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LufthansaWas sich die Linie mit Air Berlin antut

Die Übernahme von Teilen der Air Berlin soll Eurowings zu Europas drittgrößtem Billigflieger machen. Ein riskanter Deal angesichts der wachsenden Servicemängel und teilweise schlechten Technik bei der Hauptstadt-Linie.Rüdiger Kiani-Kreß 07.10.2016 - 12:34 Uhr

Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Air Berlin und eines der Lufthansa stehen auf dem Flughafen in Düsseldorf.

Foto: dpa

Bis zur vergangenen Woche konnte Eurowings-Chef Karl Garnadt noch entspannt zusehen, als beim Erzrivalen Air Berlin Chaos herrschte. Denn Probleme bei einem Wettbewerber füllten bisher dem von Garnadt geleiteten Billigableger der Lufthansa und den Konzernschwestern regelmäßig die Maschinen – vor allem mit Geschäftsreisenden, die nichts mehr hassen als unnötige Wartezeiten am Flughafen und dafür bis zum Fünffachen eines Touristen zahlen.

Doch als diese Woche bei Air Berlin Hunderte Flüge drastisch verspätet waren oder gar ganz ausfielen, war Garnadt plötzlich hellhörig. Denn die durch eine Welle spontaner Arbeitsunfähigkeit vor allem bei Piloten ausgelösten Probleme betreffen ihn jetzt mehr oder weniger direkt.

Schließlich will Garnadt spätestens im kommenden März von Air Berlin für sechs Jahre 35 Flugzeuge nebst Besatzung anmieten. Offiziell soll das Eurowings groß genug machen, um mit den Billigmarktführern wie Easyjet oder Ryanair mitzuhalten.Inoffizielles und viel wichtigeres Ziel ist jedoch die Lufthansa-Heimatmärkten Deutschland, Österreich und Schweiz so gut es geht so breit machen, dass größeren und gesünderen Flugdiscountern wie Ryanair und Easyjet möglichst wenig Platz zum Wachsen bleibt.

Air Berlin

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft ist seit Jahren einer der größten Geldvernichter der europäischen Luftfahrt. Im vergangenen Jahr betrug die operative Marge minus 7,5 Prozent. Fehlende Integration der zahlreichen Zukäufe und ein zu unklares Geschäftsmodell sind die Ursachen.

Foto: dpa

Air France-KLM

Der Zusammenschluss der französischen Air France mit der niederländischen KLM im Jahr 2004 war die erste große Fusion in der europäischen Branche. Wirtschaftlich weiter gebracht hat sie beide Unternehmen nicht. Mit einer Marge von gerade einmal 4,28 Prozent ist die Airline eher schwach aufgestellt. Vor allem das streikfreudige Personal in Frankreich verhindert bislang harte Reformen.

Foto: AP

Lufthansa

Der deutsche Branchenprimus, zugleich nach Umsatz und Passagierzahlen die größte europäische Airline, wird seit Jahren umgebaut. Doch der Prozess dauert, auch weil die Mitarbeiter sich von früheren Zusagen zum Beispiel bei der Altersversorgung verabschieden müssen. Doch der Kurs zahlt sich langsam aus, die Marge lag 2015 bei 4,85 Prozent.

Foto: dpa

Emirates

Die älteste der drei Airlines vom Persischen Golf schaffte im vergangenen Jahr die ansehnliche Marge von 9,80 Prozent. Ihr Vorteil: Mit dem Drehkreuz in Dubai und einer überwiegend aus Langstreckenmaschinen bestehenden Flotte arbeitet sie sehr effizient. Zudem bekommt die Airline volle Rückendeckung durch die Regierung.

Foto: REUTERS

IAG

Die Gesellschaft entstand Anfang 2011 durch den Zusammenschluss der britischen British Airways und der spanischen Iberia. Hartes Management und weitere Übernahmen wie etwa die der Billig-Airline Vueling und der irischen Aer Lingus machten aus der Gruppe eine der renditeträchtigsten Airlines in Europa mit einer Marge von 10,22 Prozent im vergangenen Jahr. Inwieweit dieser Wert nach dem Brexit-Votum der Briten gehalten werden kann, ist allerdings offen.

