TV-Debatte in den USA: Clinton ist gut, Trump ist besser
100 Millionen Amerikaner schauen zu
„Du bekommst nie eine zweite Chance, um einen ersten Eindruck zu machen“, lautet ein altes amerikanisches Sprichwort. Genau das werden Hillary Clinton und Donald Trump jedoch am Abend probieren. Das TV-Duell an der Hofstra University auf Long Island werden wohl mehr als 100 Millionen Amerikaner oder gut 80 Prozent der Wähler live am Fernseher verfolgen. Solche Einschaltquoten erreicht sonst nur der Super Bowl – das Endspiel der Football-Meisterschaft in den USA.
Foto: APClintons Vorsprung ist geschmolzen
Der Republikaner hat den Wind der Meinungsumfragen im Rücken. Landesweit führt die Favoritin Clinton nur noch mit rund drei Prozentpunkten. Die ehemalige First Lady muss nach ihrem Schwächeanfall am 11. September vor den Kameras vor allem fit, warmherzig und authentisch herüber kommen. Trump wird versuchen, präsidial und kompetent zu wirken.
Foto: APWichtige Unterstützung
Allerdings erhielt auch Clinton am Wochenende Unterstützung. Die „New York Times“, eine der größten Zeitungen des Landes, sprach sich für die Wahl der Demokratin aus und nannte Trump „den schlechtesten Präsidentschaftskandidaten aller Zeiten“.
Foto: dpaZehn Prozent der Wähler sind noch unentschieden
Rund zehn Prozent der Wähler haben sich noch nicht entschieden, wem sie am 8. November ihre Stimme geben wollen. Eine historische Untersuchung der University of Virginia zeigt, dass Präsidentschaftskandidaten insbesondere im ersten TV-Duell mehrere Punkte in den Umfragen gewinnen oder verlieren konnten. Karl Rove, der frühere Berater des US-Präsidenten George W. Bush, warnt allerdings vor allzu großen Erwartungen: „Die TV-Debatten bestätigen in der Regel nur die bisherigen Trends.“
Foto: APDie Macht der Bilder
Es wäre jedoch nicht das erste Mal, dass die Debatte vor laufenden Kameras den Ausschlag im Rennen um das mächtigste Amt der Welt gibt. Bereits das allererste TV-Duell 1960 zwischen John F. Kennedy und Richard Nixon ist ein gutes Beispiel für die Macht der Bilder. Viele, die damals die Debatte im Radio verfolgten, waren der Meinung, der klug argumentierende Nixon habe das Duell gewonnen. Wer jedoch den jugendlich und gut aussehenden Kennedy und den verkrampften, schwitzenden Nixon auf dem Bildschirm beobachtete, wusste, dass das Rennen für JFK gelaufen war.
Foto: APDie Strategien der Präsidentschaftsbewerber
„Die Kandidaten sollten vor allem als mitfühlende Menschen und nicht als Politprofis auftreten“, rät Elaine Kamarck von der Denkfabrik Brookings in Washington den Kontrahenten. Die beiden Lager haben jedoch noch etwas ganz anderes im Sinn: Trump wird alles daran setzen, Clinton als kühl und unehrlich aussehen zu lassen. Clinton wird umgekehrt Trump provozieren, um ihn zu einer seiner gefürchteten Entgleisungen zu verleiten.
Foto: REUTERSClinton bereitet sich seit Wochen auf das TV-Duell vor
Darauf bereitet sich die Demokratin seit Wochen vor, liest psychologische Dossiers, schaut Videos von Trumps TV-Auftritten und übt mit „Trump-Darstellern“ verbale Attacken ein. Der Republikaner hingegen gibt sich so siegessicher, dass er auf Generalproben verzichtet. Ein Gedankenaustausch mit seinen Beratern soll reichen.
Foto: APEntscheidende Themen im Wahlkampf
Durch die jüngsten Terroranschläge in New York und die Rassenunruhen in North Carolina kommen zudem zwei Faktoren in die Debatte, von denen niemand weiß, wie sie die Wähler beeinflussen. Das Foto zeigt Vorbereitungen für das Duell.
