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Gipfeltreffen der Weltmarktführer„Herr Merz hat gerade großen Mut bewiesen“

Beim CEO-Abend in Schwäbisch-Hall sparte Trumpf-Chefin Leibinger-Kammüller nicht an markigen Aussagen. Einigkeit herrschte bei einem Thema: dem Berliner Dirigismus.Tobias Gürtler, Artur Lebedew 05.02.2025 - 06:42 Uhr

Nicola Leibinger-Kammüller beim CEO-Abend im Rahmen des 15. Gipfeltreffens der Weltmarktführer im Gespräch mit WiWo-Chefredakteur Horst von Buttlar.

Foto: WirtschaftsWoche

Zum 40-jährigen Dienstjubiläum gab es Champagner, jüdische Musik und „schöne Gespräche in guter Gemeinschaft“. Mehr nicht, berichtete Nicola Leibinger-Kammüller am Dienstagabend in Schwäbisch-Hall. Man feiere solche Anlässe „ja nie übertrieben, hier in diesem Landstrich“, also in Schwaben, scherzte die Trumpf-Chefin. Aber: Eine allzu ausgiebige Party schien ihr wohl ohnehin nicht angebracht – in einer Zeit, in der es „eigentlich schon nach 12 ist“, so Leibinger-Kammüller beim CEO-Abend im Rahmen des 15. Gipfeltreffens der Weltmarktführer.

40 Dienstjahre beim Ditzinger Maschinenbauer Trumpf, 20 davon als Vorsitzende der Geschäftsführung – das bedeutet auch: Leibinger-Kammüller hat schon so manche Wirtschaftskrise erlebt. Und dennoch: Die aktuelle Lage habe etwas besonders Bedrohliches, attestierte die Managerin im Gespräch mit WiWo-Chefredakteur Horst von Buttlar. Es gebe gerade eine beunruhigende „Gleichzeitigkeit der Ereignisse“. An deren Spitze: die zunehmende politische Radikalisierung. „Es gärt in der deutschen Gesellschaft“, sagte die Managerin. Und appellierte: „Wir müssen das angehen – dringend. Aber nicht durch die AfD.“

Auch sonst sparte Leibinger-Kammüller am Dienstagabend nicht mit deutlichen Ansagen. An die Politik. An ihre Kollegen und Kolleginnen in den Führungsriegen der deutschen Wirtschaft. An ihre Belegschaft. Und an die deutsche Gesellschaft im Ganzen.

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„Wir arbeiten zu wenig“, sagte die Managerin etwa. Es brauche einen Sinneswandel – weg von Themen wie Work-Life-Balance, zurück zum Leistungsprinzip. „Mehr Leistung und mehr Arbeitszeit“, müsse die Devise lauten. Es benötige einen „mentalen Turnaround in unseren Belegschaften“, einen „neuen Realismus“, eine „neue Tugendhaftigkeit“, appellierte sie.

Und dazu gehöre auch Feiertage abschaffen für mehr Produktivität? Das sei „in der jetzigen Lage nicht durchzubringen“, so Leibinger-Kammüller. „Ich habe viel Fantasie, aber das kann ich mir nicht vorstellen.“ Außer es käme zu einer Regierung aus CDU und FDP, denn: „Herr Merz hat gerade ganz großen Mut bewiesen“, so die Managerin mit Bezug auf die umstrittene Migrationsabstimmung in der vergangenen Woche im Bundestag. Kritik hatte Leibinger-Kammüller derweil für die Grünen und die SPD übrig: Die hätten Herrn Merz vorgeführt und seien das Risiko eingegangen, „dass diese feixende AfD-Bande sich freut“.

Was Sie sich generell von der künftigen Bundesregierung wünsche? „Ein bissl Expertise“, scherzte Leibinger-Kammüller und sorgte damit für Gelächter im Publikum. Etwas ernsthafter formulierte sie anschließend: „Dass sich die Vernünftigen, die es ja in mehreren Parteien gibt, zusammenraufen, die richtigen Themen besetzen und diese auch mit Wert vorantreiben.“

Im vollbesetzten Saal des Gipfeltreffens der Weltmarktführer spricht am Dienstagabend Cem Özdemir (Die Grünen). Er ist Landwirtschaftsminister und seit dem Bruch der Ampel-Koalition zusätzlich Bildungsminister.

