Stelter strategisch: Langfristiger Wohlstand? Nicht in Deutschland!
Wie steht es um den Wohlstand in Deutschland?
Foto: dpaIn Ausgabe 14 der WirtschaftsWoche beschreibt Rolf Langhammer, Wissenschaftler am Institut für Weltwirtschaft in Kiel, die Folgen der Zuwanderung auf die deutsche Wirtschaft. „Der Zustrom von Flüchtlingen krempelt unsere Wirtschaft um“, lauten Titel und Fazit des Beitrags.
Im Kern stellt Langhammer darin fest, dass wir vor einem Strukturwandel stehen, in dem der „hoch kompetitive Gütersektor“ zugunsten des „weniger kompetitiven Dienstleistungssektors“ verliert. Die klare Folge des Zustroms ungelernter Arbeitskräfte mit fehlenden Sprachkenntnissen. Die deutsche Wirtschaft wird an internationaler Wettbewerbsfähigkeit verlieren und „wettbewerbsbedingt“ Standorte ins Ausland verlagern. Damit nicht genug: hält der Staat am Ziel der schwarzen Null fest, müsse mehr von den Alt- zu den Neubewohnern umverteilt werden. Tut er es nicht, hinterlässt er der nächsten Generation noch höhere Lasten.
Dies alles darf nicht verwundern. Ist doch die Aufnahme von Flüchtlingen zuvörderst eine humanitäre Aufgabe, die es mit sich bringt, den eigenen Wohlstand mit anderen zu teilen. Deshalb können wir uns davon auch keinen Nutzen versprechen – und er sollte uns von der Politik nicht suggeriert werden.
Die interessante Frage lautet: Was bedeutet das aus Sicht des Kapitalanlegers?
Wie hier schon vor einigen Wochen dargelegt, bieten sich natürlich auch in einer solchen Situation viele Gelegenheiten zum Geld verdienen. Profitieren doch Immobilienbesitzer, Sprachschulen, Sicherheitsdienste und Baufirmen. Die geplante steuerliche Förderung von Neubauten dürfte auch für einige ein lohnendes Geschäft werden. Aus volkswirtschaftlicher Sicht verstärkt diese Subventionierung jedoch die oben angesprochenen Verschiebungen in der Wirtschaftsstruktur.
Hilflos wie Japan
Diese Strukturverschiebung hat erhebliche langfristige Auswirkungen auf unseren Wohlstand. Das Wachstum einer Wirtschaft hängt im Kern von zwei Faktoren ab: dem Wachstum der Erwerbsbevölkerung und der Produktivität pro Kopf. Je mehr Menschen arbeiten und je produktiver diese sind, desto höher ist das Wachstum einer Wirtschaft. Die wirtschaftliche Entwicklung der letzten 200 Jahre war geprägt von einem dynamischen Bevölkerungswachstum und deutlichen Produktivitätszuwächsen. Beides katapultierte uns aus der Agrar- in die moderne Industriegesellschaft.
Kommt einer oder beide dieser Wachstumstreiber ins Stocken, droht Ungemach. Schön zu beobachten in Japan, wo deutliche Zuwächse der Produktivität pro Kopf den Rückgang der Erwerbsbevölkerung nicht kompensieren können. Die Wirtschaft stagniert seit Jahren und macht die Bedienung der Schuldenlast unmöglich.
In Deutschland können wir absehen, dass die Entwicklung noch schlechter sein wird. So wird trotz der Zuwanderung die Erwerbsbevölkerung in den nächsten Jahrzehnten schrumpfen. Die Produktivität und damit das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf wird ebenfalls sinken. Dies alleine bedingt durch den vom IfW prognostizierten Strukturwandel, weg von hochqualifizierten Industriejobs hin zu niedrig bezahlten Jobs in Bau und Dienstleistungen. Schon heute liegt das durchschnittliche Einkommen der Bevölkerung mit Migrationshintergrund deutlich unter dem Durchschnitt. Dieser Trend setzt sich fort.