Foto: AP

Turkish Airlines

Gleichauf bei der Rendite mit der IAG liegt Turkish Airlines (10,22 Prozent). Die Fluggesellschaft ist in den zurückliegenden Jahren rasant gewachsen. Ähnlich wie am Persischen Golf wird sie stark von der Regierung unterstützt, die sie als Treiber des Wirtschaftswachstums sieht. Offen ist, welche Folgen die zunehmende Isolation der Türkei für die Airline haben wird.

Foto: REUTERS

United Continental

United Continental entstand 2010 durch die Fusion von United Airlines mit Continental Airlines. Der Zusammenschluss zog sich über mehrere Jahre hin, zum Beispiel flogen noch bis 2015 beide Airlines mit eigenem Personal. Auch die Integration der Informationstechnik dauerte. Das ging zu Lasten der Marge, United ist mit 13,64 Prozent das Schlusslicht unter den vier großen US-Airlines.

Foto: AP

Easyjet

Die britische Billigfluggesellschaft Easyjet verfolgt einen ganz eigenen Ansatz. Anders als viele Rivalen steuert die Airline große und damit bei den Gebühren teure Flughäfen an. Damit ist sie zwar auch für Geschäftskunden interessant, doch das geht zu Lasten der Marge. Die lag 2015 mit 14,64 Prozent deutlich unter der des Erzrivalen Ryanair.

Foto: dpa

American Airlines

Die Gesellschaft entstand Ende 2013 durch die Fusion von American Airlines mit US Airways. Mit dem Zusammenschluss verließ American zugleich das Insolvenzverfahren, das die Gesellschaft 2011 angemeldet hatte und in Folge dessen sie die Kosten massiv drücken konnte. 2015 erreichte American Airlines eine operative Marge von 15,14 Prozent.

Foto: REUTERS

Southwest Airlines

Southwest gilt als Pionier der Billig-Fluggesellschaften. 1967 gegründet verzögerten Proteste der etablierten US-Anbieter den Start um vier Jahre. Das konnte den Erfolg der Airline aber nicht stoppen, die heute die weltweit größte Billig-Fluggesellschaft der Welt ist. Sie erreichte im vergangenen Jahr eine Marge von 20,77 Prozent.

Foto: AP

Ryanair

Kopien sind manchmal erfolgreicher als das Original. Das hat die irische Billig-Fluggesellschaft Ryanair bewiesen. Aufgebaut nach dem US-Vorbild Southwest hat Ryanair die europäische Luftfahrt revolutioniert. Das Unternehmen wächst so aggressiv wie keine andere Airline und verdient dabei prächtig. Mit einer Marge von 22,34 Prozent ist sie der Renditekönig in unserem Ranking.

Foto: dpa

Doch so gut Garnadts Air-Berlin-Deal auf dem Papier auch ist: In der Praxis ist er riskant – und er wird quasi täglich riskanter. Mit Air Berlin wird es für Eurowings noch schwerer, den Flugbetrieb pünktlich und zuverlässig zu organisieren. Dazu drohen die aktuellen Servicemängel bei Air Berlin auf Eurowings abzufärben. Und zu guter Letzt könnte der langjährige Zwist zwischen den Flugbegleiter-Gewerkschaften UFO und Verdi auch bei der Lufthansa wieder eskalieren.

Dabei hat Garnadt schon jetzt mehr als genug zu tun. Der Eurowings-Flugbetrieb hakt bereits heute ohne Air Berlin häufig. Weil Eurowings ihre – ohne die Hauptstadt-Linie – fünf Flugbetriebe wie Sun Express oder die österreichische Eurowings Europe nur mühsam unter einen Hut bekommt, musste sie immer wieder den Flugplan aus Personalmangel kappen. Und trotz der Anpassungen fielen allein am vergangenen Wochenende laut Meldungen wieder gut ein Dutzend Flüge aus.

