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Hannover MesseWoran TTIP noch scheitern könnte

Die europäische Industrie will TTIP – aber nicht um jeden Preis. Vom Besuch des US-Präsidenten Barack Obama in Hannover erhoffen sich die Verhandlungspartner neue Impulse. Doch die USA schielen längst in Richtung Asien.Sebastian Schaal, Niklas Dummer 21.04.2016 - 15:30 Uhr

Ein Plakat mit der Aufschrift "TTIP is hope" an der Hausfassade des Verbands der Metallindustriellen Niedersachsens

Foto: dpa

Es waren klare Worte von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel: „Wenn die Regeln schlecht sind, dann ist es auch denkbar, dass die Verhandlungen scheitern. Das hängt sehr von den Amerikanern ab.“

Für Gabriel ist die Messlatte für gut oder schlecht das zwischen Kanada und der EU vorangetriebene CETA-Abkommen. Bewegen sich die Verhandlungen nicht in Richtung des von Gabriel angestrebten Ziels, könnte das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP scheitern, bevor es überhaupt in Kraft getreten ist.

Mit TTIP würde die größte Freihandelszone der Welt mit 800 Millionen Menschen entstehen. Durch den Wegfall von Zöllen und anderen Handelshemmnissen soll es auf beiden Seiten des Atlantiks mehr Wachstum geben, so die Befürworter.

In Europa befürchten TTIP-Kritiker, dass europäische Standards zum Beispiel beim Verbraucherschutz abgebaut werden. Frankreich und Deutschland pochen darauf, dass zentrale Forderungen erfüllt werden. So müssten EU-Unternehmen Zugang zu öffentlichen Aufträgen in den USA erhalten, auch auf Ebene der US-Bundesstaaten. „Wenn sie die Märkte nicht öffnen wollen, brauchen wir auch kein Handelsabkommen“, sagte Gabriel.

Was Deutsche und Amerikaner über TTIP denken
Dieser Meinung ist jeder zweite Amerikaner – aber nur jeder fünfte Deutsche.
Hier sind sich die Deutschen und die Amerikaner nahezu einige: Jeweils jeder Fünfte glaubt das.
Dieser Ansicht sind zwölf Prozent der befragten Amerikaner und 61 Prozent der Deutschen.

Aus Sicht von immer größeren Teilen der Bevölkerung braucht es das Abkommen ohnehin nicht mehr. Die Zustimmung auf beiden Seiten des Atlantiks ist laut einer repräsentativen Umfrage der Bertelsmann-Stiftung in den vergangenen zwei Jahren deutlich geschwunden. Demnach lehnt jeder dritte Deutsche das geplante Abkommen zwischen der EU und den USA komplett ab. Nur knapp jeder fünfte Bundesbürger (17 Prozent) bewertet TTIP positiv. Etwa die Hälfte der Befragten äußerte sich weder klar dagegen noch dafür.

Bei einer Umfrage im Jahr 2014 Jahren sprach sich mit 55 Prozent noch mehr als die Hälfte der Deutschen für TTIP aus, nur jeder Vierte war dagegen. Bei den US-Bürgern wächst die Zustimmung zum Freihandel zwar generell an, das gilt aber nicht für TTIP. 2016 sind nur noch 15 Prozent dafür, 2014 lag der Zustimmungswert für TTIP noch bei mehr als 50 Prozent. 

Am Wochenende dürfte die Debatte über die festgefressenen Verhandlungen wieder an Fahrt aufnehmen, wenn US-Präsident Barack Obama die Hannover Messe besucht. Unternehmen und Verbände erhoffen sich davon neue Impulse, wenn neben Obama und Kanzlerin Angela Merkel auch die Staats- und Regierungschefs von Großbritannien, Frankreich und Italien zu einem Treffen zusammen kommen.

Für die einen ist das Freihandelsabkommen ein kostenloses Konjunkturprogramm, für die anderen ein unkalkulierbares Risiko, wenn fremden Normen und Zertifizierungen Tür und Tor geöffnet wird.

Es ist einer der höchstdotierten Technologie-Preise weltweit: der Hermes Award. Seit 2004 wird der "Oscar der Ingenieure", wie Wolfgang Wahlster, Geschäftsführer des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) und Jury-Vorsitzender des Hermes Awards, sagt, auf der Hannover Messe verliehen. Zu den Gewinnern gehören unter anderem Firmen wie Bayer, Phoenix Contact und Bosch-Rexroth. Im vergangenen Jahr ging der Award an die Wittenstein AG, ausgezeichnet für eine neue Getriebegattung.

"Der Hermes Award ist der weltweit bedeutendste Innovationspreis für die Industrie. Das haben die Einreichungen auch in diesem Jahr gezeigt", sagt Jochen Köckler (rechts im Bild), Vorstandsmitglied der Deutschen Messe AG: Die fünf Besten, die in den folgenden Bildern vorgestellt werden, werden am 24. April in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama geehrt.

Foto: PR

BLOCK Transformatoren-Elektronik GmbH, Verden

Das nominierte Produkt EasyB ist ein sogenanntes Ein-Kanal-Schutzschaltersystem, das Steuerspannungen bedarfsgerecht bis zu einem Gesamtstrom von 80 Ampere absichern kann. Sprich: Kommt zu viel Strom am Gerät an, reduziert es den Ausgangsstrom auf den eingestellten Pegel – die Einstellung kann jederzeit über den Leitrechner angepasst werden.

Die Besonderheit von EasyB: Die Kanäle adressieren sich beim Einschalten automatisch. Damit entfällt ein zusätzlicher Arbeitsschritt zur manuellen Adressvergabe. Zudem überzeugte das Gerät die Jury mit seiner extrem kompakten Bauform und einer sehr hohen Stromtragfähigkeit.

Foto: PR

DDM Systems, Atlanta, GA, USA

Das Spin-off-Unternehmen der berühmten Georgia-Tech-Hochschule hat sich mit einem additiven Fertigungsverfahren für Keramik beworben. Das nominierte Produkt LAMP System CPT6060 ermöglicht es, den Prozess des Feingießens um sieben von zwölf Prozessschritten zu verkürzen. Mit den hochgenauen Schalenformen aus dem 3D-Drucker sind sowohl Rapid Prototyping als auch eine Serienfertigung in einer Anlage möglich. Mit diesem Hightech-Verfahren können die bisherigen Herstellungskosten um 60 Prozent reduziert werden.

Die Jury war zudem von der hohen Zahl von über zwei Millionen parallelen UV-Lichtstrahlen bei der Photopolymerisation und der damit erzeugten extrem hohen Genauigkeit von zehn Mikrometern bei großen Abmessungen der Keramikformen bis zu 600 x 600 x 450 Millimetern beeindruckt.

Foto: PR

Harting IT Software, Espelkamp

Das nominierte Produkt Mica ist eine offene und modulare Plattform als zentraler Baustein aus eingebetteter Hardware und Software für Industrie 4.0. Mit dem kleinen Gerät können existierende Produktionsmaschinen vernetzt und so bestehende Fabriken zu Smart Factories aufgerüstet werden. Damit wird vielen mittelständischen Unternehmen der Eintritt in die Industrie-4.0-Welt ermöglicht.

