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Der NachrichtenüberblickDas Brexit-Lager liegt in Führung

Die Briten haben über einen Austritt aus der EU abgestimmt, die Auszählung der Stimmen läuft. Die wichtigsten Informationen im Überblick. 24.06.2016 - 00:00 Uhr aktualisiert


Nationale Identität

Als ehemalige Weltmacht ist Großbritanniens Politik noch immer auf Führung ausgelegt. London ist gewohnt, die Linie vorzugeben, statt sich mühsam auf die Suche nach Kompromissen zu begeben. „London denkt viel mehr global als europäisch“, sagt Katinka Barysch, Chefökonomin beim Centre for European Reform in London. Die Angst, von EU-Partnern aus dem Süden Europas noch tiefer in die ohnehin schon tiefe Krise gezogen zu werden, schürt zusätzliche Aversionen.

Foto: dpa

Finanztransaktionssteuer und Co.

Die Londoner City ist trotz massiven Schrumpfkurses noch immer die Lebensader der britischen Wirtschaft. Großbritannien fühlt sich von Regulierungen, die in Brüssel ersonnen wurden, aber die City treffen, regelrecht bedroht. „Regulierungen etwa für Hedgefonds oder die Finanztransaktionssteuer treffen London viel mehr als jeden anderen in Europa“, sagt Barysch. Allerdings hatte die Londoner City in der Finanzkrise auch mehr Schaden angerichtet als andere Finanzplätze.

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Regulierungen des Arbeitsmarkts

Großbritannien ist eines der am meisten deregulierten Länder Europas. Strenge Auflagen aus Brüssel, etwa bei Arbeitszeitvorgaben, stoßen auf wenig Verständnis auf der Insel. „Lasst uns so hart arbeiten wie wir wollen“, heißt es aus konservativen Kreisen.

Foto: dapd

EU-Bürokratie

Die Euroskeptiker unter den Briten halten die Bürokratie in Brüssel für ein wesentliches Wachstumshemmnis. Anti-Europäer in London glauben, dass Großbritannien bilaterale Handelsabkommen mit aufstrebenden Handelspartnern in aller Welt viel schneller aushandeln könne als der Block der 27.

Die Euroskeptiker fordern auch, dass der Sitz des Europaparlaments in Straßburg (hier im Bild) abgeschafft wird und die Abgeordneten nur noch in Brüssel tagen.

Foto: dpa

Medien

Die britische Presse ist fast durchgehend europafeindlich und prägt das Bild der EU auf der Insel. Das hat auch politische Wirkung. „Ich muss meinen Kollegen in Brüssel dauernd sagen, sie sollen nicht den 'Daily Express' lesen“, zitiert die „Financial Times“ einen britischen Minister.

Foto: dpa

Die Wahlbeteiligung war groß, das weltweite Interesse gigantisch. Millionen Engländer haben für oder gegen den Brexit gestimmt.

Bis zum Freitagmorgen soll klar sein, ob das Königreich Teil der EU bleibt oder ihr den Rücken kehrt.

Einen aktuellen Überblick der Stimmenauszählung finden Sie in unserer Detailkarte:


Dieser Donnerstag war ein Tag für die Geschichtsbücher: Rund 46,5 Millionen registrierte Wähler konnten darüber abstimmen, ob Großbritannien in der Europäischen Union bleiben oder ausscheiden soll. Im Falle eines Brexits wird ein Rücktritt von Premierminister David Cameron nicht ausgeschlossen.

In den Meinungsumfragen lagen Gegner und Befürworter des Austritts Kopf an Kopf. Buchmacher und Finanzmärkte setzten am Wahltag auf ein „Nein“ zum Brexit.


Der Tag im Nachrichtenüberblick:



  • Es zeichnet sich eine Mehrheit für die Brexit-Gegner ab.
  • In der Nacht ist der Pfund stark abgestürzt.
  • Den aktuellen Stand der Auszählung sehen Sie auf unserer Detailkarte.
  • Mit dem offiziellen Ergebnis wird am Freitagmorgen gerechnet.

+++06.50+++

Großbritannien betritt nach Ansicht eines Beraters von Premierminister David Cameron Neuland. "Alle sind einfach nur müde, sie haben nicht geschlafen", sagt er vor Journalisten.

+++06.42+++

Der Chef der rechtspopulistischen niederländischen Partei für die Freiheit, Geert Wilders, hat nach der britischen Volksabstimmung ein EU-Referendum auch in seinem Land gefordert. „Bye bye Brüssel“, jubelte er angesichts des Vorsprungs für das Brexit-Lager in Großbritannien am Freitag auf Twitter. „Und die Niederlande werden die Nächsten sein!“


+++06.36+++

Angesichts des sich abzeichnenden Brexits rechnet ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski mit harten Zeiten für Europa. „Es sieht so aus, als ob Europas schlimmster Alptraum Wahrheit geworden ist“, sagte er am Freitag. Sollte sich das Ergebnis bewahrheiten, würden die wirtschaftlichen und politischen Folgen noch lange zu fühlen sein. „Es steht ein langer, schwieriger und dreckiger Scheidungsprozess an“. Selbst falls die Gegner des Austritts noch einen Sieg in letzter Minute schaffen sollten, „der Geist des Populismus und anti-europäischer Haltungen ist aus der Flasche entwichen und wird nur sehr schwer einzufangen sein.“


+++06.36+++

Der sich abzeichnende Sieg der Brexit-Befürworter hat der britischen Währung den größten Kurssturz seit mindestens 40 Jahren eingebrockt. Das Pfund Sterling brach am Freitag zeitweise um mehr als zehn Prozent auf 1,3304 Dollar ein - das war der tiefeste Stand seit September 1985. Der Euro brach um 4,1 Prozent auf 1,0914 Dollar ein - der größte Kursrückgang in der Geschichte der Gemeinschaftswährung. Anleger flüchteten statt dessen in den Schweizer Franken, der zum Euro auf den höchsten Stand seit August 2015 kletterte.


