Sternstunde: Mit Billigraketen auf Weltraumreise
Space Adventures - Trip zum Mond: In vier Jahren schickt der Raumfahrtunternehmer Eric Anderson zwei Touristen auf einen Flug um den Mond.
Foto: PresseWer eine Milliarde Dollar besitzt, lebt auf der Erde wie ein König. Aber wer den Planeten verlassen will, kommt auch mit so viel Geld nicht weit - mit viel Glück 400 Kilometer bis zur Raumstation ISS. Flugtickets zum Mars, zu den Kometen oder zu den Sternen sind nirgends aufzutreiben.
Die Menschheit sitzt auf ihrer blauen Kugel fest wie ein Schiffbrüchiger im All.
Doch damit will sich ein Club aus Superreichen nicht abfinden. Wenn es keine Airline ins All gibt, so lautet ihr Motto, dann gründen wir eben eine.
Robert Bigelow, der mit seiner Hotelkette Budget Suites of America zum Milliardär geworden ist, entwickelt eine aufblasbare Raumstation aus High-Tech-Fasern, in der Astronauten ab 2015 um die Erde kreisen.
Richard Branson, Milliardär und Chef des britischen Musik- und Luftfahrtkonzerns Virgin, baut in New Mexico ein Raumschiff samt Weltraumbahnhof, das ab 2014 Touristen ins All fliegen soll.
Dieser Schnappschuss von Erde und Mond (Pfeil) ist der Raumsonde Cassini geglückt. Die eigentlich zur Erkundung des Planeten Saturn ausgeschickte Sonde befand sich zum Zeitpunkt der Aufnahme rund 1,4 Milliarden Kilometer von unserem Heimatplaneten entfernt.
Möglich wurde der Schnappschuss, weil die Sonne zum Zeitpunkt der Aufnahme hinter dem Planeten stand, dessen Rand man oben links erkennt, zusammen mit einem Teil seines bekannten Ringsystems. Bei einer anderen Sonnenposition wären Erde und Mond durch das Licht unseres Zentralgestirns überstrahlt worden.
Foto: dpaDieses 1972 von Astronauten der Nasa-Mondmission Apollo 17 gemachte Bild ist ein echter Klassiker. Als "Blue Marble" - so der Titel des Fotos - präsentierte sich die Erde den Raumfahrern aus einer Distanz von 45.000 Kilometern.
Foto: NASANeil Armstrong und Buzz Aldrin waren nicht nur die beiden ersten Menschen auf dem Mond, sie konnten auch als erste Betrachter diesen Anblick genießen: Die Erde geht über dem Mondhorizont auf. Klar, dass sie von diesem Ereignis ein Foto zur Erde funkten.
Foto: NASAErde und Mond auf einem Bild vereint - was uns heute alltäglich erscheint, war in den frühen Tagen der Raumsonde Voyager 1 eine Sensation. Am 18. September 1977 funkte die Sonde diesen Schnappschuss aus gut 11 Millionen Kilometern zur Erde, um sich dann auf ihre weite Reise durch das Sonnensystem zu machen.
Foto: NASAEin gutes Stück näher war die Sonde Galileo, als sie auf ihrem Weg zum Jupiter einen Blick zurück auf Erde und Mond warf. Doch nicht nur die geringere Distanz zwischen Kamera und Motiv - "nur" rund 6 Millionen Kilometer - sorgte für eine höhere Bildqualität im Vergleich zum Voyager-Bild, auch die Technik war ein gehöriges Stück weiter - das Galileo-Bild entstand 1992.
Foto: NASAZugegeben, besonders eindrucksvoll wirkt die Erde auf diesem Bild nicht gerade. Und doch hat diese Aufnahme aus dem Jahr 2004 großen historischen Wert: Erstmals wurde unser Heimatplanet von der Oberfläche eines anderen Planeten aus fotografiert. Den kleinen Lichtpunkt am Himmel über dem Planeten Mars fing die Kamera des Nasa-Rovers Spirit ein. Zum Zeitpunkt der Aufnahme betrug die Entfernung zwischen beiden Planeten rund 65 Millionen Kilometer.
Foto: NASAAuch dieses Bild der Erde wurde von einer Marssonde gemacht, dem Mars Global Surveyor. Die nachträglich eingefügten Details in der rechten Darstellung verdeutlichen, welchen Teil unseres Heimatplaneten die Sonde aus knapp 140 Millionen Kilometern ins Bild setzte.
Foto: NASAMerkur, den sonnennächsten Planeten unseres Sonnensystems, erkundete die Raumsonde Messenger. Als sie im Mai 2010 einen Blick zurück warf, gelang ihr dieser Schnappschuss von Erde und Mond aus einer Distanz von 183 Millionen Kilometern.
Foto: NASAEin winziger blauer Punkt, mehr blieb von der Erde nicht übrig, als die Sonde Voyager 1 sie im Februar 1990 aus rund sechseinhalb Milliarden Kilometer Entfernung ins Bild setzte. Die auffälligen Streifen im Bild sind Lichtreflexe, die entstanden, weil sich unser Heimatplanet zum Zeitpunkt der Aufnahme aus Voyagers Perspektive nahe an der Sonne befand.
Foto: NASAUnd Eric Anderson, Gründer des US-Raumfahrt-Startups Space Adventures, will 2017 einen Rundflug um den Mond arrangieren. Zwei Tickets hat er verkauft, angeblich für 150 Millionen Dollar pro Stück.
Vor allem im Kreise der Internet-Mogule gehört es fast zum guten Ton, sein eigenes Raumfahrt-Startup zu gründen: Amazon-Erfinder Jeff Bezos konstruiert mit seinem Startup Blue Origin ein Raumschiff für Touristen. Microsoft-Mitgründer Paul Allen entwickelt mit einem Jet namens Stratolaunch das größte Flugzeug der Welt, das als fliegende Raketenstartrampe dienen soll. Google-Chef Larry Page wiederum finanziert die Pläne von Planetary Resources, Rohstoffe auf Asteroiden abzubauen.
Es herrscht ein Weltraumfieber wie Anfang der Sechzigerjahre, als US-Präsident John F. Kennedy beschloss, den ersten Menschen zum Mond zu schießen. Anders aber als beim Apollo-Programm geht es nicht um ein Duell von Supermächten. Die neuen Himmelsstürmer wollen den Weltraum nicht aus Prestigegründen erobern, sie wollen ihn wirtschaftlich erschließen.
Die Raumfahrt, die mehr als 50 Jahre lang eine Domäne staatlicher Agenturen wie Nasa oder Esa war, wird zum Projekt privater Investoren - und das All zum Emerging Market. "Fast im Wochentakt stellt ein neues Raumfahrt-Startup seine Pläne vor", sagt James Pura, Präsident der einflussreichen Space-Frontier-Stiftung, die den Weltraum besiedeln will, "und alle in der Szene fragen sich, welches davon den nächsten Milliardär hervorbringt."
Auslöser der Gründerwelle war der Ansari X-Prize, ein Wettbewerb, den der US-Unternehmer Peter Diamandis Mitte der Neunzigerjahre ausschrieb. Er versprach zehn Millionen Dollar Preisgeld für das erste Unternehmen, das einen Menschen mindestens 100 Kilometer hoch fliegen würde, an jene Schwelle also, ab der offiziell der Weltraum beginnt. Im Jahr 2004 gewann das US-Raumfahrtunternehmen Scaled Composites mit seinem Raumgleiter SpaceShipOne den Preis. Der Erfolg elektrisierte die gesamte Branche.
Microsoft-Mitgründer Paul Allen will die Raumfahrt revolutionieren. Er plant den Bau des bisher größten Flugzeuges auf der Welt, von dem aus Satelliten oder auch Raumfahrzeuge gestartet werden sollen.
Foto: dapdDie Raumfahrzeuge sollen von dem Flugzeug-Giganten in 10.000 Meter Höhe gebracht werden. Dort erfolgt dann der Start ins All.
Foto: dapdIn den Flugzeugriesen sollen sechs Boeing-747-Triebwerke eingebaut werden. Das Gewicht wird bei 544 Tonnen liegen, die Flügelspannbreite bei 116 Metern.
Foto: dapdZum Start und zur Landung benötigt das Flugzeug eine 3,65 Kilometer lange Bahn.
Foto: HandelsblattAllens Unternehmen Stratolaunch arbeitet bei der Konstruktion der Maschine mit dem legendären Flugzeugdesigner Burt Rutan (l.) zusammen.
Foto: dapdBeide hatten bereits bei der Entwicklung des SpaceShipOne kooperiert, das es 2004 als erstes privat gebautes bemanntes Fahrzeug in den Erdorbit schaffte.
Foto: apDer erste Flug der Maschine sei innerhalb der nächsten fünf Jahre geplant, so Allen.
Foto: HandelsblattAllens Interesse am Weltraum beschränkt sich nicht auf die Raumfahrt. Er unterstützt auch das kalifornische SETI-Institut bei der Suche nach extraterrestrischer Intelligenz. Ein großes Radioteleskop in Nordkalifornien ist nach Allen benannt.
Foto: Reuters
DSI - Asteroidenmine: Deep Space Industries jagt Asteroiden, um aus ihnen Wasser und kostbare Metalle zu gewinnen.