Maschinen verschiedenster Hersteller sollen mit den offenen Standards von Mica kommunizieren können. Jedes Mica hat einen TPM-Chip und unterstützt SSL und VPN, sodass eine sichere Authentifizierung und Kommunikation für die Mica-Module unterstützt werden. Die Jury war auch beeindruckt vom Konzept der leichtgewichtigen Virtualisierung durch LINUX-Container, das durch Mica auf einem kompakten Feldgerät realisiert wird.

Foto: PR

ITM Power, South Yorkshire, Großbritannien

Bei dem nominierten Projekt handelt es sich um eine kompakte Anlage zur bedarfsorientierten und flexiblen Produktion von Wasserstoff und Sauerstoff durch Elektrolyse (Power-to-Gas). Dabei wird Strom aus erneuerbaren Energien in Wasserstoff beziehungsweise Methan umgewandelt und kann dann entweder zum Betanken von Brennstoffzellenautos verwendet oder aber als Methan in das Erdgasnetz eingespeist werden. Durch das kompakte Design kann die Anlage verbrauchernah aufgestellt werden. Beindruckend für die Jury waren neben einem Eigendruck von 80 bar, den kompakten Abmessungen auch der hohe Systemwirkungsgrad von 72 Prozent und eine kurze Anfahrzeit von unter einer Sekunde. Das Projekt leistet damit sowohl einen Beitrag zur Stabilisierung der Netze als auch zur wasserstoffbasierten Elektromobilität.

Foto: PR

J. Schmalz GmbH, Glatten

Bei dem nominierten Produkt VSi handelt es sich um einen Vakuum- und Druckschalter, der erstmals sowohl mit der IO-Link-Technologie als auch mit der NFC-Technologie ausgestattet ist. Der Anwender kann somit direkt mit mobilen Endgeräten wie Tablets oder Smartphones alle wichtigen Daten ablesen und einstellen.

Damit können Produktionsprozesse unmittelbar vor Ort optimiert oder effizienter gestaltet werden. Auch Fehler können schneller diagnostiziert, analysiert und letztendlich behoben werden. Der modulare Schalter ist eine Industrie-4.0-fähige Komponente und leistet einen wesentlichen Beitrag zu Predictive Maintenance und zur Visualisierung wichtiger Prozessdaten auf einem kabellos verbundenen Consumer-Gerät.

Foto: PR

 

Fakt ist: Die USA sind der wichtigste Außenhandelspartner Deutschlands. Mit einem Volumen von 173 Milliarden Euro haben die USA im vergangenen Jahr sogar Frankreich überholt, das mit einer Ausnahme 1974 die Bilanz stets angeführt hatte.

Aber: Die USA sind auch kein einfacher Markt. Die Hürden für den Markteintritt sind hoch, ebenso die Bürokratiekosten. TTIP könnte dazu führen, dass kleine und mittelständische Unternehmen einfacheren Zugang zum US-Markt bekommen und ihre Produkte dort leichter verkaufen können. Zumindest die, die aufgrund ineffizienter Handelshemmnisse am Export in die USA gehindert werden. Große Unternehmen haben ganze Abteilungen, um Produkte an die regionalen Regularien anzupassen. Mittelständler haben jedoch oft nicht einmal eine lokale Fertigung in den USA. Der Aufwand – technisch und organisatorisch – ist ungleich höher.

Festo – Wo die Natur Antworten liefert

Jedes Jahr stellt Festo auf der Hannover Messe ein neues Bionik-Konzept vor. Auf dem Messestand des Industrieautomatisierers aus Esslingen werden Ameisen zu sehen sein – kybernetische natürlich. Die BionicANTs – „ANT“ (das englische Wort für Ameise) steht dabei sowohl für das natürliche Vorbild als auch für „Autonomous Networking Technologies“ – imitieren das Staatenverhalten der Ameisen. Erstmals wird damit das kooperative Verhalten von Tieren mittels komplexer Regelalgorithmen in die Welt der Technik übertragen.

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TU Wien – Alu in Pulverform

Bei Stahl und Titan ist das Sintern als Produktionsverfahren bekannt und erprobt. Forscher der TU Wien wollen das Spritzgussverfahren jetzt auch auf Aluminium-Legierungen übertragen.

Wer heute ein kompliziertes Metallteil herstellen will, greift meist auf das Sintern genannte Metallpulver-Spritzgussverfahren zurück, bei dem Metallpulver mit Kunststoff versetzt, in Form gepresst und bei hohen Temperaturen zu einem soliden Metallwerkstück zusammengebacken wird. Bislang funktionierte diese Technik jedoch nicht mit Aluminium.

Das neue pulvermetallurgische Verfahren soll es erlauben, komplizierte Formen herzustellen, die auf andere Weise gar nicht oder nur mit großem Aufwand realisierbar wären. Da das pulverförmige Ausgangsmaterial relativ preiswert ist, können bei überschaubaren Kosten auch relativ große Bauteile produziert werden, sodass in der Massenproduktion im Vergleich zur konventionellen Fertigung Material- und Gewichtseinsparungen von mehr als 50 Prozent möglich sind.

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Weippert – Das Gewicht herunterschrauben

In nahezu jeder Maschine stecken unzählige Schrauben in den unterschiedlichsten Größen – sie halten die Produktionsanlagen quasi zusammen. Hier Gewicht zu sparen, kann sich positiv auf die gesamte Maschine auswirken. Die Firma Weippert stellt auf der Hannover Messe neue WT-Kunststoffschrauben vor, die – bei Beachtung der technischen Anforderungen – im Vergleich zu Alu- und Edelstahlschrauben bis zu 70 Prozent leichter sein sollen.

Die Ingenieure von Weippert stellen einen ganz einfachen Vergleich an: Während ihre WT-Kunststoffschraube M6x40 aus PA6 GF30 lediglich 1,6 Gramm wiegt und aus PA6 GF50 gerade einmal 1,8 Gramm, bringt die gleiche Metallschraube aus A2 satte 9,3 Gramm auf die Waage. Dass Kunststoffschrauben nicht die gleiche Festigkeit wie Stahlschrauben aufweisen, sei dabei nicht immer ein Problem. Denn mit einer individuellen Konstruktionsanpassung unter Berücksichtigung der mechanischen Eigenschaften könnten meist auch Kunststoffschrauben statt Stahlschrauben verwendet werden, so Weippert.

Selbst wenn die Kunststoffschraube eine Nummer größer dimensioniert wird als die Stahlschraube, wenn also beispielsweise statt einer M4 eine M6 zum Einsatz kommt, ist die Gewichtseinsparung immer noch deutlich.

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Sonotec – Vorbeugen statt heilen

Eines der großen Themen der Industrie 4.0 ist die Predictive Maintenance, also die vorbeugende Instandhaltung. Der Ultraschallspezialist Sonotec stellt mit dem Sonaphone auf der Hannover Messe ein neues Gerät vor, dass die Wartung einfacher machen soll.

Die möglichst genaue Vorhersage eines optimalen Wartungszeitpunktes gewinnt in der Wertschöpfungskette zunehmend an Bedeutung. Die mobilen Ultraschallmessgeräte, die zur Grundausstattung vieler Instandhalter gehören, tragen damit maßgeblich zu einer erhöhten Anlagensicherheit und -verfügbarkeit bei. Auf der Sonderausstellung Predictive Maintenance 4.0 will Sonotec zeigen, wie Unternehmen Energie einsparen und die Effizienz der gesamten Produktion mit Ultraschallmessgeräten verbessern können.