+++06.22+++

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel meldet sich via Twitter zu Wort. "Damn! Ein schlechter Tag für Europa", schreibt der Vizekanzler.


+++06.15+++

Beim EU-Referendum in Großbritannien ist der Vorsprung der Brexit-Befürworter auf mehr als eine Million Stimmen angewachsen. Am Freitagmorgen waren noch weniger als 40 der 382 Wahlbezirke auszuzählen.


+++06.10+++

Es zeichnet sich nun das ab, was keiner für möglich gehalten hat. Die Brexit-Befürworter liegen vorn. Die BBC hat bereits die EU-Gegner zum Sieger erklärt.


++05.15+++

Das britische Pfund ist während der Stimmenauszählung des Brexit-Referendums auf ein 31-Jahres-Tief von 1,3463 Dollar gefallen. Stunden zuvor hatte es noch bei mehr als 1,50 Dollar gestanden und damit den Spitzenwert des laufenden Jahres erreicht.


+++ 23.45 Uhr +++

Noch gibt es keine offiziellen Ergebnisse. Trotzdem melden sich erste britische Politiker zu Wort. Abhängig vom Lager sind die Töne mal zerknirscht, mal hoffnungsvoll: Der Chef der EU-skeptischen Ukip-Partei Nigel Farage hat sich pessimistisch zum Ausgang des Referendums über einen EU-Austritt geäußert. „Es sieht so aus, als sei die Wahlbeteiligung außerordentlich hoch und es scheint, als würden die EU-Befürworter knapp gewinnen“, sagte Farage dem britischen Fernsehsender Sky News zufolge unmittelbar nach Schließung der Wahllokale. Die Zukunft seiner euroskeptischen UKIP-Partei sieht er auch im Falle einer Niederlage nicht düster. „Die Partei wird nicht aufgeben und die Partei wird in der Zukunft weiterhin an Stärke gewinnen“, sagte Farage.

Premierminster David Cameron, Brexit-Befürworter, bedankte sich via Twitter bei den Wählern. „Dank an Alle, die dafür gestimmt haben, dass Großbritannien stärker, sicherer und besser in Europa bleibt“, schrieb er am Donnerstagabend nach Schließung der Wahllokale auf Twitter.


+++ 23.05 Uhr +++

Beim Brexit-Referendum in Großbritannien zeichnet sich nach einer ersten Befragung des Institutes YouGov eine Mehrheit für einen Verbleib in der Europäischen Union ab. Demnach sprachen sich 52 Prozent der britischen Wähler dafür aus, in der EU zu bleiben, und 48 Prozent dagegen. Die YouGov-Befragung, die unmittelbar nach Schließung der Wahllokale am Donnerstag vom Sender Sky News veröffentlicht wurde, entspricht jedoch nicht den Kriterien einer klassischen Wahlprognose und hat auch keine entsprechend hohe Verlässlichkeit. Eine ähnliche Umfrage hatte beim Referendum über die Abspaltung Schottlands richtig gelegen, bei der britischen Parlamentswahl im vergangenen Jahr aber falsch.

Bemerkenswert: In den Tagen zuvor hatten auch die Brexit-Befürworter in den Meinungsumfragen immer wieder vorne gelegen. Experten haben aber auch darauf hingewiesen, dass es am Ende auf die Stimmen der lange unentschlossenen Wähler ankommt. "Andere Abstimmungen, wie das Referendum in Schottland haben gezeigt, dass die Unentschlossenen aus Risikoaversion heraus für den Status Quo stimmen", sagte YouGov-Meinungsforscher Holger Geißler im Interview.


+++ 23.00 Uhr +++

Die Wahllokale schließen, die Auszählung der Stimmen beginnt. Rund 46,5 Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, bis jetzt ihr Votum abzugeben. Mit dem offiziellen Endergebnis wird für Freitagmorgen ab 08.00 Uhr (MESZ) gerechnet.


+++ 22.43 Uhr +++

Gibraltar hat kurz vor der Schließung der Wahllokale die Beteiligung bekannt gegeben: Sie liege bei fast 84 Prozent, meldet die Agentur Press Association.


+++22.25 Uhr +++

Optimismus auch an den US-Börsen: Die Erwartung eines Verbleibs der Briten in der EU hat am Donnerstag den Dow Jones, S&P und Nasdaq beflügelt. Alle drei großen Indizes schlossen deutlich im Plus. In Frankfurt ging der Dax zuvor 1,9 Prozent höher aus dem Handel.