Air Berlin rühmt sich, ein der jüngsten Flotten Europas zu haben. Durch den regelmäßigen Austausch bleibe man technisch stets auf dem neuesten Stand und könne so gewährleisten, dass die Flotte sparsam, sicher und umweltschonend bleibe – heißt es zumindest auf der Air-Berlin-Homepage. Doch das ist nur die eine Seite: Die Flugzeuge können so häufig ausgetauscht werden, weil Air Berlin die Flugzeuge gar nicht mehr besitzt: Im Juli wurde bekannt, dass die Airline das letzte eigene Flugzeug verkauft hat und nur noch mit geleasten Flugzeugen unterwegs ist. Was alles in Air-Berlin-Lackierung durch die Lüfte fliegt.

Foto: PR

Airbus A319

Anzahl: 11
Sitzplätze: 150
Reichweite: 5.560 Kilometer

Der kleinste Airbus in der Air-Berlin-Flotte ist die A319. Stand Ende Juni sind elf Exemplare im Dienst.

Foto: PR

Airbus A320

Anzahl: 60
Sitzplätze: 180
Reichweite: 5.500 Kilometer

Das Rückgrat der Air-Berlin-Flotte bildet die A320. Insgesamt 60 Flugzeuge dieses Typs sind in Europa auf der Kurz- und Mittelstrecke unterwegs.

Foto: PR

Airbus A321

Anzahl: 23
Sitzplätze: 210
Reichweite: 5.700 Kilometer

Von der gestreckten Version der A320, der A321, hat Air Berlin 23 Exemplare im Dienst.

Foto: PR

Airbus A330

Anzahl: 14
Sitzplätze: 290
Reichweite: 12.300 Kilometer

Die A330 hat mit über 12.000 Kilometern die größte Reichweite in der Air-Berlin-Flotte. Folglich kommen die 14 Exemplare vor allem bei den Transatlantikflügen zum Einsatz.

Foto: PR

Bombardier Q400

Anzahl: 17
Sitzplätze: 74/76
Reichweite: 2.522 Kilometer

Die Turboprop-Maschinen aus dem Hause Bombardier decken die Kurzstrecken- und Regionalflüge ab. Die Propeller-Maschine ermöglicht es Air Berlin, Frequenzen auf einigen Strecken zu geringeren Kosten zu erhöhen – entweder zwischen kleineren Städten oder als Zubringer zu den Drehkreuzen Berlin und Düsseldorf.

Foto: PR

Aussortiert: Boeing 737-700/-800

Anzahl: 5/17
Sitzplätze: 144/186
Reichweite: 6.110/5.420 Kilometer

Zu Hochzeiten hatte Air Berlin bis zu 45 Exemplare aus zwei Varianten der 737-Baureihe von Boeing in Betrieb. Um die Wartungs- und Ausbildungskosten zu senken, entschied die Airline allerdings 2014, die Boeing-Flieger zu verkaufen und künftig einheitlich auf Airbus zu setzen. Die Auslistung sollte Ende 2016 abgeschlossen sein.

Foto: PR

1. Risiko: zu viele Flieger auf einen Schlag

Kommt Air Berlin nun dazu, wird die fliegerische Vielfalt noch größer und schwerer zu managen. Läuft alles wie geplant, wächst die Flotte mit den 35 Air-Berlin Fliegern Ende März quasi über Nacht um mehr als ein Drittel. „Ein solches Tempo hat sich bisher nicht mal Ryanair zugetraut“, so der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt. Kompliziert wird der Schritt dadurch, dass die Maschinen der Berliner für Eurowings neu erfasst, erprobt, lackiert und eingerichtet werden müssen.