Foto: PresseVor drei Jahren fachte die US-Regierung den Gründerboom weiter an, indem sie ihre Raumfahrtstrategie radikal umwarf: Die Nasa sollte nun vor allem den tiefen Weltraum erkunden und bis 2025 Astronauten zu einem Asteroiden bringen. Das teure Spaceshuttle wurde 2011 eingemottet - den Flug zur Raumstation ISS sollten nun kommerzielle Anbieter übernehmen.
Im Auftrag der Nasa baut daher eine wachsende Zahl von Unternehmen Raketen und Raumfähren, um Nahrungsmittel, Labormaterial und Werkzeuge zur ISS zu bringen. Der erste private Lieferflug gelang 2012 dem Startup SpaceX. Sein Gründer, der Milliardär Elon Musk, wurde vor allem durch sein Elektroauto Tesla bekannt - nun will er die Raumfahrt revolutionieren.
Auch das Unternehmen Orbital Sciences und der Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing bauen Raumkapseln im Dienste der Nasa, und die Sierra Nevada Corporation im US-Bundesstaat Nevada entwickelt gar einen Nachfolger des Spaceshuttles, der wahrscheinlich im Jahr 2017 startbereit ist.
Dabei wollen die Raumfahrtrebellen die Kosten für Raumflüge radikal senken: Wiederverwendbare Raketen und Raumgleiter sollen den Weltraum auch für Touristen, Forscher und Unternehmer zu Spottpreisen erschließen.
Getrieben von diesem Ziel, entsteht gerade eine ganze Industrie im All. Die kühnen Pläne reichen von Marsflügen für Touristen über Tankstellen im Erdorbit bis zu Stationen auf dem Mond und Erzminen auf Asteroiden. In einigen Jahren soll sich die Weltraumökonomie gar selbst mit Rohstoffen versorgen, die der Mond und andere Himmelskörper im Überfluss bieten.
Ferientrip in den Weltraum
Gelingt es, seltene Metalle auch zur Erde zu bringen, dann bricht ein Rohstoffboom aus, der Windräder, Handys oder Elektroautos leistungsstärker und billiger machen könnte, ohne die Natur zu zerstören.
Aber zunächst werden es Touristen sein, die das Geschäft mit dem All ankurbeln. Auf der Web-Seite von Richard Bransons Spaceline Virgin Galactic etwa ist das Zeitalter der Raumfahrt für alle schon angebrochen. Interessenten müssen nur Name, E-Mail und Telefonnummer in ein Formular tippen, um den Trip ihres Lebens zu buchen: eine Pauschalreise in den Weltraum.
März 2017
Curiosity hat inzwischen deutliche Abnutzungsspuren. Ein Routine-Check der Reifen im März zeigt, dass es am linken mittleren Reifen zwei Brüche der sogenannten Stege im Profil gibt (im Bild ist einer davon leicht abstehend oben am Reifen zu sehen). Der Rover hat während seiner Reise über den Roten Planeten inzwischen etwa 16 Kilometer zurückgelegt. Curiosity-Projektmanager Jim Erickson sagte, alle sechs Reifen hätten trotz der sichtbaren Schäden noch genug Lebenszeit, um den Rover zu allen geplanten Orten zu bringen.
Die regelmäßige Überwachung der Reifen wurde eingeführt, nachdem die Forscher im Jahr 2013 deutlich mehr Dellen und Löcher in den Rädern entdeckt hatten, als erwartet worden war. Tests auf der Erde hatten festgelegt, dass mit dem Bruch von drei Stegen rund 60 Prozent der Lebenserwartung des Reifens abgelaufen sind. Curiosity hat aber bereits deutlich mehr als diesen Anteil an der geplanten Strecke zurückgelegt.
Foto: NASA/JPL-Caltech/MSSSJanuar 2017
US-Präsident Barack Obama verlässt das Weiße Haus - und auch Curiosity verabschiedet sich. Auf der Kurznachrichtenplattform Twitter teilte das Social-Media-Team des Rovers ein Bild, dass die Unterschrift Obamas zeigt. "Unterzeichnet, versiegelt, ausgeliefert. Ich habe die Unterschrift des US-Präsidenten auf die Oberfläche des Mars gebracht", heißt es in dem Tweet. Es zeigt eine Plakette, die auf Curiositys Deck angeschraubt ist. Aufgenommen hatte der Rover das Bild bereits am 44. Tag seiner Mars-Expedition im September 2012.
Foto: ScreenshotNovember 2016
Curiosity hat bei seiner Erkundungstour auf dem Mars einen dunklen, Golfball-großen Meteoriten gefunden. Die hellen Punkte zeigen die Stellen, die der Rover mit seinem Laser beschossen hat, um seine Zusammensetzung zu erforschen. Die Analyse zeigt, dass es sich um einen Eisen-Nickel-Meteoriten handelt. Solche Objekte finden sich gelegentlich auch auf der Erde. Auch auf dem Mars konnten die Forscher schon solche Meteoriten entdecken, dieser war nun jedoch der erste, der mittels Laser-Analyse untersucht wurde. Der "Egg Rock" genannte Meteorit könnte schon seit Millionen von Jahren auf der Marsoberfläche liegen - die Nasa-Forscher wollen ihn nun weiter untersuchen.
Foto: NASA, JPL-Caltech, LANL, CNES, IRAP, LPGNantes, CNRS, IAS, MSSSSeptember 2016
Die Kuppen und herausstehenden Felsen aus Schichtgestein am Mount Sharp entstanden wohl aus von Wind abgelagertem Sand. Sie erinnern stark an Wüstenlandschaften auf der Erde, etwa im Grand Canyon oder dem Monument Valley.
Foto: NASASeptember 2016
Der Rover sendet neue Fotos vom Mars: Im Hintergrund der Aufnahme ist der Rand des Gale-Kraters zu sehen, in dem Curiosity seit 2012 aktiv ist. Geologisch ist die Region besonders interessant, da sie die Untersuchung zahlreicher Gesteinsschichten ermöglicht. Der etwa fünf Kilometer hohe Mount Sharp liegt in der Mitte des Gale-Kraters.
Juli 2016
Curiosity kann jetzt seine eigenen Ziele für die Laser-Analyse auswählen. Bisher wurden diese von der Erde aus anhand von Fotos ausgewählt. Die Wissenschaftler auf der Erde werden dadurch aber nicht ersetzt: Die neue Funktion soll vor allem dann zum Einsatz kommen, wenn die Nasa-Forscher anderweitig beschäftigt sind. Curiosity sendet auch nicht ständig Bilder, sondern am Ende seiner Wegstrecken. Bisher könnten wichtige Objekte auf Fahrten daher übersehen worden sein.
Foto: NASA28. Juni 2016
Der Mars hatte wahrscheinlich einst eine sauerstoffreiche Atmosphäre. Das schließen Forscher aus dem Nachweis von Manganoxid im Marsgestein. Das Mineral forme sich unter sauerstoff- und wasserreichen Bedingungen, argumentieren die Wissenschaftler um Nina Lanza vom Los Alamos National Laboratory (US-Staat New Mexico). Sie stellen ihre Beobachtungen mit dem Marsrover „Curiosity“ im Fachblatt „Geophysical Research Letters“ vor. „Curiosity“ hatte Mineraladern im Sandstein des Roten Planeten per Laser analysiert, die geologisch dem jungen Mars zugeordnet werden können. Dabei stieß der Rover auf große Anteile Manganoxid.
„Diese manganreichen Materialien können sich nicht ohne eine Menge flüssiges Wasser und stark oxidierende Bedingungen bilden“, betonte Lanza in einer Mitteilung des Jet Propulsion Laboratory der Nasa. Zwar könnten auch Mikroorganismen Manganoxid produzieren, diese Variante sei auf dem Mars jedoch unwahrscheinlicher.
Das Bild zeigt Curiosity an der Stelle, wo er große Anteile Manganoxid im Sandstein des Mars gefunden hatte. Der entsprechende Stein ist im Foto unten vergrößert dargestellt.
Foto: dpa23. Juni 2016
Curiosity hat ein überraschendes Mineral auf dem Mars entdeckt. Bei der Untersuchung einer Gesteinsprobe, die der Rover vor einem Jahr entnommen hatte, sei Tridymit gefunden worden, teilte die Nasa in der Nacht mit. Tridymit sei bislang nur auf der Erde in Zusammenhang mit kieselsäurereichem Vulkanismus entdeckt worden, beispielsweise am Mount St. Helens-Vulkan im Nordwesten der USA. Auf dem Mars sei diese Art von Vulkanismus und damit auch Tridymit nicht erwartet worden. „Die Entdeckung von Tridymit war komplett unerwartet“, sagte Nasa-Wissenschaftler Doug Ming, der die Erkenntnisse gemeinsam mit Kollegen in den „Proceedings“ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften veröffentlichte. „Sie bringt die Frage mit sich, ob der Mars eine viel heftigere und explosivere vulkanische Vergangenheit während seiner Entstehung hatte, als bislang gedacht.“
Nachfolgend finden Sie einen Überblick, was Curiosity schon alles auf dem Mars entdeckt hat - bis zurück zum Tag der Landung.
Foto: NASA/JPL-Caltech/MSSSMärz 2016: Nasa stellt neues Forscherteam zusammen
Die Nasa hat 28 neue Forscher für die Curiosity Marsrover-Mission ausgewählt. Gemeinsam mit 120 weiteren Mitgliedern des Forscherteams und mehr als 300 Hilfskräften sollen sie die Unmengen an Daten auswerten, die der Rover in den vergangenen knapp vier Jahren zur Erde gesendet hat.