+++20.30 Uhr+++
Auch wenn das Referendum aus Sicht vieler Briten die wichtigste Wahl seit Jahrzehnten ist – die Nacht durchmachen will die Mehrzahl nicht. Nein, er werde das Ergebnis nicht live verfolgen, erzählt ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes. Morgen müsse ja schließlich wieder gearbeitet werden. Es klingt, als hoffte er auf ein Stück Normalität. Die wird es aber wohl so schnell noch nicht mal im Fall eines „in“ geben. „Die Diskussionen werden doch noch wochenlang weitergehen“, befürchten viele.
Nur für die Banker in der Londoner City wird es eine lange Nacht. „Alle großen Investmentbanken haben Nachtschichten eingerichtet“, erzählt ein Banker. Vor allem an den Devisenmärkten könnte es im Fall eines Brexits zu immensen Verwerfungen kommen, die Handelsräume sollen jederzeit besetzt sein.

+++19.39 Uhr+++
Die Erwartung eines Verbleibs der Briten in der EU hat auch die US-Börsen beflügelt. Alle drei großen Indizes lagen zunächst deutlich im Plus. Der Dow-Jones-Index stieg um 0,9 Prozent auf 17.933 Punkte. Der breiter gefasste S&P legte ebenfalls um 0,9 Prozent auf 2104 Stellen zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 1,2 Prozent auf 4889 Zähler.


Großbritanniens Rolle in der Europäischen Union
Nach Deutschland ist Großbritannien die zweitgrößte Wirtschaftsmacht in der EU. Das Königreich steuert ein Sechstel zur gesamten Wirtschaftsleistung aller EU-Staaten von 14,6 Billionen Euro bei. An Finanzdienstleistungen exportiert Großbritannien 20 Milliarden Euro mehr in die EU als es von dort erhält. Auf der Insel befindet sich - geballt im Finanzzentrum London - der viertgrößte Bankensektor der Welt. Die britische Finanzbranche steuerte 2014 fast 250 Milliarden Euro oder rund zwölf Prozent zur britischen Wirtschaftsleistung bei.Mit rund fünf Milliarden Euro war Großbritannien im gleichen Jahr der drittgrößte Nettozahler in den EU-Haushalt nach Deutschland und Frankreich. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) lagen die Briten mit ihrem Beitrag indes nur auf Platz zehn.
Auf der Bühne der Weltpolitik kann die EU auch dank Großbritanniens mitreden. Denn mit dem Vereinigten Königreich und Frankreich entfallen zwei von fünf Veto-Stimmen im UN-Sicherheitsrat auf die EU. Neben den Franzosen verfügen nur die Briten in der EU über Atomwaffen. Britische Streitkräfte beteiligen sich an EU-Militäreinsätzen, unter anderem an der Operation "Atalanta" am Horn von Afrika, die von Northwood in England gesteuert wird. Als eines von vier EU-Staaten erreicht das Königreich die Nato-Vorgabe, mindestens zwei Prozent der Wirtschaftsleistung für Verteidigung auszugeben.
Maßgeblich für den Einfluss eines Mitgliedslandes in der EU ist sein Stimmanteil im EU-Rat. Entscheidend ist dabei die Bevölkerungszahl. Damit entfallen auf Deutschland und seine rund 81 Millionen Einwohner mit 15,93 Prozent die meisten Stimmrechte. Knapp hinter Frankreich liegt Großbritannien mit 64 Millionen Bürgern und einem Stimmanteil von 12,73 Prozent auf Platz drei. Damit ein EU-Gesetz angenommen werden kann, müssen bei einer Abstimmung mit qualifizierter Mehrheit 55 Prozent der 28 Mitgliedsländer, die zugleich 65 Prozent der EU-Gesamtbevölkerung stellen, mit "Ja" stimmen.
Von den etwa 55.000 Mitarbeitern der EU-Institutionen haben rund 2000 einen britischen Pass. Im 751 Abgeordnete umfassenden EU-Parlament stammen 73 aus dem Vereinigten Königreich. Mit dem Tory Syed Kamall von den "Europäischen Konservativen und Reformern" sowie dem rechtspopulistischen Ukip-Chef Nigel Farage von der Gruppierung "Europa der Freiheit und direkten Demokratie" führen britische Abgeordnete zwei von acht Fraktionen im Parlament. In der EU-Kommission ist der ranghöchste Brite Jonathan Hill, der für die Regulierung der Finanzmärkte zuständig ist. Insgesamt sind 1126 Briten bei der EU-Kommission beschäftigt, was 3,8 Prozent der Gesamtzahl der Mitarbeiter entspricht. Deutschland stellt 2175 Angestellte und Beamte für die Brüsseler Behörde.
Mit der Aufnahme osteuropäischer Staaten in die EU 2004 hat das Englische Französisch als Gebrauchssprache der EU-Institutionen mehr und mehr verdrängt. Denn in Polen, Tschechien oder im Baltikum ist Englisch als Fremdsprache weitaus stärker verbreitet. Mittlerweile gibt es Sprecher der EU-Kommission, die auf Französisch gestellte Fragen auf Englisch beantworten - was vor Jahren noch ein undenkbarer Affront gewesen wäre. Selbst der aus Frankreich stammende EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici wechselt bei Pressekonferenzen regelmäßig ins Englische.Auch im eher frankophonen Brüssel haben sich die Belgier auf die englischsprachigen Zugezogenen eingestellt - bei Durchsagen in Bussen und Bahnen, in Restaurants oder Geschäften. Unabhängig von der betonten Zurückhaltung der britischen Regierung bei Fragen der EU-Integration ist die Weltsprache Englisch also fester und verbindender Bestandteil der Europäischen Union.


