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Vorwahlkampf in den USARingkampf für Hillary

Im ersten TV-Duell gibt sich Polit-Clown Donald Trump wider Erwarten zahm. Aber weil auch die seriösen Kandidaten blass bleiben, dürfte die Show vor allem den Demokraten in die Karten spielen.Florian Willershausen 07.08.2015 - 06:10 Uhr

Donald Trump

US-Milliardär und Immobilienmagnat Donald Trump führt seit Monaten die nationalen Umfragen an. „Mein ganzes Leben habe ich gehört, dass eine wahrhaftig erfolgreiche Person, eine sehr erfolgreiche Person und sogar eine mäßig erfolgreiche Person nicht für ein öffentliches Amt kandidieren kann“, sagte der 69-Jährige Mitte 2015 zu seiner Kandidatur. Doch nur ein erfolgreicher Mensch könne die USA wieder großartig machen, erklärte er. Das Vermögen von Trump, der auch Star seiner eigenen Reality-TV-Show ist, soll rund neun Milliarden Dollar betragen.

Foto: REUTERS

Jeb Bush

Jeb Bush (63) will die Dynastie von Vater und Ex-Präsident George Bush Senior sowie Bruder und Ex-Präsident George W. Bush fortsetzen. Der ehemalige Gouverneur von Florida gilt als vergleichsweise moderat und kann dank seiner Kontakte wichtige Spender hinter sich versammeln. Im Wahlkampf agiert er bisher zögerlich; den hohen Erwartungen der gemäßigten Republikaner konnte er bislang nicht gerecht werden.

Foto: AP

Ben Carson

Ben Carson (64) ist in Medizinerkreisen weltberühmt: Der Neurochirurg gilt als Pionier der operativen Trennung Siamesischer Zwillinge. Den ersten erfolgreichen Eingriff führte er 1987 an einem deutschen Brüderpaar aus Ulm durch. Der Afroamerikaner kommt aus sehr armen Verhältnissen und gilt als äußerst konservativer Tea-Party-Mann.

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Mike Huckabee

Mike Huckabee (60) war bereits 2008 im Rennen und gewann sogar die erste Vorwahl in Iowa, musste später aber aufgeben. Seitdem tingelt der Baptistenprediger und Ex-Gouverneur von Arkansas durch die TV-Sender, etwa mit einer Talk-Show beim konservativen Sender Fox News. Er trifft vor allem den Nerv der religiösen Rechten. Nach der ersten für ihn glücklosen Vorwahl hat er seine Kampagne beendet.

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Marco Rubio

Marco Rubio (44) ist der Sohn kubanischer Einwanderer und buhlt daher vor allem um die wichtigen Stimmen der Latinos. Der Senator aus Florida fordert eine umfassende Einwanderungsreform und lehnt die Annäherung zwischen Havanna und Washington vehement ab. Mit Jeb Bush konkurriert er darum, die gemäßigten Republikaner hinter sich zu versammeln.

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Ted Cruz

Ted Cruz (45) sitzt zwar erst seit 2013 im Senat, hat aber schon durch bizarre Aktionen von sich reden gemacht - etwa mit 20 Stunden Dauerreden, wobei er teils aus Kinderbüchern zitierte. Der Texaner ist Tea-Party-Mann: Gegen Abtreibung, Waffengesetze und gegen „Big Government“. Nachdem er die erste Vorwahl in Iowa gewonnen hatte, ist er der Hauptkonkurrent von Donald Trump um die republikanische Nominierung.

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Rand Paul

Rand Paul (53) gilt als Querdenker und Außenseiter, der mit strikt libertäre Ansichten vor allem Tea-Party-Anhänger hinter sich hat. Das politische Credo des Senators aus Kentucky: Kleiner Staat, wenig Steuern, gegen militärische Interventionen. Er ist nach seinem schlechten Abschneiden in Iowa aus dem Rennen um die Präsidentschaft bereits ausgestiegen.

