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Suchmaschinen Zwei gegen den Goliath Google

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Nun noch eine Schadensersatzklage

Ein Kompromiss, wie er sich unter Vestagers Vorgänger andeutete, dass links auf dem Bildschirm Google-Resultate stehen und rechts die der Konkurrenz, ist damit nicht mehr drin. Mehr noch: Ob Google die Resultate seiner Rivalen in Reihenfolge und nach Relevanz gleich gewichtet, ließe sich nur überprüfen, wenn der Konzern einen Einblick in seine Algorithmen gewährte – was Google aus leicht nachvollziehbaren Gründen kategorisch ausschließt.

Was Google Neues plant
GoogleI/O Quelle: AP
Google I/O Quelle: REUTERS
Google I/O Quelle: AP
Google I/O Quelle: REUTERS
Google I/O Quelle: REUTERS
Augmented RealityErweiterte Realität wird zum Beispiel helfen, das richtige Regal im Supermarkt zu finden – und zwar indem die Marschrichtung in das Kamerabild auf dem Smartphone-Display eingeblendet wird. Quelle: REUTERS
Android OAndroid O bekommt als diesjährige Version des meistbenutzten Smartphone-Betriebssystems unter anderem ausgeklügeltere Benachrichtigungen und einen Bild-in-Bild-Modus, wie man ihm vom Fernseher kennt. Quelle: REUTERS

Damit dürfte der Kampf weitergehen. Google könnte seinen eigenen Shopping- und Preisvergleichsdienst in Europa einfach einstellen. Ähnlich verfuhr der Konzern in einem Streit mit Verlagen um Google News in Spanien. Dort ist der Dienst seit 2014 offline. Andererseits würde sich Google mit dem Shopping aus einem äußerst lukrativen Geschäft zurückziehen müssen. Und schnell würden wohl Rufe laut, dass sich der Konzern auch beim Auflisten von Restaurants oder Geschäften zurückhalten müsse. Die Kommission fordert den Konzern aus dem Valley deshalb auch auf, dass seine Lösung künftig auf allen Geräten funktionieren muss, also auch auf Smartphones mit ihren kleinen Bildschirmen. Als die Untersuchung vor sieben Jahren begann, war das mobile Internet noch kein Thema; die Verbraucher nutzten noch die großen Bildschirme von Computern.

Die Raffs empfinden den Kampf gegen Google als zermürbend. Ende vergangenen Jahres haben die beiden den Betrieb der Preisvergleichsseite „vorübergehend“ eingestellt. Man kann sie zwar noch im Netz aufrufen. Aber wer in den weißen Suchschlitz auf der in Grau und Lila gehaltenen Seite etwas eintippt, sieht statt günstiger Fernseher oder Sessel nur viele Informationen zum Wettbewerbsverfahren gegen Google. Inzwischen haben die Raffs Teile ihrer Suchtechnologie an Unternehmen verkauft, die sie für Suchanfragen auf ihren Webseiten nutzen.

Larry Page hat 1998 mit Sergej Brin die Suchmaschine Google gestartet. Heute ist sie eine Macht im Netz. Quelle: REUTERS

Wenn die Raffs bei der Gründung von Foundem gewusst hätten, was da an Ärger und Aufwand, an Kosten und Kämpfen auf sie zukommt, sie hätten die ganze Sache gelassen. „Man glaubt ja zuerst: Das Verschwinden auf der Google-Seite ist ein Fehler, der nach ein paar Tagen oder Wochen behoben sein wird“, sagt Adam Raff. Nicht nur kleineren Konkurrenten wie Foundem sei ein Schaden entstanden, sagen die Raffs, sondern auch jedem Verbraucher, der sich im Netz nach günstigen Angeboten umsieht. Auch sei die Entwicklung neuer, womöglich besserer Dienste verhindert worden.

Wettbewerbskommissarin Vestager hat Firmen, die meinen, Googles Gebaren habe sie um Einnahmen gebracht, dazu ermutigt, juristisch gegen den Giganten vorzugehen. Die Raffs sind schon dabei: Sie haben vor fünf Jahren auf Entschädigung geklagt, das Verfahren dann vorläufig ausgesetzt, um die Entscheidung der Kommission abzuwarten. Jetzt wollen sie es wieder aufnehmen. Ihren eigenen Suchdienst wollen die Raffs wieder aktivieren, sobald sie wissen, dass Google Firmen wie Foundem nicht mehr von seinen Suchergebnissen ausschließe. Es geht ihnen dabei schon lange nicht mehr nur ums Geschäftliche. Sondern ums Prinzip. Darum, dass niemand seine Macht nutzen darf, um andere wegzudrängen. „Wir sind beide in dem Glauben erzogen worden, etwas bewegen zu können“, sagt Shivaun Raff. Das möge kitschig klingen. Habe ihnen aber dennoch geholfen, bis heute durchzuhalten.

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