+++18.45 Uhr+++
Der Dax kletterte den fünften Tag infolge und schloss mit einem Kursplus von 1,85 Prozent auf 10.257,03 Punkte. Zeitweise hatte das Börsenbarometer seine Kursgewinne sogar auf weit über 10.300 Zähler ausgebaut. Dabei scheinen die Anleger zunehmend überzeugt vom Verbleib der Briten in der Europäischen Union. „Der Dax wählt den Bremain“, kommentierte Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets.


+++18.20 Uhr+++
Italiens Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan sieht unabhängig von dem Ausgang der Brexit-Abstimmung Folgen für die Europäische Union. Man könne "nicht so weitermachen, als wäre nichts geschehen", sagt er. "Es hat bereits einen Bruch gegeben."


+++17.49 Uhr+++
Das Ergebnis des Referendums ist für das Parlament nicht bindend. Aber es wird großen politischen Druck geben, das Ergebnis umzusetzen.


Das ist Ivan.

Foto: WirtschaftsWoche


+++17.46 Uhr+++
Der Wahlkampf läuft bis zur letzten Sekunde. Unentschlossene sollen noch motiviert, Wankelmütige überzeugt werden. Ivan, der vor der Liverpool Street Station Sticker mit "I'm in" verteilt hat, fährt schwere Geschütze auf. "Ich mag keine Nationalisten", sagt er. Die EU sei zwar auch nicht toll, aber alle anderen Lösungen seien schlechter.


Enge Obama-Vertraute

"Welt geht es besser, wenn Briten in EU bleiben"

von Gregor Peter Schmitz



+++17.42 Uhr+++
Vor einem Wahllokal sagt Investmentbanker Hasan Naqvi: „Ich würde sagen, dass dies der wichtigste Tag in den vergangenen 20 Jahren ist, zumindest für Großbritannien. Und die wirtschaftlichen Folgen bei der Wahl eines Austritts sind riesig.“ Auf den Märkten herrscht Optimismus, dass die Briten für die EU stimmen würden. Das britische Pfund erreichte den höchsten Stand in diesem Jahr. Der britische Aktienindex sowie Märkte in ganz Europa legten zu.

+++17.31 Uhr+++
Die Wahllokale erwarten zwischen fünf und sechs Uhr nach Feierabend noch einmal einen großen Ansturm.

Premier David Cameron und seine Frau Samantha verlassen das Abstimmungsbüro

Foto: AP


+++15.38 Uhr+++
Die Hoffnung auf einen EU-Verbleib Großbritanniens beflügelt die Wall Street zum Handelsauftakt. Jüngste Umfragen sehen die Gegner eines Brexit in Front: Etwa 55 Prozent der Briten befürworten demnach den Verbleib in der EU. Buchmacher taxieren die Wahrscheinlichkeit eines Sieges der Brexit-Gegner inzwischen auf 86 Prozent. "Die Märkte können am besten beurteilen, was passieren wird", sagte Ökonom Peter Cardillo von First Standard Financial in New York. "Und die sagen, dass die Briten bleiben werden." Der Dow-Jones-Index der Standardwerte eröffnete mit einem Plus von 0,6 Prozent auf 17.892 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 stieg ebenfalls 0,6 Prozent auf 2099 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq legte 0,8 Prozent auf 4872 Punkte zu.


+++15.24 Uhr+++
Nach Großbritannien fordert auch Österreich Schutz gegen Arbeitsmigration aus anderen EU-Staaten. In Österreich gebe es neben einer erheblichen Zahl an Asylanten auch 180.000 Entsendungen aus EU-Nachbarstaaten, sagte Österreichs Bundeskanzler Christian Kern. Er forderte "faire Rahmenbedingungen", damit es zu keinem Sozialdumping komme. Notfalls müsse es Sanktionsmechanismen geben.

