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Verkauf an EdekaTengelmann will Kaiser's loswerden

Der Handelskonzern Tengelmann will seine traditionsreichen Supermärkte Kaiser's Tengelmann loswerden und an Edeka verkaufen – und provoziert den Widerstand des Bundeskartellamtes.Henryk Hielscher 07.10.2014 - 11:56 Uhr

Eine weiße Kaffeekanne auf rotem Hintergrund – das Logo der deutschen Supermarktkette Kaiser's Tengelmann.

Foto: dpa

Als Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub im Juli die Bilanz seiner Unternehmensgruppe vorstellte, merkten Beobachter auf: Die Geschäfte beim Textildiscounter Kik und der Baumarktkette Obi liefen zwar gut, doch die Supermärkte Kaiser’s Tengelmann bereiteten ihm Sorge. Er kündigte Entlassungen, Filialschließungen und eine Analyse zu den Optionen an. Ein Komplettverkauf sei aber das, „was die Familie am wenigsten gerne in Erwägung ziehen würde", so Haub damals.

Seit heute ist der Komplettverkauf beschlossene Sache. 451 Filialen mit knapp 16.000 Mitarbeitern sollen ab Sommer 2015 zum Reich von Deutschlands größtem Lebensmittelhändler Edeka gehören.

Die größten Discounter der Welt 2014
Dollar Tree belegt den zehnten Platz unter den weltgrößten Discountern. Das US-Unternehmen erzielte 2013 einen Umsatz von 6,2 Milliarden Euro.
Auch aus Skandinavien kommt ein Discounter, der es unter die Top Ten der weltgrößten geschafft hat: Rema 1000 gehört zum Konzern Reitangruppen. 2013 setzte das Unternehmen 6,8 Milliarden Euro um.
Der US-Discounter Family Dollar verkaufte 2013 Waren im Wert von 8,2 Milliarden Dollar und belegt damit weltweit den achten Platz unter den größten Discountern.
Auch der siebtgrößte Discounter der Welt findet sich auf der Iberischen Halbinsel: Biedronka stammt aus Portugal und wird von JMR Jerónimo Martins Retails betrieben. 2013 setzte die Kette 8,3 Milliarden Euro um. Zum Vergleich: Aldi erwirtschaftete im gleichen Zeitraum mehr als den siebenfachen Betrag.
Die sechstgrößte Discountkette der Welt stammt aus Spanien. Das Unternehmen mit dem Namen Dia (zu Deutsch „Tag“) setzte 2013 11,4 Milliarden Euro um.
Auf dem fünften Platz findet sich wieder ein deutsches Unternehmen: Der Discounter Penny, der zur Rewe-Gruppe gehört. 2013 betrug der Umsatz des Discounters laut Ranking von Planet Retail 12,1 Milliarden Euro.
Erst an vierter Stelle ist ein nicht-deutsches Unternehmen zu finden. Die US-Kette Dollar General verkaufte 2013 Waren im Wert von 13,9 Milliarden Euro.
Mit großem Abstand folgt der drittgrößte Discounter der Welt: Netto. Die Kette gehört zur Edeka-Gruppe und erzielte 2013 14,2 Milliarden Euro Umsatz.
Der Discounter Lidl, der zur Schwarz Gruppe gehört, belegt im Ranking der weltgrößten Discounter den zweiten Platz. 2013 betrug der Brutto-Außenumsatz der Supermarktkette 59 Milliarden Euro.
Aldi ist die Nummer eins im Ranking von Planet Retail (Juni 2014) im weltweiten Discounter-Markt. 2013 machte das deutsche Unternehmen einen Brutto-Außenumsatz von 61,1 Milliarden Euro.

„Wir sehen leider keine Perspektive mehr, unsere Supermärkte aus eigener Kraft zu einem profitablen Unternehmen zu machen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. „Mit einem Marktanteil von nur 0,6 Prozent sind wir mit unseren Supermärkten zu klein, um weiterhin im Markt eine Chance zu haben.“

Tatsächlich spielen die Tengelmann-Märkte mit zuletzt 1,8 Milliarden Euro Netto-Umsatz nur eine untergeordnete Rolle im Kampf der Branchenschwergewichte Aldi, Lidl, Rewe und Edeka.

Bundeskartellamt muss entscheiden

Dennoch ist die Entscheidung ein Paukenschlag für den ohnehin stark konzentrierten deutschen Lebensmittelhandel. Nachdem Haub schon 2008 den Discounter Plus verkauft hat, zieht sich die Unternehmensgruppe nun endgültig aus dem traditionsreichen Geschäftsfeld zurück.

Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, sagt Haub: „Zu erkennen, dass der Verkauf unseres Supermarktunternehmens letztlich unausweichlich wurde, war für meine Familie und mich persönlich sehr schwer. Mit diesem Schritt können wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern immerhin eine Zukunftsperspektive bieten“, sagt Haub dazu.

Ob der Verkauf tatsächlich wie geplant stattfinden kann, hängt allerdings vor allem vom Bundeskartellamt ab. Die Behörde hatte schon den Verkauf von Plus an Edeka nur widerwillig und mit hohen Auflagen – etwa der Abgabe zahlreicher Standorte an Rewe – genehmigt. Ähnliches droht nun auch bei der Veräußerung der Supermärkte, heißt es in der Branche.

Bereits zum vierten Mal veröffentlicht Interbrand die Studie Best Retail Brands, die sich dem Einzelhandelssektor widmet. Der Report listet die wertvollsten europäischen Retail-Marken auf. Es folgen die zehn ersten Plätze des Rankings.

Platz 10: Sephora

Das französische Unternehmen Sephora schafft es mit einem Marktwert von 2,1 Milliarden US-Dollar auf den zehnten Platz im Ranking. Der 1970 gegründete Kosmetikkonzern verkauft über 100 verschiedene Marken. Seit 1998 erobert er auch den amerikanischen Markt.

Foto: imago images

Platz 9: Aldi

Der einzige deutsche Einzelhändler in den Top Ten ist Aldi. Die Einzelhandelskette konnte ihren Markenwert nach den hohen Markenwertverlusten der letzten Jahre wieder leicht steigern und rangiert mit 2,9 Milliarden US-Dollar auf Platz neun.

Foto: dpa

Platz 8: Boots

Mit einem Marktwert von 3,3 Milliarden US-Dollar schafft es Boots auf den achten Platz. Der Konzern ist einer der bedeutendsten Pharmagroßhändler Europas. In Großbritannien ist er der größte Konzern, der Pharmazieprodukte verkauft.

Foto: dapd

Platz 7: Auchan

Auchan belegt den siebten Platz mit einem Marktwert von 3,6 Milliarden US-Dollar. Die Warenhauskette aus Frankreich ist noch in 13 weiteren Ländern vertreten.

Auchan ist in Frankreich mit seinem Drive-Through-Format sehr erfolgreich. Und um noch näher am Kunden sein zu können, haben in den letzten Jahren Anbieter wie Rewe oder die Hypermarktanbieter Carrefour, Auchan und Casino zudem kleinere Stores meist in zentraler Lage eröffnet – meist in zentraler Lage. Der Trend geht zu „Markenshops“, die das Unternehmen selbst zelebrieren. Auch gemischte Konzepte wie etwa ein Laden inklusive eines Cafés entstehen vermehrt.

Foto: rtr

Platz 6: Marks & Spencer

Die Supermarktkette Marks & Spencer rangiert auf dem sechsten Platz mit einem Marktwert von 5,6 Milliarden US-Dollar. In ganz Großbritannien betreibt das Einzelhandelsunternehmen mehr als 375 Einkaufsläden.

Foto: dapd

Platz 5: Tesco

Rund neun Milliarden US-Dollar ist Tesco wert. Die britische Supermarktkette ist mittlerweile weltweit vertreten und beschäftigt insgesamt mehr als 530.000 Mitarbeiter. Außerhalb des Landes sind Tesco-Märkte unter anderem in Polen, Irland, Tschechien, USA und der Türkei zu finden.

Foto: dpa

Platz 4: Carrefour

Der Marktwert von Carrefour beträgt 10,2 Milliarden Euro, was dem Einzelhändler den vierten Platz im Ranking beschert. Das französische Unternehmen ist Europas größtes Einzelhandelsunternehmen und nach Wal-Mart das zweitgrößte der Welt. In zahlreichen Ländern betreibt der Konzern insgesamt knapp 15.000 Filialen.

Foto: REUTERS

Platz 3: Zara

Zara hat einen Marktwert von 10,8 Milliarden US-Dollar vorzuweisen, womit es unter den Top Drei landet. Das Textilunternehmen ist die bekannteste Produktions- und Verkaufskette des spanischen Inditex-Konzerns.

