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AutobauerGewinneinbruch bei Audi – Konzern streicht 7500 Jobs in Deutschland

Auch Audi kann sich dem Abwärtstrend der Autoindustrie nicht entziehen. 2025 bleibt schwierig – das schwache Geschäft bekommen auch die Mitarbeiter zu spüren. 18.03.2025 - 11:16 Uhr aktualisiert
Autobauer Audi streicht bis Ende 2029 insgesamt 7500 Arbeitsplätze in Deutschland Foto: Daniel Löb/dpa

Audi brechen die Gewinne weg. 2024 sackte das Nachsteuerergebnis der Ingolstädter VW-Tochter um 33 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro ab, wie der Konzern mitteilte. Es ist bereits der zweite deutliche Rückgang in Folge. Die Zahl bezieht sich dabei nicht nur auf die Kernmarke, sondern auf den Teilkonzern Audi, zu dem auch Bentley, Lamborghini und Ducati gehören. Audi reagiert auf die aktuellen Schwierigkeiten mit Stellenabbau, wie bereits am Montagabend bekannt wurde.

„Vor einem Jahr haben wir gesagt, dass 2024 ein Jahr des Übergangs wird. Das hat sich leider vollumfänglich bewahrheitet“, sagte Audi-Chef Gernot Döllner zu den Zahlen. Die Herausforderungen seien dabei nicht kleiner geworden. Schwache Nachfrage treffe auf ein erhöhtes Angebot – insbesondere in China.

2024 hatte Audi – wie viele andere Autohersteller – unter anderem unter schwacher Nachfrage und Preiskämpfen in China gelitten. Bei den Ingolstädtern kamen im ersten Halbjahr noch Probleme mit fehlenden Teilen für größere Motoren hinzu, außerdem hohe Rückstellungen für die Schließung des Werks in Brüssel. Der Absatzeinbruch der Kernmarke Audi schlug dabei auch auf den Umsatz durch, der um knapp 8 Prozent auf 64,5 Milliarden Euro sank.

Gernot Döllner (r), Vorsitzender des Audi-Vorstands, und Jürgen Rittersberger, Audi-Vorstand für Finanz und Recht Foto: Daniel Löb/dpa

So schneiden die Marken im Audi-Konzern ab

Die drei kleineren Marken im Audi-Konzern liefen dagegen besser und zogen das Ergebnis deutlich nach oben. Jede von ihnen kam auf deutlich höhere operative Renditen als die Kernmarke Audi – allen voran Lamborghini, das mit einer Marge von 27 Prozent in einer eigenen Liga spiele, wie Finanzvorstand Jürgen Rittersberger sagte. Bei Audi waren es dagegen nur 4,6 Prozent.

2025 will Audi zwar den Absatz, Umsatz und Rendite wieder steigern, doch einfach wird das nicht. „Wir haben aber noch einen harten Weg vor uns“, sagte Rittersberger. „Die Märkte bleiben wettbewerbsintensiv.“ Zudem gebe es weiter Kaufzurückhaltung in China, wo Audi beim Absatz nur eine Seitwärtsbewegung erwartet. Helfen sollen dagegen neue Modelle. 2025 und 2026 kämen zusammen mehr als 20 auf den Markt, sagte Döllner.

Ein weiteres Risiko für Audi ist die aktuelle Zollpolitik der USA. Kurzfristig habe man hier nur bedingt Hebel, hieß es. Möglicherweise wird Audi daher die Preise in den USA erhöhen müssen.

Auch die Konzernmutter VW, BMW und Mercedes leiden

Audi steht mit dem Gewinneinbruch nicht alleine da. Auch die beiden Premium-Konkurrenten BMW und Mercedes-Benz haben Abstürze gemeldet, ebenso die Konzernmutter VW. Doch im Vergleich mit den Erzrivalen aus Stuttgart und München, die von extrem hohen Gewinnen durch eine von Corona und Chipmangel geprägte Sondersituation wieder auf Normalmaß zurückfallen, schneidet Audi eher schwach ab.

Bei Mercedes sackte der Gewinn zwar um 28 Prozent ein, lag aber immer noch bei 10,4 Milliarden Euro, bei BMW ging es um 37 Prozent auf 7,7 Milliarden nach unten. Beides Werte, von denen Audi derzeit nur träumen kann. Und so schließt sich Audi einem in weiten Teilen der Industrie verbreiteten Trend an, und streicht Arbeitsplätze. In der aktuellen Prognose für 2025 sind die Abbaumaßnahmen nicht enthalten. Noch ist aber auch unklar, ob im laufenden Jahr Kosten oder Einsparungen überwiegen werden.