Das wird bei manchen schwierig. Ein Teil der Flotte gilt als unzuverlässig, etwa die gut ein Dutzend Airbus-Jets, die Air Berlin im vorigen Jahr der ebenfalls von Etihad geführten Alitalia abgenommen hat. Diese können offenbar wegen zu schwacher Schubkraft der Triebwerke etwa in Flughäfen wie Tegel nicht auf denen für Starts vorgesehene kürzeren Bahn abheben, sondern müssen aus Sicherheitsgründen die für Landungen vorgesehene längere Bahn nutzen, was oft zu längeren Wartezeiten führt.

Die Chronik von Air Berlin
Vor 38 Jahren hob der erste Air-Berlin-Flieger ab. Alles begann mit alliierten Sonderrechten zur Landung im geteilten Berlin. Nach der Wende wuchs Air Berlin zur Nummer Zwei am Himmel über Deutschland heran, doch dann folgte eine jahrelange Krise.
1978: Gründung als Chartergesellschaft durch den Ex-Pan-Am-Pilot Kim Lundgren. Erstflug am 28. April 1979 von Berlin-Tegel nach Mallorca. Die Flotte umfasst zwei Maschinen.1991: Im April kauft der LTU-Manager Joachim Hunold die Mehrheit der Anteile. Es gibt kurz darauf 15 Flüge pro Tag. Air Berlin expandiert und stationiert zunehmend auch Flugzeuge auf Regionalflughäfen.1998: Mit dem Mallorca Shuttle Einstieg ins Linienfluggeschäft.
Einstieg zu 25 Prozent bei der österreichischen Fluggesellschaft Niki des früheren Rennfahrers Niki Lauda.
Börsengang und Kauf der Fluggesellschaft dba.
Kauf des Ferienfliegers LTU, damit auch Interkontinentalflüge.
Air Berlin rutscht in die roten Zahlen, legt das erste Sparprogramm auf: Strecken fallen weg, Flugzeuge werden ausgemustert. Die Übernahme des Ferienfliegers Condor scheitert.
Air Berlin kündigt für 2012 den Eintritt in das Luftfahrtbündnis Oneworld an.
Hunold wirft das Handtuch, Hartmut Mehdorn übernimmt. Ein weiteres Sparprogramm soll das operative Ergebnis um 200 Millionen Euro verbessern. 18 der 170 Maschinen werden verkauft.
Die arabische Staatsairline Etihad erhöht ihren Anteil von knapp 3 auf 29,2 Prozent und stützt die Airline mit einem 255-Millionen-Dollar-Kredit. Ein neues Sparprogramm beginnt. Der Verkauf des Vielfliegerprogramms an Großaktionär Etihad bringt nur vorübergehend wieder schwarze Zahlen.
Wolfgang Prock-Schauer wird Vorstandschef und verschärft das von Mehdorn im Vorjahr aufgelegte neue Sparprogramm. Jeder zehnte Arbeitsplatz fällt weg, die Flotte schrumpft auf 142 Maschinen.
Im Februar löst Stefan Pichler den glücklosen Prock-Schauer ab. Air Berlin macht 447 Millionen Euro Verlust - so viel wie nie.
Nach einem juristischen Tauziehen kann Air Berlin den größten Teil der wichtigen Gemeinschaftsflüge mit Etihad weiter anbieten. Die Zahlen bessern sich nicht. Gespräche mit Lufthansa über einen Verkauf von Geschäftsteilen beginnen. Mit einem tiefgreifenden Umbau und der Streichung von bis zu 1200 Arbeitsplätzen will Air Berlin seine Krise überwinden.
Air Berlin bekommt einen neuen Chef. Der Lufthansa-Manager und früheren Germanwings-Chef Thomas Winkelmann wird Vorstandschef. Air Berlin führt ihren Flugbetrieb in zwei getrennten Geschäftsfeldern weiter: Langstreckenflüge und Städteverbindungen in Europa werden zusammengefasst, Urlaubsflüge unter der Marke Niki geführt. Lufthansa erklärt sich bereit, Air Berlin zu übernehmen, wenn der Großaktionär Etihad zuvor die Schulden übernähme.
Air Berlin meldet Insolvenz an. Zuvor hatte Etihad seine finanzielle Unterstützung eingestellt. Ein 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes soll den Flugbetrieb zunächst sichern.
Fast 40 Jahre nach dem Start der ersten Air-Berlin-Maschine in Berlin-Tegel landet am 27. Oktober 2017 um 23.45 Uhr der letzte Air-Berlin-Flieger dort. Die Zukunft der Angestellten und vieler Unternehmensteile ist zu diesem Zeitpunkt noch ungewiss.