2014 hat der Rover seine Primärmission abgeschlossen: Er konnte Belege dafür liefern, dass der Mars zu Urzeiten einmal Umweltbedingungen aufwies, die mikrobielles Leben möglich machen.
Seitdem ist Curiosity auf einer ausgeweiteten Marsmission unterwegs. Nun lassen Forscher den Rover erkunden, wie sich die Bedingungen auf dem Mars zum heutigen, trockenen und lebensfeindlichen Zustand gewandelt haben.
Januar 2016
Ein neues Selbstportrait, das der Nasa-Rover am 19. Januar machte, zeigt Curiosity in der "Namib-Düne" beim Buddeln. Zu diesem Zeitpunkt war der Rover seit 1228 Tagen auf dem Mars. Mithilfe eines Rades und einer Schaufel sammelt er weiter Proben für Laboranalysen. Die Szene, die die Nasa einige Wochen später im Februar veröffentlichte, ist eine Zusammensetzung aus insgesamt 57 Fotos, die Curiosity zur Erde schickte.
Die "Namib-Düne" liegt an der nordwestlichen Flanke des Mount Sharp. Aufnahmen aus der Region lassen den Schluss zu, dass sich die Sanddünen dort um etwa einen Meter pro Erdenjahr bewegen.
Oktober 2015
Bilder wie dieses vom Marsrover Curiosity deuten daraufhin, dass es vor mehr als drei Milliarden Jahren zahlreiche Seen auf dem Mars gegeben hat. John Grotzinger vom California Institute of Technology in Pasadena hat gemeinsam mit seinen Mitarbeiterin in der Fachzeitschrift „Science“ berichtet, dass der Mars über ein ganzes Gewässer-Netzwerk aus Seen und Flüssen bestanden hat. Hinweise dafür fanden sie in den zahlreichen Bilder von Gesteinsschichten. Die Schichten, die darauf zu erkennen sind, deuten laut den Forschern darauf hin, dass die Ablagerungen von Schlamm oder Sand im Wasser entstanden - vergleichbar mit Gewässer-Sedimenten auf der Erde.
Foto: NASAAugust 2015
Auf dieser Aufnahme sieht es so aus, als beobachte eine Frau auf dem Mars den Rover; das Bild sorgte in Internetforen und unter Verschwörungstheoretikern für kollektive Schnappatmung und wurde als Beweis für außerirdisches Leben gehandelt. Tatsächlich ist die Autokorrektur in unserem Gehirn dafür verantwortlich, dass wir auf der verschwommenen Aufnahme von Gesteinsformationen eine Frau zu erkennen glauben. Zuvor gab es bereits im Mai ein ähnliches Phänomen...
Foto: NASAMai 2015: Pyramiden auf dem Mars?
Ein Bild, das der Rover auf seiner Expedition schoss, sorgt für Wirbel im Netz und begeistert die Verschwörungstheoretiker. Es geht um die gleichmäßige, spitze Formation (im roten Kreis), die darauf zu sehen ist. Handelt es sich dabei etwa um eine Pyramide? Die Theorie einer untergegangenen Zivilisation, die einst monumentale Bauwerke auf dem Mars errichtete, versetzt Ufo-Fans in Ekstase. Ist hier die Spitze einer verschütteten Pyramide zu sehen und der Beweis für Leben auf dem Mars erbracht? Die Wahrheit dürfte viel langweiliger sein. Vermutlich handelt es sich einfach um einen von Wind und Staub ungewöhnlich glatt geschliffenen Stein. Den Rest übernimmt unsere Fantasie - wie zum Beispiel schon, als die "Bild"-Zeitung 2014 einen vermeintlichen Mars-Menschen entdeckte.
Foto: NASAApril 2015: Hinweise auf flüssiges Wasser
Auf dem Mars gibt es möglicherweise auch heute noch flüssiges Wasser. Darauf deuten Messungen des Marsrovers Curiosity hin, wie ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Nature Geoscience" berichtet. Demnach könnte sich abends in den oberen fünf Zentimetern des Bodens aus der Luftfeuchtigkeit eine Art Salzlauge bilden, die morgens wieder verdunstet. Für Leben sei es allerdings vermutlich zu wenig Wasser und zu kalt. „Wir haben die Substanz Kalziumperchlorat im Boden entdeckt, und unter den richtigen Bedingungen absorbiert sie Wasserdampf aus der Atmosphäre“, erläuterte Morten Bo Madsen von der Universität Kopenhagen. „Unsere Messungen von der Wetterstation des Rovers „Curiosity“ zeigen, dass diese Bedingungen nachts und direkt nach Sonnenaufgang im Winter existierten.“ Der Rover zeichnet am Boden und in 1,6 Metern Höhe unter anderem Lufttemperatur und -feuchtigkeit auf.
„Wenn es Nacht wird, kondensiert ein Teil des Wasserdampfs aus der Atmosphäre auf der Planetenoberfläche als Reif, aber das Kalziumperchlorat ist sehr stark absorbierend und bildet mit dem Wasser eine Salzlauge, wobei der Gefrierpunkt sinkt und der Reif so zu einer Flüssigkeit werden kann“, erläuterte Madsen. Der Boden sei so porös, dass diese einige Zentimeter tief einsickere. Tagsüber verdampfe das Wasser dann wieder.
Die Beobachtung reiht sich ein in eine Kette von Indizien für flüssiges Wasser, das einst auf dem Mars existiert haben muss oder sogar heute noch vorkommt. So haben Forscher Spuren ausgetrockneter Seen und Flüsse erspäht sowie Sedimente gefunden, aus denen sie auf ehemalige Wasservorkommen schließen (siehe nächstes Bild).
Ende März 2015: Mineral-Adern auf dem Mars
Curiosity erforschte im März 2015 ein Mars-Gebiet, das die Nasa-Forscher "Garden City", also Gartenstadt getauft haben. Dabei schoss die Mast-Kamera des Rovers diese Aufnahme mineralischer Adern, die den Boden durchziehen. Die Wissenschaftler können daraus auf mehrere Episoden in der Geschichte des Roten Planeten schließen, in denen es eine irgendwie geartete Flüssigkeit gab. Denn solche Grate entstehen, wenn Flüssigkeiten sich ihren Weg durch zerklüftetes Gestein bahnen und sich in den Rissen Mineralien ablagern. Der Mars ist nun seit mehr als drei Milliarden Jahren eine trockene Wüste.
Foto: NASA/JPL-Caltech/MSSSMitte März 2015: Curiosity macht Probebohrungen
Curiosity hat bereits im Februar am "Telegraph Peak" neue Probebohrungen vorgenommen und Staub und Gestein aufgenommen. Die Probe wird nun im Analyse-Instrument untersucht. Kurzfristig war Curiosity durch einen Kurzschluss außer Gefecht gesetzt. Die Nasa-Forscher analysieren noch, wie solche Zwischenfälle bei künftigen Bohrungen vermieden werden können.
Foto: NASA/JPL-Caltech/MSSSAnfang März 2015: Ein Selfie auf dem Mars
Curiosity sucht auf dem Mars nach geeigneten Stellen für Probebohrungen. Zwischendurch hat Curiosity bereits im Januar mal eine Pause eingelegt - dabei kam dieses Selfie raus, das die Nasa nun veröffentlich hat. Es zeigt den Rover in der Region "Mojave", wo er seine zweite Probennahme der Mission gemacht hatte. Am Horizont ist der Mount Sharp zu sehen, an dem sich Curiosity derzeit nach oben arbeitet.
Foto: NASA/JPL-Caltech/MSSSFebruar 2015
Dieses Bild stammt zwar schon aus dem Dezember 2014, wurde aber erst zwei Monate später veröffentlicht. Es zeigt eine Aufnahme des Mars-Orbiters, der den Roten Planeten umkreist - dabei hat er auch einen Schnappschuss von Curiosity bei der Arbeit gemacht. Der Rover (in der blauen Markierung) ist in der Gegend "Pahrump Hills" zu sehen.
Foto: NASA/JPL-Caltech/Univ. of Arizona
Foto: NASAJanuar 2015
Neues Jahr, neue Löcher: Curiosity arbeitet sich weiter durch den Marsboden. Hier ist eine Probebohrung an einem Stein namens "Mojave" zu sehen. Das Loch ist kleiner, als es auf dem Bild wirkt: Es hat lediglich einen Durchmesser von 1,6 Zentimetern. Der trockene, rissige Marsboden ist gut zu erkennen; bei der Probebohrung zersplitterte er. Der Rover soll in den kommenden Monaten weitere Orte für Testbohrungen untersuchen. Das Foto wurde am 13. Januar 2015 aufgenommen - Tag Nummer 867 von Curiosity auf dem Mars. Der Rover befindet sich derzeit in einer Gegend, die die Forscher "Pink Hills" getauft haben; eine niedrig gelegene Region am Mount Sharp.
Foto: NASA/JPL-Caltech/MSSSDezember 2014
Curiosity hat am Mount Sharp Aufnahmen gemacht, die Forscher darauf schließen lassen, dass es einst Wasser auf dem Roten Planeten gab. In einer Illustration füllten sie Wasser in einen Krater, der sich durch herablaufendes Schneeschmelzwasser gebildet haben könnte. Vor mehr als drei Milliarden Jahren könnte es also Wasser auf dem Mars gegeben haben - und damit vielleicht auch Leben. Mitten in dem Krater steht nun Mount Sharp, der einst nur eine kleine Erhebung, gleich einer Insel, in dem Krater gewesen sein könnte. Darauf lassen Untersuchungen der Sedimentschichten schließen. Der Berg entstand über einen Zeitraum von Millionen von Jahren, in denen er sich in dem großen See Schicht um Schicht auftürmte.
