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Stelter strategischGold bleibt der Rettungsanker des Vermögens

Obwohl der Goldpreis zuletzt einen Teil seiner Gewinne wieder abgegeben hat, lohnt sich der Kauf des Edelmetalls weiterhin. Legt der Aufwärtstrend eine Pause ein, ist das vor allem eine gute Gelegenheit zum Nachkauf.Daniel Stelter 02.06.2016 - 06:15 Uhr

Gold bietet im Umfeld von Negativzins und Bargeldeinschränkung Sicherheit und reale Erträge.

Foto: dpa

Im vergangenen Dezember waren sich die Experten einig. Gold würde auch 2016 seinen Abwärtstrend fortsetzen. Die Deutsche Bank prognostiziert schon seit Juli 2015 Kurse von unter 750 US-Dollar die Unze. Alleine schon diese einhellige Meinung war Grund genug für meine Empfehlung, Gold aufzustocken. Seit Jahresanfang hat Gold rund 18 Prozent zugelegt, die Aktien von Goldminen noch deutlich mehr.

Kein Wunder, dass die Stimmung heute eine andere ist. Gold wird als Anlage gepriesen, die im Umfeld von Negativzins und Bargeldeinschränkung Sicherheit bietet und sogar einen realen Ertrag. Mit George Soros und Stanley Druckenmiller haben sich Legenden der Geldanlage positiv zu Gold geäußert und entsprechend gehandelt. Soros ist massiv bei Barrick Gold eingestiegen. Klares Zeichen für einen langanhaltenden Bullenmarkt? Ich denke schon.

Wie immer wieder betont, haben wir es mit einer in ihrer Dimension einmaligen Überschuldung weiter Teile der Weltwirtschaft zu tun. Gepaart mit der demografischen Entwicklung und rückläufigen Produktivitätszuwächsen bleiben wir damit in einer wirtschaftlichen Eiszeit gefangen, die immer radikalere Maßnahmen der zunehmend überforderten Politiker und Notenbanker heraufbeschwört.

Platz 10: Indien

Offizielle Reserven: 558 Tonnen

Quelle: World Gold Council; IWF

Stand: Februar 2016

Foto: REUTERS

Platz 9: Niederlande

Offizielle Goldreserven: 613 Tonnen

Stand: Februar 2016

Foto: REUTERS

Platz 8: Japan

Offizielle Goldreserven: 765 Tonnen

Stand: Februar 2016

Foto: REUTERS

Platz 7: Schweiz

Offizielle Goldreserven: 1.040 Tonnen

Stand: Februar 2016

Foto: AP

Platz 5: Russland

Offizielle Goldreserven: 1435 Tonnen

Russland besitzt den sechstgrößten Goldschatz der Welt. Russland zählt mit China zu den Staaten, die ihre Goldreserven massiv aufstocken.

Stand: Februar 2016

Foto: dpa-tmn

Platz 5: China

Offizielle Goldreserven: 1.779 Tonnen

China kauft nahezu in jedem Quartal tonnenweise Gold dazu.

Stand: Februar 2016

Foto: dapd

Platz 4: Frankreich

Offizielle Goldreserven: 2.435 Tonnen

Stand: Februar 2016

Foto: dapd

Platz 3: Italien

Offizielle Goldreserven: 2.452 Tonnen

Stand: Februar 2016

Foto: REUTERS

Platz 2: Deutschland

Offizielle Goldreserven: 3.381 Tonnen

Stand: Februar 2016

Foto: dpa

Platz 1: USA

Offizielle Goldreserven: 8.134 Tonnen

Anteil der Auslandsreserven in Gold: 75,4 Prozent

Stand: Februar 2016

Foto: REUTERS

Neben den Staaten hält auch der Internationale Währungsfonds (IWF) Goldreserven in Höhe von 2.814 Tonnen. Damit würde der IWF an dritter Stelle kommen, nach Deutschland und vor Italien.

Stand: Februar 2016

Foto: REUTERS

Die Geld-Helikopter sind am Horizont schon zu sehen. Politische Radikalisierung, zunehmende Auflösungserscheinungen der EU und des Euro, Terror und militärische Spannungen senden ein deutliches Signal: schon lange nicht mehr waren Ersparnisse und Vermögen so gefährdet wie heute.

Gold bleibt eine der wenigen Möglichkeiten, in diesem Umfeld Vermögen zu retten. Dabei darf man sich nichts vormachen: In der idealen Welt wäre es immer besser, in Produktivvermögen wie Unternehmen zu investieren. Gold erhält den Wert auf lange Sicht; das berühmte Beispiel, dass man für eine Unze im alten Rom eine gute Toga bekam und heute nun einen guten Anzug, illustriert das anschaulich. In wirtschaftlich vernünftigen Zeiten ist es sogar richtig schlecht, Gold zu halten.