Foto: AP

John Kasich

Ohio, der Heimatstaat des 63-Jährigen, gilt als entscheidend für die US-Wahlen. Kein Republikaner ist je US-Präsident geworden, ohne den Staat zu gewinnen. Kasich gehört zur Fraktion der gemäßigten Republikaner und holte in New Hampshire überraschend den zweiten Platz hinter Donald Trump.

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Rick Santorum

Rick Santorum gilt als vehementer Verfechter von konservativen Familienwerten. Der 57-Jährige versprach, sich in einer gewandelten Republikanischen Partei für Soziales einsetzen und für die Arbeiterklasse in den USA kämpfen zu wollen. Der frühere Senator von Pennsylvania war bei den Vorwahlen im Jahr 2012 hinter Mitt Romney auf Platz zwei gelandet. In diesem Jahr war er weniger erfolgreich und schied bereits nach der ersten Vorwahl in Iowa aus dem Rennen aus.

Foto: AP

Hillary Clinton

Für die frühere First Lady und Außenministerin schien das Weiße Haus schon vor acht Jahren in Reichweite zu sein - doch dann kam ihr der junge und weitgehend unbekannte Barack Obama dazwischen. Die 67-jährige Demokratin hat reichlich Erfahrung, aber bislang keine überzeugende Botschaft. Im Moment kämpft die Demokratin mit Bernie Sanders um die Nominierung ihrer Partei.

Foto: AP

Bernie Sanders

Bernie Sanders (74) will den Kampf gegen die „Maschinerie Clinton“ gewinnen. Der schroffe, weißhaarige Senator aus Vermont trägt den Titel „demokratischer Sozialist“ mit Stolz. Bei der ersten Vorwahl konnte sich Hillary Clinton nur knapp gegen ihn durchsetzen. In New Hampshire deklassierte er seine Konkurrentin und gewann haushoch mit 20 Prozentpunkten Vorsprung. Noch vor einigen Wochen schien undenkbar, dass Sanders der Kandidat der Demokraten wird, mittlerweile hat er gute Chancen.

Foto: REUTERS

Martin O'Malley

Martin O'Malley (53) gilt als ausgesprochener Liberaler. Er ist für die Abschaffung der Todesstrafe, die Legalisierung der Homo-Ehe, die Erhöhung des Mindestlohns und strengere Waffengesetze. O'Malley war von 2007 bis 2015 Gouverneur von Maryland. Gegen Clinton und Sanders hatte er keine Chance, weshalb er seine Kampagne nach der ersten Vorwahl in Iowa beendete.

Foto: AP

Michael Bloomberg

Der frühere Bürgermeister von New York City spielt mit dem Gedanken als unabhängiger Kandidat bei der Präsidentschaftswahl anzutreten. Falls die Republikaner den Exzentriker Trump und die Demokraten den Linken Sanders ins Rennen schicken würden, räumt sich der 73-Jährige gute Chancen ein.

Foto: AP

Hillary Clinton hebt den Sektkelch zum Prosten, Präsident Barack Obama kann sich vor Lachen kaum halten. Später am Abend düsen sie im Party-Pick-up durch die Stadt und Vize-Präsident Joe Biden tanzt auf der Rückbank. Vor derlei Bildern und Animationen quillen die sozialen Medien über in der Nacht zum Freitag – und das nicht einmal eine halbe Stunde nach Beginn des ersten TV-Duells der Republikaner.
Früh ist sich die Netzgemeinde sicher: Kaum einer der Republikaner gibt eine gute Figur ab beim Auftakt zum Vorwahlkampf in den USA. Dabei wird es bis zum Schluss auch bleiben. Beim Schaulaufen von zehn Männern gibt es eine Siegerin: Hillary Clinton. Die aussichtsreichste Kandidatin der Demokraten dürfte profitieren von kollektiven Schwäche ihrer republikanischen Gegner.