So will Audi 7500 Arbeitsplätze in Deutschland streichen

Am Montag war bekanntgeworden, dass Audi bis Ende 2029 7500 Arbeitsplätze in Deutschland abbauen will. Zusammen mit anderen finanziellen Einschnitten für die Beschäftigten will das Unternehmen mittelfristig mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr sparen, wie es mitteilte.

Konzern und Betriebsrat hatten lange und intensiv um die Sparpläne gerungen, sich nun aber auf ein Konzept geeinigt. Zwischenzeitlich standen auch deutlich höhere Zahlen für den Stellenabbau im Raum: Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Jörg Schlagbauer, nannte eine ursprüngliche Forderung des Unternehmens von 12.000 Arbeitsplätzen.

„Audi muss schneller, agiler und effizienter werden. Klar ist: Ohne Personalanpassungen geht das nicht“, sagte der Vorstandsvorsitzende Gernot Döllner. Gleichzeitig betonte er: „Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen bis Ende 2033 geben. Das ist in gesamtwirtschaftlich schwierigen Zeiten eine gute Nachricht für alle Beschäftigten.“ 

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Konkret wird die geltende Beschäftigungssicherung, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt, bis Ende 2033 verlängert. Bisher hatte sie bis Ende 2029 gegolten.

Gleichzeitig will Audi acht Milliarden Euro in die deutschen Standorte investieren. Für den herausfordernden Übergang zur Elektromobilität „stellen wir Ingolstadt und Neckarsulm so robust und flexibel auf“, wie Döllner betont.

Der Stellenabbau soll laut Audi im „indirekten Bereich“ stattfinden – also nicht die Produktion treffen und einen Abbau von Bürokratie bringen. Zudem soll nicht mit dem Rasenmäher gekürzt werden. Vielmehr richte man die „Teamaufstellung fokussiert und konsequent an den Anforderungen der Zukunft aus“, sagt Personalvorstand Xavier Ros.

Die ersten 6000 Stellen sollen bis 2027 wegfallen, weitere 1500 bis Ende 2029. Wie sich die Kürzungen auf die Standorte Ingolstadt und Neckarsulm aufteilen, ist noch offen.

Die Mitarbeiterbeteiligungen werden gekürzt

Weitere Einschnitte treffen die Audi-Mitarbeiter beim Geld. Unter anderem wird die Ergebnisbeteiligung strukturell umgebaut und für mehrere Jahre zusätzlich gekürzt. Dabei geht es durchaus um relevante Summen.

2024 hatte die für das Jahr 2023 ausgezahlte Mitarbeiterbeteiligung 8840 Euro pro Beschäftigtem betragen. Die Beteiligung für 2024, die im laufenden Jahr ausgezahlt wird, wird noch nicht von der jetzt vereinbarten Kürzung betroffen sein. Sie dürfte wegen der zuletzt schlechter gelaufenen Geschäfte aber dennoch schwächer ausfallen.

Im Gegenzug sei es gelungen, in den „harten, aber von beiden Seiten stets sach- und lösungsorientierten Verhandlungen“ vieles abzuwehren. So würden weder das tarifliche Monatsentgelt noch Zulagen und Zuschläge angetastet und auch die ausstehenden Tariferhöhungen nicht verschoben.

1000 Jobs werden zurückgeholt

Große Bedeutung misst Schlagbauer zudem der Zusage des Konzerns zu, den Q3 künftig auch in Ingolstadt zu bauen. Ferner würden insgesamt 1000 Jobs durch sogenanntes Insourcing zurückgeholt. Gemeint ist damit die Wiedereingliederung von zuvor ausgelagerten Prozessen oder Funktionen.

„Einige Eckpunkte der Zukunftsvereinbarung bedeuten Einschnitte für die Beschäftigten“, sagt Personalvorstand Ros. „Das ist uns bewusst. Gleichzeitig sind sie unbedingt notwendig, um betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern. Das war und ist mein Ziel.“

Mitglieder der IG Metall können sich zudem künftig über einen zusätzlichen Bonus freuen. Dieser soll ab 2026 gelten, wie die Vorsitzende der IG Metall bei Audi in Ingolstadt, Karola Frank, sagt. 

Bayerns IG-Metall-Bezirksleiter Horst Ott lobte die Maßnahme: „Damit wird die Solidarität der Beschäftigten belohnt, die sich füreinander einsetzen, für eine starke IG Metall sorgen und damit Tarifverträge und gute Verhandlungsergebnisse überhaupt erst ermöglichen.“

In den Verhandlungen zur Zukunftsvereinbarung hätten alle Verhandlungsparteien Verantwortung übernommen, den Tarifvertrag gesichert und die Zukunft von Audi in Deutschland gestärkt.

dpa
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