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Verkaufte Windpark-AnteileBASF will Einsatz von CCS in Deutschland prüfen

BASFs Bedarf an grüner Energie wächst nicht so schnell wie erwartet. Der Konzern hofft auf neue Technologien – und ihre Zulassung in Deutschland.Nele Antonia Höfler, Clara Thier 27.03.2025 - 13:55 Uhr
Der Windpark vor dem niederländischen Küstenort Zandvoort versorgt vor allem BASFs Standort Antwerpen mit Ökostrom. Foto: IMAGO/ANP

Der Chemiekonzern BASF hat seinen 49-prozentigen Anteil an den Offshore-Windparks Nordlicht 1 und 2 verkauft. „Unser Bedarf an Grünstrom wird bis 2028 nicht so stark wachsen, wie vor einem Jahr prognostiziert“, begründete ein Konzernsprecher den Schritt gegenüber der WirtschaftsWoche. Statt Partner wolle BASF künftig Kunde sein und Grünstrom bei Vattenfall einkaufen – „zu einem Zeitpunkt, an dem zusätzlicher grüner Strom benötigt wird.“

Erst im April 2024 hatte das Unternehmen die Beteiligung bekanntgegeben. Auskünfte zum Preis gab es weder damals noch heute. Der frühe Verkauf hat jedoch eine Abschreibung von rund 300 Millionen Euro zur Folge – die Entscheidung dürfte BASF also nicht leichtgefallen sein.

Die Elektrifizierung der Anlagen ist für BASF zentraler Bestandteil, um die Klimaziele zu erreichen. Bis 2030 will das Unternehmen seinen Ausstoß um ein Viertel senken, bis 2050 klimaneutral sein. An diesen Zielen halte der Konzern weiter fest, betonte BASF.

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Der Konzern rechnet deshalb in den kommenden Jahren mit einem steigenden Strombedarf. Nach eigenen Angaben stammten im vergangenen Geschäftsjahr 26 Prozent des verbrauchten Stroms bei BASF aus erneuerbaren Energien, im Vorjahr waren es noch 20 Prozent. Um wettbewerbsfähige Preise zu ermöglichen und lange Wartezeiten zu vermeiden, hat der Konzern darauf gesetzt, den Ausbau der erneuerbaren Energien selbst in die Hand zu nehmen.

BASF nennt das die „Make-and-buy-Strategie“. Der erste Teil der Strategie scheint jedoch zunehmend in den Hintergrund zu rücken. Nordlicht 1 und 2 waren bereits das zweite große Offshore-Windprojekt von Vattenfall, an dem sich BASF als Partner beteiligte. 2021 hatte BASF ebenfalls knapp die Hälfte der Anteile am Offshore-Windpark Hollandse Kust Zuid in der niederländischen Nordsee übernommen – und ein halbes Jahr später über 25 Prozent der Anteile an die Allianz weiterverkauft. Eine Begründung gab es damals nicht.

Grünstrom ist nicht der einzige Weg, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren, argumentiert BASF heute: „Neue Technologien können dabei auch weitere Möglichkeiten eröffnen, um den CO2-Ausstoß zu verringern, unter anderem CCS“, teilt der Konzern auf Anfrage mit. Gemeint ist Carbon Capture and Storage, die Abscheidung und Speicherung von Kohlenstoffdioxid. „Sollte das in Deutschland möglich werden, wird BASF das prüfen.“

BASF testet CCS in Antwerpen

Zusammen mit Air Liquide testet BASF im Hafen von Antwerpen schon seit 2021 den Einsatz der Technologie. Gefördert wird das Projekt mit Fördermitteln der Europäischen Union. Ursprünglich sollte die entsprechende Anlage in diesem Jahr in Betrieb gehen. Bislang aber ist nicht mal eine finale Investitionsentscheidung gefallen. Für Schwierigkeiten sorge die derzeit schwache Lage der Industrie durch hohe Preise, niedrige CO₂-Preise sowie technische Schwierigkeiten, so eine Sprecherin des Hafens. Auch BASF spricht von Problemen und Herausforderungen: „Die Dimension, in der wir die Technologie anwenden wollen, ist neu“, sagt ein Sprecher vor Ort. „Eine so große Verflüssigungsanlage, wie wir sie bauen wollen, gibt es bisher nicht. Und Schiffe, die diese Menge an abgeschiedenem CO2 transportieren können, gibt es in der Größe auch noch nicht." Hinzu kämen Kostenexplosionen über die ganze Wertschöpfungskette hinweg.

Das Beispiel zeigt: Das Pokern auf die Zulassung von CCS in Deutschland ist riskant – nicht nur für BASF. Die deutsche Industrie wittert die Chance, mit der Technologie schnell und einfach klimaneutral zu werden. Vor fünf Jahren erweckte Wasserstoff dieselbe Hoffnung – inzwischen hat sich jedoch Ernüchterung breit gemacht: Der Hochlauf dauert länger als vermutet und ob die Preise für das grüne Gas jemals wettbewerbsfähig sein werden, kann noch niemand sicher sagen.

Ein ähnliches Schicksal droht auch der Technologie, die das Abscheiden und Speichern von CO2 ermöglicht. Bis sie in Deutschland einsatzfähig ist, wird es ebenfalls noch lange dauern. Denn noch ist der kommerzielle Einsatz der Technik in Deutschland gar nicht erlaubt. CO2 darf laut aktuellem Gesetzesstand abgeschieden, aber nicht großtechnisch gespeichert werden – und auch der Transport ist de facto nicht möglich, weil ein rechtlicher Rahmen fehlt.

Außerdem ist die Technik teuer und energieintensiv. Auch die Speicherkapazitäten wären begrenzt, maximal eine Abscheidung von 90 Prozent des CO2 nach heutigem Stand wäre möglich. Die Kosten sind noch unklar, erste Projekte im Ausland gehen von circa 80 bis 100 Euro pro abgeschiedener Tonne CO2 aus. Das würde sich nur finanziell lohnen, wenn der CO2-Preis im Europäischen Emissionshandel höher liegt und die einzelnen Branchen keine kostenlosen Zertifikate erhalten. Viele ungewisse Variablen also, die zur Unsicherheit der Industrie beitragen.

Trotzdem ist CCS Teil der Netto-Null-Szenarien des Weltklimarats IPCC, die Wissenschaft ist sich einig, dass die Technologie in bestimmten Sektoren wie der Müllverbrennung oder der Zementindustrie notwendig sein wird, um Restemissionen zu vermeiden.

Im Sondierungspapier von Union und SPD haben die Parteien bereits bekräftigt, ein neues Gesetz zu verabschieden, das CCS im großen Stil ermöglichen soll. In den letzten Wochen der Ampel-Regierung ist ein entsprechender Entwurf an der Frage gescheitert, ob Gaskraftwerke mit CCS betrieben werden sollten.

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