Bild: NASA/JPL-Caltech/ESA/DLR/FU Berlin/MSSS
Foto: NasaEnde September 2014
Die "Mars Hand Lens Imager"(Mahli)-Kamera des Marsrovers hat das Loch fotografiert, dass Curiosity Ende September in die Basis der Formation Mount Sharp gebohrt hat. Die Gegend wird "Pahrump Hills" genannt. Das Loch misst 1,6 Zentimeter im Durchmesser und ist 6,7 Zentimeter tief.
Foto: NASA/JPL-Caltech/MSSSSo sieht die Bohr-Stelle herausgezoomt aus. Bei den Bohrungen lösten sich Staub und Steine von dem etwa fünf Kilometer hohen Berg, die herunterrutschten und nun rings um die Bohrung zu sehen sind. Die Stelle befindet sich auf einem flachen Felsstück, das "Confidence Hills" genannt wird.
Foto: NASA/JPL-Caltech/MSSSDas entnommene Material wurde von dem Marsrover weiter untersucht. Hier fotografierte Curiosity seine etwa viereinhalb Zentimeter breite Schaufel mit der Probe des pulverisierten Gesteins. Der Staub wird gesiebt und direkt vom Rover analysiert. Dazu hat er sein "CheMin" (von "Chemie und Mineralogie") genanntes Instrument an Bord, das die Zusammensetzung erkunden kann.
Foto: NASA/JPL-Caltech/MSSSUnd so sieht die Röntgen-Analyse dann aus. Links ist die Analyse einer Probe zu sehen, die Curiosity bereits 2013 in der Marsregion "Cumberland" nahm. Rechts sieht man die Analyse der neuen Bohrprobe aus der Region "Confidence Hills" am Mount Sharp. Der rote Pfeil weist auf den Ring, der das Mineral Hämatit (auch Blutstein oder Eisenglanz genannt) anzeigt. Hämatit kommt auch auf der Erde häufig vor. Es handelt sich um ein bestimmtes Eisen-Oxid, das in der anderen von Curiosity entnommenen Probe nicht vorhanden war. Hämatit gilt als ein Nachweis für Wasservorkommen auf dem Mars.
Foto: NASA/JPL-Caltech/MSSSNach und nach soll sich der Rover in den nächsten Monaten an dem Hügel empor arbeiten. So sieht der Weg aus, wie die Forscher ihn im Herbst 2014 für Curiosity geplant haben. Auf dem Weg soll der Rover Proben aus jüngeren Sedimentschichten untersuchen. Die Forscher erhoffen sich davon Erkenntnisse über die Entstehung und das Wachstum der Gesteinsformation Mount Sharp auf dem Mars.
Foto: NASA/JPL-Caltech/MSSSMitte September 2014
Rund zwei Jahre nach der Landung auf dem Mars hat Curiosity das Ziel seiner Reise erreicht: Der Forschungsroboter ist bis zum Berg Mount Sharp gefahren, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa am Abend des 11. September mit. Den etwa 4000 Meter hohen Berg hatten die Entwickler von Curiosity vor der Reise als Zielort ausgewählt. „Es war ein langer, aber historischer Weg“, sagte Nasa-Wissenschaftler John Grotzinger.
Eigentlich sollte Curiosity Mount Sharp schon früher erreichen, aber nach Problemen mit den Rädern hatten die Forscher die Route des Roboters verändert, so dass er durch ebeneres Terrain rollen konnte.
August 2014
Der Curiosity Rover hat mit seinem Staubentfernungsmodul Staub von seinem Forschungsziel, dem „Bonanza King“ entfernt. Die Fläche hat einen Durchmesser von etwa sechs Zentimetern und zeigt weiße Strukturen im Gestein. Die Forscher vermuten, dass es sich dabei um Sulfatsalze oder andere Mineralien handelt. Der Rover soll Proben des Gesteins herausfräsen, um es genauer zu untersuchen.
Foto: Nasa/JPLMai 2014
Auch Marsrover beherrschen die Kunst des Selbstportraits. Dieses ist im Zeitraum von April bis Mai 2014 entstanden und besteht aus Dutzenden Einzelaufnahmen, die mit Hilfe des Mars Hand Lens Imagers aufgenommen wurden.
Foto: Nasa/JPLMai 2014
Am 25. Mai hat Curiosity einen großen Stein entdeckt, der sich als Eisenmeteorit herausgestellt hat. Er ist vergleichbar mit den von den Vorgänger-Rovern - Spirit und Opportunity - entdeckten Meteoriten. Der Meteorit ist rund zwei Meter lang.
Foto: Nasa/JPLDezember 2013
Das undatierte Handout des Wissenschaftsmagazins "Science" zeigt eine Aufnahme Curiositys aus einer Mulde im Gale-Krater. Wissenschaftler vom California Institute of Technology schließen aus den Messdaten, dass in einem Urzeit-See einst lebensfreundliche Bedingungen geherrscht haben. Der Rover hatte eine fünf Meter tiefe Mulde namens "Yellowknife Bay" im Gale-Krater untersucht und war dort auf ein Ensemble von feinen, mittelgroßen und groben Sedimenten gestoßen, wie sie sich in ruhigem Wasser formen. Die Messungen belegten, dass der Gale-Krater vor rund 3,6 Milliarden Jahren mindestens einen See beherbergt habe, erläuterte das an der Forschung beteiligte Imperial College London.
Foto: dpaNovember 2013
Dieses Bild sendet Curiosity aus dem Gale-Krater auf dem Mars. Der Rover befindet sich derzeit ganz in der Nähe der Ausläufer des fünf Kilometer hohen Mount Sharp (der in der linken Bildecke noch zu sehen ist). Die Hügelkette am Horizont in 80 Metern Entfernung nennt sich "Cooperstown" und erstreckt sich über eine Länge von 30 Metern.
Foto: NASANovember 2013
Ein technisches Problem hat die wissenschaftlichen Aktivitäten des Rovers vorübergehend gestoppt. Die Nasa teilte am 20. November mit, es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme, um die Ursache eines elektrischen Defekts zu klären. Zuvor sei eine Änderung der elektrischen Spannung bemerkt worden. Insgesamt stand Curiosity sechs Tage still. Inzwischen erforscht er wieder den Roten Planeten.
Foto: dpaSeptember 2013
Der Marsboden sieht ausgedörrt aus - doch er enthält relativ viel Wasser. Der Wasseranteil beträgt rund zwei Prozent, wie Wissenschaftler um Laurie Leshin vom Rensselear Polytechnic Institute im US-Fachjournal „Science“ berichten. „Eines der spannendsten Ergebnisse der ersten festen Probe, die Curiosity sich einverleibt hat, ist der hohe Wasseranteil“, berichtete Leshin. „Wir wissen jetzt, dass es reichlich und leicht zugängliches Wasser auf dem Mars geben sollte“, betonte Leshin. „Wenn wir Menschen dorthin schicken, könnten sie den Boden irgendwo auf der Oberfläche aufsammeln, ein bisschen erhitzen und hätten Wasser“, glaubt sie. Der Rover hatte eine Schaufel voll Marsboden in einer speziellen Analysekammer („Sample Analysis at Mars“, SAM) auf 835 Grad Celsius erhitzt. Dabei löste sich das Wasser aus der Probe.
Auf Wasservorkommen schließen Forscher auch aus einem anderen Fund des Mars-Rovers: Der erste Stein, den Curiosity auf dem Roten Planeten untersucht hatte, unterscheidet sich von allen anderen bislang bekannten Marsgesteinen. Bei dem pyramidenförmigen, vulkanischen Felsen, der „Jake_M“ getauft wurde, handelt es sich um einen sogenannten Mugearit. Dieses Vulkangestein entsteht auf der Erde unter dem Einfluss von Wasser tief unter der Oberfläche.
August 2013
Zwischenbericht vom Mars: In einem Jahr hat der Roboter Curiosity mehr als 190 Gigabyte an Daten und 36.700 Fotos zur Erde geschickt. 75.000 mal hat er seinen Laser eingesetzt und außerdem Proben von zwei Steinen entnommen. Zwischen all der Forschungsarbeit rollte er weiter: Insgesamt mehr als 1,6 Kilometer hat Curiosity auf dem Roten Planeten bislang zurückgelegt.
Juli 2013: Curiosity analysiert die Mars-Atmosphäre
Curiosity hat ein Selbstporträt von sich im Gale-Krater geschossen. Eine neue Luftanalyse des Rovers stützt die Vorstellung, dass der Planet den Großteil seiner Atmosphäre bereits vor rund vier Milliarden Jahren verloren hat, berichten Forscher im US-Fachjournal "Science". Der Mars ist wie die Erde vor rund 4,5 Milliarden Jahren entstanden. Mit einem Druck von knapp 7 Millibar ist seine Atmosphäre heute jedoch rund 150 Mal dünner als die irdische.
Curiosity hat die Atmosphärenzusammensetzung neu analysiert: Die Luft auf dem Mars besteht unter anderem zu 96 Prozent aus Kohlendioxid, zu je 1,9 Prozent aus Argon und Stickstoff - und nur zu 0,145 Prozent aus Sauerstoff. Zum Vergleich: Die Luft auf der Erde enthält rund 20 Prozent Sauerstoff.
