Nato: Berlin bereit zusätzliche Truppen nach Osteuropa zu entsenden
Schon bald könnten weitere Nato-Soldaten in Osteuropa stationiert werden.
Foto: dpaDeutschland ist bereit, sich an der Aufstockung der Nato-Truppen im östlichen Bündnisgebiet zu beteiligen. Entsprechende Berichte von „Spiegel Online“ und „Süddeutscher Zeitung“ bestätigte das Verteidigungsministerium am Donnerstagabend der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage. „Es gibt hierzu erste Überlegungen und Abstimmungen in der Nato“, sagte ein Ministeriumssprecher der dpa. „Entscheidungen hierzu fallen auf den Nato-Gipfel in Warschau.“ Er findet am 8. und 9. Juli in Warschau statt. Die Entsendung soll ein Zeichen an die östlichen Nato-Mitglieder sein, die sich durch Russland bedroht fühlen.
Es geht um die Entsendung eines Nato-Bataillons nach Litauen, das aus wechselnden Einheiten verschiedener Länder bestehen soll. Daran könnte sich die Bundeswehr mit einer Kompanie - also etwa 150 bis 250 Soldaten - beteiligen. Einem Bataillon gehören in der Regel drei bis sechs Kompanien an.
Kanzlerin Angela Merkel soll den Berichten zufolge die deutsche Offerte bereits am Rande des Besuchs von US-Präsident Barack Obama in Hannover beim Minigipfel mit ihm und den Staats- und Regierungschefs aus Großbritannien, Frankreich und Italien angekündigt haben.
Eine Hauptgefreite an Bord des Einsatzgruppenversorgers „Berlin“ holt im Hafen von Catania die Festmacherleine am Bug ein. Die Bundeswehr will vor allem mehr Frauen für den Dienst gewinnen.
Foto: WirtschaftsWochePetra Müller (Mitte), die Abteilungsleiterin für Personalgewinnung im Kölner Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr, im Gespräch.
Foto: BundeswehrDie Bundeswehr bietet breite Berufsfelder an, hier ein Militärpolizist im Oktober 2015 bei der Video-Beweissicherung während einer gewaltsamen Demonstration - eine Übung für einen Auslandseinsatz wie im Kosovo, wo es häufig zu Protesten mit Ausschreitungen kommt.
Foto: WirtschaftsWocheEinsätze im In- und Ausland belasten die Bundeswehr erheblich. Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels (SPD), sieht sie auch im personellen Bereich am Limit. Hier eine Gruppe Bundeswehr-Panzergrenadiere bei der Einführung des neuen Schützenpanzers „Puma“ in der Lüneburger Heide im Juni 2015.
Foto: WirtschaftsWocheNach dem Aus für die Wehrpflicht musste die Bundeswehr neue Wege gehen, um ausreichend freiwilliges Personal zu rekrutieren.
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Die Nato hat ihre Maßnahmen an der Ostflanke bereits verstärkt, auch die Bundeswehr. Sie schickt dieses Jahr rund 5500 Soldaten in Manöver und zur Ausbildung in die östlichen Nato-Mitgliedstaaten - vor allem nach Polen und in die baltischen Länder, die an Russland grenzen. Das sind etwa 500 mehr als im Vorjahr. Auch die Zahl der Manöver, an denen die Bundeswehr sich beteiligt, steigt im Vergleich zum Vorjahr von 16 auf 21.
Die Beteiligung an den schnellen Einsatzkräften der Nato für Krisensituationen hat Deutschland dieses Jahr von 4700 auf 3600 Soldaten etwas heruntergefahren. An der Überwachung des Luftraums über dem Baltikum haben sich deutsche „Eurofighter“-Kampfjets zuletzt zwischen Ende August 2015 und Anfang Januar 2016 beteiligt.