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Bionic Robotics – Arm mit Charme

Bionic Robotics präsentiert auf der Hannover Messe einen Leichtbauroboter, dessen Bewegungsablauf und Größe sich an einem außerordentlich erfolgreichen Vorbild orientiert – dem menschlichen Arm. Die Bionic Robotics GmbH, 2010 als Spin-Off der TU Darmstadt gegründet, setzt als innovationsgetriebenes Unternehmen vor allem auf die Entwicklung und Produktion von extrem leichten Roboterarmen. Vergleichbar elastisch und mit seinen vier bis fünf Gelenken besonders flexibel im Aufbau, sorgen die in die Basis des BioRob verlegten Antriebe zudem für eine geringe bewegte Masse im Roboterarm. Damit ist der BioRob prädestiniert für den Einsatz in der industriellen Automation, wo er Transport-, Pick & Place-, Palettier- oder wechselnde Handhabungsaufgaben mit kleinen und mittleren Losgrößen übernehmen kann.

Laut dem Unternehmen ist BioRob der einzige kollaborative Roboter – er darf also ohne Schutzkäfig direkt mit Menschen zusammenarbeiten –, der ohne aufwändige Sensortechnologie und Steuerungstechnik auskommt. Selbst bei hohen Bewegungsgeschwindigkeiten würden die Kräfte im Falle eines ungewollten Kontaktes mit menschlichen Arbeitskollegen bauartbedingt so weit reduziert, dass keinerlei Verletzungsgefahr besteht – die besonders leichte und nachgiebige Struktur des BioRob macht es möglich.

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Fluid Dynamix – Der unbewegte Beweger

Das Berliner Start-up FDX Fluid Dynamix feiert auf der Hannover Messe die Premiere seiner einzigartigen OcsiJet-Düse, mit der es dank eines fluidischen Oszillators erstmals möglich ist, einen bewegten Strahl ganz ohne bewegliche Teile zu erzeugen.

Um für eine gute Durchmischung von Gasen und Flüssigkeiten zu sorgen, kommen die dafür verwendeten Komponenten so gut wie nie ohne bewegliche Bauteile aus, woraus beinah schon zwangsläufig eine gewisse Reparaturanfälligkeit und ein erhöhter Wartungsbedarf resultieren. Die neue Düse von FDX erzeugt den schwingenden Fluidstrahl jedoch ohne bewegliche Teile. Mit einem schnell, effizient und genau anpassbaren Frequenzspektrum, welches von wenigen Schwingungen pro Sekunde bis fast in den Ultraschallbereich reicht, liefert die OsciJet-Düse für beinah jeden Prozess den notwendigen Frequenzbereich – ob Kraftstoff-Luft-Mischungen in Motoren oder der Wasserstrahl in Geschirrspülmaschinen.

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MediGlove – Heilende Handschuhe
Auf dem Stand der Hochschule Anhalt zeigen die Designer Thomas Kores und Philipp Rösler aus Dessau erstmalig einen vollen interaktiven Prototyp eines medizinischen Diagnostik-Handschuhs, der die Funktionen von Stethoskop, Thermometer und Pulsmesser vereint.

Mit MediGlove sollen nicht nur die Untersuchungen intuitiver „von der Hand gehen“, sondern über natürliche Gesten auch hochauflösende Messwerte ermittelt und automatisch in eine digitale Krankenakte eingepflegt werden können, um sie so längerfristig und ganzheitlich nachvollziehbar zu machen. Der als Design-Projekt der Hochschule Anhalt konzipierte MediGlove ist bereits mit zwei Sonderpreisen ausgezeichnet worden.

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ABB – Produktivität steigern

Der Schweizer Mischkonzern ABB hat seine eigene Definition des Internets der Dinge: Das IoT wird zum „Internet of Things, Services and People“ erweitert – und soll so Chancen bieten, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. „Wir verbinden Komponenten – also Things – der Industrieautomation und Energieversorgung mit dem Internet und fördern durch fortschrittliche Softwarelösungen deren perfekte Zusammenarbeit“, sagt ABB-Chef Ulrich Spiesshofer. „Das führt zu neuen Serviceangeboten und verschafft unseren Kunden einen klaren Wettbewerbsvorsprung.“

Eine der Neuheiten an dem 1700 Quadratmeter großen Messestand ist ein neuer Sensor, mit dem bestehende Motoren mit der Smart Factory angebunden werden können. Der Sensor – in etwa so groß wie eine Zigarettenschachtel – wird an dem vorhandenen Elektromotor befestigt, misst Zustandsdaten wie Temperatur, Vibration oder Magnetfeld und sendet sie an einen Server. Aus diesen kontinuierlich erhobenen Daten können genaue Analysen über den Zustand des Motors erstellt werden. Produktivität und Verfügbarkeit lassen sich so verbessern und Produktionsunterbrechungen durch vorausschauende Wartung vermeiden.

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Fraunhofer IWU – Die Miniaturfabrik

Das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) präsentiert auf der Messe mit seinem Forschungsprojekt „Presswerk 4.0“ erstmals ein Miniaturfabrikmodell, das Messebesucher dank Augmented Reality bei einem virtuellen Rundgang erkunden können.

Den einzelnen Produktionsschritten folgend, wird den Besuchern dort anhand der Fertigung von Beispielbauteilen interaktiv und gut nachvollziehbar die intelligente Vernetzung von Prozess, Maschine, Anlage und Mensch vermittelt. Zudem wird deutlich, wie diese Vernetzung hilft, Zeit, Energie und Material zu sparen und die Produktion schneller und flexibler auf Marktveränderungen reagieren zu lassen.

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Institut für Integrierte Produktion Hannover – „Heb mich hoch, Scottie!“

Autonome Fahrzeuge sind nicht nur in der Autoindustrie ein Thema. In modernen Produktionsstätten und Lagerhallen werden sich die Mitarbeiter nicht mehr selbst ans Steuer eines Gabelstaplers setzen, sondern ihre Arbeitsaufträge an intelligente fahrerlose Transportfahrzeuge übergeben. Was zur Kommunikation zwischen Mensch und Stapler nötig ist, zeigt das Institut für Integrierte Produktion Hannover: Die gemeinsam mit Jungheinrich und weiteren Partnern entwickelten fahrerlosen Schubmaststapler, die menschliche Sprache verstehen und Gesten deuten können, dürfen von den Messebesuchern auf dem niedersächsischen Gemeinschaftsstand in Halle 2 sogar selbst ausprobiert werden.

Mithilfe von 3D-Kameras erfassen sie ihre Umgebung und orientieren sich ähnlich wie ein Mensch, indem sie sich markante Punkte im Raum merken. Bei räumlichen Veränderungen – zum Beispiel, weil ein Regal zur Seite gerückt wurde oder eine Palette den sonst üblichen Weg versperrt – wird sich das Fahrzeug daran anpassen, ganz im Sinne der Industrie 4.0. Im Gegensatz zu bisherigen fahrerlosen Transportsystemen benötigt es keinerlei vorgegebene Wege, etwa in Form von Magnetsensoren oder Führungslinien auf dem Boden, sondern kann sich frei bewegen. Durch den Wegfall von Investitionen für Leitsysteme kann sich die neue Technologie auch für kleine und mittlere Unternehmen lohnen.