Neben den Jets muss Eurowings auch gut 2000 neue Mitarbeiter umschulen auf die eigenen Arbeitsweisen und die Servicestandards. Das wird kein Selbstläufer. Besonders letzteres wird nicht leicht. Denn bei den Berlinern sind die Zeiten vorbei, als sie Marktforscher wie Skytrax zur „Besten Europäische Billiglinie“ kürten.

Bereits in den vergangenen Wochen waren die Probleme größer denn je. „Die immer neuen Sparprogrammen der vergangenen Jahre sorgten dafür, dass es nicht nur bei den Finanzen, sondern auch beim Service an allen Ecken und Enden knirscht“, sagt ein deutscher Flughafen-Chef.

Und die Unsicherheit der Belegschaft ist weiter gewachsen. Neben dem Deal mit Eurowings gibt die Linie ein weiteres Viertel des Flugbetriebs an ein noch zu gründendes Gemeinschaftsunternehmen mit dem Reisekonzern TUI und dem größten Air-Berlin-Aktionär Etihad. „Ob und in welcher Höhe Air Berlin dran am Ende beteiligt bleibt, weiß heute nicht mal die Unternehmensspitze“, so ein Insider. „Wie soll ein Beschäftigter da ausschließlich an den Kunden denken?“

Flughafen-Ranking 2016

Das sind Deutschlands beste Flughäfen

von Stephan Happel und Niklas Dummer

Worauf sich Eurowings-Kunden möglicherweise einrichten sollten, zeigt ein Blick in die sozialen Medien. Hier zelebrieren nicht nur nicht nur spezielle Twitter-Accounts wie @airberlinhell alle Patzer. Auch die Facebook-Seite der Berliner dominieren Beschwerden.

Dabei geht es nicht nur um übliche Pannen wie etwa verspätetes oder gestohlenes Gepäck. Oft ärgert die Kunden die nicht selten teilnahmslose Reaktion des Servicepersonals. So klagt ein Kunde, dem die Flugbegleiterin gerade einen Kaffee über den Anzug geschüttet hat, er habe statt einer Entschuldigung die Antwort bekommen, er soll doch lieber mal froh sein, dass er nicht verbrüht worden sei. Die Jacke könne er ja zuhause waschen. Und als er sich per Mail beschwerte, gab es einen unpersönlichen Standardtext.

Wie es bei der Lufthansa besser werden soll
Service:andere sind besserLösung:mehr und besser maßgeschneiderte Angebote
Kosten:sind zu hochLösung:schlankere Abläufe und neue Ansätze
Veränderungen:dauern viel zu langeLösung:Probierkultur statt perfekt geplanter Programme
Wartungstochter:Technologievorsprung bröckeltLösung:neue Geschäftsfelder mit anspruchsvolleren Produkten
Fracht:wachsende BilligkonkurrenzLösung:automatisierte Abfertigung und neuer Hightechservice

Am häufigsten bemängeln die Kunden Verspätungen bemängelt. „Bei Air Berlin stieg die Zahl der Beschwerden gegenüber dem Vorjahr um fast die Hälfte – obwohl die Zahl der Flüge gesunken ist“, sagt Andreas Sernetz, Chef des Fluggastrechteportals Fairplane, das für Kunden Entschädigungen eintreibt. Wettbewerber wie Condor legen bei der Zahl der Beschwerden nur einstellig zu, obwohl auch sie – nach den Terroranschlägen in der Türkei und Ägypten – ihre Flugpläne kräftig umbauten.

