Geplante Monsanto-Übernahme Drei Gründe, warum Bayer nicht vorankommt

Die Verhandlungen zwischen Bayer und Monsanto stocken seit Tagen. Schuld daran sind nicht nur unterschiedliche Preisvorstellungen. Warum es mit der Monsanto-Übernahme nicht vorangeht.

Das Werk der Bayer AG im Chemiepark in Leverkusen Quelle: dpa

Bayer-Chef Werner Baumann und sein Finanzvorstand Johannes Dietsch waren in den vergangenen Tagen in London, New York, Frankfurt, Boston und Berlin, um Investoren die Übernahme schmackhaft zu machen. Dabei verfingen ihre Argumente durchaus. Viele Analysten können Baumanns Idee, einen globalen Weltmarktführer für Pflanzenschutzmittel und Saatgut zu schaffen, durchaus nachvollziehen.

Der Saatgutkonzern Monsanto

Voran geht es trotzdem nicht. Denn neben den Investoren muss Bayer auch das Management von Monsanto überzeugen, einer Übernahme zuzustimmen. Derzeit herrscht Stillstand zwischen beiden Parteien: Bayer will einstweilen keinen höheren Preis zahlen, sondern erst einmal einen vertieften Blick auf die Monsanto-Geschäftszahlen werfen. Monsanto will Bayer jedoch nicht in die Bücher schauen lassen. Drei Gründe sind es vor allem, welche die Situation für Bayer so schwierig machen:

  • Baumann hat wohl interne Warnungen überhört. Vor allem sein Vorgänger Marijn Dekkers war von der Idee, Monsanto zu übernehmen, nicht angetan. Dekkers soll sich dabei vor allem um den Bayer-Aktienkurs gesorgt haben. Und so kam es denn auch: Seitdem die Übernahmepläne Mitte Mai bekannt wurden, hat das Bayer-Papier gut zehn Prozent seines Wertes verloren. Bei Bayer sollen sie von der Heftigkeit der Börsen-Eruption durchaus überrascht gewesen sein.
  • Die Verhandlungsstrategie von Bayer erscheint unklar. Bayer bietet 55 Milliarden Euro für Monsanto – gemessen am Monsanto-Gewinn ein sehr ordentlicher Preis. Womöglich haben die Leverkusener die Offerte auch bewusst hoch kalkuliert, um Konkurrenten wie die BASF aus der Arena fernzuhalten. Dass Monsanto jedoch nicht gleich das erste Angebot annehmen würde, muss den Bayer-Strategen klar gewesen sein – so etwas gehört zum Übernahme-Poker dazu. Als vor gut einer Woche ruchbar wurde, dass Bayer die Finanzierung des Angebots zusammen hat und beim Preis sogar noch höher gehen könnte, weckte dies natürlich Begehrlichkeiten bei Monsanto. Bayer hat darauf bislang keine Antwort gefunden. Ein Plan ist noch nicht zu erkennen. Eine feindliche Übernahme komme eher nicht infrage, heißt es. In der vergangenen Woche hat der Bayer-Vorstand offensichtlich einen Brief nach St. Louis geschickt, zum Monsanto-Konzernsitz – und das bestehende Angebot noch einmal wiederholt.
  • Zuweilen scheint es am Gespür für die Empfindlichkeiten der Gegenseite zu fehlen. In einem Interview sagte Bayer-Chef Baumann: „Unsere Art, Geschäfte zu führen, ist möglicherweise eine andere als die von Monsanto. Ich kann Ihnen versichern, dass wir auch diese Geschäfte nach den gleichen Maßstäben führen würden wie unsere anderen auch.“ Damit wollte Baumann die aufgebrachten Umweltschützer in Deutschland und Europa beruhigen, die gegen die Übernahme zu Felde zogen, weil ihnen Monsanto seit jeher ein Dorn im Auge ist. Doch in St. Louis kam der Satz gar nicht gut an. Möglicherweise unterschätzen die Bayer-Manager auch die Eitelkeiten bei Monsanto. Denn bis vor kurzem sah sich Monsanto selbst noch als stolzer Aufkäufer und nicht als Übernahmeopfer. Im vergangenen Jahr wollten die Amerikaner den Schweizer Konkurrenten Syngenta übernehmen – und scheiterten. Dann entwickelten sie die Idee, die Agrarsparte von Bayer zu übernehmen. Und nun drehte Bayer den Spieß einfach um. Das dürfte die Monsanto-Manager überrascht haben, darauf vorbereitet waren sie offensichtlich nicht.

Wer bei Bayer für Gewinn sorgt

Mit welchen Argumenten Bayer nun noch punkten will, bleibt spannend. Fortsetzung folgt.

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