Foto: APLester Holt moderiert das Duell
Viel wird davon abhängen, wie sich der Moderator Lester Holt vom Fernsehsender NBC verhält. Zwar werden die Bedingungen und Spielregeln bis hin zur Raumtemperatur auf der Bühne seit 1987 von einer eigenen Kommission vorab festgelegt. Der 57-jährige Holt muss jedoch darauf achten, dass die Kandidaten während der 90 Minuten ihre Redezeiten einhalten und beim Thema bleiben.
Foto: APDas Prozedere bei der TV-Debatte
Der Moderator Holt wird Clinton die erste Frage stellen, zwei Minuten darf sie sprechen, dann ist Trump an der Reihe. Anschließend sollen beide für zehn Minuten miteinander diskutieren. Dann kommt der nächste Block. Das Foto zeigt die Hofstra-Universität, in der das TV-Duell stattfinden wird.
Foto: APTrumps Gespür für die Stimmung im Saal
Trump wird nachgesagt, dass er die Stimmung in einem Raum sehr genau lesen kann. Wenn er merkt, dass er ein Publikum verliert, improvisiert er. Wenn ihm ein Satz besonders gut gefällt, dreht er sich einmal um die eigene Achse.
Foto: APDie Zuschauer müssen schweigen
Aber auf das Publikum kann Trump diesmal nicht setzen. Die Zuschauer im Saal müssen schweigen, Buhen und Klatschen sind tabu. Nur die Bühne ist erhellt.
Foto: dpaBlaue Girlanden, USA-Fähnchen in den Blumenvasen und Luftballons in den Nationalfarben: Die Bars und Restaurants in New York hatten sich schon Stunden vor der ersten TV-Debatte der beiden Präsidentschaftskandidaten herausgeputzt. Das Interesse der Bürger an dem Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump war bereits im Vorfeld riesig; Kneipen, die den Fernseh-Showdown nicht übertrugen, blieben leer. Die Fernsehsender hofften auf bis zu 100 Millionen Zuschauer. Und so ist die TV-Debatte wenn auch nicht wahlentscheidend, doch von großer Bedeutung. Donald Trump wollte beweisen, dass er sich präsidial geben kann, Hillary Clinton, dass sie kämpferisch und energiegeladen ist.
Wer konnte überzeugen? Wir haben die Debatte in sechs Kategorien untersucht. Die wichtigste – die Frage nach den politischen Standpunkten – haben wir in drei Unterpunkte unterteilt. Insgesamt gab es also zehn Punkte zu holen, und einen Minuspunkt für signifikante Patzer.
Erster Eindruck
Hillary Clinton erklärt, wie sie das Leben der Bürger „besser machen“ will. Um dies zu erreichen, will sie die Infrastruktur fördern, die kleinen Unternehmen steuerlich entlasten. Sie spricht von „equal pay“ und der Umwandlung der Energiewirtschaft. Erster Eindruck: Sehr akademisch. Dann aber zeigt sie auf, dass sie der Kandidat der kleinen Leute ist. Clinton verweist auf ihren Vater – einen Arbeiter. Trump hingegen sei reich aufgewachsen. Kurzum: Er habe keine Ahnung, was die einfachen Leute sorgt.
Donald Trump schaut beim Eingangsstatement geradeaus und mit zugekniffenen Augen in die Kamera. Wirkt sehr tough. So dann auch sein Eingangsstatement. Es dauert keine 30 Sekunden, bis er Mexiko und China attackiert. „Wir verlieren unsere Jobs.“ Er nennt konkrete Beispiele von Unternehmen, etwa Ford, die Jobs ins Ausland verlagern. „Das können wir uns nicht erlauben. Wir müssen aufhören, zuzulassen, dass unsere Jobs gestohlen werden.“ Anschließend erklärt er seinen Steuerplan. Dies sei „ein Jobschaffer“. Trump startet gut, spricht seine Wähler in den umkämpften Swing States mit leicht verständlichen Argumenten und Parolen an – und geht in Führung.
Punktestand: 1:0
Politische Standpunkte
Es ist Donald Trumps Steckenpferd. Der Republikaner spricht darüber, wie der Freihandel ganze Bundesstaaten verarmt habe. Diese Botschaft kommt in Michigan, Pennsylvania oder Indianapolis und Ohio sicher an. Clinton kontert, versucht auszuführen, wie sie die USA zum Technologieführer in erneuerbaren Energien machen will. Das schaffe Jobs. „Hillary, du hast seit 30 Jahren Regierungsverantwortung getragen – und keine Jobs geschaffen.“ Die ehemalige US-Senatorin und Außenministerin kann darauf nicht wirklich antworten.
