WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

„Koordinierte Manipulation“ Facebook, Google und Twitter löschen Hunderte Fake-Profile

Allein Twitter und Facebook haben zusammen über 650 Nutzerkonten gelöscht. Alphabet gab für Google Plus und Youtube keine Zahlen bekannt. Quelle: REUTERS

Facebook, Twitter und Google haben Hunderte Konten und Seiten gelöscht, die in den Sozialen Netzwerken „koordinierte Manipulation“ für die Interessen des Iran betrieben haben. Wer genau dahinter steckt, ist unklar.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Nur wenige Monate vor den US-Repräsentantenhauswahlen gehen die großen US-Technologiekonzerne Facebook, Google und Twitter verstärkt gegen Falschinformationen über ihre Netzwerke vor. Zeitgleich sperrten die drei Unternehmen Hunderte von Nutzerkonten, über die weltweit Propaganda zugunsten des Iran betrieben worden sein soll. „Es zeigt, dass es nicht nur Russland allein ist“, sagte Analyst Lee Foster vom IT-Sicherheitsanbieter FireEye, der zuerst auf die Aktivitäten aufmerksam wurde. Die Einmischung Russlands in den US-Wahlkampf vor zwei Jahren wird weiterhin untersucht. Bekannt ist, dass Beiträge von teils gefälschten Nutzerprofilen rund 126 Millionen Facebook-Mitglieder erreichten.

In dem aktuellen Fall soll seit vergangenem Jahr eine groß angelegte Medienkampagne aufgebaut worden sein, um die Interessen des Iran zu verbreiten. Dafür wurden falsche Nachrichtenplattformen aufgebaut, die teils existierenden Internetseiten nachempfunden waren, und Konten eröffnet, die Iranern zugeordnet wurden. Einige Domains sollen bereits vor vier bis fünf Jahren registriert, aber lange nicht genutzt worden sein. Wer genau hinter den Aktivitäten steht, ist FireEye zufolge bisher unklar.

Die Propaganda zielte nach den Erkenntnissen von FireEye auf Nutzer in den USA, Großbritannien, Lateinamerika und dem Nahen Osten ab. Die verbreiteten Inhalte seien „anti-saudisch, anti-israelisch und pro-palästinensisch“ gewesen und hätten beispielsweise den Atomdeal zwischen den USA und dem Iran gestützt. Als Beispiele wurden ein gefälschtes Video von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un genannt, in dem sich beide umarmen, sowie eine Zeichnung, die zeigt, wie ein israelischer Soldat einen Palästinenser hinrichtet. Vertreter des Iran bei den Vereinten Nationen waren zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Twitter gab bekannt, insgesamt 284 Konten gelöscht zu haben und sprach von einer „koordinierten Manipulation“. Facebook entfernte 254 Seiten und 392 Konten von dem gleichnamigen Netzwerk wie auch von Instagram. Einige der Seiten hätten Hunderttausende Follower gehabt. Häufig seien die Hashtags #lockhimup, #impeachtrump sowie #notmypresident eingesetzt worden. Facebook zufolge zahlten die Konten rund 12.000 Dollar für Werbung. Das US-Finanzministerium sei informiert, da damit möglicherweise gegen Sanktionen verstoßen wurde. Die Google-Mutter Alphabet war zunächst nicht erreichbar. Es ist nicht bekannt, wie viele Konten bei Google Plus und YouTube gesperrt wurden.

Obwohl laut FireEye die Kampagne nicht gezielt auf die US-Wahlen im November ausgerichtet war, nehmen die Sorgen vor einer Beeinflussung der US-Wähler zu. Microsoft hatte am Dienstag bekanntgegeben, dass Hacker versucht hatten, Nutzerinformationen von US-Politikern und Mitgliedern von rechtskonservativen US-Thinktanks abzugreifen. Die Angreifer haben dem US-Konzern zufolge Verbindungen zur russischen Regierung. Diese wies dies zurück. FireEye erklärte, die nun aufgedeckte Iran-Propaganda könne darauf hindeuten, dass künftig stärker auf die US-Politik Einfluss genommen wird.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%