in immer engeren, reglementierteren Innenstädten zu behaupten. Zuletzt hatten sowohl Lidl als auch Aldi von sich Reden gemacht, weil sie in Großstädten vermehrt auch Wohnungen vermieten.
Foto: WirtschaftsWocheVom Parkplatz aus gelangen die Kunden über Rolltreppen in den ersten Stock.
Foto: WirtschaftsWocheLidl hatte kürzlich noch mit Problemen zu kämpfen – im ersten Halbjahr 2019 erreichten Lidls Lebensmittelumsätze lediglich ein Plus von 0,5 Prozent, schlechter ging es nur Aldi Süd mit minus 0,2 Prozent.
Foto: WirtschaftsWocheHat mal einmal die neue Metropolfiliale betreten, so unterscheidet sie sich nicht mehr so stark von einer normalen Lidl-Filiale.
Foto: WirtschaftsWocheDie Gänge sind etwas breiter, das Licht etwas heller – und vor allem ist die Verkaufsfläche mit 1800 Quadratmetern deutlich größer als sonst.
Foto: WirtschaftsWocheGanz dem urbanen Zeitgeist folgend verkauft der neue Metropol-Lidl nicht nur viel bio, er setzt auch auf ökologische Gebäudetrends. So wird etwa die Abwärme der Kühlanlage zur Klimatisierung des Gebäudes eingesetzt.
Foto: WirtschaftsWocheWährend des Einkaufs können Kunden auf dem Filialparkplatz ihr Elektrofahrzeug an einer Schnelladesäule aufladen. Das Auto bleibt also selbst beim neuen urbanen, betont ökologischen Einkauf Teil der Grundidee.
Foto: WirtschaftsWocheDas ist gewollt. Schwarz hält sich seit Jahrzehnten im Hintergrund und schafft es, in seiner Heimatstadt nach wie vor unerkannt einkaufen zu gehen. Der Lidl-Gründer ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er lebt zwar mitten in der Stadt, aber völlig zurückgezogen. Entführungsfälle wie die des Aldi-Gründers Theo Albrechts im Jahr 1971 oder der Kinder des Drogeriemarktgründers Schlecker 1987 hätten ihn so vorsichtig gemacht, heißt es.
Nur vor fünf Jahren wagte er sich der scheue Lidl-Gründer aus der Deckung – zumindest verbal – und unterstützte den SPD-Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl in seiner Heimatstadt Heilbronn. „Ich wähle Harry Mergel, weil er nach langjähriger Zusammenarbeit mit Oberbürgermeister Himmelsbach beste Erfahrungen für diese Arbeit mitbringt“, hatte Schwarz sein Engagement begründet – und verschwand wieder in der Versenkung.
Dabei ist der Milliardär der größte Gönner der Stadt. In Heilbronn ließ er unter anderem eine alte Ölmühle zu einer Ausstellung für Naturwissenschaft und Technik namens „Experimenta“ umbauen. Die von ihm ins Leben gerufene Dieter Schwarz Stiftung fördert Bildung, Erziehung, Wissenschaft und Forschung. Zuletzt hat seine Stiftung Heilbronn eine Außenstelle der TU München mit 20 Professuren ermöglicht.
Schwarz wurde in Heilbronn als Sohn des Kaufmanns Josef Schwarz geboren. Nach seinem Abitur macht er eine Ausbildung im väterlichen Betrieb. 1962 erhielt er Prokura und wurde ein Jahr später persönlich haftender Gesellschafter der Lidl & Schwarz KG, einem Handels- und Fruchthof.
Weil der Name „Schwarz-Markt“ keine Option war, taufte er das Geschäft auf den Namen des früheren Partners „Lidl“. 1968 schaffte Schwarz mit der Kette „Handelshof“ den Einstieg in den Einzelhandel. Die berühmten Discounter folgten in den 1970er Jahren. Nach dem Tod des Vaters übernahm Dieter Schwarz 1977 die Unternehmensführung – und machte Lidl zu einem der großen Discounter.
Schon 1999 zog er sich aus der operativen Konzernleitung zurück und übertrug die Verantwortung einem Management. In den strategischen Führungsfragen mischte er aber auch danach noch mit.
Heute ist die Schwarz-Gruppe, zu der neben Lidl auch die Warenhaus-Kette Kaufland gehört, ein Handelsgigant, der sich mit Größen wie Wal-Mart messen kann. Im vergangenen Geschäftsjahr knackte die Schwarz-Gruppe die Marke von 100 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigt nun weltweit 429.000 Mitarbeiter.
Der Erfolg hat Schwarz nicht nur zu einem der reichsten Männer Deutschlands sondern weltweit gemacht. Das US-Magazin Forbes führt ihn mit einem Vermögen von rund 17 Milliarden Euro (19 Milliarden US-Dollar) auf Platz 36 der weltweiten Liste der Milliardäre.
Eine große Feier dürfte sich der bescheidene Lidl-Gründer zu seinem Geburtstag dennoch nicht gönnen. Von seiner Stiftung heißt es, zu seinem Geburtstag gebe es keinen offiziellen Empfang und keine öffentliche Feier. Bilder von Dieter Schwarz dürfte es wohl auch zu diesem Anlass nicht geben.