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Standort Deutschland Wer der deutschen Wirtschaft Dampf macht

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BASF/Bayer, Ludwigshafen/Dormagen: Verbündete

Haben die Pessimisten recht, die der deutschen Chemieindustrie – wegen der niedrigen Energiepreise in den USA – einen Exodus voraussagen?

Nein. Bayer und BASF strafen die Schwarzmaler Lügen. Die beiden Chemieriesen investieren gerade insgesamt mehr als eine Milliarde Euro, um die Produktion in Deutschland zu stärken. Jeder der beiden Konzerne hat 2014 nicht jenseits des Atlantiks, sondern hier eine Anlage zur Herstellung von Toluylen-Diisocyanat, kurz: TDI, hochgezogen. Die hochgiftige Substanz dient als Vorprodukt für Schaumstoff, der in Matratzen, Polstermöbeln oder Autositzen enthalten ist. Und die Nachfrage nach TDI nimmt weltweit zu.

Das ist gut für die Mitarbeiter an den neuen Anlagen. BASF schafft durch sie am Konzernsitz Ludwigshafen 200 zusätzliche Jobs. Vorstandschef Kurt Bock gab beim Bau des rund eine Milliarde Euro teuren Monstrums der heimatlichen Pfalz den Vorzug gegenüber Antwerpen in Belgien.

Bayer-Lenker Marijn Dekkers investierte 250 Millionen Euro nicht an den Standorten Antwerpen oder Tarragona (Spanien), sondern im nordrhein-westfälischen Dormagen. Damit bringt die TDI-Produktion 20 Mitarbeiter in Lohn und Brot und hält 80 weitere Arbeitsplätze am Rhein. Zur Einweihung kam sogar Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und lobte: „Dieser Industriestandort hat Zukunft.“

Die Geschichte von BASF

Diese verdanken die beiden Chemiehochburgen ihrem spezifischen Standortvorteil: dem Verbund großer unterschiedlicher Anlagen, die sich gegenseitig ergänzen und deren Erzeugnisse direkt weiterverarbeitet werden können. Die neue TDI-Anlage der BASF ist mit Reaktoren verbunden, die etwa Salpetersäure, Chlor oder Synthesegas herstellen. Bayer kommt nirgendwo so gut an die Rohstoffe für TDI wie in Dormagen, wo die nötigen Substanzen gleich um die Ecke produziert werden.

Die Vorteile haben auch andere Hersteller erkannt und sich in der Nähe angesiedelt. So schickt Bayer die Salzsäure, die bei der TDI-Produktion anfällt, als wässrige Lösung zum finnischen Hersteller Kemira, der daraus Aluminiumsalze zur Wasseraufbereitung in Klaränlagen herstellt.

Commerzbank, Frankfurt: Revoluzzer

Christian Hoppe, main incubator Quelle: PR

Zwei Welten prallen aufeinander: hier die großen Banken, die unter Niedrigzins und Regulierung ächzen und den Niedergang fürchten. Dort die kleinen und wendigen Start-ups, die beschwingt vom digitalen Wandel die Schwäche der Geld-Goliaths nutzen, um neue Finanzideen auf den Markt zu bringen. „FinTech“ heißt die Waffe, mit der die Revoluzzer das Establishment das Fürchten lehren.

Die Commerzbank, zweitgrößtes Kreditinstitut im Lande, schwer beschäftigt mit der Generalüberholung ihres Geschäftsmodells, will diese Welten nun verbinden und die Bedrohung durch die Digitalisierung in eine Perspektive für sich und den Bankenstandort Deutschland verwandeln – eine Art Revolution von oben.

Damit ist die Großbank Vorreiterin in der Branche. Sie hat eine Tochterfirma namens main incubator gegründet, die junge FinTech-Firmen mit Startkapital versorgen soll und – was noch wichtiger ist – ihnen Zugang zu Millionen Privat- und Geschäftskunden verschafft. Der Einzug im main incubator soll den Start-ups zudem helfen, die bürokratischen Anforderungen durch die wachsende Regulierung des Finanzsektors zu bewältigen.

Mit ihrem Firmenbrutkasten nimmt die Commerzbank ganz bewusst Gefahren für ihre herkömmlichen Geschäftsbereiche in Kauf: „Eines der Ziele des Inkubators ist es, sich gerade an disruptiven Ideen zu beteiligen, die das klassische Bankgeschäft angreifen und zu Margenverlusten führen“, sagt Christian Hoppe, Gründer und Geschäftsführer des Brutkastens.

Jungfirmen sollten sich daher keine Sorgen machen, so Hoppes Botschaft, dass die Konzernmutter ihre innovativen Ideen abwürgt, sobald sie dem angestammten Geschäft gefährlich werden. Da hat Hoppe Rückendeckung von der Zentrale. „Mit dem Inkubator haben wir einen sehr wichtigen Schritt zur Steigerung unserer Innovationskraft getan“, sagt Commerzbank-Bereichsvorstand Holger Werner, der im Aufsichtsrat der Start-up-Schmiede sitzt. Zum Portfolio des main incubators gehören der Bezahldienst Traxpay, eine Art PayPal für Unternehmen, und der digitale Rechnungsmanager gini.

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