Trump dominiert diesen Teil der Debatte. Ob er die richtigen Instrumente in der Hand hat, bleibt dahingestellt. Die Freihandelsverträge aufzukündigen, die USA abzuschotten, wird insbesondere die Arbeiterklasse und US-Konsumenten treffen. Dennoch: Wer den Ärger und die Enttäuschung der Bürger in den erwähnten Regionen kennt, weiß: Die Wähler sehnen sich nach einem Kandidaten, der die Probleme beim Namen nennt und (einfache) Lösungen verspricht. Klarer Punkt für Trump.
Zwischenstand 2:0 für Trump
Sicherheitsfragen
„Clinton traut sich nicht, die Worte ,Law & Order“ in den Mund zu nehmen“, sagt Donald Trump. Dies macht er in Endlosschleife. Die Innenstädte müssten wieder sicherer werden. Es gäbe zu viele Schießereien – Opfer seien vor allem Minderheiten. Wahr ist: Die Zahl von bewaffneten Überfällen in Städten wie Chicago ist dramatisch hoch. New York City etwa hat seine Sicherheitsprobleme mit überwältigender Präsenz von Polizisten und einer Nulltoleranz-Politik in den Griff bekommen.
Hillary Clinton setzt auf Gemeinsinn. Es könne nicht sein, dass es private Gefängnisse in den USA gebe. Keiner solle davon profitieren, junge Menschen – hauptsächlich Minderheiten – in den Knast zu stecken. Zweiter Punkt: „Es sind zu viele Waffen im Umlauf“. Beide teilen sich die Punkte.
Zwischenstand: 3:1 für Trump
Terrorbekämpfung
Clinton will in Zusammenarbeit mit den Alliierten aus Europa wie aus den arabischen Staaten den IS bekämpfen. Sie werde auch alles tun, um Führer des IS auszuschalten. So wie die Obama-Regierung in ihrer Amtszeit als Außenministerin entschieden habe, Al-Kaida-Führer Osama bin Laden umbringen zu lassen.
Hillary Clintons Doppelgängerin
Nach ihrem Schwächeanfall während einer Veranstaltung zum 11. September trat Clinton nur zwei Stunden später wieder in die Öffentlichkeit. Für Verschwörungstheoretiker war das ganz klar eine Doppelgängerin. Sogenannte Beweise wurden in sozialen Medien gesammelt. Ob Nase oder Finger – es seien klare Unterschiede zu sehen. Weitere Spekulationen: Die Doppelgängerin soll Schauspielerin Teresa Lilly Barnwell sein, eine Clinton-Imitatorin.
Foto: APVon Hirntumor bis Zungenkrebs – Clintons Krankheiten im Überblick
Epilepsie, Parkinson oder Hirntumor – um Clintons Gesundheit ranken sich die wildesten Spekulationen. Bereits 2015 verkündete die Zeitung „National Enquirer“ das baldige Ableben der Demokratin. In einem Video der Seite „Infowars“ analysieren Experten Clintons Lachen als eine Persönlichkeitsstörung. Der Blog „The Conservative Tree House“ stelle einen Fleck auf Clintons Zunge fest. Diagnose: Zungenkrebs.
Foto: dpaDer Knopf in Clintons Ohr
„Ein Knopf im Ohr?“, mit dieser Frage löste Schauspieler James Woods eine heftige Diskussion aus. Der Grund: ein Foto, das Clinton bei einem Auftritt im Sender NBC mit einem kleinen Gegenstand im Ohr zeigt. Woods postete auch eine Wikileaks-E-Mail von 2009, in der Clinton-Vertraute Huma Abedin fragt: „Hast du Deinen Knopf im Ohr mitgenommen, oder soll ich ihn holen?“. Die Seite „True Pundit“ mutmaßt, dass Clinton schon früher Ansagen über den Knopf bekam.