Tagelang hatten die Amerikaner dem politischen Schlagabtausch auf „Fox News“ entgegengefiebert wie einem Finalspiel in der Basketball-Liga NBA. Dem kommt das Spektakel durchaus nahe, das am Donnerstagabend in der Basketball-Halle der „Cleveland Cavaliers“ beginnt. Tickets sollen am Schwarzmarkt mehr gekostet haben als bei einem NBA-Endspiel.
Was nicht zuletzt an Donald Trump liegt. Der großmäulige Milliardär verspricht mit seinen markigen Sprüche im Rennen um die Kandidatur der Republikaner beste Abendunterhaltung. Wird sich der arrogante Immobilien-Tycoon, der in Umfragen mit Abstand vorne liegt, unterbrechen lassen? Wie brutal wird er seine Gegner angreifen? Kommt der spröde Jeb Bush aus seiner Haut heraus? Blamiert sich Ohios Gouverneur Scott Walker mit notorischem Unwissen?

2011 begann Seph Lawless damit, sich mit dem urbanen Zerfall zu beschäftigen. Er fotografiert verlassene Fabriken, Kirchen, Krankenhäuser - und Shopping Malls. Von dem einstigen Konsumtempel der Ohio’s Randall Park Mall sind nur noch Ruinen übrig.

Foto: WirtschaftsWoche

Nachdem er gut 3000 Fotos geschossen hatte, begann Lawless den Zerfall der Shopping Malls in seinem ersten Buch, "The Autopsy of America" zu dokumentieren.

Foto: WirtschaftsWoche

Sein neues Buch "Black Friday: The Collapse of the Modern Mall" beschäftigt sich mit den einstigen Symbolen für Konsum und Kapitalismus. Von vielen sind nur noch traurige Ruinen übrig, wie hier in der Ohio's Randall Park Mall, früher eine der größten Malls in ganz Amerika.

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Wo früher gut gelaunte Shopping-Liebhaber ihren Kaffee tranken, finden sich heute nur noch Scherben.

Foto: WirtschaftsWoche

"Ich hoffe, dass die Leute meine Bilder sehen und das Ende der größten Wirtschaftsmaschine der Welt erkennen - die Vereinigten Staaten von Amerika", so Lawless.

Foto: WirtschaftsWoche

Hier blüht nichts mehr. Nirgendwo werde der Zerfall Amerikas so deutlich wie an den Shopping Malls, meint Seph Lawless.

Foto: WirtschaftsWoche

Auch die Rolling Acres Mall in Akron, Ohio, hat ihren früheren Glanz verloren.

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Früher flanierte Lawless selbst oft in Shopping Malls. Jetzt fotografiert er die Geister-Center nur noch, deren Zerfall immer weiter fortschreitet.

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Ein Kundenservice, wo keiner mehr gebraucht wird. In diese Mall in Ohio wird sich nie wieder ein Einkäufer verirren.

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Jetzt übernimmt die Natur die Macht in den Malls. Bäume drücken sich durch den Linoleum-Boden, ihre Äste reißen Löcher in die einst prächtigen Wände.

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Beinahe unheimlich: Verlassene Orte von morbider Schönheit. Aus dem Symbol für Konsum wurden Symbole für den Zerfall des "American Way of Life".

Foto: WirtschaftsWoche

Seph Lawless: "Es war beinahe unmöglich, sich auf legalem Weg Zutritt zu den geschlossenen Malls zu verschaffen."

Foto: WirtschaftsWoche

Weil er sich unerlaubt Zutritt zu den Malls verschaffte, wurde Lawless bereits mehrfach verhaftet und angeklagt. Trotzdem will er weiter machen. Mit seinen Fotos will er zeigen, welche Wunden der ökonomische Wettstreit in den USA hinterlässt.

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Mit seinen Fotos der verlassenen Geister-Malls will Lawless die Leute aufrütteln.

Foto: WirtschaftsWoche

Die meisten seiner Fotos nahm Lawless im Rust Belt auf (Michigan, Indiana, Ohio und Pennsylvania).

