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Sportwagenbauer Wie Matthias Müller die Marke Porsche aufpolieren will

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Prozesse hängen schief

In seinem neuen Job bei Porsche steht schon in den kommenden Wochen eine Reihe wichtiger Entscheidungen an, bei denen heftiger Widerstand nicht nur aus den eigenen Reihen, sondern auch von den Kollegen aus Ingolstadt und Wolfsburg zu erwarten ist.

So soll noch im Oktober zum Beispiel über die Frage entschieden werden, welche Marken sich in welchen Motorsportserien (DTM, Rallyesport) engagieren sollen: Beim prestigeträchtigen 24-Stunden-Rennen in Le Mans war beispielsweise Porsche lange Jahre Platzhirsch, nun ist dort Audi auf Siege abonniert. Das könnte sich 2012 ändern. Und auch einen Wiedereinstieg in die Formel 1 wünschen sich einige Porsche-Manager: Eine Runde unter Führung von Bentley-Chef Franz-Josef Paefgen wird deshalb demnächst eine Motorsport-Strategie für den Konzern zu entwickeln versuchen.

Vor allem aber stehen bei Porsche in den kommenden Wochen wichtige Produkt- und Produktionsentscheidungen an, wie aus Porsche-internen Papieren hervorgeht, die der WirtschaftsWoche vorliegen: der Bau eines kleinen Roadster in Zusammenarbeit mit VW, die Montage des Kompakt-Geländewagens bei Audi in Ingolstadt und die Entwicklung einer Plattform für Sportlimousinen, die von Porsche, Audi, Lamborghini und Bentley gemeinsam genutzt werden könnte.

Doch Müller, der von Wegbegleitern als sportlich-robuster Typ und „sehr kantige Persönlichkeit“ beschrieben wird, ist vor den zu erwartenden Auseinandersetzungen nicht bang: Beim Eisstockschießen auf den Seen seiner geliebten bayrischen Heimat hat er gelernt, sich auf spiegelglattem Boden zu bewegen und gegnerische Stöcke mit präzisen Würfen aus dem Zielfeld zu stoßen.

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    Aber auch Porsche selbst wird sich bewegen müssen: Prozesse hängen schief, Marktchancen werden nicht genutzt, der Absatz des Elfer lahmt. Müller redet sich bei dem Thema in Fahrt. Die Defizite regen ihn dermaßen auf, dass er die aufgetafelten Speisen beinahe vergisst.

    Elfer ist zu alltagstauglich

    Der von Mercedes abgeworbene Strategieplaner Kjell Gruner hat von ihm schon vor einigen Wochen den Auftrag bekommen, die Alleinstellungsmerkmale von Porsche gründlich herauszuarbeiten. Über der Beschäftigung mit Finanzthemen ist nicht nur nach Ansicht von Müller im Porsche-Vorstand unter Wiedeking das Kernthema des Unternehmens – der Bau innovativer Autos – in den zurückliegenden zwei Jahren ein wenig aus dem Blickwinkel geraten. Darauf müsse man sich bei Porsche wieder stärker konzentrieren: „Da hat man den Faden verloren.“

    Der Sportwagenhersteller, doziert Müller, müsse auch technologisch endlich wieder eine Führungsrolle übernehmen und sich dabei des ursprünglichen Charakters seiner Produkte besinnen: „Unsere Autos“, kritisiert er, „scheinen zu alltagstauglich geworden zu sein.“

    Für seinen blauen Turbo S gilt das natürlich nicht.

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