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KaufhäuserKaDeWe-Gruppe meldet Insolvenz an

Im Dezember trat die Signa den Gang vor das Insolvenzgericht an. Nun macht die KaDeWe Group GmbH es ihr nach. Davon betroffen sind die Kaufhäuser in Berlin, Hamburg und München. 29.01.2024 - 15:38 Uhr
Foto: imago images

Die KaDeWe-Gruppe mit den Luxus-Kaufhäusern KaDeWe (Berlin), Oberpollinger (München) und Alsterhaus (Hamburg) hat Insolvenz angemeldet. Der Betrieb der Häuser gehe aber weiter, teilte das Unternehmen am Montag der Deutschen Presse-Agentur mit. Beantragt wurde demnach ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Das Handelsunternehmen betonte, dass vor allem die Mieten an den drei Standorten das Geschäft belasten. Sie machten „ein nachhaltiges, ertragreiches Wirtschaften nahezu unmöglich“, hieß es.

Die Insolvenz des Handelsunternehmens The KaDeWe Group GmbH folgt wenige Wochen, nachdem das Signa-Firmengeflecht des österreichischen Investors René Benko in Schieflage geriet. Signa ist an der KaDeWe-Gruppe beteiligt.

Eine Insolvenz in Eigenverwaltung anstatt mit Hilfe eines Insolvenzverwalters beantragen in der Regel Unternehmen, die gute Aussichten haben, den Geschäftsbetrieb fortzuführen. Es ist eine Variante des Insolvenzrechts, die statt auf eine Abwicklung auf die Sanierung eines Unternehmens zielt.

The KaDeWe Group

Glamour, Luxus, Insolvenz

von Henryk Hielscher und Melanie Bergermann

50,1 Prozent der KaDeWe Group gehören der Central Group der thailändischen Familie Chirathivat und zu 49,9 Prozent der Signa Retail, zu der auch Galeria Karstadt Kaufhof gehört. Die Signa Retail hatte Ende November angekündigt, ihr Geschäft geordnet abzuwickeln. Galeria Karstadt Kaufhof beantragte vor drei Wochen ein Insolvenzverfahren.

Indexmieten der Kaufhäuser „unverhältnismäßig hoch“

KaDeWe-Geschäftsführer Michael Peterseim hatte sich noch Ende November zuversichtlich gezeigt, dass die Gruppe nicht in den Sog der Signa-Krise geraten würde. „Operativ machen wir einen herausragenden Job. Alle Häuser verzeichnen auch in volkswirtschaftlich schwierigen Zeiten steigende Umsätze“, sagte Peterseim nun laut Mitteilung. „Die Indexmieten jedoch sind unverhältnismäßig hoch, sie sind nicht marktüblich - und sollen weiter ansteigen.“ Zahlreiche Gespräche mit dem Vermieter hätten daran nichts geändert.

Die KaDeWe-Gruppe ist die Betreiberin der traditionsreichen Kaufhäuser in Berlin, Hamburg und München. René Benko ist über Signa ihr Vermieter.

Der Kaufmann Adolf Jandorf hat das Kaufhaus des Westens im März 1907 eröffnet. Die Tauentzienstraße in Berlin war damals noch eine ruhige Gegend. 1926 übernahm Hermann Tietz (Gründervater von Hertie) das KaDeWe. Im Zweiten Weltkrieg, genauer gesagt im Jahr 1943, brannte das KaDeWe fast komplett aus. Ein amerikanisches Kampfflugzeug war ins Dach gestürzt. Sieben Jahre später eröffnete das Kaufhaus erneut.

Das Bild wurde geschätzt im Jahr 1939 aufgenommen.

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Das berühmte Berliner Kaufhaus erlebt mehrere Besitzerwechsel, insgesamt sieben Mal wechselten die Eigentümer. Ab 1994 gehörte es zur Karstadt Warenhaus AG, die zuvor Hertie übernommen hatte. Ab 1999 hieß der Warenhauskonzern KarstadtQuelle AG, 2007 dann Arcandor. Der damalige Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen verkaufte die Sparten, zu denen das KaDeWe sowie die Kaufhäuser Alsterhaus und Oberpollinger gehörten, schließlich 2013 an den österreichischen Investor René Benko. Das Bild entstand im Jahr 1994.