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"Ich möchte, dass die Leute sehen, was in ihrem Land passiert", erzählt der Fotograf. "Ich denke, die meisten Menschen hier lieben ihr Land, verschließen aber die Augen vor der Realität."

Foto: WirtschaftsWoche

Viele der Malls, die in den vergangenen Jahren geschlossen wurden, befinden sich in Vierteln, in denen Geringverdienende leben, die stark von der Rezession getroffen wurden.

Foto: WirtschaftsWoche

Der Sterben der Konsumtempel passiere schleichend, aber dauerhaft, so Lawless.

Foto: WirtschaftsWoche

In manchen Malls dauert der Kampf gegen den Untergang mehrere Jahre.

Foto: WirtschaftsWoche

Mit den Malls stirbt auch ein Teil der Amerikanischen Traums von Wohlstand, Wachstum und Konsum. Lesen Sie hier unsere Analyse: Amerika ist nur noch 08/15.

Foto: WirtschaftsWoche


Donald Trump bleibt zahm – für seine Verhältnisse jedenfalls. Das ist vielleicht die einzig wirkliche Überraschung jenes Abends. Klar, der 69-Jährige fällt wie erwartet mit schamfreier Angeberei auf und liefert sich Sperenzchen mit dem Moderator. Etwa, als er behauptet, noch nie Bankrott gewesen zu sein, worauf er sich die Frage nach der pleite gegangenen Casinostadt „Atlantic City“ gefallen lassen muss. „Hey“, kontert er, „diese Bekloppten, die mir Geld geliehen haben, sollten mir dankbar sein, dass ich ihnen den Hintern versohlt habe.“ Was er genau meint, versteht wohl nur er selbst. Das Publik johlt ob der Wortwahl trotzdem.
Anderen Kandidaten gegenüber gibt sich der Supereiche zahm. Das dürfte die Wahlkampf-Strategen der Republikaner freuen. Politik-Experten wie Elaine Kamarck von der Brookings Institution hatten schon im Vorfeld gewarnt: Wenn sie auf die Trump-Show zu sehr eingehen, könne dies das Image der Partei und ihrer seriösen Kandidaten schaden. Wie Umfragen des Pew Research Center zeigen, ist die Unterstützung der Republikaner für ihre eigene Partei binnen eines halben Jahres dramatisch gesunken. Wohl auch, weil sie dem Polit-Clown ein Forum gibt.


Politisches Kapital dürften die Republikaner aus der Trump-Schwäche indes kaum schlagen. Die übrigen Kandidaten bleiben mehr als matt – allen voran Jeb Bush, der nach Trump in Umfragen unter den 17 Anwärtern führt. Der Verwandte zweier Ex-Präsidenten wirkt souverän und entschlossen, doch aus seinem Mund kommen nur stocksteife Sätze. Etwa, als er beim Thema Bildung von Standorts und Curriculum spricht, die man regional statt föderal umsetzen müsse. „Kaum zu glauben, wie einer so viel reden und so wenig sagen kann“, entfährt es einem Zuschauer auf Twitter.

Gut eineinhalb Jahre vor der US-Präsidentschaftswahl 2016 steigt nun auch der frühere Gouverneur Mike Huckabee in das Rennen um die Nominierung der Republikaner ein. Der 59-jährige Ex-Regierungschef des Staates Arkansas sagte am Dienstag in seiner Heimatstadt Hope, dass es perfekt passe, hier seine Kandidatur anzukündigen. In Hope wurde auch Ex-Präsident Bill Clinton geboren.
Der Republikaner hatte sich bereits 2008 um die Nominierung beworben und Vorwahlen in acht Staaten gewonnen. Damals hatte er eine sogenannte sozialkonservative Agenda. Diesmal will er mit einem wirtschaftlich-populistischen Programm bei breiteren Wählerschichten punkten, wie es aus seinem Umfeld hieß.
Dennoch gilt Huckabee als Außenseiter in dem bereits dicht gedrängten Bewerberfeld der Republikaner. Ihre Kandidatur erklärt haben bereits die Senatoren Ted Cruz aus Texas, Marco Rubio aus Florida und Rand Paul aus Kentucky sowie die Managerin Carly Fiorina und der ehemalige Neurochirurg Ben Carson.
Auf Seiten der Demokraten gilt die frühere Außenministerin Hillary Clinton als aussichtsreichste Bewerberin um die Nachfolge von Präsident Barack Obama, der 2016 nicht noch einmal kandidieren darf.