Die Best Retail Brands zeigen deutlich, dass die erfolgreichsten Retailer ihr bisheriges Geschäftsmodell gezielt ausweiten, um sich größere Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Vor allem soll mittels Innovationen im Onlinegeschäft die Kluft zwischen dem Erlebnis im Geschäft und online überbrückt werden, um so ein nahtloses Kundenerlebnis in allen Bereichen zu schaffen. Von Mobile-Shopping bis zu virtuellen Umkleidekabinen, die wertvollsten Einzelhandelsmarken der Welt digitalisieren zunehmend ihren Verkauf. Damit machen sie auch den großen Online-Versandhändlern Konkurrenz: Die Online-Shops von zum Beispiel Zara, Carrefour oder Tesco zählen mittlerweile zu den meistbesuchten Seiten im Netz.

Foto: dpa

Platz 2: Ikea

Ikea belegt mit 13,8 Milliarden US-Dollar den zweiten Platz. Mit 17 Jahren gründete Ingvar Kamprad 1943 das Unternehmen in Schweden. Das Wort „Ikea“ setzt sich übrigens aus den Anfangsbuchstaben von Ingvar Kamprad, des elterlichen Bauernhofs Elmtaryd und des Dorfes Agunnaryd zusammen, in dem der Hof lag.

Foto: dpa

Platz 1: H&M

Der schwedische Modekonzern hat einen Marktwert von stolzen 18,1 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen bietet in Läden und in Onlineshops weltweit Bekleidung, Accessoires und Schuhe für Damen, Herren und Kinder sowie Wohnaccessoires im unteren Preissegment an.

Foto: dpa

Während es nur ein deutscher Konzern unter die Top Ten schafft, finden sich unter den 50 wertvollsten Einzelhändler immerhin noch ein paar weitere deutsche Unternehmen im „Best Retail Brands 2014“-Ranking von Interbrands.

Platz 13: Lidl

1,7 Milliarden US-Dollar umfasst der Marktwert von Lidl und rangiert damit auf dem 13. Platz. Die Discounterkette wurde 1930 von Josef Schwarz in Heilbronn ins Leben gerufen. In den 70er Jahren gab es in Deutschland bereits 30 Filialen, heute beschäftigt der Konzern 150.000 Mitarbeiter weltweit.

Foto: ZB

Platz 15: Edeka

Edeka nimmt mit einem Marktwert von 1,5 Milliarden US-Dollar den 15. Platz ein. Eigentümer der Edeka-Gruppe sind Genossenschaften.

Foto: dpa

Platz 22: Media Markt

Media Markt muss zwar Verluste von 14 Prozent hinnehmen und liegt mit einem Wert von 1,1 Milliarden US-Dollar auf Rang 22, ist damit aber immer noch die wertvollste Elektronikmarke in Europa. Die Metro-Tochter baut derzeit ihre Onlinepräsenz verstärkt aus, kämpft jedoch weiter gegen den hohen Preisdruck, der durch reine Online-Shops entsteht.

Foto: dpa

Platz 33: dm

Ein weiteres deutsches Einzelhandelsunternehmen, das es in das Ranking schafft, ist der Dm-Drogerie-Markt mit einem Marktwert von 548 Millionen US-Dollar. Der deutsche Drogeriekonzern ist der größte seiner Art in Europa.

Foto: AP

Platz 34: Rewe

Der Handelskonzern mit Sitz in Köln schafft es auf den 34. Platz mit einem Marktwert von 518 Millionen US-Dollar. Die Rewe-Gruppe ist der zweitgrößte Lebensmittelhändler in Deutschland.

Foto: dpa

Erst vor wenigen Tagen hatte das Amt eine Untersuchung zur „Nachfragemacht im Lebensmitteleinzelhandel“ vorgelegt. „Der Lebensmitteleinzelhandel ist hochkonzentriert. Die Marktstruktur droht sich noch weiter zu verschlechtern“, heißt es darin. Die Wettbewerbsbedingungen würden demnach von vier zentralen Unternehmen – darunter Edeka – dominiert. Ihr Anteil in Deutschland beträgt sowohl beim Absatz als auch beim Einkauf rund 85 Prozent.

Um die entsprechenden Vorteile der Branchenriesen zu kompensieren, soll „die strenge Linie in der Fallpraxis des Bundeskartellamtes“ fortgesetzt werden, heißt es in dem Bericht.

Bedeutet im Klartext: „Jeder wesentliche Erwerb eines Lebensmitteleinzelhändlers in Deutschland durch eines der großen Handelsunternehmen Edeka, Rewe und Schwarz Gruppe wird vertieft geprüft.“

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