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Pilz – Sichere Automation

Pilz aus dem schwäbischen Ostfildern hat sich für die Hannover Messe ein eigenes Motto gesetzt: „Wir automatisieren. Sicher.“ Auf dem Messestand demonstriert Pilz den Besuchern, wie Mensch und Roboter künftig sicher eng zusammenarbeiten können. Der Roboter arbeitet ohne Trennwände mit dem Menschen zusammen – ein Trend, der sich über die gesamte Hannover Messe zieht.

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Harting – Kleine Box mit heißem Inhalt

Der Höhepunkt der diesjährigen Hannover Messe könnte für die ostwestfälische Harting Technologiegruppe bereits vor Messestart stattfinden: Mit Mica gehört das Unternehmen zu den fünf Nominierten für den Hermes Award, der am Vorabend der Messe in Anwesenheit von US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel verliehen wird.

Mica steht für „Modular Industry Computing Architecture“. Das System ermöglicht, Daten im direkten Umfeld von bereits existierenden Maschinen auszuwerten und mit dem IT-System eines Betriebes zu vernetzen. Sprich: Auch bestehende Maschinenparks können an die Smart Factory angebunden werden.

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Rethink Robotics – Kollege Cobot!

„Cobots“ (Collaborative Robots) stehen für ein neues Konzept in der Produktion: Ein Roboter soll den Mensch nicht ersetzen, sondern mit ihm produktiv zusammenarbeiten. Ein wesentlicher Aspekt in seiner Entwicklung war daher von Anfang an die sichere und bedenkenlose Zusammenarbeit von Mensch und Maschine – und zwar ohne trennende Schutzeinrichtungen.

Für diese neue Arbeitswelt stellt das US-Unternehmen Rethink Robotics mit seinen deutschen Partnern Hahn und Freise Automation in Hannover „Sawyer“ vor. Laut dem Unternehmen setzen der Grad an Intelligenz und Einfühlungsvermögen neue Maßstäbe in der Robotik. Am Ende soll diese neue Technologie für eine Win-Win-Situationen sorgen: Entlastete Mitarbeiter widmen sich komplexeren Aufgaben und steigern damit nachhaltig die Wertschöpfung des gesamten Unternehmens.

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Schaeffler –Werkzeugmaschine 4.0

Auf der Industriemesse präsentiert Schaeffler ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Werkzeugmaschinenhersteller DMG Mori: die Werkzeugmaschine 4.0. Die voll vernetzte Maschine stellt, ausgehend von sensorisierten Schaeffler-Komponenten sowie einer Cloud-basierten Software und Auswerteeinheit, einen konkreten Schritt in Richtung digitalisierte Produktion dar - lassen sich doch die Erfahrungen aus diesem Projekt auch auf andere Maschinen und Anlagen übertragen.

Auf der Sonderschau Predictive Maintenance 4.0 demonstriert Schaeffler mit dem Antriebsstrang 4.0 in Live-Vorführungen, welchen Mehrwert aus Unternehmenssicht die Cloud-basierten Services bieten können.

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Siemens – Die Würfel sind gefallen

In vier „Highlight-Cubes“ präsentiert Siemens seine Neuheiten in Hannover – die Würfel sollen die Themenschwerpunkte auf der 3500 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche auch optisch gliedern. Überschrieben sind diese vier Bereiche mit den Schwerpunktthemen „Nachhaltige Energie für digitale Unternehmen“, „Neue Chancen für die Fiber Industry durch Digitalisierung“, „Auf dem Weg zur individualisierten Massenproduktion“ sowie „Automobilhersteller: Mit Digitalisierung auf der Überholspur“.

Im Kern aller Schwerpunkte steht die Verschmelzung der realen und virtuellen Welt.

Foto: PR

Und alles andere als günstig. Wegen doppelter Zertifizierungen und unterschiedlichen Qualitätsstandards verteuern sich deutsche Waren im Maschinenbau durchschnittlich um rund 46 Prozent, in der Chemie sind es 30 und im Autobau 14.

Hoffnungen auf einen baldigen Abschluss der Verhandlungen sollten sich die Unternehmer aktuell aber nicht machen. Die ursprünglich mal für Ende 2014 und dann für Ende 2015 avisierte Einigung steht noch aus. „Insgesamt ist es wenig überraschend, dass die Verhandlungen deutlich länger dauern, als ursprünglich angekündigt“, sagt Hans Peter Grüner, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftspolitik an der Universität Mannheim und Außenhandelsexperte.

Platz 20: Schöck AG

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 119,0 Millionen Euro

durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 14,1 Prozent

durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 13,3 Prozent

durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 33,1 Prozent

Die Unternehmensberatung Munich Strategy Group (MSG) hat die Mittelständler mit dem größten Wachstum bei Umsatz und Erträgen in den letzten fünf Jahren gekürt. Die Top 20 eröffnet die Schöck Aktiengesellschaft aus Baden-Baden, einem Spezialisten für Fertigbauteile zur Wärme- und Lärmdämmung für Tritte.

Quelle: Munich Strategy Group: "TOP 100 Ranking des Mittelstands 2015 - Deutschlands Wachstums-und Ertragsstars"

Für ihr jährliches Unternehmensranking hat die Unternehmensberatung MGS rund 3.500 Mittelständler mit Umsätzen von 15 bis 600 Millionen Euro analysiert, um daraus die wachstums- und ertragsstärksten Unternehmen herauszufiltern.
Das Ranking ergibt sich aus einem Score, der sich aus durchschnittlicher Ertragsquote, durchschnittlichem Ertragswachstum und durchschnittlichem Umsatzwachstum im Zeitraum 2010 bis 2014 ergibt. Ertragsquote und -wachstum fließen mit je 25 Prozent in den Gesamtscore ein, das Umsatzwachstum wird mit 50 Prozent gewichtet.

Foto: Presse

Platz 19: Heinzmann

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 72,8 Millionen Euro

durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 16,1 Prozent

durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 10,8 Prozent

durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 36,1 Prozent

Heinzmann baut, entwickelt und betreut Verbrennungsmotoren, Generatoren und Turbinen, die etwa in Lokomotiven und Schiffen eingesetzt werden. 

Foto: Screenshot

Platz 18: Vemag Maschinenbau GmbH

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 86,5 Millionen Euro

durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 15,2 Prozent

durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 12,6 Prozent

durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 33,1 Prozent

Die Vemag Maschinenbau GmbH stellt Maschinen und Geräte für die Nahrungsmittelindustrie her. Dazu zählen Würstchenfüller und Teigportionierer. Einen Schwerpunkt bildet hier die Entwicklung eines Convenience Systems, das dem Anwender ein flexibles System zum Portionieren und Formen von Produkten bietet.

Foto: Presse

Platz 17: Wenglor Sensoric GmbH

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 55,9 Millionen Euro

durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 15,8 Prozent

durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 12,6 Prozent

durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 43,9 Prozent

Wenglor entwickelt, produziert und vertreibt seit 30 Jahren Produkte zur berührungslosen Objekterkennung. Das Produktspektrum umfasst Sensoren, Bildverarbeitungsprodukten, Barcode-Scanner und Sicherheitstechnik. Zu den Kunden zählen kleine und mittelständische Unternehmen wie auch internationale Industriekonzerne.