Foto: APMysteriöser Begleiter
Er weicht ihr nicht von der Seite: Clintons Begleiter. Einige sehen in ihm keinen Bodyguard, sondern eine Gefahr. Der Autor Mike Cernovich: „Jeder Sicherheitsagent trägt einen Anzug. Hillarys Begleiter ist leger angezogen. Etwas Großes bahnt sich da an.“ Auf einem Foto soll der Begleiter eine Diazepamspritze halten, einen Arzneistoff gegen Panikattacken. Es wurde geraunt, der Mann sei ein Psychiater, der Clinton auch hypnotisiere. Das beweise angeblich ein Video, in dem der Begleiter ihr etwas ins Ohr flüstert.
Donald Trump – der Antichrist
Der Antichrist – eine Figur aus der Bibel, die Gegenmacht zu Jesus Christus. Laut Bibel soll sich der Mond vor der Ankunft des Antichristen in Blut verwandeln. Die Verbindung zu Trump: An seinem Geburtstag, dem 14. Juni 1946, gab es eine totale Mondfinsternis, auch als „Blutmond“ bekannt. Auch die Zahl des Antichristen (666) tauche in Trumps Leben auf. Eines seiner Gebäude hat er in der 666 Fifth Avenue in New York gekauft. Selbst lebt er im 66. Stock des Trump Towers. Für viele ist das sehr mysteriös.
Foto: dpaHillary Rodham Clinton Jimmy
„Es ist alles nur gespielt!“, schreibt der US-amerikanische Journalist Justin Raimondo auf seinem Blog. Donald Trump schauspielere, um seiner Freundin Hillary Clinton zur Präsidentschaft zu verhelfen. Die Gründe: seine gute Beziehung zu den Clintons, seine Unterstützung vergangener demokratische Kampagnen und seine kontroversen Aussagen, mit denen er die Republikaner zu spalten versuche. Rassismus, Hetzparolen und Populismus – Trump könne nur eine Karikatur des Konservatismus sein – erfunden von den Demokraten. Im Bild spielt Jimmy Fallon Donald Trump.
Foto: APDie Illuminati und Trump
Die Illuminati, eine Geheimgesellschaft, die im Jahr 1785 verboten wurde, besteht nach Meinung einiger Verschwörer weiter fort. Trump soll nun angeblich gezielt von dem Orden eingesetzt worden sein, um als nächster Präsident ihren Befehlen zu gehorchen. Befolgt er sie nicht, könnte er von den Illuminati umgebracht werden. Dies sei ja schon bei Präsident John F. Kennedy der Fall gewesen. „Beweisvideos“ sollen zeigen, dass Trump zu den Illuminati gehöre. Zu erkennen sei dies etwa an seinen Händen, die er zu einer Pyramide formt – eines der wichtigsten Symbole des Ordens.
Foto: REUTERSClinton und Trump sind Reptiloide
So absurd sie klingt, hat die Theorie der Reptiloide doch viele Anhänger. Erfinder David Icke beschreibt Reptiloide als intelligente Wesen, die von reptilienartigen Außerirdischen abstammen. Ihr Ziel: Kontrolle der Weltpolitik. Trump und Clinton sind die neuesten Verdächtigen. Videos sollen beweisen, dass Trump eine Maske trage. Clinton habe indessen Schuppen auf der Stirn. Dass die Videos stark bearbeitet sind, scheint die Anhänger der Theorie nicht im Geringsten zu stören.
Foto: dpaDonald Trump konzentriert sich darauf, Clinton vorzuhalten, in ihrer Amtszeit sei der IS groß geworden. „Ihr habt ein Kleinkind zu einer großen Gefahr werden lassen“. Was er selbst vor hat, bleibt unklar: „Wir müssen IS wegbomben – und zwar schnell.“
Trump rückt von seiner Nato-Kritik ab. Er verbucht für sich, dass sich das Militärbündnis nach seiner Kritik nun stärker auf die Terrorbekämpfung konzentrieren will. Die Kausalität sei dahingestellt: Trump verkauft sich als starker Führer, rettet eine Punkteteilung.
