Patek Philippe: Mit dieser 900.000-Euro-Uhr setzt der Patek-Chef seinem Vater ein Denkmal
Das Porträt auf dem Blatt, die Gravuren, die Auswahl und die Entwicklung des Kalibers, einfach jedes Element dieser Uhr zeigt: Sie ist eine tiefe Verbeugung des Sohns vor dem Vater, die Würdigung eines Lebens. Der Sohn, das ist Thierry Stern, aktueller Chef der Uhrenmanufaktur Patek Philippe. Und der Vater, das ist Philippe Stern – der Patek Philippe groß gemacht hat und bis heute prägt.
Familie, das ist in der Werbekampagne des Hauses das allgegenwärtige Leitthema; und es zeigt sich nun auch in einer streng limitierten Luxusuhr, die Anhänger der Marke verzücken dürfte.
Philippe Stern war seit den 1960er-Jahren im Unternehmen. Er übernahm es Ende der 1970er von seinem Vater Henri und agierte von 1993 bis 2009 als Präsident des Unternehmens – bis er es schließlich an seinen Sohn Thierry übergab, der damals ebenfalls schon viele Jahre im Unternehmen war. Dass zwei Generationen miteinander und nebeneinander arbeiten, und dass der Senior den Junior auf die große Aufgabe vorbereitet, das hat also Tradition bei Patek Philippe.
Philippe Stern riet seinem Sohn Thierry, so erzählte es dieser vor einigen Monaten in einem Interview, den väterlichen Schritten zu folgen, aber genauso eigene hinzuzufügen. So habe der Vater gesagt: „Die DNA der Marke ist da, aber deine DNA wird eines Tages ein Teil davon sein.“ Das habe Thierry Stern motiviert – die Idee, nicht nur zu wiederholen, sondern eigene Akzente zu setzen.
Dabei hat Philippe Stern die Uhrenmanufaktur wegweisend geprägt. So renommiert der Name der Marke schon seit dem 19. Jahrhundert ist, so ist es Philippe Stern gewesen, der sie mit großer Sicherheit als unabhängiges Familienunternehmen durch alle Krisen gesteuert hat, und als Inbegriff von Haute Horlogerie an der Spitze der Branche etablierte. Er begleitete die Einführung der legendären Nautilus und stellte ihr später die Aquanaut zur Seite. Vor allem aber stärkte er immer die Kompetenz des Hauses in klassischen Komplikationen.
Der Jahreskalender wurde unter seiner Ägide eingeführt, das Advanced Research Programm für technische Innovationen begründet und aus dem großen Erbe des Hauses heraus die Kollektionen rund um Ewige Kalender, Chronographen und Weltzeituhren geschaffen. Auch die berühmte Generationen-Kampagne sowie die Einführung des Patek-Philippe-Magazins fallen in seine Amtszeit.
70.000 Luxusuhren kann die Manufaktur Patek Philippe jährlich fertigen
Es ist ein gewaltiges Fundament, das Philippe Stern geschaffen hat. Auf dem baut Thierry Stern nun die Zukunft der Manufaktur auf. Rund 70.000 Uhren kann man inzwischen pro Jahr produzieren, eine halbe Milliarde Euro wurden in das neue Manufakturgebäude in Plan-les-Ouates investiert. Die weltweite Nachfrage nach hochwertigen Zeitmessern ist nach wie vor groß, viel größer als zu Philippe Sterns Zeiten – und immer noch weit größer als die Herstellungskapazitäten. Diese große Begehrlichkeit will bedient, aber auch verstanden werden. Da hilft es, auf die Erfahrung vieler Generationen zurückblicken zu können: Patek Philippe wird seit vier Generationen von der Eigentümerfamilie Stern geführt.
Thierry Stern im Jahr 2016 bei der Eröffnung eines Patek-Philippe-Stores
Foto: imago imagesUnd nun ehrt Thierry Stern seinen Vater Philippe zum 85. Geburtstag mit der streng limitierten Referenz 1938P-001: Einer Minutenrepetition mit Alarmfunktion – und einem Porträt des Patek-Philippe-Patriarchen auf dem Zifferblatt.
Limitierte Patek-Philippe-Minutenrepetition: Sondermodell 1938P-001
Minutenrepetitionen, also Uhren, welche die Zeit auch durch Klang anzeigen, gelten als große Stärke des Hauses und „typisch Patek Philippe“. Es war Philippe Stern, der diese anspruchsvolle Komplikation in seiner Zeit als Unternehmenslenker wieder in die Kollektion einführte und zum ultimativen Sehnsuchtsobjekt der Sammler der Marke machte. Auch der Erhalt der klassischen dekorativen Künste war und ist Stern senior eine Herzensangelegenheit.
Entsprechend passend wählte Sohn Thierry dann auch das Sondermodell: In der Referenz 1938P-001 – der Name weist auf das Geburtsjahr von Philippe Stern hin – ist eine einzigartige Variante des Repetierkalibers R27 mit automatischem Aufzug verbaut, das um 227 Bauteile ergänzt wurde, um es um jene Alarmfunktion zu erweitern, die aus der Grandmaster Chime – der komplexesten Uhr von Patek Philippe – bekannt ist. Letztere vereint insgesamt 20 Komplikationen in einem Handaufzugswerk.