Foto: Presse

Platz 16: Delo

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 57,9 Millionen Euro

durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 20,0 Prozent

durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 15,4 Prozent

durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 21,7 Prozent

Das Unternehmen aus Windach bei München ist mit Spezialklebstoffen erfolgreich. So hat Delo etwa ein Verfahren entwickelt, um RFID-Chips zu verkleben. Die elektrischen Signale werden dabei zuverlässig weitergeleitet.

Foto: Presse

Platz 15: HAZET-WERK

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 79,0 Millionen Euro

durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 12,8 Prozent

durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 13,0 Prozent

durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 178,6 Prozent

Die Hazet-Werk Hermann Zerver GmbH & Co. KG ist ein deutscher Werkzeughersteller mit Sitz in Remscheid. Der Markenname Hazet steht verkürzt für die Anfangsbuchstaben Ha und Zett des Namens des Gründers Hermann Zerver.

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 14: Getriebebau Nord

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 460,0 Millionen Euro

durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 15,4 Prozent

durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 11,6 Prozent

durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 80,2 Prozent

Die Getriebebau Nord ist einer der größten Getriebemotoren-Hersteller der Welt. Das Unternehmen ist international für seine mechanische und elektronische Antriebstechnik bekannt.

Foto: Presse

Platz 13: Strama-MPS Maschinenbau

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 115,7 Millionen Euro

durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 29,0 Prozent

durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 7,8 Prozent

durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 64,3 Prozent

Strama-MPS ist im Sondermaschinenbau tätig. Das Unternehmen hat sich auf die Fertigung spezialisiert und kann die komplette Prozesskette vom Rohteil bis zum fertigen Produkt aus einer Hand abbilden.

Foto: Presse

Platz 12: Datron AG

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 33,5 Millionen Euro

durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 22,8 Prozent

durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 7,6 Prozent

durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 154,2 Prozent

Datron aus dem hessischen Mühltal verdient sein Geld rund um automatisierte Fräsmaschinen. Neben den reinen Fertigungsmaschinen bietet Datron auch die Werkzeuge und spezielle Dental-Maschinen an.

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 11: LPKF Laser & Electronics

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 129,7 Millionen Euro

durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 20,7 Prozent

durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 16,8 Prozent

durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 27,8 Prozent

LPKF entwickelt und produziert seit 1976 Maschinen zur Materialbearbeitung. In einigen Bereichen der Mikromaterialbearbeitung mit dem Laser gehört das Unternehmen zur Weltspitze. Für LPKF mit Sitz im niedersächsischen Garbsen bei Hannover arbeiten weltweit 750 Mitarbeiter.

Foto: Presse

Platz 10: Deprag Schulz GmbH

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 45,4 Millionen Euro

durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 14,0 Prozent

durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 17,9 Prozent

durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 119,6 Prozent


Die Deprag Schulz GmbH u. Co. ist ein weltweit führender Anbieter für Schraubtechnik, Automation, Druckluftmotoren und Druckluftwerkzeuge. Das Unternehmen hat Produktionsstandorten in Deutschland, Tschechien und China sowie Vertriebs-und Servicegesellschaften in Frankreich, Schweden, den USA und im Vereinigten Königreich.

Foto: Screenshot

Platz 9: 2G energy AG

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 126,1 Millionen Euro

durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 36,7 Prozent

durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 8,4 Prozent

durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 83,1 Prozent

Die 2G energy AG wurde 1995 in Heek im Münsterland gegründet. Sie ist heute einer der führenden Hersteller von Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen in Europa und beschäftigt weltweit rund 520 Mitarbeiter.

Foto: Presse

Platz 8: BHS Sonthofen

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 85,7 Millionen Euro

durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 20,1 Prozent

durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 16,5 Prozent

durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 36,4 Prozent

BHS Sonthofen ist ein international führender Produzent im Bereich der mechanischen Verfahrenstechnik. In den Bereichen Misch-, Zerkleinerungs-, Recycling-, und Filtrationstechnik gehört BHS zu den international führenden Unternehmen. Die Anlagen des Unternehmens werden in den verschiedensten Branchen eingesetzt, unter anderem in der Bau- und Baustoffindustrie oder der Nahrungs-und Futtermittelindustrie.

Foto: Screenshot

Platz 7: Beckhoff Automation

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 510,0 Millionen Euro

durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 20,0 Prozent

durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 20,0 Prozent

durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 42,7 Prozent

Beckhoff Automation baut und entwirft Automatisierungssysteme für die Industrie und die Gebäudeautomation. Die Beckhoff Automation GmbH ist Teil der Beckhoff-Gruppe aus Verl – der hier gemessene Umsatz gilt für die gesamte Gruppe.

Foto: Presse

rbPlatz 6: Coroplast Fritz Müller GmbH & Co. KG

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 213,0 Millionen Euro

durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 19,9 Prozent

durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 14,4 Prozent

durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 70,2 Prozent

Coroplast ist auf die Fertigung von Klebebändern, Kabel und Leitungen und Leitungssatzsystemen spezialisiert. Das Unternehmen aus Wuppertal gilt als Branchenmarktführer und arbeitet vor allem als Automobilzulieferer.

Foto: Creative Commons

Platz 5: Otto Spanner GmbH

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 49,6 Millionen Euro

durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 66,1 Prozent

durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 7,6 Prozent

durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 404,0 Prozent

Die in dritter Generation geführte Otto Spanner GmbH hat sich auf Press-, Stanz- und Ziehteile aus Metall spezialisiert.

Foto: Screenshot

Platz 4: J. Schmalz GmbH

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 73,6 Millionen Euro

durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 16,7 Prozent

durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 13,1 Prozent

durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 488,9 Prozent

Nach Platz 30 im Vorjahr stürmt die J. Schmalz GmbH aus Glatten in Baden-Württemberg auf Rang 4 nach vorne. 1910 als Rasierklingenfabrik gegründet, gilt das Unternehmen mittlerweile als Spezialist für Vakuumtechnologie.

Foto: Presse

Platz 3: RIB Software

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 57,0 Millionen Euro

durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 21,1 Prozent

durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 28,4 Prozent

durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 51,6 Prozent

Die Stuttgarter haben sich erfolgreich auf Software für Bauunternehmen spezialisiert – von der Tragwerksplanung bis zur Kostenanalyse.

Foto: Presse

Platz 2: KTG Agrar

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 164,9 Millionen Euro

durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 50,9 Prozent

durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 22,6 Prozent

durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 33,8 Prozent

KTG Agrar zählt zu den führenden Agrarbetrieben in Europa und bewirtschaftet rund 40.000 Hektar Ackerland in Deutschland und Litauen. Das Unternehmen baut Getreide, Kartoffeln und Raps an, ist aber auch an der Erzeugung von Bioenergie beteiligt und produziert Tiefkühlkost sowie Frischwaren. Das Motto des Hamburger Mittelständlers: "Vom Feld auf den Teller".

Foto: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche

Platz 1: Rimowa

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014: 272,9 Millionen Euro

durchschnittliches Umsatzwachstum von 2010 bis 2014: 33,9 Prozent

durchschnittliche Ertragsquote von 2010 bis 2014: 14,6 Prozent

durchschnittliches Ertragswachstum von 2010 bis 2014: 71,9 Prozent

Die Rimowa GmbH ist einer der führenden Hersteller von Reisegepäck in Europa. Die meisten der rund 200 Arbeitsschritte zur Fertigung eines Koffers erfolgen dabei in Handarbeit – zur Einhaltung der selbst gesetzten Qualitätsmaßstäbe. Die Produkte werden weltweit über autorisierte Händler und eigene Geschäfte vertrieben.