Zwischenstand: 4:2 für Trump
Ehrlichkeit
Hillary Clinton entschuldigt sich für ihr Verhalten in der E-Mail-Affäre. „Ich habe einen Fehler gemacht und würde es nicht wieder machen.“ Sie beweist Rückgrat. Anders als Donald Trump, der etwa seine Steuerbescheide zurückhält. Auch auf Kritik, dass Trump mit ehemaligen Mitarbeitern nicht gut umgegangen ist, zeigt er sich uneinsichtig. Der Republikaner wirft Clinton Unehrlichkeit vor. Doch der Eindruck bleibt: Der Einzige, der etwas zu verbergen hat und nicht einsichtig ist, heißt Donald Trump. Punkt für Clinton.
Zwischenstand: 4:3 für Trump
Überraschungsmomente
Trump ist US-weit in der Kritik, dass er – entgegen der Tradition im US-Wahlkampf – seine Steuerbescheide nicht veröffentlicht. Clinton liefert die Erklärungen gleich mit. „Vielleicht ist er nicht so reich, wie er behauptet. Vielleicht ist er nicht so karitativ, wie er behauptet.“ Trump dreht den Spieß um. „Ich werde gegen den Willen meiner Anwälte die Steuerbescheide veröffentlichen – wenn Hillary Clinton die 35.000 E-Mails freigibt, die sie von ihrem privaten Server gesendet hat“.
Donald Trump wird von den Waffenlobbyisten der NRA unterstützt. Dennoch stimmt Trump während der TV-Debatte zu, dass Bürger, die als gefährlich eingestuft und etwa nicht in Flugzeuge steigen dürfen, keine Waffen bekommen sollen. Trump überrascht positiv und lenkt geschickt von eigenen Schwächen ab. Punkt für Trump.
Zwischenstand: 5:3 für Trump
Kampfgeist
Donald Trump attackiert Clinton, unterbricht sie regelmäßig. So fragt er etwa nach, warum Clinton das Freihandelsabkommen TPP einst „zum Goldstandard“ für Handelsfragen erklärt hatte. Clinton fällt es schwer, zu kontern. Sie wirft Trump Unehrlichkeit vor. „Ich weiß, dass du in deiner eigenen Welt lebst“. Clinton nennt ihren Konkurrenten an einer Stelle „crazy“. Als Trump über die Schwächen der USA spricht, etwa den schlechten Zustand der US-Flughäfen, greift Clinton an. „Das liegt vielleicht daran, dass du nie viel Steuern gezahlt hast.“ Ihre beste Attacke. Doch es ist Trump, der lange die wahren Nadelstiche setzt.
Auch vor einer Auseinandersetzung mit dem Moderator schreckt Trump nicht zurück. Er spricht so lange, bis er seinen Punkt gemacht hat. Widerspricht – etwa beim Vorwurf, er sei einst für den Irakkrieg gewesen. Clinton schlägt sich tapfer, aber Trump ist aktiver, aggressiver, kampfeslustiger.
Punkt für Trump, Zwischenstand: 6:3 für Trump
Fehler
Donald Trump verteidigt seine Kampagne gegen US-Präsident Barack Obama, der angeblich nicht in den USA geboren sei. Es bleibt unklar, ob Trump an den Vorwürfen festhält. Er sei „zufrieden“, dass Obama seine Geburtsurkunde vorgezeigt habe. „Ich finde, ich habe einen guten Job gemacht“ sagt Trump. Nein, hat er nicht. Eine unsinnige Debatte, von der Trump endlich Abstand nehmen sollte. Es bleibt nicht der einzige Patzer von Trump. Clinton wirft dem Immobilienmogul vor, die Immobilienkrise angefeuert zu haben. Trump unterbrich und ruft. „Das nennt man Geschäfte machen.“
Clinton kommt ohne signifikante Patzer durch den Abend. Klarer Punktsieg für sie in dieser Kategorie. Minuspunkt für Trump.
Zwischenstand: 5:3 für Trump
Nachhaltiges
„Ich bin ein Sieger.“ Donald Trump präsentiert sich während der gesamten Debatte als Gewinnertyp. Er sei ein erfolgreicher Geschäftsmann, er werde auch ein guter Präsident werden. Ein Anti-Politiker-Politiker, der Probleme beim Namen nennt. „Clinton hat Erfahrung. Aber das ist schlechte Erfahrung.“ Donald Trump dominiert die erste Halbzeit der Debatte.
