Zugtransporte nach China Keiner will mehr durch Russland

Güterzüge in Russland. Quelle: imago images

Die Containertransporte auf der Schiene zwischen Deutschland und Asien sind eingebrochen. Wegen des Ukrainekrieges sorgen sich Firmenkunden um die Sicherheit – und meiden einen Transit durch Russland.

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Die Werbung verspricht einen reibungslosen Ablauf - und Vorteile gegenüber Transportalternativen. Mit Laufzeiten von „12 - 16 Tagen“ sei die Verbindung von Duisburg nach China über die neue Seidenstraße „schneller als das Schiff und zugleich deutlich günstiger als der Transport per Luftfracht“. Für Duisport, den größten Binnenhafen Europas, hatte sich der Schienentransport daher als lohnende Ergänzung in der Logistik erwiesen. Pro Woche kamen rund 60 Containerzüge aus China in Duisburg an.

Doch der Ukrainekrieg ändert so einiges. „Auch im Duisburger Hafen sind Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf die China-Verkehre spürbar“, heißt es beim Hafenbetreiber Duisport. Die Züge, die über die Neue Seidenstraße von China nach Duisburg kommen, fahren in der Regel durch Russland, Belarus und Polen.

Diese verkehrten zwar „weitestgehend planmäßig“, einige Kunden hätten ihre Buchungen aber „reduziert“ oder versuchten Transporte „auf den Seeverkehr umzustellen“. Gründe dafür seien etwa die „Sorge vor fehlendem Versicherungsschutz und Einschränkungen durch Sanktionen“, die den Transport mancher Waren und Industriegüter untersagen.

Kaum einer will mehr durch Russland. Viele Jahre haben sich die Chinazüge über die Neue Seidenstraße als ernsthafte Transportalternative zu Luft- und Seefracht etabliert. Nun meiden immer mehr Businesskunden die Transportwege auf der Schiene durch Russland. Andere Schienenrouten sind nur teilweise möglich. Wird Russland damit als Transitland dauerhaft zu einer No-Go-Zone?

Verboten sind Durchfahrten nicht. Es gibt keine Sanktionen, die den Transitverkehr via Russland und Weißrussland per Bahn direkt verbieten, heißt es in der Branche. Die russische Staatsbahn Russian Railways, die Züge durch das Land fährt, sei nur von Finanzsanktionen betroffen, das heißt die Zusammenarbeit ist nicht verboten – solange die Zahlung über Banken erfolge, die nicht von Swift ausgeschlossen wurden.

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2020 fuhren rund 12.000 Züge über die Seidenstraße – mal pendelten sie komplett zwischen China und Europa, mal belegten sie Teilstrecken. Internationale Speditionen haben die Chinazüge jedenfalls fest im Programm. DB Schenker betreut für den Autohersteller BMW etwa den Transport von Autoteilen aus Leipzig nach Shenyang im Nordosten Chinas. Kühne+Nagel wirbt mit seinem KN Eurasia Express – „der optimalen Lösung für den Transport zwischen China, Russland und Europa“. Und auch die Post-Tochter DHL RailLine vermittelt „regelmäßige Abfahrtzeiten von bedeutenden Geschäftszentren in ganz Europa und China“.

Die wesentlichen Sanktionen gegen Russland

Auch Duisport konnte sich bislang über steigende Nachfrage freuen. Die Auslastung der Züge habe sich „stetig positiv entwickelt“. Noch 2019 verkehrten wöchentlich zwischen Duisburg und China im Durchschnitt 35 bis 40 Züge, seit dem zweiten Quartal 2020 seien es bis zu 60 Züge pro Woche gewesen.

Vor allem: Seit Mitte vergangenen Jahres verkehrten die Züge sogar „völlig paarig“, das heißt: „Noch im Jahr 2017 verkehrte für drei Züge aus China ein Zug nach China zurück.“ Das sei seit 2021 Vergangenheit, so ein Duisport-Sprecher.



Der Beginn der Kampfhandlungen in der Ukraine am 24. Februar 2022 hat die Erfolge zunichte gemacht. Nach dem Beginn der Angriffskriegs ist die Nachfrage eingebrochen. Die Deutsche Bahn meldet etwa eine deutliche Zurückhaltung bei den Unternehmenskunden, Container via DB Cargo oder DB Schenker auf Chinazüge zu buchen.

Auch beim Hamburger Hafen sieht man einen Nachfrageeinbruch: „Wir hören von einem starken Rückgang an Buchungen auf Kundenseite, die Waren nicht über Russland und Weißrussland transportieren wollen“, heißt es beim Hamburger Hafen. Die Unternehmen würden „entweder auf Containerschiffe umbuchen oder auf den sogenannten Mittleren Korridor“. Die Zugroute führt südlich von Russland über Länder wie die Türkei. Die Kapazität sei aber „stark begrenzt“.

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Für den Hamburger Hafen waren die Züge nach und aus China eine boomende Landverbindung. „2021 wurden wöchentlich rund 290 vermarktete Verbindungen zwischen Hamburg und 25 Destinationen in der Volksrepublik angeboten“, heißt es beim Hafen. Ein Plus von jeweils rund 25 Prozent gegenüber 2020. Insgesamt seien im vergangenen Jahr 160.000 Standardcontainer transportiert worden, 51 Prozent mehr als 2020. Auch die Paarigkeit konnte zuletzt massiv verbessert werden. Geschätzt waren die Züge aus China nach Hamburg etwas besser ausgelastet als nach Asien.

Seit Sanktionsbeginn sei der Exporttransport dann wieder „stark eingebrochen“.

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