Platz 10: Jet 2

Jet 2 ging aus der 1978 gegründeten Channel Express hervor und nahm im Jahr 2013 ihren Flugbetrieb auf. Sie fliegt vor allem Urlaubsdestinationen am Mittelmeer sowie europäische Hauptstädte an. Der britische Billigflieger mit Sitz in Leeds startete im Juli 1846 Mal, verfügte über 345.414 Sitze und flog 516 Strecken.

Quelle: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt; Ranking auf Grundlage der Starts im Juli 2017

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 9: Transavia

Als Transavia Limburg, später Transavia Holland 1965 gegründet, sind die Niederländer mit Sitz in Haarlemmermeer heute eine Tochter von Air France. Die Billig-Airline unterhält noch bis Oktober einen Stützpunkt auf dem Flughafen München. Im Juli wurden von Transavia bei 1961 Starts mit 359.149 Sitzen insgesamt 371 Strecken geflogen.

Foto: REUTERS

Platz 8: Aer Lingus

Die nationale Fluggesellschaft Irlands wurde 1936 noch als Aer Lingus Teoranta gegründet, seit September 2015 ist sie eine Tochter der International Airlines Group (IAG), eine Holding mit Sitz in Madrid. Im Juli starteten die Iren 2181 Mal, bedienten 214 Strecken und verfügten über 328.946 Sitze.

Foto: AP

Platz 7: Wizz Air

2003 gegründet ist die Wizz Air heute die größte Airline Ungarns und die wichtigste Billigfluggesellschaft in Mittel- und Osteuropa. Seit 2015 sind die Aktien der Dachgesellschaft Wizz Air Holdings an der Londoner Börse gelistet. Wizz Air startete im Juli 2017 genau 3346 Mal, flog 1028 Strecken und verfügte über 661.080 Plätze.

Foto: AP

Platz 6: Norwegian Air Shuttle/ Norwegian Air International

Norwegian Air Shuttle, im Außenauftritt schlicht Norwegian, wurde 1993 als Regionalfluggesellschaft gegründet. 2013 gründete die Billig-Airline die Tochter Norwegian Air International für die Durchführung von Langstreckenflügen in die USA und nach Thailand. Die Skandinavier hoben im Juli 4371 Mal ab und bedienten bei einem Angebot von 315.113 Plätzen insgesamt 428 Strecken.

Foto: REUTERS

Platz 5: Flybe

Die als Jersey European Airways 1979 gegründete Fluggesellschaft hat bereits mehrere Umbenennungen hinter sich, 2002 stand dann der Name Flybe fest – das „be“ steht für British European. Größeres Aufsehen erregte die Billig-Airline 2008: Auf der Strecke Norwich – Dublin setzte sie angeblich Schauspieler als bezahlte „Fluggäste“ ein um ein vertraglich vereinbartes Passagierkontingent zu erfüllen. Für Fluggäste egal welcher Motivation standen im Juli 315.113 Plätze zur Verfügung, sie konnten 4371 Mal mit flybe abheben und 428 Strecken fliegen. Dass die Airline um Juni 2017 eine begonnene Expansion aufgrund von wirtschaftlichen Verlusten stoppte, macht sich auch im Ranking bemerkbar: Sie rutschte im Vergleich zum Januar 2017 vom dritten auf den fünften Platz ab.

Foto: REUTERS

Platz 4: Eurowings/Germanwings

Die beiden Lufthansa-Töchter Germanwings und Eurowings fliegen seit 2015 nur noch unter der Marke Eurowings. Eurowings fliegt vor allem Ziele in Deutschland und Europa an. Im Juli 2017 nahm die Fluggesellschaft eine neue Langstreckenverbindung nach Namibia auf. Die Airline ist mit einem Marktanteil von 52 Prozent derzeit der größte Anbieter in Deutschland - und will mit der geplanten Übernahme von Teilen der Air-Berlin-Flotte noch weiter wachsen. Im Juli starteten die German- und Eurowings-Maschinen 4388 Mal, boten 662.473 Plätze an und flogen 1006 Strecken.