Bis zur Übernahme von Karstadt war Hertie eine der führenden Warenhausketten Deutschlands. Die Geschichte können Sie hier nachlesen: Was wurde aus Hertie?

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Nun geht das berühmtestes Kaufhaus Deutschlands Informationen unserer Redaktion zufolge in ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung.

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Auch das Münchener Traditionskaufhaus Oberpollinger gehört zur KaDeWe Group und damit zu Benkos Imperium. Es teilt eine ähnlich lange Historie wie das KaDeWe, wurde im März 1905 von der hanseatischen Kaufmannsfamilie M. J. Emden Söhne gegründet – und 1927 durch den Karstadt-Konzern übernommen. Und: Auch das Oberpollinger wurde durch einen Großbrand zerstört, ausgelöst durch einen Luftangriff im Jahr 1945.

Die Aufnahme wird auf das Jahr 1935 geschätzt.

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1954 wurde das Warenhaus Oberpollinger nach einer jahrelangen Sanierung wiedereröffnet. Das Kaufhaus in der Neuhauser Straße 18 in München gilt als gehobene Adresse für betuchte Münchener.

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René Benko stattete dem Oberpollinger im Mai 2022 bei der Eröffnung neuer „Fashion Floors“ einen Besuch ab.

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Am 1. März 1897 öffnet in Hamburg das „Waarenhaus Hermann Tietz“ als erstes modernes Kaufhaus der Stadt, 15 Jahre nach der Eröffnung (1912) zieht das Kaufhaus um, an den Jungfernstieg. Seit 1936 heißt es Alsterhaus.

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Auch das Alsterhaus ist ein Ort für Besserverdienende. Nach dem Boom während der Wirtschaftswunderjahre und immer mehr Filialeröffnungen geht der Umsatz des Hertie-Konzerns ab Mitte der 1980er-Jahre deutlich zurück. 1994 übernahm Konkurrent Karstadt Hertie und damit das Alsterhaus. 2014 folgte schließlich die Übernahme der Mehrheitsverhältnisse der Karstadt Premium GmbH durch die Signa Holding GmbH rund um René Benko. Im Juni 2015 erfolgt ein erneuter Wechsel: Die italienische Warenhausgruppe La Rinascente übernimmt von Benko mit 50,1 Prozent die Mehrheit an dem Traditionskaufhaus.

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Der Mitteilung von Montag zufolge hat die KaDeWe-Gruppe im Geschäftsjahr 2022/2023 einen Umsatz von knapp 728 Millionen Euro erwirtschaftet - ein Plus von fast 24 Prozent im Vergleich zum Vor-Corona-Geschäftsjahr 2018/2019. Die Gruppe beschäftigt eigenen Angaben zufolge etwa 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im KaDeWe in Berlin. Hinzu kommen etwa 200 Beschäftigte im Alsterhaus, etwa 300 Beschäftigte im Oberpollinger und weitere rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Berliner Unternehmenszentrale.

Berater: Luxus funktioniert weiter

Der Chef der Handelsberatung BBE, Johannes Berentzen, schätzt die Mietbelastung der KaDeWe-Gruppe je nach Standort auf 13 bis 20 Prozent des Umsatzes. „Für den Mehrheitseigner Central könnte sich eine Insolvenz lohnen, um aus den teuren Mietverträgen auszusteigen.“ Berentzen betonte: „Ich bin mir sicher, dass es in allen drei Häusern weitergeht.“ Luxus funktioniere trotz der Wirtschaftslage gut.

Zum verkaufsoffenen Sonntag am 28. Januar in Berlin blieben die Türen des KaDeWe jedoch anders als zunächst geplant geschlossen. Gründe erfuhren die Kunden an den Türen nicht.

Bei der Insolvenz in Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsleitung im Amt, ihr wird allerdings ein sogenannter Sachwalter von außen zur Seite gestellt. Die alte Geschäftsführung behält damit große Teile der Verfügungsgewalt über das Unternehmen. Zugleich ist die Firma vor Vollstreckungen und Zwangsmaßnahmen von Gläubigern geschützt.

Lesen Sie auch: Kann dieser Mann Galeria retten?

dpa
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