Foto: REUTERS

Die ehemalige Hewlett-Packard-Chefin Carly Fiorina steigt ins Rennen um das Präsidentenamt in den USA ein. „Ich denke, ich bin die Beste für den Job, weil ich verstehe, wie die Wirtschaft funktioniert“, sagte sie dem TV-Sender ABC am Montag. Die 60-Jährige bemüht sich um Nominierung der Republikaner. Umfragen zufolge ist sie jedoch chancenlos, anders als die Senatoren Rand Paul und Marco Rubio sowie der ehemalige Florida-Gouverneur Jeb Bush.
Die aus Texas stammende Tochter eines Bundesrichters Fiorina brach ihr Jura-Studium ab, machte aber noch zwei Abschlüsse in Wirtschaft und Naturwissenschaften. Von einem Job als Sekretärin in einer kleinen Immobilienfirma arbeitete sie sich bis an die Spitze des Computerriesen HP hoch. Nachdem sie eine Übernahme des Konkurrenten Compaq gegen alle Bedenken durchgedrückt hatte und Finanzziele nicht erreichte, wurde sie 2005 schließlich aus dem Chefsessel gedrängt.
Unter Republikanern ist Fiorina keine Unbekannte. 2008 beriet sie Senator John McCain in dessen Präsidentschaftswahlkampf und bewarb sich 2010 erfolglos als Senatorin für Kalifornien.

Foto: AP

Der bekannte Neurochirurg Ben Carson kündigte am Sonntag seine Kandidatur an. Er habe sich dazu entschlossen, nachdem ihn viele Menschen dazu ermutigt hätten, obwohl er ein politischer Neuling sei, sagte der 63-Jährige in einem Interview des Senders WPEC-TV. Carson ist der erste Afroamerikaner unter den nunmehr fünf Kandidaten der Republikaner für die Wahl im November 2016 und gilt als Liebling der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung der Partei. Er tritt für niedrige Steuern und gegen die Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama ein. Offiziell will er seine Kandidatur am Montag erklären.

Weltweite berühmt wurde Carson mit der ersten erfolgreichen Trennungsoperation an siamesischen Zwillingen, die am Kopf zusammengewachsen waren. Neben ihm bewerben sich bislang die Senatoren Marco Rubio, Ted Cruz und Rand Paul um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner bei der Wahl im November 2016. Als weiterer Kandidat gilt vor allem der frühere Gouverneur von Florida, Jeb Bush, Bruder des ehemaligen Präsidenten George W. Bush. Bei Obamas Demokraten gilt Ex-Außenministerin Hillary Clinton als Favoritin.

Foto: REUTERS

Der konservative US-Republikaner Marco Rubio hat seine Kandidatur für die US-Präsidentschaftswahlen 2016 bekanntgegeben. „Ich kann als Präsident einen Unterschied machen“, sagte der 43-jährige Senator aus Florida in Miami. Rubio - Sohn kubanischer Einwanderer - versprach ein „neues amerikanisches Jahrhundert“, falls er gewählt werde. Zugleich ging die demokratische Bewerberin Hillary Clinton bereits auf Road Tour durchs Land. Per Bus will sie über 1800 Kilometer bis in den Mittelwest-Staat Iowa fahren - wo im Januar die ersten Vorwahlen steigen.