Foto: dpa

Platz 3: Vueling

Die 2004 gegründete Vueling Airlines mit Sitz bei Barcelona ist wiederum eine Tochter der IAG. 2016 geriet die Airline in finanzielle Turbulenzen, die spanische Polizei musste bei gewalttätigen Tumulten wütender Passagiere eingreifen. Vueling strich daraufhin zahlreiche Strecken – vor allem in Deutschland. Obwohl die Airline damit ihre Flüge um 6 Prozent reduziert hat, kann sie aufholen und macht im Vergleich zum Januar zwei Plätze im Ranking gut. Im Juli 2017 flog Vueling noch 670 Strecken, bei 4528 Starts und 830.436 Plätzen.

Foto: dapd

Platz 2: Easyjet

Die 1995 von dem britischen Milliardär Stelios Haji-Ioannou, Sohn einer griechischen Reeder-Familie, gegründete Easyjet ist die zweitgrößte Billig-Airline Europas – mit deutlichem Abstand zur Nummer drei. Sie bedient heute mehrere hundert Routen zwischen Ländern Europas und Nordafrikas sowie der Türkei und Israel und hat ihr Streckennetz im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um 110 Strecken erhöht. Im Juli 2017 verfügte die Easyjet-Flotte über rund 1,88 Millionen Sitzplätze, hob 11.310 Mal ab und bediente 1587 Strecken.

Foto: dpa

Platz 1: Ryanair

Geschäftsführer Michael O’Leary, seit 1993 im Amt, fuhr schon mal im Weltkriegspanzer am Flughafen vor, um der Konkurrenz den „Preiskrieg“ zu erklären. Doch die exzentrische PR-Strategie hat, wie auch die teils umstrittene Sparpolitik, Erfolg: Ryanair ist nicht nur die größte Billigairline, sondern die größte Fluggesellschaft Europas überhaupt und hochprofitabel. Auch die Zahlen im Juli sprechen eine klare Sprache: mehr als 15.000 Starts, rund 2,9 Millionen Plätze, 2905 bediente Strecken. Damit konnte die Airline ihr Flugangebot gegenüber dem Vorjahr um 10 Prozent steigern, das Streckennetz ist sogar um mehr als 14 Prozent gewachsen. Die Iren thronen über allen.

Foto: dpa

Auch der  Betriebsfrieden bei Eurowings könnte beim Zugang von Air Berlin leiden. Zwar hatten die Berliner in den vergangenen Jahren keine größeren Streiks. Die Lufthansa hingegen kam auf mehr als ein Dutzend, bei fast allen ging es um die im Vergleich zum Rest der Lufthansa niedrigeren Eurowings-Gehälter.

Die Ruhe bröckelt bereits. Zwar hat sich Lufthansa mit der für die Flugbegleiter zuständigen Gewerkschaft UFO nach langem Ringen und dem längsten Ausstand der Lufthansa-Geschichte auf ein neues Abkommen geeinigt, dass den niedrigeren Einkommen bei den Billigfliegern Rechnung trägt. Doch in dieser Woche drohte UFO wieder mit Streik.

Platz 12 - Lufthansa (Deutschland)

Einmal im Jahr stellt das Flugunfallbüro Jacdec für das Fachmagazin „Aero International“ ein Sicherheitsranking der 60 größten Fluggesellschaften auf. Die Sicherheit berechnet sich nach der Anzahl der Ausfälle pro Flugkilometer, gewichtet um die Schwere des Unfalls und einen Landesfaktor.

Die größte Airline Deutschlands verpasst wie im Vorjahr ganz knapp die Top Ten und steht unverändert auf Rang 12.

Foto: dpa

Platz 11 - All Nippon Airways (Japan)

All Nippon Airways ist die größte Fluggesellschaft Japans und Mitglied der Luftfahrtallianz Star Alliance. Die Flottenstärke beträgt aktuell 213 Flugzeuge.