Foto: dpa

Aus seiner Sicht liegt das vor allem am intergouvernementalen System der Europäischen Union: Die Europäische Kommission verhandelt zwar im Auftrag aller 28 Mitgliedsstaaten. „Im Hintergrund des Verhandlungsprozesses muss die Europäische Kommission sich aber mit sämtlichen nationalen Regierungen abstimmen“, sagt Grüner. „Die Verhandlungsergebnisse müssen letztendlich für alle Mitglieder akzeptabel sein.“ Zugeständnisse in puncto Landwirtschaft könnten etwa die Zustimmung der Franzosen kosten, weil sie stärker betroffen wären als die Deutschen. Umgekehrt würden die Deutschen keine Zugeständnisse in Sachen Automobilindustrie zulassen. „Eine starke Zentralregierung kann besser mit solch asymmetrischen Verteilungseffekten umgehen“, so Grüner.

„Wenn die Verträge erst einmal ausgehandelt sind, bietet sich für jedes EU-Mitglied die Möglichkeit, ein Veto anzudrohen, um so in anderen Bereichen Zugeständnisse auf EU-Ebene zu erzwingen“, sagt Grüner. Die griechische Regierung etwa hat direkt nach ihrer Wahl im Januar 2015 angekündigt, das Abkommen nicht zu ratifizieren. Geht die Kommission in der Euro-Krise weiter auf Griechenland zu, könnte das wieder ganz anders aussehen.

Kritik der Umweltschützer an TTIP
Egal ob Creme, Lippenstift oder Mascara – in Europa müssen solche Produkte eine Zulassung überstehen, die es in den USA so einheitlich nicht gibt. Sicherheitstests erfolgten dort freiwillig, heißt es beim Sachverständigenrat. Sonnenmilch allerdings gelte in Amerika als Medikament und sei streng reguliert.
Die Europäer wollen geklonte Nutztiere und Klonfleisch verbieten, auch deren Import. In den USA gibt es dagegen kein einheitliches Verbot. Gentechnisch veränderte Tiere, etwa Lachse, die schneller wachsen, sind dort bereits zugelassen und im Handel. Eine besondere Kennzeichnung ist nicht vorgeschrieben.
Gentechnisch veränderte Pflanzen und Nahrungsmittel müssen in der EU zugelassen und später gekennzeichnet werden. Das gilt auch für Futtermittel. Einzelne Mitgliedsstaaten können seit 2015 auf ihrem Gebiet sogar einzelne gentechnisch veränderte Pflanzen verbieten. In den USA ist nicht nur die Zulassung großzügiger, gentechnisch veränderte Lebensmittel werden regelmäßig nicht kenntlich gemacht.
Pflanzenschutzmittel, die möglicherweise Krebs erregen oder vielleicht das Erbgut schädigen können in der EU erst gar nicht auf den Markt – anders als in den USA.
Die Verordnung REACH gilt mit als schärfstes Chemikaliengesetz weltweit. Darin wird ein Zulassungsverfahren, eine Risikobewertung und teils eine Beschränkung für Chemikalien von der Herstellung in der Fabrik bis zum buntgefärbten T-Shirt beim Endverbraucher festgeschrieben. In den USA gilt kein vergleichbares „Vorsorgeprinzip“ bei Chemieprodukten.

Die Industrie indessen wartet weiter auf eine Ratifizierung des Abkommens. Doch auch die Unternehmen wollen – trotz der grundsätzlichen Zustimmung – erst einige Punkte geklärt wissen. Etwa bei den Standards und Normen. „Wir müssen die amerikanische und deutsche Denkweise zusammenbringen“, sagt Rainer Hundsdörfer, Chef des Elektromotoren- und Ventilatorenherstellers ebmpapst aus Mulfingen. „Die Physik ist auf beiden Seiten des Atlantiks gleich, die Normen sind es aber leider nicht.“ Ein Beispiel: In Europa wird die Brennbarkeit von Materialien mit einem Glühdraht gemessen (EN60335-1), in den USA (nach UL1004-1) mit einer offenen Flamme.

Oder bestimmte Motor-Sicherungen in Haushaltsgeräten: sie werden in Europa geprüft, in den USA sind noch nicht einmal Sicherungen vorgeschrieben. Komponenten müssen teils doppelt gefertigt, Bedienungsanleitungen angepasst werden. Es bestehen oft keine einheitlichen Regelungen, was direkte Auswirkungen auf die Unternehmen hat: Die Zertifizierungskosten sind für deutsche Unternehmen in den USA enorm.

Chlor-Hühnchen

US-amerikanische Fleischhersteller legen geschlachtete Hühnchen und viele andere Schlacht-Tiere für ein bis drei Stunden in chlorhaltige Desinfektionsbäder oder besprühen sie mit hoch- dosierter Chlor-Lösung. Das finden die meisten Europäer widerlich. Und so avancierten die „Chlorhühnchen“ und ihr möglicher Import zum Inbegriff aller Übel, die Verbrauchern durch die TTIP-Verhandlungen drohen könnten. Dieses transatlantische Abkommen soll den freien Handel zwischen den USA und Europa erleichtern. Tatsächlich ist eine solche Chlorbehandlung für Fleisch in Europa bisher nicht zulässig. Die Sorge: Durch die Behandlung könnten gesundheitsschädliche Chlorverbindungen entstehen.

Tipp für den Haushalt: Weil bei nicht entkeimtem Geflügel die Möglichkeit einer Salmonellen-Infektion besteht, sollte das Fleisch gut durchgebraten werden. Messer und Brettchen, die mit dem rohen Fleisch in Kontakt kamen, gut abwaschen und keinesfalls für andere Lebensmittel wie die Zutaten für den Salat benutzen. Hände waschen!

Foto: dpa

Verzehrfertiger Salat

Auch Salat, Gemüse und Obst darf in den USA mit Chlorwasser behandelt werden. In Europa ist das – wie auch das schwache Chloren des Trinkwassers – nicht generell verboten. Der gezielte Einsatz von Chlor zur Desinfizierung von Obst und Gemüse muss in der EU aber genehmigt werden, wofür jedes Land selbst zuständig ist. So verbieten Deutschland, Österreich und Dänemark das Chlorieren des Salat-Waschwassers. Belgien und Frankreich gestatten es in sehr geringen Maße. Die Dosis ist aber viel niedriger als bei der US-Chlordusche für Hühnchen.

Tipp: Gerade der fertig geschnibbelte, verzehrfertige Salat ist eine echte Keimbombe und ebenso empfindlich wie rohes Hackfleisch. Denn durch das Schneiden werden die Pflanzenzellen verletzt, so dass Zucker und andere Nährstoffe austreten – Mikororganismen leben dort wie im Paradies. Deshalb gehört Fertigsalat in den Kühlschrank und sollte nach spätestens drei Tagen gegessen sein.