Zur Person
Daniel Stelter war von 1990 bis 2013 Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG), zuletzt als Senior Partner, Managing Director und Mitglied des BCG Executive Committee. Seit 2007 berät Stelter internationale Unternehmen zu den Herausforderungen der fortschreitenden Finanzkrise. Zusammen mit David Rhodes verfasste er das 2010 preisgekrönte Buch „Nach der Krise ist vor dem Aufschwung“. Weitere Bücher folgten, so eine Replik auf das Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ des französischen Ökonomen Thomas Piketty unter dem Titel „Die Schulden im 21. Jahrhundert“. Im Februar 2016 erschien sein neues Buch, „ Eiszeit in der Weltwirtschaft“. Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Forums „Beyond the Obvious“, das Antworten auf die wirtschaftlichen und finanzpolitischen Fragen unserer Zeit sucht.

Wer im 15. Jahrhundert Gold gekauft hat und dieses in der Familie über Generationen immer weiter vererbt hat, erzielte über 500 Jahre einen realen Verlust von rund 90 Prozent. In diesen 500 Jahren gab es aber mehr als eine Gelegenheit, in der Gold eine wichtige Rolle zum Vermögenserhalt gespielt hat. So ist es auch heute.

Die faulen Schulden müssen aus der Welt geschaffen werden, wollen wir die Eiszeit überwinden. Wie das geschehen kann, ist bekannt: Pleiten, Besteuerung oder Inflationierung. Gold bietet eine Absicherung zumindest vor Pleiten und Inflation.

In einem Inflationierungsszenario könnte Gold sogar eine besondere Rolle zukommen. Je mehr die Notenbanken erkennen müssen, dass es in der Überschuldung eben nicht leicht ist, Inflation zu erzeugen, desto größer dürfte die Bereitschaft für ungewöhnliche Maßnahmen sein. Noch wird Helikopter-Geld, also die direkte Finanzierung der Staaten durch die Notenbanken, als der nächste Schritt gesehen. Doch auch hier könnte es sein, dass die Politik nicht den gewünschten Effekt erzielt.

Auftrieb in den Bilanzen

Radikaler wäre eine Höherbewertung der Goldreserven in den Bilanzen der Notenbanken. Nehmen wir vereinfacht an, die Notenbanken der Welt würden ihren Goldbestand um 10.000 US-Dollar pro Unze aufwerten. Basierend auf den Goldbeständen von März 2016 ergäben sich dann folgende einmalige Aufwertungsgewinne der Notenbanken (überschlägig und gerundet):

  • USA: 2615 Milliarden Dollar
  • Deutschland: 1087 Milliarden Dollar
  • Italien: 788 Milliarden Dollar
  • Frankreich: 783 Milliarden Dollar

Gold als Geldanlage

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Diese Aufwertungsgewinne könnten die Notenbanken umgehend an die Staaten ausschütten, die damit Investitionen, Steuersenkung und Schuldentilgung finanzieren könnten. Der Charme an der Überlegung: es wäre sehr einfach umzusetzen, können doch die Notenbanken den Goldpreis in beliebiger Höhe festsetzen und anbieten, alles Gold der Welt zu diesem Preis aufzukaufen.

Platz 10: Methamphetamin

Kosten: 95 Euro pro Gramm

Hoher Grammpreis, aber billig im Vergleich zu anderen Drogen: Unter dem Modenamen Crystal Meth gilt Methamphetamin heutzutage als am schnellsten zerstörende Droge überhaupt. Der Gebrauch führt unter anderem zu Karies und Zahnausfall.

Foto: dpa

Platz 9: Kokain

Kosten: 470 Euro pro Gramm

Kokain gilt als die Partydroge in besseren Kreisen. Besser Finger weg: Kokain hat ein hohes Abhängigkeitspotenzial.

Foto: dpa

Platz 8: LSD

Kosten: 2.300 Euro pro Gramm

Lysergsäurediethylamid, kurz LSD genannt, ist in Deutschland ein nichtverkehrsfähiges Betäubungsmittel. Der unerlaubte Gebrauch ist strafbar. In zahlreichen anderen Ländern, wie den USA, ist die Droge verboten.

Foto: dapd

Platz 7: Plutonium

Kosten: 3.150 US-Dollar pro Gramm

Die Atombombe, die 1945 auf Nagasaki fiel, trug Plutonium als Spaltmaterial in sich. Außer militärischen Zwecken dient Plutonium auch der Energiegewinnung. Es entsteht aus dem Uran der Brennelemente in Atomkraftwerken.  

Foto: REUTERS

Platz 6: Taaffeit

Kosten: 2.000 bis 15.750 Euro pro Gramm

Der irische Forscher Richrd Taaffe entdeckt den Edelstein bei einem Schmuckkauf 1945. Wegen seiner hohen Seltenheit dient er bis heute nur als Schmuckstück.