Die wichtigsten Infos zum Brexit-Referendum
Brexit ist ein Kunstwort aus Britain und Exit (Austritt). Im Juni 2012 schrieb das britische Magazin "Economist" erstmals von der Möglichkeit eines "Brixit". Danach etablierte sich in der Presse die Version "Brexit". Vorbild dieser Wortschöpfung war der Begriff "Grexit", der sich auf dem Höhepunkt der Griechenland-Krise etablierte. Gemeint war damit aber nur das - mögliche - Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone.
Die Abstimmung wurde den Wählern von Premier David Cameron versprochen - seine Tory-Partei war damit in den Wahlkampf zur Unterhauswahl 2015 gezogen. Cameron, der selbst für die EU-Mitgliedschaft eintritt, wollte parteiinternen EU-Skeptikern damit den Wind aus den Segeln nehmen. Schon seit Jahren gab es parteiintern die Forderung nach einer Befragung des Volkes zum Verbleib in der EU. Die Unzufriedenheit mit der Zuwanderungspolitik der europäischen Partner bestärkte viele Briten in ihrer Ablehnung gegenüber der EU. Der Kampagne war ein Machtkampf mit der Europäischen Union voraus gegangen. Bereits 2011 hatte Cameron seine Zustimmung zum EU-Fiskalpakt verweigert und kurz darauf mit einem Veto zur mittelfristigen Finanzplanung der EU gedroht. In harten Verhandlungen rang Cameron den europäischen Partnern Zugeständnisse ab, etwa beim für den Finanzplatz London so wichtigen Thema der Bankenregulierung.
Befürworter eines Brexit wie der ehemalige Bürgermeister Londons, Boris Johnson, argumentieren, dass die EU für Großbritannien als drittgrößter Nettozahler ein Verlustgeschäft sei. Ein weiteres Argument ist die Kontrolle über die Grenzen. Unionsbürger haben das Recht, sich im Königreich niederzulassen. Derzeit leben und arbeiten dort mehr als zwei Millionen Menschen aus anderen EU-Ländern. Sie belasten angeblich die sozialen Sicherungssysteme - Studien widerlegen dies jedoch. Die in den Augen vieler Briten ausufernde Regulierung durch Brüssel sorgt zudem für Unmut. Brexit-Befürworter halten die EU außerdem für nicht ausreichend demokratisch legitimiert und fordern die Rückbesinnung auf nationale Souveränität.
Die Anhänger des EU-Verbleibs warnen in erster Linie vor wirtschaftlichen Konsequenzen. Einem Gutachten des britischen Finanzministeriums zufolge würde der Brexit jeden Haushalt in Großbritannien 4300 Pfund pro Jahr kosten. Der Grund: Das Land müsste neue Freihandelsabkommen abschließen, Investitionen aus Drittstaaten könnten zurückgehen und Banken könnten nach Kontinentaleuropa abwandern. Die Folge wäre eine Rezession.
Die Wahllokale sind am Donnerstag von 07.00 Uhr morgens bis 22.00 Uhr britischer Zeit geöffnet - also von 08.00 bis 23.00 Uhr deutscher Zeit. Nur in Gibraltar schließen die Wahllokale wegen der Zeitverschiebung eine Stunde früher. Danach beginnt die Auszählung. Nach bisherigem Stand wird es nach Schließung der Wahllokale weder Prognosen noch Hochrechnungen geben. Im Laufe der Nacht werden aber die Ergebnisse aus den einzelnen Wahlbezirken nach und nach bekannt werden. Die meisten Resultate dürften zwischen 03.00 und 05.00 Uhr deutscher Zeit vorliegen. Ein Endergebnis wird am Freitag um die Frühstückszeit erwartet - wenn es nicht wegen Pannen zu Verzögerungen kommt.


+++14.28 Uhr+++
Bundeskanzlerin Merkel hat vor hektischen Reaktionen auf das britische EU-Referendum gewarnt. Europa solle das Ergebnis „gemeinsam und auch in Ruhe“ beraten, sagte sie. „Ich halte nichts davon, jetzt in Untergruppen zu zerfallen.“ Das Ergebnis werde auf dem EU-Gipfel am Dienstag und Mittwoch in Brüssel beraten. Merkel bekräftigte, sie wünsche sich eine Entscheidung, „bei der Großbritannien Teil der Europäischen Union bleibt“.


Kontra Brexit: Christine Lagarde

Ein Ausstieg Großbritanniens aus der EU könne einen Kursverfall und einen steilen Zinsanstieg zur Folge haben, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde. „Ein Votum für den Ausstieg würde zu einer längeren Phase der Unsicherheit führen“, erklärte der Fonds zu einem Bericht über die britische Wirtschaft. Schon jetzt habe die Aussicht auf einen möglichen „Brexit“ negative Folgen. Investitionen würden zurückgehalten und Einstellungen verschoben. Auch Londons Rolle als größter Finanzplatz in Europa sei in Gefahr, da nicht klar sei, ob die britischen Unternehmen weiterhin Zugang zum europäischen Binnenmarkt hätten. Großbritannien müsse im Falle eines EU-Austritts mit vielen Ländern bilaterale Handelsverträge abschließen. Das könne Jahre dauern. Negative Langzeitfolgen seien daher zu erwarten. Auch die Auswirkungen auf die globale Wirtschaft seien aller Wahrscheinlichkeit ebenfalls negativ und könnten heftig ausfallen, so Lagarde. Die Ungewissheit, wie die Briten am 23. Juni abstimmen werden, sorge weltweit für Nervosität. Die Auswirkungen eines Brexit auf die britische Wirtschaft reichten in einer Spanne von „ziemlich schlecht bis sehr, sehr schlecht“, sagte Lagarde auf einer Pressekonferenz.

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Kontra Brexit: David Cameron

Der britische Premierminister David Cameron spricht sich besonders vehement für den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union aus. Eine Abstimmung gegen den Verbleib bezeichnete er als "unverantwortlich". Es werde keine zweite Chance geben, über die Rolle Großbritanniens in der EU zu entscheiden. "Das ist eine unumkehrbare Entscheidung mit sehr schlechten Konsequenzen für die britische Wirtschaft", sagte Cameron.

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Kontra Brexit: George Osborne

Für einen Verbleib in der EU spricht sich auch der britische Finanzminister George Osborne aus. Im TV-Sender ITV warnte er vergangenen Sonntag Immobilienbesitzer vor Nachteilen durch den Brexit. Laut einer früheren Schätzung Osbornes gingen jedem britischen Haushalt bis 2030 jährlich durchschnittlich 4300 Pfund verloren, weil sich die Wirtschaft schwächer entwickeln würde als bei einem Verbleib in der Europäischen Union. Außerdem werde der Wert der Häuser spürbar sinken, Hypothekenkosten dagegen steigen. "Es geht nicht nur um eine große Frage für uns als Land. Sie betrifft auch die finanzielle Sicherheit der Leute", sagte Osborne.

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Kontra Brexit: Jean-Claude Juncker

Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker warnt vor einem Austritt Großbritanniens. Der Funke Mediengruppe gegenüber sprach er von "unvorhersehbaren Auswirkungen auf das Zusammenwirken der Europäer" durch den Brexit. Er zweifle aber nicht daran, "dass die Briten mit Vernunft entscheiden".