Natürlich gäbe es Möglichkeiten, die Produktivität pro Kopf zu steigern. Naheliegend sind Investitionen in Bildung, Innovation und Infrastruktur. Diese werden nicht im erforderlichen Maße getätigt, da unsere Regierenden lieber soziale Wohltaten verteilen, als in die Zukunft zu investieren. Selbst wenn es zu einer Steigerung der Ausgaben käme, so ist Geld alleine nicht ausreichend, um die eklatanten Unterschiede in der schulischen Leistung von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund zu überwinden. Das soziale Umfeld, die Bildungsnähe und die kulturellen Unterschiede lassen sich – wenn überhaupt – nur langsam ändern.
Platz 10
Während Deutschland im Vorjahr (2014) noch auf Rang sechs lag, schafft es die Bundesrepublik im Jahr 2015 nur noch auf den zehnten Platz. Der Staat steht vor vielen Herausforderungen. Dazu gehört der Druck, die Energiewende zu meistern, die digitale Transformation der Industrie voranzutreiben und private und öffentliche Investitionen zu fördern. Bauen kann Deutschland auf seine hoch qualifizierten Arbeitskräfte und eine Politik der Stabilität und Vorhersehbarkeit.
Quelle: Vergleichsstudie des IMD World Competitiveness Center
Foto: dpaPlatz 9
Schweden fällt im Vergleich zu 2014 um vier Ränge auf Platz neun. Das nordeuropäische Königreich kann besonders mit qualifizierten Arbeitskräften, den stabilen politischen Verhältnissen, einem wirksamen Rechtssystem und einem starken Fokus auf Forschung und Entwicklung glänzen. Auch das Bildungsniveau ist sehr hoch und die Infrastruktur verlässlich.
Foto: dpaPlatz 8
Auch Dänemark (im Bild die Kronprinzessin Mary) konnte sich 2015 im Vergleich zum Vorjahr verbessern, von Platz neun geht es hoch auf Platz acht. Gut schneidet das nordeuropäische Königreich bei Managementpraktiken, Gesundheit und Umwelt sowie Arbeitsstandards ab.
Auf dem ersten Rang landet Dänemark in der Kategorie der Regierungseffizienz gleich fünf Mal, denn es zeichnet sich nicht nur durch eine besonders große Rechtstaatlichkeit aus, sondern auch dadurch, dass Bestechung und Korruption kaum eine Chance haben.
Foto: dpaPlatz 7
Norwegen kann im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von drei Plätzen verzeichnen und landet 2015 damit auf dem siebten Platz. Die skandinavische Halbinsel kann vor allem mit gesellschaftlichen Rahmenbedingungen aufwarten, mit denen sie im internationalen Vergleich auf Platz eins landet.
Weitere Faktoren, mit denen Norwegen punkten kann, sind im Bereich der Regierungseffizienz zu finden: Chancengleichheit, Transparenz sowie Rechtstaatlichkeit sind nur einige der besonders effektiven Maßnahmen der öffentlichen Hand.
Foto: dpaPlatz 6
Für Luxemburg ging es von Platz elf im Jahr 2014 hoch auf Platz sechs. Sehr gut schneidet das Großherzogtum im Bereich der politischen Stabilität, der wettbewerbsfähigen Besteuerung, des unternehmerfreundlichen Umfeldes und der qualifizierten Arbeitskräfte ab.
Foto: dpaPlatz 5
Kanada hat es 2015 auf Platz fünf geschafft. Im Vorjahr landete der nordamerikanische Staat noch auf Platz sieben des IMD World Competitiveness Ranking. Die gute Platzierung hat Kanada vor allem der Stabilität und Vorhersehbarkeit in der Politik, dem hohen Bildungsniveau, qualifizierten Arbeitskräften und einem wirksamen Rechtssystem zu verdanken. Ganz gut schneidet Kanada auch aufgrund einer unternehmerfreundlichen Umgebung und einer offenen und positiven Haltung ab.
Foto: dpaPlatz 4
Der vierte Platz geht an die Schweiz. Unternehmen aus aller Welt wissen vor allem die sehr gute Infrastruktur des kleinen Alpenstaates zu schätzen. Die hohe Bildung und der Umweltschutz landen gar im Vergleich zu 2014 nicht mehr nur auf Platz drei, sondern gleich auf der Eins. Auch die robuste Wirtschaft, Arbeitsstandards, geringe Entlassungs- sowie Kapitalkosten sind im internationalen Vergleich so gut wie unschlagbar.