Ohne ihren Namen ausdrücklich zu nennen, kritisierte Rubio die 67-jährige Clinton als „Frau von Gestern“. Amerika müsse wieder führen in der Welt. „Wenn Amerika bei der Führung versagt, folgt unausweichlich weltweites Chaos.“ Rubio lehnte auch die Annäherung an Kuba strikt ab. Nach seinem Senatskollegen Ted Cruz aus Texas und Rand Paul aus Kentucky ist Rubio bereits der dritte Republikaner, der offiziell seine Kandidatur erklärt. Die „New York Times“ räumt ihm aber kaum Chancen ein. Er liege in Umfragen deutlich hinter Cruz und Paul - vor allem aber hinter Jeb Bush, dem ebenfalls Ambitionen auf das Weiße Haus nachgesagt werden.

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Der Senator von Kentucky, Rand Paul (Republikaner), steigt ins Rennen um die Präsidentschaft ein. Der 52-Jährige gab am 7. April seine Kandidatur bekannt. Er wolle dafür sorgen, dass das Gut der Freiheit wieder groß geschrieben werde und sich der Staat stärker zurücknehme. Bekannt ist Paul vor allem durch seine Kritik an der US-Notenbank Fed geworden. Er gilt in seiner Partei als vergleichsweise libertär. Diesen Ruf dürfte Paul sich vor allem mit seiner pazifistischen Grundhaltung und seinem Einsatz für eine Möglichkeit der Einbürgerung von illegalen Einwanderern erworben haben. In vielen anderen Bereichen vertritt er bekannte Parteipositionen. So ist er gegen Abtreibung, für Steuersenkungen, einen schlanken Staat und gegen eine allgemeine Krankenversicherung.

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Der erzkonservative US-Senator Ted Cruz hatte im März als erster namhafter Politiker offiziell seine Kandidatur für das Präsidentenamt bei den Wahlen im Jahr 2016 erklärt. „Es ist Zeit, der Verfassung wieder Geltung zu verschaffen“, rief Cruz Studenten im Auditorium der christlichen Liberty University im Bundesstaat Virginia zu. „Ich glaube, Gott ist noch nicht fertig mit Amerika.“ Zuvor hatte der 44-Jährige bereits in einem auf Twitter verbreiteten Video angekündigt, in das Rennen ums Weiße Haus einzusteigen.

Cruz gilt als erbitterter Gegner der Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama. Als Senats-Neuling machte er 2013 bei einer Debatte über die Reform mit einer spektakulären, fast 22 Stunden langen Dauerrede Schlagzeilen. Im Kräftemessen mit Obamas Demokraten galt Cruz als treibende Kraft hinter einer mehrwöchigen Schließung von Regierungsbehörden. Den Klimawandel bestreitet er, über die Homo-Ehe sollte seiner Meinung nach jeder Bundesstaat selbst entscheiden - und das Grundrecht auf Waffenbesitz unangetastet bleiben. Der Sohn eines Kubaners und einer Amerikanerin war Generalstaatsanwalt von Texas. Er studierte Jura an den Eliteunis Harvard und Princeton.

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Bereits Ende November 2014 hat Jim Webb als erster Demokrat seine Präsidentschaftsbewerbung erklärt. Er ist der frühere Senator von Virginia. In seiner Erklärung zur Kandidatur legte Webb den Fokus auf Armut und die wachsende Einkommensungleichheit. Webb ist ein ehemaliger Marine, der auch in Vietnam diente.

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Auch Hillary Clinton (Demokraten) hat jetzt ihre Kandidatur bekannt gegeben. Sie kennt das Geschehen im Weißen Haus bereits gut. Als Ehefrau von Bill Clinton war sie acht Jahre lang First Lady der USA, unter US-Präsident Barack Obama war sie vier Jahre lang Außenministerin. Ihr Nachteil: Clinton ist nicht mehr die Jüngste. Es gibt Zweifel, ob die 67-Jährige vier Jahre Präsidentschaft gesundheitlich durchhalten würde.