Die Forscher bestimmten außerdem die relative Häufigkeit verschiedener Isotope der chemischen Elemente Wasserstoff, Kohlenstoff und Sauerstoff in der Marsatmosphäre. Dabei ähneln die jetzt gemessenen Isotopenverhältnisse denen aus dem rund 3,9 Milliarden Jahre alten Marsmeteoriten ALH 84001, was für einen katastrophalen Atmosphärenverlust bereits vor dieser Zeit spricht. Die Messungen legen auch nahe, dass ein allmählicher Atmosphärenverlust auf dem Mars noch immer anhält.
Juni 2013
Die Nasa hat aus rund 900 Einzelfotos, die der Marsrover Curiosity gemacht hat, ein großes Panoramabild des Mars erstellt. Das Bild hat eine Auflösung von 1,3 Milliarden Pixeln. Curiosity benutzte drei verschiedene Kameras, um die Einzelbilder zwischen Oktober und November 2012 aufzunehmen. Zu sehen ist unter anderem die Sand-Formation namens "Rocknest", wo Curiosity seine ersten Staubanalysen durchführte. Im Hintergrund ragt der Mount Sharp empor.
Foto: dpaJuni 2013
Der Marsrover geht endlich auf große Fahrt. Nachdem er ein halbes Jahr lang nur auf einem kleinen Stück der Marsoberfläche geforscht hat, soll er nun in Richtung des etwa acht Kilometer entfernten Berges Mount Sharp aufbrechen. „Wir wissen nicht, wann wir dort ankommen werden“, sagte Nasa-Manager Jim Erickson. „Das ist eine Erforschungsmission - nur weil wir letztendlich zum Mount Sharp wollen, heißt das also nicht, dass wir nicht auf dem Weg auch noch spannende Dinge erkunden könnten.“
Vor dem Aufbruch hat "Curiosity" noch schnell ein weiteres Loch in einen Stein auf dem Boden des Mars gebohrt und Proben entnommen. Dank der Erkenntnisse aus dem ersten Bohrvorgang vor mehreren Wochen habe der zweite nur etwa ein Viertel der Zeit gebraucht.
Mai 2013
Auf dem Mars gab es einst Flüsse - und damit möglicherweise auch lebensfreundliche Bedingungen. Das schließen Forscher aus der Entdeckung von Flusskieseln durch Curiosity. Die Marskiesel seien irdischen bemerkenswert ähnlich und der bislang beste Beleg für die Existenz früherer Flüsse auf dem Roten Planeten. Rund 515 Kiesel hat das Team um Rebecca Williams vom Planetary Science Institute in Tucson auf Aufnahmen gesichtet, die Curiosity am Gale-Krater gemacht hat. Die Steine sind zwei bis 40 Millimeter dick und bilden ein festes Konglomerat mit Sand; so wie Fluss-Sedimente auf der Erde.
Die Bildkombination zeigt zwei Fotos, von denen das linke Curiosity in einem ausgetrockneten Flussbett auf dem Mars gemacht hat. Das rechte Foto zeigt eine vergleichbare Aufnahme von der Erde.
Foto: dpaDie Form der Kiesel zeigt, dass sie vom Wasser geschliffen wurden, wie das Niels-Bohr-Institut an der Universität Kopenhagen erläutert. Es war an der Analyse beteiligt. Wenn Steine durch Wind und Sandstürme verwitterten, würden sie rau und kantig. „Wir konnten sehen, dass nahezu alle 515 von uns analysierten Kiesel flach, glatt und rund abgeschliffen wurden“, betont Asmus Koefoed. Die Form und Größe erlaubt den Forschern Rückschlüsse auf die Eigenschaften der einstigen Marsflüsse. „Um diese abgerundeten Kiesel zu formen und zu bewegen, muss es fließendes Wasser mit einer Tiefe zwischen zehn Zentimetern und einem Meter gegeben haben, das etwa einen Meter pro Sekunde schnell geflossen ist“, so Gruppenleiter Morten Bo Madsen. Das sei vergleichbar mit einem typischen dänischen Fluss.
Diese Curiosity-Aufnahme zeigt die Sedimente am Grund eines einstigen Flussbetts im Gale-Krater.
Foto: APMärz 2013
Beeindruckende Bergaufnahme mit einer XXL-Kamera: Aus zahlreichen Teleaufnahmen vom Mount Sharp, die Curiosity am 45. Tag seiner Mission im September 2012 schoss, hat die US-Raumfahrtbehörde Nasa nun dieses hochauflösende Mosaikfoto gefertigt. Der Mount Sharp ragt mehr als 5000 Meter über den umliegenden Kraterboden. Der Marsrover hat für das Bild seine Mastcam eingesetzt, die über eine Festbrennweite von 100 Millimetern verfügt.
Das zusammengesetzte Foto zeigt das abgerundete Massiv vor einem auffallend blauen Himmel. Dabei wurde mit einem Weißabgleich nachgeholfen, um erdähnliche Lichtverhältnisse zu schaffen. Das menschliche Auge würde normalerweise einen bräunlichen Marshimmel sehen. Der Forschungsroboter, der im August 2012 auf dem Mars gelandet ist, soll im Rahmen seiner Mission auch den Mount Sharp erkunden.
März 2013
"Wir haben eine einst bewohnbare Umgebung gefunden“, sagt Nasa-Manager John Grotzinger: Eine Gesteins-Analyse von Curiosity lässt nach Angaben der Nasa den Schluss zu, dass auf dem Mars einst mikrobielles Leben möglich war. In einer Anfang Februar vom Rover auf dem Mars entnommenen Gesteinsprobe seien unter anderem Spuren von Schwefel, Stickstoff, Phosphor und Kohlenstoff gefunden worden - alles chemische Stoffe, die bei der Entstehung von Leben eine wichtige Rolle spielen.
"Eine fundamentale Frage dieser Mission war immer, ob auf dem Mars jemals Leben möglich war“, so Nasa-Manager Michael Meyer. "Und soviel wir jetzt wissen, heißt die Antwort "Ja".“
An der Stelle, wo der Rover gebohrt hat, könnten einst Flüsse oder ein See gewesen sein. "Das Wasser an dieser Stelle war anscheinend so rein, dass wir es hätten trinken können, wenn wir dort gewesen wären“, sagte Grotzinger.
Foto: AP/dpaFebruar 2013
Es sind die kleinen Dinge, die der US-Raumfahrtbehörde Nasa Freude bereiten. Klein, aber bedeutungsvoll: Curiosity hat erstmals seinen Bohrer benutzt. Der Forschungsroboter habe das am Ende seines Roboterarms befestigte Instrument in einen Stein gebohrt und eine Probe daraus entnommen. Da die Vorgänger von Curiosity keinen Bohrer mit an Bord hatten, handele es sich um den ersten Vorgang dieser Art auf dem Mars.
Damit testete der Forschungsroboter auch das letzte wissenschaftliche Instrument in seinem Arsenal erfolgreich. "Das ist die größte Errungenschaft für unser Team seit der Landung", sagte Nasa-Manager John Grunsfeld. "Ein weiterer stolzer Tag für Amerika." Das in den Stein gebohrte Loch ist 1,6 Zentimeter breit und 6,4 Zentimeter tief. Für die Entwicklung des Mars-Bohrers hatten Forscher zuvor mit acht verschiedenen Instrumenten mehr als 1200 Löcher in 20 verschiedene Gesteinsarten auf der Erde gebohrt.
Januar 2013
Der Marsrover hat eine Nachtschicht eingelegt und das Gestein des roten Planeten im Dunkeln fotografiert. Erhellt wird es mit ultraviolettem LED-Licht. Zum Einsatz gekommen ist bei der Aktion auch der "Mars Hand Lens Imager" - eine Mikroskopkamera, die am Instrumentenarm des Rovers befestigt ist. Als Beobachtungsziel für diese ersten während der Nachtstunden angefertigten Detailaufnahmen der Marsoberfläche wählten die Wissenschaftler einen kleinen Felsbrocken namens "Sayunei" aus. Zuvor wurde mit Hilfe des linken Vorderrads des Rovers die Oberfläche dieses Felsens durch Drehbewegungen grob von einer Staubschicht gereinigt. So wurde der Blick auf einen Bereich der Gesteinsoberfläche frei.
Die Aufnahmen der Marsoberfläche wurden in der Nacht vom 22. auf den 23. Januar 2013 angefertigt.
Foto: REUTERSJanuar 2013
Die Nasa hat stolz bekanntgegeben, dass Curiosity erstmals zu Bürste und Schäufelchen gegriffen hat, um den Wüstenplaneten zu säubern: Mit einer eingebauten Drahtbürste habe der Roboter erstmals einen Stein auf dem Roten Planeten abgestaubt. Das sei notwendig, um anschließend mit Hilfe der anderen Messinstrumente mehr Informationen über die Zusammensetzung des Steins zu erhalten. Mit der am Roboterarm befestigten Bürste habe der Rover einen flachen Stein namens „Ekwir_1“ im Gale-Krater von Staub befreit. „Das Ergebnis sieht sehr gut aus“, sagte Nasa-Wissenschaftlerin Diana Trujillo.