In der zweiten Hälfte gewinnt Clinton an Selbstvertrauen und Format. Sie präsentiert sich als seriöse Kandidatin, als bestens vorbereitet für den Job. Im Endeffekt wenig überraschend: Beide betonen ihre Stärke – ohne ihre Wähler neue Argumente für sich an die Hand zu geben.
Zwischenstand: 6:4 für Trump
Leonardo DiCaprio
Seitens Hollywood erfährt Clinton auch von zahlreichen Schauspielerinnen Unterstützung. Zu den prominenten Spendern ihres „Super-PACs“ gehört der Oscar-Gewinner Leonardo DiCaprio, der sich offen für die Bekämpfung des Klimawandels einsetzt. Neben DiCaprio stehen auch Tobey Maguire, Dakota Fanning, Ben Affleck und Chris Meledandri auf der Spenderliste.
Foto: dpaBill Gates
Bill Gates macht aus seiner politischen Einstellung kein Geheimnis. Er setzt sich für Immigranten in den USA ein und prangert den Klimawandel an. Wen genau er bei den Demokraten unterstützt, ist aber nicht bekannt.
Foto: dpaJeffrey Katzenberg
Auch der Dreamworks-Chef Jeffrey Katzenberg steht hinter Hillary Clinton. Er hat ihrem „Super-PAC“ eine Millionen Dollar zugeschossen.
Foto: REUTERSKoch-Brüder
Die Koch-Brüder (im Foto Charles Koch) waren lange Zeit die größten Unterstützer der Republikaner. Sie hatten sich für George Bush und später Mitt Romney engagiert. Bei Letzterem ohne Erfolg. Doch das Problem ist nicht nur das dadurch verlorengegangene Geld. Auch die anhaltend negative Kritik gegen die Brüder macht den Milliardären zu schaffen. Bislang fielen sie daher im aktuellen Wahlkampf kaum auf.
Foto: APMark Zuckerberg
Der Facebook-Gründer macht des Öfteren auf die negativen Effekte des Klimawandels aufmerksam. Außerdem setzt Mark Zuckerberg sich für die Rechte der gleichgeschlechtlichen Ehe ein. Daher dürfte es naheliegend sein, dass er den Wahlkampf der Demokraten unterstützt. Auch die Geschäftsführerin des sozialen Netzwerks sympathisiert mit den Demokraten. Sheryl Sandberg hatte sich offen zu Hillary Clinton bekannt. „Ich würde es begrüßen sie als Präsidentin zu sehen“, sagte sie gegenüber Bloomberg TV im April 2015.
Foto: APHarold Hamm
Wie die Kochs gehörte auch der Rohstoffunternehmer Harold Hamm lange zu den zahlungskräftigen Unterstützer der Republikaner. 2012 fungierte Hamm als Energieberater des Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney. Im aktuellen Wahlkampf macht sich allerdings genauso rar wie die Gebrüder Koch.
Foto: REUTERSSatya Nadella
Wie sein Vorgänger ist auch der neue Microsoft-Chef Satya Nadella dem demokratischen Lager zuzuordnen. Selbst aus Indien stammend setzt sich Nadella ebenfalls für die Rechte von Immigranten ein.
Foto: REUTERSPaul Singer
Auffällig viele Hedgefonds-Manager setzen im Wahlkampf auf die Republikaner. Clifford Asness und Kenneth Griffin gehören zu den Spendern. Zu den Geldgebern gehört auch Paul Singer, Chef des Hedgefonds Elliot Management Corporation. Er unterstützt den Wahlkampf von Marco Rubio.
Foto: REUTERSGeorge Soros
Auch Investorenlegende George Soros mischt mit. Der gebürtige Ungare schießt Clintons Interessenverband (der sogenannte „Super-PAC“) satte acht Millionen Dollar zu.
Foto: REUTERSLloyd Blankfein
Jahrelang pflegte die US-Demokratin Hillary Clinton (68) gute Beziehungen zur US-Finanzwelt. Als einer der spendenfreudigsten Unterstützer galt lange Zeit Lloyd Blankfein. Der Goldman-Sachs-Chef unterstützt seit Jahren die Clintons. Für diverse Reden von Hillary Clinton und ihrem Mann Bill bezahlte die Investmentbank allein 2013 rund 875.000 Dollar. Doch die guten Beziehungen zu den Banken sorgt für Gegenwind in Clintons Wahlkampf. Blankfein unterstützt die Demokratin daher nicht mehr öffentlich. Offenbar fließen auch keine Gelder mehr für ihre Kampagne.