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 5: Tritium

Kosten: 23.616 Euro pro Gramm

Tritium ist ein Nebenprodukt der Kernspaltung und kommt auf natürliche Weise nur in der Stratosphäre vor. Damit lassen sich in der Medizin bestimmte Substanzen markieren. Außerdem ist der Stoff fester Bestandteil von Atombomben.

Foto: dpa

Platz 4: Diamanten

Kosten: ein farbloser Stein von einem Karat kann über 50.000 Euro pro Gramm kosten

Diamanten machen was her und sind der härteste natürliche Stoff der Welt. Ihr Aussehen macht sie zu Kostbarkeiten der Schmuckbranche, ihre Härte zu einem begehrten Schneidstoff in der Industrie.

Foto: AP

Platz 3: Painit

Kosten: 235.000 Euro pro Gramm

Bis 2001 waren weltweit nur drei Painit-Kristalle von weniger als dreieinhalb Gramm bekannt. Nach mehreren Funden in jüngster Zeit gibt es mittlerweile mehrere tausend Exemplare - darunter auch Stücke mit einem Gewicht von rund 500 Gramm. Das seltene Mineral fungiert vor allem als Schmuckstein.

Foto: Gemeinfrei

Platz 2: Californium 252

Kosten: 21,2 Millionen Euro pro Gramm

Das künstlich erzeugte chemische Element lässt sich in Kernreaktoren erzeugen und zur Krebsbehandlung oder Feuchtemessungen bei Erdölbohrungen einsetzen.

Foto: dpa

Platz 1: Antimaterie

Kosten: 100 Billionen Euro pro Gramm

Antimaterie ist sehr kurzlebig - und entsprechend teuer. 2011 gelang es Forschern der Europäischen Organisation für Kernforschung, CERN, erstmals 309 Anti-Wasserstoffatome 17 Minuten lang einzufangen. Entsprechend teuer ist Antimaterie. Irgendwann könnte sie als Treibstoff für Raketen dienen, um weite Strecken zurück zu legen.

Foto: dpa

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass sich mit Professor Kenneth Rogoff, einer der anerkanntesten Experten für Schuldenkrisen, positiv zu Gold geäußert hat. Bisher fiel er eher durch sein flammendes Plädoyer gegen Bargeld auf, vordergründig zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung und Terrorismus, faktisch zur Erleichterung von Negativzinsen und Bail-ins bei Bankensanierungen. In einem Kommentar lobt er Gold „als eine extrem risikoarme Anlage, die Durchschnittsrealrenditen etwa in Höhe derjenigen von kurzfristigen Anleihen erzielt.“ Er empfiehlt den Schwellenländern, ihre Währungsreserven mehr in Gold anzulegen, und sieht daraus folgende Preissteigerungen positiv. Diese würden „einen Teil der Lücke zwischen Angebot und Nachfrage nach sicheren Anlagen schließen, die aufgrund niedriger Zinsen entstanden ist.“

Die Schwellenländer wären in der Tat in ihrer Position als Gläubiger von einem Inflationierungsszenario deutlich getroffen und würden, Stand heute, von der Aufwertung von Gold wenig profitieren. Wichtige Staaten wie China und Russland haben in den vergangenen Jahren ihre Goldbestände deutlich aufgestockt, was zumindest von dieser Seite die Bereitschaft fördern dürfte, einen Weg der koordinierten globalen Inflationierung mitzugehen.

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Selbst wenn Gold im Inflationierungsszenario keine zentrale Rolle spielen sollte, wird es so oder so von den Entscheidungen der kommenden Jahre profitieren.

Bleibt die Frage nach der Anlageform und dem Zeitpunkt des Einstiegs. Gold sollte in physischer Form gehalten werden, nicht über Zertifikate oder Metallkonten. Goldminen eignen sich zur Spekulation – reagieren sie doch mit erheblichem Hebel auf den Goldpreis – und zur Absicherung gegen das Szenario einer Beschränkung des privaten Goldbesitzes. In den 1930er Jahren waren nach dem Goldbesitzverbot unter Präsident Roosevelt die Aktien von Goldminen ein sehr gutes Investment.

Es kann gut sein, dass Gold in den kommenden Wochen und Monaten schwächer notiert. Die Märkte spielen mal wieder das Szenario einer Zinserhöhung in den USA durch, wohlwissend, dass sich die USA und die Weltwirtschaft höhere Zinsen nicht leisten können. Dies dürfte Gelegenheit bieten, den Bestand an physischem Gold aufzustocken. Bei Goldminen sollten Gewinne gesichert werden um nach einem Rücksetzer wieder günstiger einzusteigen. Die Gefahr, die große Aufwertung von Gold durch die Notenbanken zu verpassen, ist – noch – gering.

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