Foto: ReutersDezember 2012
In Bodenproben vom Mars hat Curiosity organische Moleküle entdeckt. Es sei allerdings noch völlig unklar, ob diese Teilchen vom Mars selbst stammten oder ob sie beispielsweise vom Forschungsroboter mit auf den Roten Planeten gebracht worden seien, sagte Nasa-Manager John Grotzinger am 3. Dezember 2012. Mit zahlreichen Tests solle nun versucht werden, das herauszufinden. Bei der Analyse wurden neben Sauerstoff und Chlorgas unter anderem simple Kohlenstoff-Verbindungen entdeckt. Kohlenstoff-Verbindungen sind die molekulare Grundlage allen irdischen Lebens. Würde sich herausstellen, dass die Moleküle wirklich vom Mars stammen, könnte das heißen, dass es einmal Leben auf dem Mars gegeben hat oder dass Leben auf dem Mars möglich wäre - eine bedeutende wissenschaftliche Entdeckung. Die Nasa warnte allerdings eindringlich vor vorschnellen Schlüssen und übertriebenen Erwartungen. „Curiositys zweiter Name ist "Geduld"“, sagt Grotzinger. „Davon brauchen wir jetzt eine ganz schön hohe Dosis.“
Foto: PREntdeckt wurden die Moleküle mit einem Messgerät namens „Sam“, das Bodenproben erhitzt und analysiert. Die Proben stammen von einer Stelle namens „Rocknest“ im Gale-Krater, wo Curiosity Anfang August gelandet war. Fünf Bodenproben (im Bild), die aus feinerem und grobkörnigerem Sand sowie Staub bestehen, hatte der Rover dort aufgesammelt. Das Team habe versucht, „ganz normalen Mars-Boden“ zu finden, sagte Nasa-Manager Grotzinger. Nach Angaben seiner Behörde war es das erste Mal, dass der Rover solche Proben mit allen ihm zur Verfügung stehenden Instrumenten untersucht hat. „Die Instrumente funktionieren alle herausragend gut“, sagte Nasa-Wissenschaftler Michael Meyer.
Oktober 2012
Curiosity ist vor rund vier Monaten auf dem Mars gelandet. Hier ist der Roboter bei der Entnahme von Erdproben zu sehen. Die Analyse der Probe nimmt viel Zeit in Anspruch.
Foto: dpaOktober 2012
Der Mars-Rover hat bei seinen Erkundungen auf dem Roten Planeten Mineralien entdeckt, die es auch auf einem Vulkan auf Hawaii gibt. Der Analyse einer ersten Probe zufolge enthält der Marsboden Feldspat und Olivin, wie Wissenschaftler im Kontrollzentrum in Kalifornien mitteilten. Diese Mineralien werden für gewöhnlich mit Vulkanausbrüchen in Verbindung gebracht. Der Boden weise daher Ähnlichkeiten mit dem Boden am Mauna-Kea-Vulkan auf Hawaii auf, sagten die Wissenschaftler.
Foto: dpaOktober 2012
Dieser weiße Fleck inmitten des rötlichen Gerölls der Mars-Oberfläche sorgte für Irritationen. Er wurde von Curiosity fotografiert, als der Mars-Rover eine Bodenprobe zur Untersuchung nahm. Zunächst wurde vermutet, dass es sich bei dem silbrig scheinenden Teilchen um ein abgebrochenes Stück des Rovers handeln könnte. Mittlerweile gehen die Nasa-Experten aber davon aus, dass es sich schlicht um einen anders gefärbten Stein handelt.
Derweil untersucht Curiosity seine erste Bodenprobe, nachdem dies nach dem Fund des "hellen Flecks" zunächst abgebrochen wurde, und setzt dabei erstmals sein Instrument "CheMin" ein, eine Abkürzung für "Chemistry and Mineralogy Instrument" (Chemie- und Gesteinskunde). So wollen die Forscher herausfinden, aus welchen Mineralien der Sand des Mars sich zusammensetzt.
Foto: dapdOktober 2012
Dieses Bild zeigt den pyramidenförmigen Felsbrocken, den Curiosity entdeckt und untersucht hat. Der Stein hat den Namen "Jake Matijevic" erhalten. Die roten Punkte markieren die Stellen, die der Rover mit seinem Laser beschossen hat. Die Kreise zeigen die Zonen, die mit einer speziellen Kamera und einem Spektrometer untersucht wurden. Wie die Nasa am 11. Oktober mitteilte, handelt es sich um eine bisher unbekannte Gesteinsart.
Foto: REUTERS22. September 2012
Curiosity hat erstmals einen Stein auf dem Mars untersucht. Der Rover habe sowohl eine Kamera als auch einen Laser sowie ein Röntgen-Messgerät mehrmals auf den Stein gerichtet, teilte die Nasa mit. Die Kamera und das Röntgen-Gerät befinden sich an dem rund zwei Meter langen Roboter-Arm des Rovers.
20. September 2012
Mit den Fotos und Daten soll herausgefunden werden, woraus der Stein genau besteht. Wann mit Ergebnissen zu rechnen sei, teilte die Nasa zunächst nicht mit. Nachdem der Roboter die Untersuchungen an dem Stein abgeschlossen habe, sei er noch am gleichen Tag rund 42 Meter gefahren, teilte die Nasa mit. Das sei weiter als jemals zuvor an einem Stück.
Foto: Handout20. September 2012
Curiosity hat Fotos von einer Sonnenfinsternis geschickt. Diese kommen auf dem Mars häufiger vor als auf der Erde. Grund dafür ist, dass sich zwei Monde in einer geringeren Distanz und schneller um den Mars drehen. Derzeit gibt es eine regelrechte Saison für Sonnenfinsternisse.
Foto: HandoutAuf dieser Karte ist zu sehen, welchen Weg der Roboter am 43. Tag seiner Mission zurücklegte. Bradbury Landing ist der Ort an dem er begonnen hat, bevor er letztlich seinen Weg über die markierten Punkte fortgesetzt hat. Glenelg soll die erste größere wissenschaftliche Mission darstellen. Dort wird er Pulver aus einem Felsen analysieren.
Foto: dpa6. August 2012: Tag der Landung
Curiosity landet an diesem Montag im August 2012 innerhalb des Gale-Kraters am Äquator des Mars. Der Krater hat einen Durchmesser von 154 Kilometern. Hier werden Hinweise auf Wasser vermutet.
Foto: dpaDie Nasa-Mitarbeiter durchlitten „sieben Minuten des Schreckens“, als Curiosity die dünne Mars-Atmosphäre durchflog und von einer Geschwindigkeit von 20.920 Kilometern pro Stunde auf Null heruntergebremst werden musste.
Foto: dpaDann erfolgten die erlösenden Worte: "Touchdown completed". Im Kontrollzentrum der US-Raumfahrtbehörde Nasa im kalifornischen Pasadena brach nach dem Aufsetzen des Rovers um genau 07:32 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit minutenlanger Jubel der Erleichterung aus.
Foto: dapdSo ähnlich wie in dieser Animation dürfte es ausgesehen haben, als der Rover auf dem Mars landete. Die Landung sei besser gelaufen als erwartet, sagte der Nasa-Ingenieur Adam Steltzner, der gemeinsam mit einem Team das komplizierte Manöver entwickelt hat.
Foto: dpaDer Start erfolgte bereits am 26. November 2011 - mehr als neun Monate dauerte der Flug zum Roten Planeten. Der Einsatz wurde auf mindestens ein Mars-Jahr - das entspricht 98 Wochen auf der Erde - ausgelegt.
Foto: dpaSechs Räder, 900 Kilogramm schwer und drei Meter lang: Der Marsrover Curiosity (zu deutsch: Neugier) hat ungefähr die Ausmaße eines Kleinwagens und ist vollgepackt mit wissenschaftlichen Messinstrumenten und Kameras.
Foto: dapdFür den eigentlichen Geländeroboter - Rover genannt - übernahm die Nasa viele Elemente der kleineren Vorgänger Spirit und Opportunity, die bereits 2004 auf dem Mars landeten.
Foto: dapdCuriosity (hier ein Modell) ist mit drei Metern etwa doppelt so lang und mit 900 Kilogramm etwa fünf mal so schwer wie seine kleinen Brüder. Daher war auch das komplizierte Landemanöver nötig. Bei Opportunity konnte der Aufprall noch mit gigantischen Luftkissen abgemildert werden.
Foto: dpaCuriositys Strom wird von einem Radioisotopen-Generator erzeugt, der die Hitze beim Zerfall von Plutonium 238 nutzt. Dadurch wurden zum Zeitpunkt des Starts etwa 110 Watt produziert.
Foto: dpaUm die erwarteten Temperaturen von bis zu minus 90 Grad auf dem Mars zu überstehen, werden auch Flüssigkeiten mit Hilfe des Generators erwärmt und durch den Rover gepumpt, um die richtige Betriebstemperatur etwa für die Elektrik des Roboters zu gewährleisten.
Foto: dpaDas Fahrzeug entstand mit deutscher Hilfe. Die Firma Sensitec aus dem hessischen Lahnau rüstete das Erkundungsgerät mit Sensoren zur Fahrwerkssteuerung aus. Mit Software von Siemens wurde Curiosity vor dem Bau digital entworfen und getestet.
Foto: REUTERSCuriosity ist mit Atomantrieb ausgerüstet. Der Rover soll untersuchen, ob einst Leben auf dem Mars möglich war - dazu hat er eine Reihe von wissenschaftlichen Geräten, Kameras und eine Wetterstation an Bord.
Foto: dapdAußerdem ist Curiosity mit einem Roboterarm mit elektrischer Bohrmaschine ausgerüstet. Auch ein Laser, ein Chemielabor und ein Detektor, um die Strahlung auf der Oberfläche zu messen, sind an Bord.
