Drohende Gasknappheit: Bauernpräsident warnt: Ohne Gas drohen Ernteeinbrüche und Lebensmittelengpässe
Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands, spricht bei einem Besuch des Bundesagrarministers zu Journalisten.
Foto: dpaDie deutschen Landwirte warnen bei einer Rationierung von Gas vor Folgen für die Lebensmittelversorgung. „Wenn kein Gas aus Russland mehr ankommt, dann könnte das massive Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben“, sagte Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands, im Interview mit der WirtschaftsWoche.
Sollte es an Gas mangeln, könnte das die Produktion von Düngemittel einschränken. „Ohne Stickstoffdünger müssen wir je nach Kultur mit Ertragsrückgängen von dreißig bis fünfzig Prozent rechnen. Dann würden die zu erwartenden Ernten 2023 massiv einbrechen.“ Bei Getreide und Brot sei die Versorgung noch bis ins erste Quartal 2023 gesichert. Doch andere Produkte könnten aus den Regalen verschwinden: „Wenn die Molkereien nicht genug Gas bekommen, hätten wir sehr schnell Engpässe bei Käse und Milchprodukten“, so Rukwied.
Er hoffe deshalb, dass Russland weiter Gas durch die Pipeline Nordstream 1 liefert. Die Pipeline wird aktuell gewartet und soll am Donnerstag wieder in Betrieb gehen – allerdings möglicherweise nur mit einer geringeren Auslastung. Bereits im Juni hatte der russische Konzern Gazprom die Liefermengen auf 40 Prozent reduziert.
Der Deutsche Bauernverband fordert, dass der Landwirtschaftssektor Vorrang haben müsse, sollte das Gas knapp werden. „Wir brauchen im Falle einer Rationierung von Gas eine ganz klare Priorisierung der Lebensmittelwirtschaft und der Düngemittelindustrie, sonst droht uns in Deutschland ein Ernährungsproblem“, sagte Rukwied.
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