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Pro Brexit: Michael Gove

Die Befürworter des Verbleibs im Brüsseler Klub würden die Briten „behandeln wie die Kinder“ und „mit Angstparolen zum Gehorsam zwingen“, sagte der prominenteste Brexit-Prediger im Kabinett, Justizminister Michael Gove.

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Pro Brexit: Donald Trump

Wenig überraschend: Auch der Präsidentschaftsbewerber der Republikaner, Donald Trump, befürwortet den Austritt Großbritanniens aus der EU. Es würde den Briten mit dem Brexit "besser gehen", sagte der milliardenschwere Unternehmer dem amerikanischen TV-Sender Fox News. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP hält er den Ausstieg aus der Gemeinschaft für richtig, weil die Flüchtlingspolitik in Europa "schreckliche" Folgen gehabt hätte. Damit spielt er insbesondere auf die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel an, die er bereits in der Vergangenheit wiederholt kritisiert hatte. Nach eigenen Angaben möchte der Immobilienmilliardär aber "keine Empfehlung" zum Brexit abgeben. Trump kommt am Tag nach dem britischen Referendum nach Großbritannien. Trump werde an der Einweihung eines Golfplatzes in Schottland teilnehmen, teilte eine Sprecherin des Golfplatzes Trump Turnburry mit.

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Kontra Brexit: Barack Obama

„Ich denke nicht, dass die EU den britischen Einfluss in der Welt bremst - sie verstärkt ihn“, sagte US-Präsident Barack Obama bei einem gemeinsamen Pressetermin mit Premierminister David Cameron Ende April und reagiert damit direkt auf Kritik der Brexit-Befürworter. Diese hatten mitunter argumentiert, Großbritannien könne leicht neue Handelsabkommen abschließen, wenn es die Freihandelszone der EU verlasse. Doch Obama erklärte, das Vereinigte Königreich stünde durch den Brexit "am Ende der Schlange", weil für die USA ein Deal mit der wesentlich größeren EU Priorität hätte.

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Pro Brexit: John Whittingdale

John Wittingdale, seit Mai 2015 Großbritanniens Minister für Kultur, Medien und Sport, war das erste Kabinettsmitglied der Cameron-Regierung, dass einen Brexit nicht ausschließen wollte. Einem Magazin gegenüber sagte er, er haben eine lange Historie kritischer Haltung gegenüber der EU. Premierminister Cameron legt ihm nahe, seine Position zu überdenken. Kritiker monieren die Tatsache, dass Wittingdale auch für die langfristige Ausrichtung der öffentlich-rechtlichen BBC verantwortlich sei und der Sender über die Brexit-Kampagne viel zu unkritisch berichte.

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Kontra Brexit: Jonathan Evans & John Sawers

In das Lager der Brexit-Gegner reihen sich auch die früheren Geheimdienstchefs Jonathan Evans (MI5) und John Sawers (MI6, im Bild) ein. In einem gemeinsamen Interview mit der "Sunday Times" erklärten sie, ein Austritt aus der EU könnte die britischen Möglichkeiten im Kampf gegen den internationalen Terrorismus untergraben und den Frieden auf dem Kontinent gefährden. Evans und Sawers gehen davon aus, dass der Austausch von geheimdienstlichen Erkenntnissen nach dem Ausscheiden aus der Europäischen Union nicht mehr ohne Hemmnisse stattfinden wird. Der Einfluss des Vereinigten Königreichs auf sicherheitspolitische Entscheidungen würde zurückgehen. Sawers geht sogar noch einen Schritt weiter. In einem Video-Interview zum Beitrag prophezeit er eine Einleitung der Auflösung der Europäischen Union durch den Austritt Großbritanniens.

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Pro Brexit: Boris Johnson

Für einen EU-Ausstieg macht sich dagegen Londons Ex-Bürgermeister Boris Johnson stark. Diesen begründet er vor allem in der Flüchtlingspolitik: „Ich denke, es befremdet die Menschen, dass die grundlegendste Kompetenz eines Staates, zu bestimmen, wer im Land lebt und arbeitet, jetzt in Brüssel liegt“, sagte Johnson. Auch die Befürchtungen um die Sicherheit Großbritanniens, die Premierminister Cameron äußerte, weist der Ex-Bürgermeister zurück. Man könne die Zusammenarbeit mit den EU-Staaten im Sicherheitsbereich auch auf anderem Wege regeln, sagte er. Auch für Großbritanniens Wirtschaft sieht Johnson bei einem EU-Austritt keine Gefahr. „Wenn wir die EU verlassen, verlassen wir keineswegs Europa“, erklärte Johnson weiter.

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Kontra Brexit: Mario Draghi

EZB-Präsident Mario Draghi sieht in dem Brexit eine Gefahr für Großbritannien. Er warnte das britische Volk vor den wirtschaftlichen Folgen. „Ich kann und will nicht glauben, dass die Briten für einen Austritt stimmen“, sagte der Italiener der „Bild“-Zeitung Ende April mit Blick auf das „Brexit“-Referendum Ende Juni. „Gemeinsam sind wir stärker. Aber wenn sie es doch tun, muss ihnen klar sein: Sie verlieren all die Vorteile des Binnenmarktes.“ Nationalismus und Isolationismus sei gerade im Zuge von Krisen in der Europäischen Union mit allen Mitteln entgegenzuwirken.

