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Ein ­Armband für Patek Philippe öffnete ­ die Tür für neue ­Vertriebswege in Südkorea Foto: PRESSEFOTO

SchmuckWarum Wellendorff in Südkorea durchstartet

Die Schmuckmanufaktur Wellendorff wollte nicht nach Südkorea – eine Kooperation mit Patek Philippe änderte das. Ein Lehrstück über die richtige Dosis an Expansion.Alexander Stilcken 03.12.2025 - 10:38 Uhr

Christoph Wellendorff wollte eigentlich keine neuen Boutiquen mehr. Von weltweit 120 Verkaufspunkten möchte er auf 100 reduzieren. Zusammen mit seinem Bruder richtet er das 1893 in der Goldstadt Pforzheim gegründete Familienunternehmen auf Exzellenz und persönliche Kundenbeziehungen aus. Wellendorffs Maxime: „Wir wollen der persönlichste Juwelier der Welt sein.“ Warum aber eröffnet er eine Dependance in Seoul?

Es ist eine besondere Geschichte – und auch ein kleines Lehrstück, wie man als Familienunternehmen in neue Märkte in Asien vordringen kann. Beispiel Japan: Dort begehen die Pforzheimer bereits das 50-jährige Jubiläum, der Hofjuwelier Mikimoto empfahl einst Wellendorff bis in den kaiserlichen Palast, wo heute drei Generationen Schmuck aus Deutschland tragen. „Das funktioniert nur, wenn die Qualität kompromisslos ist und unsere Philosophie verstanden wird“, sagt Wellendorff.

Südkorea stand eigentlich nicht auf dem Expansionsplan. Die Eröffnung dort, sagt Wellendorff scherzhaft, sei ein „Sündenfall“. Und das kam so: Wellendorff hatte 2024 ein Schmuckarmband aus Gold für Patek Philippe entwickelt. Thierry Stern, der Patek-Chef, hatte bei der Vorstellung der goldenen Ellipse mit der Referenz 5738/1R den Partner aus Pforzheim auf der Uhrenmesse in Genf bekannt ­gegeben. Das erste Mal befand sich neben dem legendären Logo in Form des Calatrava-Kreuzes das Brillant-W von Wellendorff – ein Ritterschlag.

Christoph Wellendorff am 1395 errichteten Königspalast in Seoul Foto: PRESSEFOTO

Das rief Betreiber einer Patek-Boutique in Süd­korea auf den Plan. „Wir ignorierten anfänglich die E-Mails“, erzählt Wellendorff. Ein Anruf von Patek brachte das Projekt ins Rollen. „Wir gehen nur in ­gereifte Märkte, in denen Kunden von sich aus das Besondere suchen“, sagt Wellendorff.

Ein neues Wagnis in Asien also. Dennoch wachse der deutsche Markt „seit zehn Jahren am schnellsten“, sagt der Unternehmer. „Unsere Kunden werden süchtig, im Schnitt besitzen sie 15 Schmuckstücke.“ Hinzu kommen beständige Innovationen: wie etwa das 2021 vorgestellte „federnde Gold“. 17 Jahre dauerte die Entwicklung, „Flexibles Gold hielt niemand für möglich“, erinnert sich Wellendorff.

Unternehmern, die den Schritt in den Osten wagen, rät er, auf „antrainiertes Benehmen“ zu verzichten und stattdessen lieber in die Tiefe der Geschäftsbeziehungen zu investieren. Die richtigen Kunden kommen dann von allein.

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