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Radioaktiv bestrahlte Lebensmittel

Um Keime abzutöten, benutzen Hersteller vor allem von Obst, Gemüse, Gewürzen oder Meeresgetier schwach ionisierende Strahlung, was vor einigen Jahren für heftige Diskussionen sorgte. In USA werden zudem auch Fleischprodukte wie das Hackfleisch für Hamburger so behandelt. Das Bestrahlen ist aber auch in einigen europäischen Ländern gestattet, zum Beispiel in Belgien, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Tschechien, Polen und in Großbritannien. In Deutschland ist diese Methode nur für getrocknete aromatische Kräuter und Gewürze erlaubt. Allerdings dürfen bestrahlte Erdbeeren, Pilze oder Zwiebeln aus anderen Ländern auch in Deutschland angeboten werden, müssen aber gekennzeichnet sein. Selbst eine Tiefkühlpizza, die mit bestrahltem Pfeffer gewürzt ist, muss auf der Zutatenliste den Hinweis „bestrahlt“ oder „mit ionisierenden Strahlen behandelt“ tragen. Auch in Restaurants oder Kantinen müssen die Kunden durch Aushang oder Hinweise auf der Speisekarte darüber informiert werden – jedenfalls lautet so die Gesetzgebung.

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Rohmilchkäse

Moderne Molkereibetriebe haben heute sehr strenge Wareneingangskontrollen. Hier wird geprüft, ob die Rohmilch mit Keimen oder Medikamentenrückständen belastet ist. Früher war es dagegen durchaus möglich, die Milchchargen, die zum Beispiel durch die Milch von Kühen mit eitriger Euterentzündung nicht für die Frischmilch taugten, zu H-Milch zu verarbeiten. Das entsprechende Behandlungsverfahren – das sogenannte Ultrahocherhitzen – macht jeglichen Keimen den Gar aus, so dass keine Gesundheitsgefahr bestand. Appetitlich war das trotzdem nicht.

Foto: REUTERS

Hormonbelastetes Fleisch

In den USA sind Hormone als Wachstumsbeschleuniger zugelassen. In Europa ist das verboten und der Import von solchem Fleisch nicht erlaubt.

Foto: AP

Genetechnisch veränderte Lebensmittel

In den USA werden große Mengen gentechnisch veränderten Sojas, Mais und Raps und hergestellt und ohne Kennzeichnung verkauft. In Europa ist eine Kennzeichnung vorgeschrieben, wenn der Anteil des gentechnisch veränderten Organismus (GVO) über 0,9 Prozent liegt.

Foto: AP

Rohmilchkäse

Während es in Europa ganz selbstverständlich ist, aus unbehandelter Milch leckere Käsesorten wie Camembert, Brie, Roquefort oder Emmentaler herzustellen, graut es hier –wegen der möglichen Keimbelastung – die amerikanischen Verbraucher. Deshalb müssen alle aus Europa in die USA exportierten Weichkäse aus pasteurisierter Milch hergestellt werden. Zuletzt erklärte die US-Gesundheitsbehörde FDA im vorigen Jahr auch den aus Nordfrankreich stammenden orangefarbenen Hartkäse Mimolette für ungenießbar: Besonders ekelhaft fanden die FDA-Prüfer die Rinde des Käses. Sie wird zwar nicht mit gegessen, aber auf ihr leben mikroskopisch kleine Milben. Sie verhelfen dem Käse zu seinem leicht nussigen Aroma.

Foto: AP

Klonfeisch

In den USA werden inzwischen Hochleistungsrinder von Züchtern mit der selben Methode geklont, die erstmals beim Schaf Dolly 1996 erfolgreich war. Da es sich aber um sehr wertvolle Zuchttiere handelt, kommt deren Fleisch selbst in Amerika allerdings in der Regel nicht in den Handel, sondern nur die Steaks ihrer traditionell gezüchteten Nachkommen.

Foto: dpa

Antibiotika in Fleisch

Sowohl in den USA wie in Europa sind Antibiotika in der Tierzucht nicht mehr als Mastbeschleuniger erlaubt, sondern nur noch um kranke Tiere zu behandeln. Theoretisch jedenfalls. Die Kontrolle ist allerdings schwierig – und sie liegt in den Händen derselben Tierärzte, deren Geschäft es ist, den Bauern Tierarzneimittel zu verkaufen. So wurden laut Bericht des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) im Jahr 2011 gut 1.734 Tonnen Antibiotika von der pharmazeutischen Industrie an Veterinäre geliefert. Im Jahr 2012 bekam beispielsweise ein Masthähnchen durchschnittlich an zehn seiner 39 Lebenstage Antibiotika – und das sei nach Aussage des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren die Regel, nicht die Ausnahme. Allerdings ist die Belastung mit Antibiotika beim Fleisch in Deutschland nach Angaben des BVL rückläufig. So wurden im Jahr 2012 im Rahmen des Nationalen Rückstandskontrollplans 58.998 Proben untersucht. Davon waren 268 positiv, wurden also beanstandet. Der Prozentsatz der ermittelten positiven Rückstandsbefunde war mit 0,45 Prozent etwas niedriger als im Jahr 2011. Damals waren 0,56 Prozent und im Jahr 2010 noch 0,73 Prozent der untersuchten Planproben mit Rückständen belastet.

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Pferdefleisch in Lasagne

Wie schwer die Kontrolle von Lebensmittelgesetzen auch in Europa ist, zeigte der Lasagne-Skandal Anfang des vorigen Jahres. Damals tauchten massenweise falsch deklarierte  Tiefkühlprodukte wie Lasagnen, Canneloni oder Moussaka in den Supermärkten auf. Deren Hackfleischfüllungen bestanden nicht nur aus Schwein oder Rind, sondern auch aus Pferdefleisch. Das ist zwar grundsätzlich sogar gesund, aber nicht jedermanns Sache. Weil die geschlachteten Pferde zudem keinerlei offiziellen Kontrollen unterlagen, fanden die Prüfer in diesen Tiefkühlwaren allerlei unzulässige Medikamentenrückstände.

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Innereien und Schlachtabfälle

In Deutschland werden zwar Innereien wie Leber und Niere oder die Zunge vom Rind gerne gegessen, Schweinefüße kommen hierzulande allerdings nicht auf den Tisch. Solche sogenannten Nebenprodukte von gesund geschlachteten Tieren werden aber in Länder exportiert, wo sie als Delikatesse gelten, zum Beispiel nach China. Das Problem, das Verbraucherschutz-Organisationen damit haben: Diese Nebenprodukte unterliegen nicht mehr den Lebensmittelbestimmungen, so dass es beispielsweise passieren könne, dass die Kühlkette nicht eingehalten wird.