Foto: REUTERSJamie Dimon
Neben Blankfein galt auch Jamie Dimon als großzügiger Spender der Clintons. Doch ähnlich wie bei Blankfein bekennt sich auch der Chef von JP Morgan nicht mehr öffentlich als Unterstützer Hillary Clintons. Fraglich bleibt aber, ob auch kein Geld mehr zur Unterstützung von ihrem Wahlkampf mehr fließt. 2013 unterstützten diverse Banken die Reden der Clintons noch offenkundiger. Rechnet man alle Honorare zusammen, die Bill und Hillary Clinton für ihre Reden von Banken wie JP Morgan, Goldman Sachs und der Bank of America erhalten haben, kommt man auf eine Gesamtsumme von 3,9 Millionen Dollar.
Foto: APPeter Thiel
Peter Thiel ist einer der wenigen Unterstützer der Republikaner im Silicon Valley. Er unterstützt Ted Cruz bei seinem Wahlkampf.
Foto: REUTERSSheldon Adelson
2012 hatte der Casino-Riese Sheldon Adelson noch unfassbare 100 Millionen Dollar eingesetzt, um eine zweite Amtszeit Barack Obamas zu verhindern. Nun hält sich Adelson zurück. Doch es gibt Indizien, dass er den republikanischen Kandidaten Marco Rubio unterstützt. Ein Indiz ist die auffällige Berichterstattung im „Las Vegas Review-Journal“, die einflussreichste Zeitung in Nevada und im Besitz von Adelson. In ihr wird Rubio als geeignetster Präsidentschaftskandidat der Republikaner gepriesen.
Foto: APSteven Spielberg
Auch von Oscar-Preisträger Steven Spielberg hat Clinton Geld bekommen. Wie Dreamworks-Chef Katzenberger ist der Regisseur mit einer Millionen Dollar in Hillary Clintons Wahlkampf engagiert.
Foto: AP
Präsidiales Auftreten
Hillary Clinton ist bestens für das Präsidentenamt gerüstet. Sie hat das Fachwissen, um die USA zu führen und den Charakter, signifikante Entscheidungen zu treffen. „Ich habe mich auf diese Debatte vorbereitet – und ich bin vorbereitet für das Präsidentenamt.“ Dem wird kaum jemand widersprechen.
Donald Trump attackiert während der TV-Debatte. Er versucht erst gar nicht, präsidial zu wirken. Er sei ein Führer, ja. Aber kein Politiker. Politiker hätten die USA schließlich in die Krise geführt. Keine Frage: Clinton gewinnt diesen Vergleich deutlich.
Zwischenstand: 6:5
Humor
Die Lacher sind auf Donald Trumps Seite. So wirft er Clinton etwa vor, in ihrer Zeit in Regierungsverantwortung wenig für die Bürger getan zu haben. Sie habe auch heute „keinen Plan, wie sie Jobs schaffen will“. Clinton widerspricht. Sie habe viel über diese Problematik nachgedacht. Trump aus der Hüfte heraus: „Ja, 30 Jahre lang.“
Clinton hat später genug von Trumps angriffen. „Ich glaube, ich werde am Ende des Tages für alles Mögliche verantwortlich gemacht“. Trump lapidar: „Warum nicht?“
Zwischenstand: 7:5
Fazit
Donald Trump hat die ersten 30+ Minuten dominiert. Er wirkte kampfeslustig, aggressiv, nah am Wähler. Sein Ziel, sich präsidial zu geben, geht nicht auf. Trump ist Trump: er gefällt sich in der Rolle des Angreifers. Dass er charakterlich geeignet ist, der mächtigste Mann der Welt zu werden, bleibt zweifelhaft.
Hillary Clinton verpatzte die Anfangsphase. Demokraten mussten Schlimmes befürchten. Doch dann drehte sich die Debatte. Trump machte Fehler, die Ex-Außenministerin konnte ihre Stärken – Zuverlässigkeit, Deutungshoheit – ausspielen. Insgesamt waren beide gut, Trump hat durch eine starke Anfangsphase leichte Vorteile.