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Neutral: Queen Elisabeth II.

Die britische Boulevardzeitung „The Sun“ hatte schon „Queen unterstützt Brexit“ getitelt. Dafür gab es jedoch umgehend eine formelle Beschwerde des Königshauses beim britischen Presserat. Die Queen habe sich seit 63 Jahren politisch neutral verhalten und bleibe es auch, sagte ein Sprecher der Windsors. Die "Sun" hatte sich auf eine anonyme ranghohe Quelle gestützt, der zufolge sich die britische Königin kritisch über die EU geäußert habe.

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Pro Brexit: Sir Michael Caine

Der berühmte Schauspieler befürwortet einen Brexit. In einem Radiointerview sagte er, gesichtslose Beamte würden Entscheidungen für das Vereinigte Königreich treffen. Er sei sich ziemlich sicher, dass Großbritannien außerhalb der EU stehen sollte. Ökonomische Folgen eines Austritts könnten die Briten durch harte Arbeit wettmachen. Großbritannien würde mehr aus anderen EU-Ländern importieren, als es in EU-Länder exportiere. Das finanzielle Argument für einen Verbleib in der EU ließ er somit nicht gelten. Das Pro-Brexit-Lager feierte umgehend die Unterstützung durch den Filmstar.

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Kontra Brexit: Bill Gates

Der Microsoft-Gründer warnt die Briten vor einem Kurs der wirtschaftlichen Abschottung. Der "Financial Times" sagte der Milliardär, ein Mandat für den EU-Austritt im Juni würde eine Phase der Unsicherheit zur Konsequenz haben. „Ich bin zwar kein Wähler in Großbritannien. Sie müssen entscheiden. Aber der Vorteil in der EU zu sein, ist größer, als ihr nicht anzugehören“, so Gates. Die wirtschaftlichen und politischen Folgen eines Brexits seien besorgniserregend.

Foto: AP


+++13.57 Uhr+++
Wettanbieter sehen die Befürworter eines Verbleibs klar auf der Siegerstraße: Das britische Unternehmen Betfair teilte mit, das Momentum sei nun auf Seite der Brexit-Gegner. Die Wahrscheinlichkeit eines Verbleibs liege bei 86 Prozent, die Chance eines Austritts werde auf 14 Prozent geschätzt.


+++13.20 Uhr+++
Trotz schlechten Wetters haben lange Schlangen vor Wahllokalen gebildet. Wähler hätten geduldig in langen Reihen gewartet, um in Schulen, Kirchen oder Einkaufszentren ihre Stimme abzugeben, berichtete die britische Nachrichtenagentur PA. In der Nacht hatte es in London und im Südosten des Landes teils heftige Regenfälle und Gewitter gegeben.


+++13.10 Uhr+++
Die Inkasso-Branche erwartet bei einem Brexit mehr Firmenpleiten in Deutschland. "Wir befürchten, dass sich ein Brexit langfristig negativ auf deutsche Unternehmen auswirken würde und sich in der Folge die Zahlungsmoral hierzulande verschlechtern und es wieder mehr Unternehmensinsolvenzen geben könnte", sagt die Präsidentin des Branchenverbandes BDIU, Kirsten Pedd.


+++11.03 Uhr+++
Britische Wähler in London und im Südosten des Landes müssen mit schlechtem Wetter, Regen und Überflutungen kämpfen. Allein in der Hauptstadt dürfte am Donnerstag innerhalb weniger Stunden soviel Regen wie ansonsten in einem Monat fallen, warnten Meteorologen. Bereits in der Nacht gab es schwere Gewitter mit Starkregen. Überflutete Straßen könnten der Zugang zu Wahllokalen erschweren. Experten hatten zuvor spekuliert, eine geringe Wahlbeteiligung könnte ein Vorteil für das Austrittslager sein.


Historiker Brendan Simms

„Die Eurozone muss sich vereinen und die EU verlassen“

Für das Festland ist die EU die Lösung, für die Briten aber nicht, meint Cambridge-Historiker Brendan Simms. Er hofft dennoch, dass die Briten bleiben und dass sich EU und Eurozone irgendwann voneinander trennen.

von Simon Book


+++10.45 Uhr+++
Das britische Pfund ist auf ein Jahreshoch gegenüber dem Dollar gestiegen. Auch gegenüber dem Euro legte die britische Währung im Vergleich zum Vortag zu.


+++10.15 Uhr+++
Ohne viele Worte an wartende Journalisten hat David Cameron seine Stimme Abgegeben. „Guten Morgen“ war das Einzige, was er sagte, als er gemeinsam mit seiner Ehefrau Samantha in der Nähe von Downing Street 10 zur Wahlurne ging. Nicht einmal zum schlechten Wetter wollte sich der Premier äußern, berichtete die britische Nachrichtenagentur PA.



+++10.00 Uhr+++
Nigel Farage, Chef der rechtspopulistischen britischen Ukip-Partei, gibt sich beim EU-Referendum siegessicher. Das Brexit-Lager habe eine „sehr starke Chance“, sagte er zum Wahlauftakt. Aber es hänge alles von der Wahlbeteiligung ab, sagte er der Nachrichtenagentur PA. Farage gehört zu den Wortführern des Austrittslagers. Kritiker werfen ihm vor, mit seinem Kampf gegen Migration Ängste vor Fremden und Ausländern zu schüren.