Foto: dpaAm Spaceport America, einem Weltraumbahnhof samt Abflughalle, Hangar und Rollbahn in der Wüste des US-Bundesstaats New Mexico, testet Virgin Galactic ein Raumshuttle namens SpaceShipTwo - den Nachfolger des X-Prize-Gewinners SpaceShipOne. 18 Meter lang, komplett aus Kohlefasern, ähnelt es einem ausgefallenen Privatjet für Multimillionäre.
Aber das täuscht. Wenn sich die ersten sechs Passagiere nächstes Jahr auf den Sitzen anschnallen, steht ihnen die wildeste Achterbahnfahrt bevor, die Touristen buchen können. Festgezurrt auf einem Trägerflugzeug, lässt sich das SpaceShipTwo auf 15 Kilometer hinauftragen, fünf Kilometer über den Linienflug-Korridoren. Dann klinkt es sich aus und zündet sein Raketentriebwerk.
Mit bis zu 4.200 Kilometern pro Stunde schießt der Flieger so schnell wie eine Gewehrkugel - senkrecht in den Himmel. Nach rund vier Minuten Steigflug schalten die beiden Piloten das Triebwerk ab, und es wird still im Cockpit. 110 Kilometer über dem Erdboden gleitet das Schiff durchs All - elfmal höher als Flugzeuge und mehr als ein Viertel des Wegs zur Raumstation ISS. Der Himmel ist tiefschwarz, überall blinken Sterne auf, darunter das blaue Band der Atmosphäre über dem gewölbten Horizont der Erde.
Virgin Galactic - Ausflugsflieger: SpaceShipTwo (Mitte) startet von einem Flugzeug aus mit sechs Touristen zum Raumflug.
Foto: PresseSechs Minuten lang herrscht Schwerelosigkeit, denn der Gleiter befindet sich im freien Fall. Die Passagiere schweben wie Astronauten im Raumschiff umher, schlagen Salti und genießen die Aussicht auf den halben Kontinent durch pizzatellergroße Bullaugen. Dann taucht der Gleiter in dichtere Luftschichten, das Leitwerk am Heck - zwei spezielle Flügel - klappt auf und bremst den Sturz. Zweieinhalb Stunden nach dem Start landet das SpaceShipTwo sanft auf der Rollbahn.
Suborbitalflug nennen Experten ein solches Manöver, bei dem ein Raumschiff für wenige Minuten durch den Weltraum streift. Alan Shepard, der erste Amerikaner im Suborbit, wird noch heute als Held gefeiert; die Post in den USA druckte 2011 eine Briefmarke mit seinem Konterfei.
Virgin Galactic bietet die gleiche Reise nun für 250.000 Dollar an; der Konkurrent Xcor Aerospace, der einen Raumgleiter namens Lynx baut, nimmt pro Ticket 100.000 Dollar - nicht mehr, als ein E-Klasse-Mercedes kostet.
Ein aktiver Vulkan auf einer Insel – Astronaut Parmitano sieht am 1. Juni bei einem Rundflug um die Erde gleich zwei davon. Er verrät nicht, wo die Aufnahme entstanden ist.
Lesen Sie >>hier, wie die Bilder entstanden sind.
Foto: NASA/ESARauch strömt aus der Spitze des Ätna. Der „sizilianische Gigant“, wie Parmitano den Vulkan in Süditalien nennt, ist immer wieder aktiv.
Foto: NASA/ESASonne und Mond gehen gleichzeitig auf – auch für die Astronauten ein besonderer Anblick.
Foto: NASAFlüsse des brasilianischen Regenwaldes fließen in den Atlantik, in dem sich die untergehende Sonne spiegelt.
Foto: NASA/ESADer große Wagen steht am Firmament – was sich bewegt, ist die Erde.
Foto: NASADer Nil und sein Delta. Das von Unruhen geplagte Ägypten – von Bord der ISS sieht es nachts ganz friedlich aus.
Foto: NASA/ESADetroit, Cleveland und Toronto leuchten hell bis ins All. Rechts deutet sich der Sonnenaufgang an – in Europa ist es schon hell.
Foto: NASA„Die sieben Schwestern“, nennt Parmitanos Kollegin Nyberg die Pleiaden. Hier hat sie sie über dem Inselstaat Mauritius fotografiert. Im Indischen Ozean spiegelt sich das Mondlicht.
Foto: NASAEsa-Astronaut Luca Parmitano schwebt Anfang Juni mit seinem Fotoapparat in der Cupola. Damals ist er seit fünf Tagen an Bord der ISS. „Warte auf ein Foto-Motiv“, schreibt er zu dem Foto von ihm auf Twitter.
Foto: NASA/ESAFelder in Kansas, USA: „Wie ein Gemälde von Mondrian“, staunt Parmitano.
Foto: NASA/ESA„Wir fliegen direkt über der Tag-Nacht-Grenze“, schreibt Parmitano. 16 Sonnenauf- und Untergänge sehen die Astronauten jeden Tag.
Foto: NASA/ESA„Falls Ihr Euch fragt, wie ein Gewittersturm aus dem All aussieht“, schreibt Parmitano – und twittert das passende Bild dazu.
Foto: NASA/ESAEnde Juli zieht ein Gewittersturm über Asien hinweg. „Die Blitze waren fantastisch“, schwärmt ISS-Astronautin Karen Nyberg auf Twitter.
Foto: NASAAm 9. August fotografiert Nyberg das japanische Versorgungsmodel HTV4, das gerade an die Raumstation andockt. Rechts der Roboterarm der ISS.
Foto: NASAKurz vorher schwebt das Modul (links, mit grünem und rotem Licht) über der nächtlich erleuchteten Stadt Houston in Texas.
Foto: NASAKolossaler Schnappschuss: Das Mittelmeer, der Sternhaufen der Pleiaden (über dem Stiefelabsatz Italiens) und ein Gewitter über dem Balkan.
Foto: NASA/ESA„Wenn Du diese Landmarke siehst, weiß Du, dass Du in Mauretanien bist“, schreibt Parmitano. Es handelt sich nicht etwa um einen Meteroitenkrater, sondern um einen erodierten Vulkan.
Foto: NASA/ESAAstronautin Nyberg nimmt die gleiche Stelle rund einen Monat später aus einer anderen Perspektive auf. „Das Auge der Sahara“, nennt sie die Landmarke mit einem Anflug von Poesie.
Foto: NASAParmitano sieht den Mond aufgehen – hinter dem blauen Schleier der Erdatmosphäre.
Foto: NASA/ESAParmitano in der Aussichtskuppel Cupola: Bei einem Weltraumspaziergang vor wenigen Wochen floss dem Italiener Wasser in den Helm, er bekam fast keine Luft mehr.
Foto: NASA/ESASo sieht es kurz nach Sonnenaufgang in Peru, Chile und Bolivien aus. Die Nacht flieht über den Pazifik davon.
Foto: NASAEin Sandsturm über dem Roten Meer. „Wie eine dahinrauschende Wolke“, findet Astronaut Parmitano.
Foto: NASA/ESA„Eines der coolsten Spiele im Weltraum“, schreibt Nyberg, "ist mit Wasser und dem optischen Phänomen der Refraktion zu spielen“. Es sorgt dafür, dass die Astronautin im Wassertropfen auf dem Kopf steht. Oben und unten gibt es in der Schwerelosigkeit ohnehin nicht.
Foto: NASASelbstportrait im All: Luca Parmitano bei seinem ersten Weltraumspaziergang Mitte Juli.
Foto: NASA/ESADie Sonne spiegelt sich im Meer vor Australien.
Foto: NASA/ESADas Sonnenlicht spiegelt sich im Schwarzen Meer bei der ukrainischen Hafenstadt Odessa.
Foto: NASA/ESA„Space Invaders in der Wüste?“, mutmaßt Parmitano beim Anblick dieser merkwürdigen Anlage im Wüstensand.
Foto: NASA/ESASydney bei Nacht. Für solche Aufnahmen benutzen die Astronauten gerne ein Stativ mit einem Motor, der die Kamera während der Belichtung nachführt.
Foto: NASA/ESAFast wie ein riesiges Lebewesen: Taiwan bei Nacht.
Foto: NASATeheran bei Nacht. Die Städte an der Küste am kaspischen Meer leuchten durch die dünne Wolkendecke hervor.
Foto: NASABlick durch die Cupola: „Unsere Fenster zur Welt“, schreibt Nyberg.
Foto: NASAEin verschneiter Berggipfel in La Paz, Bolivien. Dort herrscht im Juni gerade Winter.
Foto: NASA/ESADie Waldbrände in Kalifornien sind für die Astronauten als riesige Rauchschwaden sichtbar.
Foto: NASA/ESAEin Kreuzfahrtschiff zieht eine riesige Welle hinter sich.
Foto: NASA/ESAEine Wolkenwand vor der Küste Argentiniens – hunderte Kilometer lang.
Foto: NASAFaszinierende Muster: Diese Wüste in Algerien hat es Parmitano angetan.
Foto: NASA/ESADie Nasa flog ihre Apollo-Astronauten noch in Wegwerfraketen hinauf - die neuen Raumfahrt-Startups dagegen bauen Gleiter, die sich Hunderte Male wiederverwenden lassen. Das spart Kosten.