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Er wäre der dritte Präsident der Familie: Jeb Bush (Republikaner), der Sohn von George Bush und Bruder von George W. Bush. Der 61-Jährige hat zum neuen Jahr alle Vorstandsposten niedergelegt, um sich auf eine „potentielle Kandidatur" zu konzentrieren. Laut Meinungsumfragen wäre er beliebteste Kandidat der Republikaner.

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Chris Christie (Republikaner), der Gouverneur von New Jersey, liebäugelt ebenfalls mit der Präsidentschaftskandidatur. Dem Sender CBS sagte er im Herbst, er habe sich noch nicht final entschieden, ob er ins Rennen gehen wolle und will sich in den nächsten Monaten dazu äußern. Christie liegt in den Beliebtheitsumfragen hinter Bush. Im vergangenen Jahr erregte er mit dem "Bridgegate-Skandal" Aufsehen: Er sperrte 2013 für mehrere Tage die vielbefahrene Washington-Brücke von New Jersey nach New York und löste damit ein Verkehrschaos aus - angeblich ein politischer Racheakt Christies gegenüber einem politischen Gegner.

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Der amtierende Vizepräsident Joe Biden (Demokraten) könnte im kommenden Jahr in die erste Reihe aufrücken wollen. An Ehrgeiz mangelt es ihm nicht: Im Dezember sagte er, im Falle einer Kandidatur würde er mit vollem Wetteifer dabei sein. Doch es heißt: kandidiert Clinton, verzichtet Biden.

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Marco Rubio (Republikaner) verkündete vorab: Die großen Geldsummen, mit denen Jeb Bush Wahlkampf betreibt, könnten ihn nicht aufhalten. Auch seine Familie stehe hinter der Kandidatur des Florida-Senators. Einzig eine letzte entscheidende Frage habe er noch nicht für sich beantwortet: Ob er auf seinen sicheren Senatssitz verzichten will. Rubio ist der Sohn kubanischer Einwanderer und behauptete jahrelang, seine Eltern seien damals vor Fidel Castro geflohen. Wie sich im Nachhinein herausstellte, war das falsch. Die Eltern sind vor der Revolution in die USA immigriert.

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Er gehört zu den jüngeren, aussichtsreichen Kandidaten: Der 44-jährige Paul Ryan (Republikaner) sitzt derzeit für Wisconsin im Abgeordnetenhaus und gilt als einflussreicher Finanz- und Haushaltspolitiker. Im Herbst stellte er ein Ausschlusskriterium auf: Er werde nicht in die Vorwahlen gehen, wenn Romney antritt. Die beiden waren bei der letzten Präsidentschaftswahl ein Team: Ryan trat als Vize-Kandidat mit Romney an.

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Er ist der außergewöhnlichste Kandidat: Der Nervenchirurg Ben Carson (Republikaner) hat nie ein politisches Amt bekleidet. Stattdessen ist er dafür berühmt, schon mehrfach siamesische Zwillinge erfolgreich getrennt zu haben. Im Sommer kündigte er seine Ambitionen auf die Präsidentschaftskandidatur an. Er gilt als charismatisch; unter den aussichtsreichen Kandidaten ist er der einzige mit schwarzer Hautfarbe.

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Vor einigen Jahren wurde Bernie Sanders berühmt, als er in einer achteinhalbstündigen Rede mit der ungerechneten Einkommensverteilung und Steuerpolitik der Regierung abrechnete. Der parteilose Senator aus Vermont wird als Kandidat für die Demokraten gehandelt. Er ist 75 Jahre, doch bei guter Gesundheit, wie er betont. Sanders will sich im März entscheiden. Denn „wenn er es machen wolle, dann richtig“, sagte er im Dezember. „Ich werde das nur machen, wenn wir das Ding gewinnen können“, so Sanders. Er bezeichnet sich selbst als Sozialist und stellt sich damit der Tabuisierung des Wortes durch die Republikaner entgegen.

