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Lakestar-Gründer Hommels über SPAC „Auch der Mittelstand kommt in den Fokus“

Start-up-Investor Klaus Hommels Quelle: dpa Picture-Alliance

Start-up-Investor Klaus Hommels sucht ein junges Tech-Unternehmen für seine Börsengesellschaft Lakestar Spac 1. Was die Gründer mitbringen müssten – und was besser nicht.

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WirtschaftsWoche: Herr Hommels, Sie haben 275 Millionen Euro bei institutionellen Investoren eingesammelt und die Gesellschaft mit dem Namen „Lakestar SPAC 1“ an die Börse gebracht. Mit dem so genannten SPAC, einer Börsenhülle ohne Unternehmen, sind Sie ein Pionier in Deutschland – ein Grund zu feiern? 
Klaus Hommels: Die eigentliche Aufgabe steht ja noch bevor. Ich habe zu meinem Bankenteam gesagt: Wenn wir unser Projekt 'Hannibal' genannt hätten, dann haben wir jetzt den Elefanten gefunden. Jetzt müssen wir den Elefanten über die Alpen tragen.

Haben Sie schon konkrete Unternehmen im Blick, die Sie an die Börse holen wollen?
Wir haben 70 bis 80 Unternehmen auf eine Liste gesetzt, die praktisch in die engere Wahl kommen. Dazu gehören naturgemäß sieben bis zehn Start-ups, in die wir über die Investmentgesellschaft Lakestar finanziert sind. Es gibt aber noch viele andere Unternehmen. Zu allen haben wir direkt oder indirekt Kontakt. Wir kennen die Gründer teilweise aus früheren Pitches oder weil wir die Beteiligungsfirmen kennen, die bei ihnen investiert sind.

Was muss ein Unternehmen draufhaben, in das Sie dann die 275 eingesammelten Millionen investieren und an die Frankfurter Börse holen würden?
Es sollte etwa 3,5 bis 4-mal so viel Wert sein, sprich: bis zu 1,2 Milliarden Euro. Die Wachstumsrate sollte bei mindestens 30 Prozent pro Jahr liegen, das Geschäftsmodell einzigartig und skalierbar sein. Die Gründer sind außerdem lösungs- und nicht geldorientiert. Dann könnten wir zusammenkommen.

Es gibt Marktbeobachter, die es kritisch sehen, dass Sie in die Portfolio-Unternehmen von Lakestar investieren könnten.
Der Spac und die Investmentgesellschaft sind rechtlich getrennt. Wir haben uns außerdem noch nicht festgelegt, in welches Unternehmen wir investieren. Alles andere hätten die Sponsoren auch nicht akzeptiert.  

Sennheiser sucht gerade einen Investor für die Kopfhörer-Sparte: Premiumtechnik sucht Vertriebspower. Wäre das ein Match?
Wer mich kennt, der weiß, dass ich vor allem in Tech-Unternehmen investiere. Diesen Fokus werde ich beibehalten. Und der Fokus wird Europa sein. Die meisten Start-ups sind in Berlin, München, Paris oder Stockholm. Für Sennheiser wäre ich nicht wertsteigernd.

Fällt der deutsche Mittelstand damit grundsätzlich aus dem Schema?
Ganz sicher nicht. Es wird hoffentlich mehrere Spacs geben, die europäische Unternehmen in den Fokus nehmen. Darunter wird es dann sicher auch Börsengesellschaften geben, die den europäischen Mittelstand in den Fokus nehmen. 

Oliver Samwer, Klaus Kleinfeld und Martin Blessing haben ebenfalls Spacs gegründet oder wollen dies tun. Konkurrieren Sie dann um die gleichen Start-ups?
Das glaube ich nicht. Zumindest Klaus und Martin bringen andere Erfahrungen in ihren Spac mit ein. Sie haben eher einen Industriefokus. Oli macht etwas Ähnliches wie wir, wobei unser Fokus eindeutig auf Europa und nicht den USA liegt. Das unterscheidet uns. 

Andere Investoren bringen ihre Spacs in den USA an die Börse. Der Lakestar Spac 1 ist in Frankfurt notiert. Warum machen Sie das so?
Ich war anfangs skeptisch, ob Spacs wirklich ein geeignetes Vehikel sind, um Start-ups zu unterstützen. Aber in den USA gibt es inzwischen Dutzende Spacs. Und ich sehe darin eine große Gefahr für Europa. Die US-Spacs kaufen junge Unternehmen und bringen sie in den USA an die Börse. Weil der Markt in den USA bald abgegrast ist, kommen sie bald nach Europa und suchen hier attraktive Start-ups. Ich habe daher vor einigen Monaten mit Theo Weimer von der Deutschen Börse gesprochen und ihm gesagt, dass das so nicht weiter gehen darf. Das ist ein strukturierter Ausverkauf der europäischen Hightech-Elite. Dagegen wollte ich was tun. Ich will auch ein Zeichen setzen, damit andere Investoren unserem Beispiel folgen.

Am Ende wollen auch Sie Geld verdienen.
Wenn es mir alleine um Geld ginge, hätte ich den Spac in New York an die Börse gebracht. In den USA wird das eingesammelte Geld verzinst, in Deutschland muss ich Sollzinsen zahlen. Außerdem haben wir uns darauf geeinigt, dass unser Spac anfangs nur ein Drittel der Aktien verkaufen darf, sobald wir ein Start-up an die Brörse geholt haben. Die anderen zwei Drittel dürfen wir erst dann verkaufen, wenn der Wert der Aktie um 20 beziehungsweise 40 Prozent gestiegen ist. In den USA kriegen die Sponsoren sofort 20 Prozent Erfolgsprämie.

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Was motiviert Sie also?
Ich hatte das Glück, dass ich in der Vergangenheit ein paar Mal richtig investiert habe. Ich kann jetzt meinen eigenen Don-Quichote-Kampf kämpfen. Es geht mir darum, europäische Hightechunternehmen in Europa zu halten. Wir dürfen nicht zulassen, dass wertvolles Know-how in die USA abfließt. Investmentfonds sind nur selten so groß, dass sie eine Summe von 275 Millionen investieren können.

Das heißt, Sie planen weitere Spacs?
Zunächst einmal hoffe ich, dass neben mir noch weitere Investoren Spacs gründen, um deutsche und europäische Spacs in Europa zu halten. Ich möchte noch ein oder zwei weitere Spacs gründen. Die Investmentbanken sehen das auch so. Mein erste Spac war achtfach überzeichnet. 

Mehr zum Thema: In den USA boomen spezielle Anlagevehikel, über die Firmen durch die Hintertür an die Börse kommen. Anleger kaufen eine Blackbox.

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