+++9.30 Uhr+++
Die exportabhängige deutsche Industrie zeigt sich vor dem Brexit-Referendum in überraschend guter Form. Der Einkaufsmanagerindex kletterte im Juni um 2,3 auf 54,4 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit fast zweieinhalb Jahren.



+++9.19 Uhr+++
Die Anleger am deutschen Aktienmarkt setzen auf einen Verbleib der Briten in der EU und haben weiter Aktien gekauft. Der Dax startet den nunmehr fünften Tag in Folge mit Gewinnen und legte zuletzt um 0,88 Prozent auf 10.160,00 Punkte zu. Seit seinem letzten Tief vor einer Woche hat der Dax damit inzwischen 7,7 Prozent gutgemacht.
Der MDax der mittelgroßen Konzerne rückte um 0,70 Prozent auf 20.638,14 Punkte vor. Der Technologiewerte-Index TecDax stieg um 0,41 Prozent auf 1633,24 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 übersprang zum Börsenstart kurz die Marke von 3000 Zählern und stand mit plus 0,73 Prozent zuletzt wieder knapp darunter.


+++8.50 Uhr+++
Die Börse in Tokio hat mit Gewinnen geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte notierte zum Handelsende ein Plus von 172,63 Punkten oder 1,07 Prozent auf 16 238,35 Zähler. Der Topix verbesserte sich um 14,1 Punkte oder 1,1 Prozent auf 1298,71 Zähler.


Europäische Union

Was passiert, wenn der Brexit kommt

von Marc Etzold


+++8.42 Uhr+++
Der australische Premierminister Malcolm Turnbull hat die Briten vor einem Austritt gewarnt. „Es würde ein großer Schock sein, darüber gibt es keinen Zweifel“. Allerdings werde es große Anstrengungen geben, die Folgen eines solchen Schocks auf ein Minimum zu bringen.


+++8.27 Uhr+++
Die Stimmung am Devisenmarkt ist stark geprägt vom Brexit-Referendum. Im frühen Handel lag die Gemeinschaftswährung Euro bei 1,1340 US-Dollar und damit etwas über dem Wert vom Vortag. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuletzt am Mittwoch auf 1,1283 (Dienstag: 1,1314) Dollar festgesetzt.



+++8.00 Uhr+++
In Großbritannien öffnen die Wahllokale für das historische EU-Referendum. Die Wahllokale sind bis 23.00 Uhr MESZ geöffnet. Prognosen und Hochrechnungen soll es nach Schließung der Wahllokale nicht geben. Am frühen Freitagmorgen wird mit ersten Resultaten gerechnet, ein Endergebnis dürfte erst am Vormittag feststehen. Umfragen erwarten ein extrem knappes Ergebnis. Der Durchschnitt von acht Umfragen seit dem 15. Juni ergab einen hauchdünnen Vorsprung von 45:44 Prozent für das Pro-EU-Lager. Rund zehn Prozent der Wähler waren aber noch kurz vor der Entscheidung unentschlossen.



+++7.48 Uhr+++
Die einflussreiche chinesische Zeitung "Global Times" warnt Großbritannien vor einem Verlust an internationaler Bedeutung im Falle eines Brexits. Mit dem Referendum gehe das Land ein hohes Risiko ein, heißt es in einem Leitartikel des Blatts, das von der Zeitung "Renmin Ribao", dem Sprachrohr der Kommunistischen Partei, herausgegeben wird.


+++6.30 Uhr+++
Die enge Obama-Vertraute Samantha Power hat die Briten kurz vor dem Referendum vor dem Brexit gewarnt: "Der Welt geht es besser, wenn Großbritannien in der EU bleibt", sagte sie der WirtschaftsWoche.



+++6.00 Uhr+++
Weltweit wird der Ausgang des Referendums mit großer Spannung erwartet. Bei einem Brexit drohen Schockwellen an den Börsen. Die Notenbanken stehen bereit, um Währungsturbulenzen abzufedern. Finanzexperten gehen davon aus, dass das britische Pfund bei einer Mehrheit für den EU-Austritt dramatisch abstürzen könnte. Die amerikanische Notenbank Fed ist laut Direktor Jerome Powell für den Ausgang des britischen Votums gerüstet: "Was auch immer passiert, wir sind auf alles vorbereitet", sagt er am Mittwoch dem Sender CNBC.

Seit Wochen warnen EU-Politiker wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, aber auch US-Präsident Barack Obama vor einem Ausscheiden Großbritanniens aus der EU. Im Endspurt des Wahlkampfs verschärften beide Lager ihre Tonart: Während die Brexit-Befürworter vor der ungebremsten Einwanderung von Ausländern warnten, konterten die EU-Befürworter mit dem Schreckensbild einer Rezession und des massenhaften Verlustes von Arbeitsplätzen.


Umfragen sagen zumeist ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus. Viele Wähler waren noch kurz vor dem Urnengang unentschlossen. Eine Erhebung des Instituts YouGov sieht das Pro-EU-Lager mit 51:49 Prozent vorn.

„Die derzeitigen Umfragen legen ein zu knappes Rennen nahe, als dass eine Vorhersage möglich ist“, meinte das Institut. Aber es gebe einen neuen „Trend zum Drinbleiben“. Dies bestätige Beobachtungen bei anderen Unabhängigkeits-Voten in der Vergangenheit: Kurz vor dem Urnengang gebe es eine Bewegung der Wähler zur Erhaltung des Status quo.

dpa, AP, rtr, jre, ndu, sha, ger
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