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In der Beliebtheit auf der potentiellen Kandidatenliste der Demokraten steht Elizabeth Warren auf Platz zwei hinter Hillary Clinton. Es wird spekuliert, dass sie 2016 ins Rennen gehen möchte. Sie gilt als Hoffnung des linken Flügels der Demokraten. Warren befürwortet weitreichende Eingriffe, um die Vermögensverteilung gerechter zu gestalten.

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huGO-BildID: 44150843 U.S. Republican presidential candidate and former Arkansas Governor Mike Huckabee formallly launches his bid for the 2016 Republican presidential nomination during an event in Hope, Arkansas May 5, 2015. REUTERS/Mike Stone

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Treffsicher bei Pointen wirkt Scott Walker – und der Gouverneur von Wisconsin ist der Einzige, der sich an Hillary Clinton abarbeitet: „In jedem Land der Welt, in das Hillary Clinton einen Fuß gesetzt hat, herrscht heute mehr Chaos als zuvor“, behauptet Scott Walker und bezieht sich wohl auf Länder wie den Irak und Libyen.
Inhaltlich punkten kann indes auch Walker nicht. Denn wie erwartet schafft er es nicht, seine Angriffe mit Faktenwissen zu flankieren. Dieser Mann hat im Gegenteil wenig Ahnung von der weiten Welt, was etwa dieser Lapsus zeigt: „Ägypten ist wahrscheinlich der beste Freund, den wir in Israel je hatten.“ Okay, das mag ein Versprecher sein. Aber diesen Satz zur komplexen Iran-Frage würden ihm die Landeskenner als naiv um die Ohren hauen: „Wir nehmen den Iran-Deal zurück, setzen die Sanktionen wieder ein und verschärfen sie.“ Und dann? Wird der Ajatollah weinen und den Bau der Atomwaffen einstellen? Na dann.


Überhaupt fehlen in diesem verbalen Ringkampf inhaltliche Substanz und konkrete Lösungen. Es geht über weite Strecken um Ängste, vor allem vor illegalen Einwanderern und Terroristen. Themen, die einfache Antworten verlangen, und die hat Ted Cruz parat. Das ist der Senator aus Texas, der in einem Wahlkampf-Video auf einem Maschinengewehr Eier gebacken hat. „Es gibt im Washingtoner Kartell zu viele, die Amnestie für illegale Flüchtlinge fordern“, behauptet er. Dagegen wolle er kämpfen. Und an IS-Terroristen setzt der Waffennarr einen ganz persönlichen Warnschuss ab: „Wenn du dich dem IS anschließt, dann unterzeichnest du dein eigenes Todesurteil.“ Herrgott, hilf!
Aber es gibt unter den Republikanern auch ganz normale Kandidaten. Neben dem blassen Bush gilt das vor für Floridas Senator Marco Rubio: Er ist Mitte Vierzig und gilt in der verstaubten Partei als Nachwuchshoffnung – und dank als Sohn kubanischer Einwanderer könnte er den Demokraten gar manche Stimme der „Hispanics“ streitig machen.


In der Diskussion sticht er nicht nur hervor, weil er aussieht wie aus dem Ei gepellt, sondern auch dank überlegter Äußerungen. Das Einwanderungsrecht müsse man so reformieren, dass es für Integrationswillige offen bleibe. Wer sich 15 Jahre auf ein Leben in den USA vorbereite und dann abgelehnt werde, der denke natürlich über illegale Einwanderung nach. Darum genüge es nicht, bloß einen großen Zaun zu bauen, so Marco Rubio. Er denkt an eine Strategie.
Außenseiter wie Rubio machen die beste Figur an diesem Abend. Oder auch Ohios Gouverneur John Kasich, der beim Thema Strafvollzug punktet: „Wir behandeln Gefangene mit psychischen Problemen und Drogensucht und bringen sie zurück in ihre Wohnviertel statt sie teuer im Gefängnis durchzufüttern.“ Beide liegen in Umfragen jedoch weit hinter Clown Trump und Langweiler Bush zurück. Kein Wunder, dass Hillary Clinton schon zum Sektglas greift.

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