Foto: dpaPlatz 3
Unter die ersten drei schafft es für 2015 - wie auch schon im Vorjahr - der Insel- und Stadtstaat Singapur. Besonders punkten konnte das asiatische Land bei Unternehmen in diesem Jahr mit seinem institutionellen Rahmen, der im weltweiten Vergleich auf Rang eins landet. Außerdem liegt Singapur bei der technologischen Infrastruktur sowie der Bildung ganz weit vorne.
Foto: dpaPlatz 2
Platz zwei geht an die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong. Im Vergleich zum Vorjahr hat die chinesische Metropole zwei Plätze gut gemacht. Unternehmen aus aller Welt schätzen Hongkong insbesondere aufgrund der betriebswirtschaftlichen Gesetzgebung, der Managementpraktiken, der unternehmerischen Einstellungen und Werte und der technologischen Infrastruktur. Ganz gut steht Hongkong auch bei internationalen Investitionen, der Fiskalpolitik und bei den Betriebsfinanzen da.
Foto: dpaPlatz 1
Die wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft der Welt sind die USA. Besonders attraktiv finden Firmen in den USA laut Ranking die dynamische Wirtschaft (66,2 Prozent), den guten Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten (55,1 Prozent), den starken Fokus auf Forschung und Entwicklung (49,3 Prozent) sowie das unternehmensfreundliche Umfeld (43,4 Prozent). Punkten können die USA zudem als attraktiver Forschungsstandort. Nachholbedarf gibt es dagegen im Bereich der Schulbildung.
Foto: dpa
Deutschland ist wahrlich nicht das einzige Land, welches vor einem Rückgang der Erwerbsbevölkerung und einer verschlechterten Produktivitätsentwicklung steht. Die gesamte westliche Welt steht vor ähnlichen Herausforderungen. Einigen Ländern, wie den USA, Singapur und der Schweiz gelingt es in diesem Umfeld, weiterhin qualifizierte Menschen aus aller Welt anzuziehen, die das BIP pro Kopf in den Zielländern weiter steigern. Nur so ist erklärlich, wie die USA trotz miserabler Leistungen bei der Bildung der eigenen Bevölkerung (481 PISA-Punkte in Mathematik vs. 613 in Shanghai und 514 bei uns) die neuen Industrien derart dominieren. Die Gründerszene in Kalifornien wird von zugewanderten Talenten getragen.
Internationaler Kampf um Talente
Damit droht Deutschland nicht nur die Strukturverschiebung zulasten der produktiven Industrien, sondern zugleich ein zunehmend schwieriger Kampf um die Talente der Zukunft. Andere Länder bieten mehr wirtschaftliche Freiheit und geringere Abgabenlasten. Bei aller Zuwanderungseuphorie wird nämlich zu gerne vergessen, dass wir auch seit Jahren eine Abwanderung haben. Meist sind es die besser Gebildeten, die im Ausland ihre Zukunft sehen. Angesichts der absehbar spürbar steigenden Abgabenlast – wie sonst soll eine kleinere Erwerbsbevölkerung mit sinkender Produktivität die Kosten einer alternden Gesellschaft und der Zuwanderung bewältigen? – wird der Reiz zur Auswanderung in den kommenden Jahren noch deutlich zunehmen. Mit der zwangsläufigen Folge, dass das BIP pro Kopf weiter sinkt.
Damit sinkt der Anteil Deutschlands am weltweiten Wohlstand relativ und pro Kopf in den kommenden Jahrzehnten. Dies muss bei der Kapitalanlage berücksichtigt werden.
Im Jahr 1899 hatte Großbritannien einen Anteil von 25 Prozent an der weltweiten Börsenkapitalisierung, Deutschland einen von 13 Prozent und die USA einen Anteil von 15. Ende 2015 lag der Anteil Großbritanniens noch bei 6,9 Prozent, der von Deutschland bei 3,1 Prozent und der der USA bei immerhin 52,3 Prozent. Entsprechend lag die reale Rendite von US-Aktien bei über sechs Prozent in diesem Zeitraum, der von Aktien aus Großbritannien bei etwas über fünf und der von deutschen Aktien bei weniger als zwei Prozent.
Natürlich hängt die deutsche Underperformance auch mit zwei verlorenen Kriegen zusammen. Doch letztlich ist es aus Sicht der Kapitalanleger egal, aus welchen Gründen der Wohlstand sinkt. Anleger sind am besten woanders investiert.