Wahlweise erklingt bei der Geburtstagsuhr nun also die klassische Minutenrepetition oder eben der vorgestellte Alarm auf zwei Tonfedern. Beides wird über den Schieber auf der linken Gehäuseseite gesteuert, sei es, um die Minutenrepetition auszulösen, oder aber das Werk für den Alarm aufzuziehen. Vier Patente wurden im Zuge der Kaliber-Entwicklung angemeldet. Darunter ist eines, das sicherstellt, dass das Schlagwerk-Federhaus bei jeder Aktivierung des Schiebers vollständig aufgezogen ist. Das soll gewährleisten, dass auch immer der volle Zeitschlag von bis zu 32 Schlägen um 12.58 Uhr erklingen kann. Auch der sichere Wechsel von einem Modus zum anderen, das Sicherstellen der korrekten Schlagsequenz sowie das Aufschieben des Alarm-Schlagwerks bis zum richtigen Zeitpunkt erforderte uhrmacherische Innovationen.
Diese machen die 1938P-001 zu einem einfach und sicher zu bedienenden High-End-Zeitmesser: Per Drücker in der Krone kann zwischen den beiden Komplikationen gewechselt werden, ein Glockensymbol auf drei Uhr verrät dem Träger dabei, in welchem Modus sich das Werk gerade befindet: Ist die Glocke schwarz, ist die Minutenrepetition eingestellt. Ist sie rot, befindet man sich im Alarm-Modus – der Schieber muss dann aber noch betätigt werden, um den Alarm aufzuziehen. Geschieht dies, wechselt die Glockenfarbe zu Weiß.
Die gewünschte Alarmzeit stellen Nutzer ebenfalls über die Krone ein. In Mittelposition gezogen, lässt sich der roségoldene Zeiger auf die Viertelstunde genau stellen, eine ebenfalls roségoldene Skala am äußersten Zifferblatt-Rand hilft, den Wunschzeitpunkt innerhalb der kommenden zwölf Stunden festzulegen.
Machen die 1938P-001 besonders: Die gravierte Unterschrift von Philippe Stern auf der Schwungmasse des Werks sowie eine gravierte Widmung von Thierry Stern auf der Rückseite des Scharnier-Staubdeckels: „À mon père, 85 ans de passion horlogère“
Foto: PRDamit sich der Alarm in einem besonders vielfältigen und langen Klangbild präsentiert, löst die Technik ihn immer zwei Minuten vor der gewählten Zeit aus. Zur vollen Stunde erklingen darum nicht nur ebendiese in wenigen tiefen Schlägen, sondern auch immer Doppelschläge für die Anzeige der Viertelstunden, sowie 13 hohe Schläge für die Minuten.
Die Optik der Philippe-Stern-Geburtstagsuhr
Mit ihrem Offiziers-Gehäuse aus Platin, den weißgoldenen Breguet-Ziffern und dem schwarzen Zifferblatt aus Grand-Feu-Email vereint die Grande Complication viele klassische Designelemente von Patek Philippe. Mit 41 Millimeter Durchmesser ist sie nur etwas größer als die Uhren aus der Ära von Philippe Stern. Wirklich außergewöhnlich ist aber natürlich das grau-weiße Porträt, das in Miniaturmalerei von Hand aufgetragen wird. Einerseits hält sich das Stern-Porträt durch die Farbwahl dezent zurück und zeigt den Ehrenpräsidenten der Manufaktur als jenen zurückhaltenden Macher im Hintergrund, der er stets war.
Gleichzeitig ist unübersehbar: ein Stern auf dem Zifferblatt einer Patek Philippe! So sichtbar war die Familie selbst noch nie zuvor auf einem ihrer Produkte. Dazu kommt die gravierte Unterschrift von Philippe Stern auf der Schwungmasse des Werks sowie eine gravierte Widmung von Thierry Stern auf der Rückseite des Scharnier-Staubdeckels. Dort steht „À mon père, 85 ans de passion horlogère“, also: „Für meinen Vater, 85 Jahre Uhrenleidenschaft“.
890.000 Schweizer Franken für eine der 30 Exemplare
Eine Uhr mit dem Porträt eines Stern – dass diese Uhr keine klassische Patek-Philippe-Referenz ist, das erklärt sich von selbst. Auch, dass manch einen genau dieses Porträt als optisches Element auf einer klassischen Grande Complication irritieren mag. Dennoch werden jene Sammler, die eine der Geburtstagsuhren erwerben dürfen, liebend gern 890.000 Schweizer Franken (etwa 923.270 Euro) dafür überweisen. Von dem Modell wird es nämlich nur 30 Exemplare geben, im Jahr 2023 ist das eine für Patek-Philippe-Verhältnisse extreme Limitierung, auch in der absoluten Spitze der Kollektion. Vor allem aber steht diese Uhr mit ihrer Geschichte und der großen Respekterweisung vor Philippe Stern für so ziemlich alles, was diese Sammler an „ihrer“ Marke schätzen.
Hinzu kommt: Das verwendete Kaliber soll nie wieder für eine andere Referenz verwendet werden. Betriebswirtschaftlich betrachtet mag das eine eigenwillige Entscheidung sein. Vor allem aber zeigt es, dass man in der Manufaktur ein ganz eigenes Wertegerüst hat: ein familiengetriebenes.
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