Foto: Foto Vogt GmbH

Zum 15. Mal treffen sich Spitzenkräfte deutscher Weltmarktführer zum Gipfeltreffen in Schwäbisch Hall: Am Mittwochmorgen spricht WirtschaftsWoche-Redakteurin Sonja Álvarez mit der zugeschalteten Cathryn Clüver Ashbrook, Direktorin der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

Foto: Foto Vogt GmbH

WirtschaftsWoche-Chefredakteur Horst von Buttlar begrüßt die Gäste.

Foto: Foto Vogt GmbH

Die Chefin des Maschinenbauers Trumpf, Nicola Leibinger-Kammüller, diskutiert mit WirtschaftsWoche-Chefredakteur Horst von Buttlar über die politische und wirtschaftliche Großwetterlage. Hier finden Sie eine Zusammenfassung des Gesprächs.

Foto: Foto Vogt GmbH

Ein Blick ins Publikum beim Weltmarktführergipfel 2025 in Schwäbisch Hall.

Foto: Foto Vogt GmbH

Rainer Bürkert, Mitglied der Konzernführung der Würth-Gruppe, im Gespräch mit WirtschaftsWoche-Redakteurin Sonja Álvarez.

Foto: Foto Vogt GmbH

Angela Titzrath, Chefin der HHLA, der Betreiberfirma des Hamburger Hafens, im Gespräch mit WirtschaftsWoche-Chefredakteur Horst von Buttlar.

Foto: Foto Vogt GmbH

Angeregte Diskussion einiger Gäste am Vorabend des Weltmarktführergipfels.

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Initiator des Gipfeltreffens der Weltmarktführer: Walter Döring, ehemaliger Wirtschaftsminister Baden-Württembergs und Inhaber der Akademie Deutscher Weltmarktführer.

Foto: Foto Vogt GmbH

„Status quo funktioniert nicht mehr“

Hat die Politik die Klagen verstanden? Geht es nach dem scheidenden Landwirtschafts- und Kurzzeit-Bildungsminister Cem Özdemir (Die Grünen), muss die Antwort heißen: durchaus. „Status Quo funktioniert nicht mehr. Nur was dann?“, fragte Özdemir mit Blick auf die aktuelle Migrationspolitik und zeigte sich auch bereit, dafür scheinbar grüne Grundsätze bei gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fragen aufzuweichen. Asylverfahren außerhalb der EU samt anschließender Verteilung? Ja! Weniger Staatsdirigismus zugunsten freier Marktwirtschaft? Das auch!

Den Versuch seines Parteikollegen und Wirtschaftsministers Robert Habeck, mit teuren Subventionen große Technologiefabriken im Land anzusiedeln, sieht er zwar als nicht gescheitert an. So richtig funktioniert habe es aber auch nicht. „Wir können uns nicht gegen den Markt ansubventionieren“, sagte der Minister und forderte auch von seiner eigenen Partei, den „Freihandel hochzuhalten“.

Özdemir will im nächsten Jahr Ministerpräsident von Baden-Württemberg werden und tourt als wirtschaftsliberaler Realo-Grüner durch das Ländle. Seine Haltung unterscheidet sich also durchaus von der grünen Basis in Berlin. Und trotzdem ist es interessant, wenn er auch die eigene Partei dazu aufruft, über bestimmte Leitlinien hinauszudenken. Weniger Kaufprämien, stabilere Rahmenbedingungen.

Und er erzählte von einem kürzlichen Besuch beim Mercedes-Chef Ola Källenius, der ihm einen Vorschlag machte. Warum nicht einen Anreiz fürs Tanken von E-Autos einführen? Keine hohe Summe, aber für eine lange Zeitspanne von zehn Jahren. „Das wäre Planungssicherheit“, ruft Özdemir in den Saal. Und die sei jetzt nötig. Und eben: kein Mikromanagement. 

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