Und so werden die Trips ins All profitabel. Fast 500 Millionen Dollar Kapital hat Virgin Galactic für die Entwicklung seines Shuttles gesammelt – auch mit dem Verkauf von 650 Tickets, etwa an Hollywood-Schauspieler wie Brad Pitt, Angelina Jolie und Ashton Kutcher. Beim ersten Flug will Milliardär Branson mit seinen beiden Söhnen selbst dabei sein. Konkurrent Xcor hat 250 Vorbestellungen angenommen.
Gehen die Pläne der Raumfahrtrebellen auf, sehen pro Jahr mehr Touristen die Erde von oben als alle 532 Astronauten der vergangenen 52 Jahre. "In den ersten zehn Jahren", sagt Stephen Attenborough, kaufmännischer Chef bei Virgin Galactic, "wollen wir 30.000 Menschen ins All fliegen."
Space-X - Fähre im Orbit: Elon Musks Dragon-Kapsel liefert im Auftrag der Nasa Astronautenfutter und Werkzeug ins All.
Foto: PresseVielleicht kommen ein paar Abenteurer bis zum Mars: Der US-Millionär Dennis Tito, der im Jahr 2001 zur ISS flog und so der erste Weltraumtourist wurde, will mit seiner Stiftung Inspiration Mars im Jahr 2018 zwei Menschen bis auf 100 Kilometer zum Roten Planeten und zurück fliegen.
Fünf Jahre später will der Holländer Bas Lansdorp mit seinem Startup Mars One gar vier Raumfahrer dauerhaft auf dem Mars ansiedeln - und ein Fernsehspektakel aus der Reise machen. Sechs Milliarden Dollar will Lansdorp dafür bei Sponsoren und Medienkonzernen sammeln. Mehr als 200.000 Möchtegernastronauten haben sich bei Mars One beworben. Dabei muss die Raumfähre für die Mission noch gebaut werden.
Absehbar ist: Reisen ins Weltall werden ein Massengeschäft. In zehn Jahren, schätzt die Bundesluftfahrtbehörde der USA, wird der Weltraumtourismus zum Milliarden-Dollar-Markt.
Aber auf Billigtrips ins All warten nicht nur Abenteurer, sondern auch Forscher unterschiedlichster Disziplinen. Daher will etwa das Startup Booster Space Industries Medizinern, Biologen und Industrieforschern per Suborbitalflug kostengünstig Experimente in der Schwerelosigkeit ermöglichen.
Satellitenbetreiber wiederum hoffen auf preiswertere Raketenstarts. Swiss Space Systems (S3) etwa, ein Startup aus der Schweiz, will bis zu 250 Kilogramm schwere Kleinsatelliten, deren Transport in den Orbit heute 40 Millionen Dollar kostet, bald zu einem Viertel des Preises lancieren: mithilfe eines wiederverwendbaren Shuttles. Es soll auf 80 Kilometer Höhe eine Kapsel mit Raketenantrieb absetzen, die den Rest des Wegs auf bis zu 700 Kilometer Höhe fliegt, wo unter anderem Erdbeobachtungssatelliten kreisen.
Wiederverwendbare Raketen
Den Preisrutsch will S3 nutzen, um in fünf Jahren einen Roboter namens CleanSpace One im All auszusetzen, der mit Greifarmen Schrottteile fängt und zum Verglühen in die Atmosphäre hinabzieht. Bald könnten sich gar Roboter rentieren, die Satelliten reparieren und betanken.
Die größte Billigfluglinie in den Weltraum baut derzeit Tesla-Chef Musk auf. In seinem Raumfahrtunternehmen SpaceX im Städtchen Hawthorne bei Los Angeles arbeiten mehr als 3.000 Mitarbeiter an dem Ziel, Raumfahrt geradezu spottbillig zu machen. Für Musk war das Spaceshuttle der Nasa der Ferrari unter den Raumfahrzeugen - er dagegen möchte den Toyota Corolla bauen: preiswert, aber zuverlässig.
Der Visionär setzt beim Bau der Rakete Falcon 9, die mit 68 Metern so hoch ist wie die Siegessäule im Berliner Tiergarten, auf billige Konstruktion, Standardisierung und Massenfertigung. So sind die Treibstofftanks in beiden Raketenstufen fast baugleich, die oberen sind nur etwas kürzer. Mit der Falcon 9 kostet es nur noch rund 4.300 Dollar, ein Kilogramm Nutzlast in eine niedrige Erdumlaufbahn zu bringen. Bisher rechneten Raumfahrtagenturen mit 10.000 Dollar und mehr.
Nächstes Jahr will Musk die Kosten gar auf 2.500 Dollar senken. Dazu verbindet er drei Falcon 9 zu einem Super-Geschoss, der Falcon Heavy. Sie schultert 53 Tonnen, mehr als doppelt so viel wie die heute größte Rakete, die Delta IV der Raumfahrtkonzerne Boeing und Lockheed Martin.
Auf einem Testgelände in Texas, zwischen Weiden, auf denen Rinder grasen, entwickelt Musk eine weitere Rakete, die nichts anderes als eine Revolution der Raumfahrt herbeiführen könnte: Sie kann, getragen von ihrem Feuerstrahl, aus dem Weltraum zurückkehren und wieder auf der Startrampe landen, so treffsicher wie ein Helikopter. Sieben Testflüge in bis zu 325 Meter Höhe hat der Grasshopper genannte Flieger, der zehnstöckige Häuser überragt, absolviert.
Gelänge der Flug in den Weltraum und zurück, könnte SpaceX Raketen und Raumkabinen 24 Stunden nach dem Start wieder verwenden. Ähnliche Pläne verfolgt das britische Startup Reaction Engines mit seinem Raumgleiter Skylon, der dank neuartiger Raketendüsen wie ein Flugzeug ins All und zurück fliegen soll.
Mehrwegraketen könnten die Startkosten pro Kilogramm auf unter 1.100 Dollar senken, hofft Musk. Und noch zu Lebzeiten will er Flüge zum Mars und zurück für 500.000 Dollar anbieten.
Einiges davon mögen Utopien sein. Aber je billiger Raumflüge werden, desto mehr Geschäftsideen entstehen. Hotel-Tycoon Bigelow etwa, der 500 Millionen Dollar in sein Startup Bigelow Aerospace investieren will, möchte seine Raumstation BA 330 auch auf dem Mond platzieren, für Astronauten und vielleicht auch für Touristen.
Lange war es still geworden um den Erdtrabanten. Doch X-Prize-Gründer Diamandis hat mit seinem Wettbewerb Lunar X-Prize einen neuen Ansturm ausgelöst: Im Jahr 2015 wollen mehrere Startups, etwa Moon Express und Astrobotic Technology, Rover im Mondsand landen und herumfahren lassen. 2018 will Moon Express Teleskope auf die Rückseite des Mondes setzen, wo ungetrübte Sicht ins All herrscht. Das US-Startup Golden Spike Company entwickelt gar eine Landefähre für Astronauten - die Nasa benötigte für den ersten Mondflug noch 400.000 Fachkräfte.
Was den Mond so interessant macht, sind seine Rohstoffe. Wasser vom Mond lässt sich in Sauerstoff und Wasserstoff spalten - zwei gute Raketentreibstoffe. Allein in den Kratern am Südpol des Mondes lagern eine Milliarde Tonnen Wassereis - genug, um die nächsten 2.300 Jahre jeden Tag ein Shuttle zu betanken. Wasser könnte auch Astronauten versorgen, Raumschiffe kühlen und Raumstationen vor Strahlung abschirmen.
"Wasser öffnet den Weltraum so wie Gold damals den amerikanischen Westen", glaubt Bill Stone, Gründer des Startups Shackleton Energy. Vom Mond aus ließe sich das Wasser leicht ins All transportieren, glaubt er, da die Gravitation dort sehr gering ist. Stone möchte Astronauten in einer Mondstation ansiedeln, Eis abbauen und alle paar Monate fliegende Tanklaster mit Treibstoff zu schwebenden Zapfsäulen im Erdorbit schicken. Dort besorgen sich Raumschiffe billigen Treibstoff, und Roboter holen Sprit, um Satelliten zu betanken.
Werften im Weltraum
Bis zu 22 Milliarden Dollar will Stone auftreiben, so viel wie für ein Mega-Ölfeld. Steht die Finanzierung, könnte fünf Jahre später die erste Mondmission starten.
Raumfahrt würde dadurch so preiswert, dass ganze Kolonnen ins tiefe Weltall aufbrechen könnten, etwa zu Hunderte Millionen Kilometer entfernten Asteroiden. Auf die haben es die Startups Planetary Resources und Deep Space Industries abgesehen - als Rohstoffquellen. Ab 2015 wollen beide Unternehmen Sonden starten, die Brocken aufstöbern und untersuchen.
Schwebende Minenfahrzeuge sollen die Himmelskörper zerpflücken, Wasser gewinnen und Metalle für den Import zur Erde schürfen. Ein 500-Meter-Asteroid kann laut Planetary Resources mehr Platin enthalten, als die Menschheit je gewonnen hat. Das US-Startup Tethers Unlimited forscht gar an Weltraum-Werften mit 3-D-Druckern und Robotern. Sie sollen die Rohstoffe zu Antennen, Raketendüsen oder Solarzellen verarbeiten.
Ganze Solar-Satelliten ließen sich errichten, glaubt der Weltraumunternehmer John Mankins, die Strom erzeugen, per Mikrowellen-Strahlen auf die Erde schicken - und eine Ära billiger Energie einläuten.
Dann wären die Milliardenprojekte, in die Branson, Musk und Co investieren, mehr als nur das teuerste Hobby der Welt.