Foto: REUTERS

Fallen in Europa rund 8000 Euro für Zertifizierungen pro zehn Millionen Euro Umsatz an – obwohl mit VDE und CE zwei Normen eingehalten werden müssen –, sind es in den USA fast 45.000 Euro, rechnet Hundsdörfer vor. Die asiatischen Märkte liegen im Schnitt bei etwa 13.000 Euro. „Der bürokratische Aufwand ist enorm“, bestätigt Holger Paul, Sprecher des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). „In deutschen Unternehmen, die in den USA aktiv sind, ist einer von 500 Mitarbeitern einzig und allein mit der US-Bürokratie beschäftigt.“

Die hohen Zertifizierungskosten halten den ebmpapst-Chef davon ab, einige Produkte in den USA auf den Markt zu bringen. „Es gibt Produkte, die wir dort in kleinen Stückzahlen verkaufen könnten“, so Hundsdörfer. „Heute lohnt es sich aber wegen der enormen Kosten nicht. Einheitliche Standards durch TTIP können das ändern.“

Ärger um die Schiedsgerichte
1959 unterschrieb Ludwig Erhard das erste globale Investitionsschutzabkommen der Welt – zwischen Deutschland und Pakistan. Es beruhte auf einem Entwurf von Hermann Josef Abs, dem früheren Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Bis heute ist dieses Abkommen die Grundlage sämtlicher Freihandelsabkommen.Das Abkommen sah vor, dass Investoren vor internationalen Schiedsgerichten gegen die Entscheidungen ausländischer Regierungen vorgehen konnten, sofern diese einen Enteignungscharakter hatten.Das Abkommen war zwar bilateral – das heißt es galt für Deutschland wie für Pakistan gleichermaßen – allerdings kam damals niemand auf die Idee, dass pakistanische Investoren in Deutschland tätig werden könnten.
1994 errichteten die USA, Kanada und Mexiko die Nordamerikanische Freihandelszone NAFTA. Das Abkommen gilt als Blaupause für TTIP und CETA. Als Streitschlichtungsmechanismus ist auch hier ein Investorenschutz eingebettet.Mit NAFTA kamen Anwaltskanzleien und Unternehmen auf die Idee, den Investorenschutz verstärkt als Rechtsschutzmittel gegen staatliche Entscheidungen zu nutzen.
Das schwedische Energieunternehmen Vattenfall will für den deutschen Atomausstieg 2012 entschädigt werden und klagt auf fast vier Milliarden Euro. Wenige Wochen vor dem Atomausstieg hatte die Bundesregierung die Laufzeitverlängerung beschlossen – im Glauben an die Gültigkeit dieses Beschlusses hatte Vattenfall in die Sanierung von mittlerweile vom Netz genommenen Atomkraftwerken investiert.Die Grundlage für die Vattenfall-Klage ist kein Freihandelsabkommen, sondern die von Deutschland ratifizierte Energiecharta – darin ist aber ebenfalls eine Investitionsschutzklausel eingearbeitet, weswegen TTIP-Gegner oft auf diesen Fall verweisen.Parallel klagt Vattenfall – wie auch RWE und Eon – vor dem Bundesgerichtshof. RWE und Eon haben als deutsche Unternehmen allerdings nicht die Chance, zweigleisig zu klagen, darin sehen TTIP-Gegner eine Benachteiligung heimischer Unternehmen gegenüber ausländischer.
2012 führte Australien rigorose Anti-Tabak-Gesetze ein. Demnach dürfen Zigarettenpackungen nur noch in einem langweiligen Grauton bedruckt und müssen mit abschreckenden Bildern versehen werden, die die negativen Folgen des Rauchens verdeutlichen. Der Tabakkonzern Philip Morris ging im Rahmen einer Investitionsschutzklage vor einem Schiedsgericht dagegen vor und forderte mehrere Milliarden Dollar Schadensersatz. Die Begründung: Als Philipp Morris vor über 60 Jahren in Australien investierte, war nicht absehbar, dass solche Tabakgesetze den Markt zerstörten. Im Dezember 2015 wurde dieser Fall zugunsten von Australien entschieden.

Ähnlich sieht das ZVEI-Sprecher Thorsten Meier: „Die USA sind für die deutsche Industrie von überragender Bedeutung, stabile Handelsbeziehungen sind sehr wichtig“, sagt er. Immerhin hängt hierzulande jeder vierte Job vom Export ab. Allerdings sagt er auch: „Wir sind für TTIP, aber nicht um jeden Preis.“

Wichtig sind für den Elektrotechnik- und Elektronikverband „faire und gerechte Marktzugangsbedingungen“. Eine Mitgliederbefragung habe ergeben, dass die deutschen Unternehmen internationale Standards befürworten, im Zuge von TTIP aber keine voreilige Anerkennung bestehender Normen wollen – die Unterschiede sind doch sehr groß.

 

Angesichts stockender Verhandlungen kamen im Februar Überlegungen auf, das Maschinenbau-Kapitel von den Verhandlungen auszunehmen – aus Sicht der Unterhändler verständlich, für den VDMA aber ein schwerer Fehler. „Es wäre niemandem zu erklären, warum gerade der Maschinenbau als eine Kernindustrie Europas nicht umfänglich von TTIP profitieren soll“, sagt VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann. „Wir fordern die EU-Kommission dazu auf, sich weiterhin für die mittelständische Industrie einzusetzen.“

Auch der weitere Verhandlungsprozess könnte durch das Ausklammern einzelner Bereiche weiter verkompliziert werden. „Interessengruppen, die von TTIP nicht profitieren, dürften sich dann zu Wort melden und fordern, dass ihr Bereich ebenfalls ausgeklammert wird“, sagt Grüner. „Das würde die Grundidee von TTIP ad absurdum führen.“ Das Ziel von TTIP sei es ja, in der Breite eine einheitliche Handelszone zu schaffen.

Sollte der Maschinenbau doch von den Verhandlungen ausgenommen werden, hieße das aber nicht, dass TTIP für die Branche ohne Bedeutung sei, schränkt Brodtmann ein. „Grundsätzliche Handels- und Zollerleichterungen helfen auch dem Maschinenbau, selbst wenn es keine gemeinsamen Normen geben würde.“ Die Zölle zwischen der EU und den USA sind im Maschinenbau zwar mit 2 bis 4,5 Prozent relativ gering.

Bei einem bilateralen Handelsvolumen von rund 50 Milliarden Euro entspräche eine Abschaffung der Zölle immerhin einer Entlastung von 200 Millionen Euro im Jahr. Bei einigen Unternehmen fallen etwa jährlich rund sieben Millionen Euro Dollar an Zöllen an, überwiegend für Teilelieferungen innerhalb der Unternehmensgruppe zwischen der amerikanischen Tochter und dem deutschen Mutterunternehmen.

Ein weiterer Knackpunkt: Einige Normen und Vorschriften sind selbst innerhalb der USA nicht homogen. Ähnlich wie bei den Auto-Abgasen sind manche Energie-Vorschriften für die Industrie etwa in Kalifornien strenger als in anderen Bundesstaaten. Ein Produkt muss also nicht nur US-konform gemacht, sondern unter Umständen zusätzlich für einzelne Staaten angepasst werden. Wird das Produkt auf die strengsten Grenzwerte hin entwickelt, ist es für andere Bundesstaaten „over-engineered“ – sprich zu teuer.

Ob sich daran bald etwas ändert, ist fraglich. Im Februar dieses Jahres haben die Amerikaner mit zwölf asiatischen Staaten das Abkommen zur transpazifischen Freihandelszone TPP unterzeichnet. Sie umfasst wie TTIP 800 Millionen Verbraucher und rund 40 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung.

„Dass die USA sich stärker zum asiatischen Markt hin orientieren, ist nicht verwunderlich“, sagt Grüner. Die asiatischen Wachstumsraten sind im Vergleich zu denen in Europa immer noch riesig – auch wenn der Wachstumsmotor China zuletzt stockte. „Europa dagegen operiert politisch am Rande des Zerfalls.“

Die Gefahr: Globale Wirtschaftsstandards könnten von der asiatisch-amerikanischen Freihandelszone geprägt werden. Und Europäische Produzenten hätten das Nachsehen.

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