Foto: dpa

Platz 10 - Japan Airlines (JAL)

JAL ist nach All Nippon Airways die zweitgrößte japanische Fluggesellschaft und Mitglied der Luftfahrtallianz oneworld.

Foto: REUTERS

Platz 9 - Qantas Airways (Australien)

Qantas Airways ist die nationale Fluggesellschaft Australiens und Mitglied der Luftfahrtallianz oneworld. Die Fluggesellschaft wurde 1920 gegründet und verfügt über 118 Flugzeuge.

Foto: REUTERS

Platz 8 - Etihad Airways (Abu Dhabi)

Für Etihad bleibt es bei Rang 8: Vor zwei Jahren lösten bei einem Flug insgesamt fünf Rauchmelder in den Toiletten aus. Die Brände konnten jeweils vom Flugpersonal gelöscht werden. Verletzt wurde niemand, doch der Zwischenfall wirkte sich damals auf die Platzierung im Ranking aus: 2014 reichte es nur für Platz zehn.

Foto: AP

Platz 7 - Emirates (Dubai)

Emirates blieb seit ihrer Gründung vor rund 30 Jahren von einem Flugzeug-Totalverlust oder einem tödlichen Unfall verschont. In den vergangenen Jahren war die Airline allerdings an mehreren Zwischenfällen beteiligt. Im Februar 2011 musste eine Boeing 777 in Hamburg den Startlauf abbrechen, nachdem die Piloten ohne Startgenehmigung abheben wollten. Dank des kontinuierlichen Flottenausbaus mit fabrikneuen Maschinen liegt das Flottenalter leicht unterhalb anderer Airlines aus der Region. Die Flotte besteht ausschließlich aus Großraumflugzeugen.

Foto: REUTERS

Platz 6 - Eva Air (Taiwan)

Die taiwanesische Airline ist im vergangenen Jahr noch auf Platz drei gelandet. Sie gehört seit 2013 zu den kleineren Mitgliedern der Star Alliance. Bekanntheit erlangte die Airline vor allem durch ihre Hello-Kitty-Flugzeuge.

Foto: REUTERS

Platz 5 - KLM Royal Dutch Airlines N.V. (Niederlande)

In den vergangenen Jahren gab es keine gravierenden Zwischenfälle im Flugbetrieb von KLM. Es ist die größte niederländische Fluggesellschaft.

Foto: dpa

Platz 4 - Qatar Airways (Katar)

Für Qatar gibt es wie im vergangenen Jahr den vierten Platz im Ranking. Die Airline gehört zur Allianz Oneworld. Die Airline war weltweit die erste, die 2014 einen Airbus A350-900 in die Flotte aufnahm.

Foto: dpa

Platz 3 - Hainan Airlines (China)

In Europa ist die Airline der chinesischen Provinz Hainan eher unbekannt. Mit einer Flotte von 162 Flugzeugen gehört die Fluggesellschaft Hainan Airlines aber zu den sichersten der Welt: Statt auf Platz fünf wie im Vorjahr landet sie in diesem Jahr auf dem dritten Rang.

Foto: dpa Picture-Alliance

Platz 2 - Air New Zealand (Neuseeland)

Air New Zealand ist Mitglied der Luftfahrtallianz Star Alliance. Sie ist eine der größten Fluggesellschaften im Pazifikraum und zählt außerdem zu den größten Unternehmen Neuseelands.

Foto: AP

Platz 1 - Cathay Pacific (China, Hongkong)

Die Krone geht wieder nach Hongkong: Cathay Pacific hat zwar nicht den Bekanntheitsgrad von Thai Airways oder Singapore Airlines, aber die Fluggesellschaft ist nach dem Jacdec-Ranking die sicherste der Welt. In den vergangenen Jahren gab es kaum ernste Zwischenfälle. Der Name der Airline leitet sich aus der alten Bezeichnung für China ab.

Foto: REUTERS

Ein Grund ist, dass Lufthansa aus Sicht der Gewerkschaft den Tarifkompromiss zu Ungunsten der Beschäftigten verändern will. Dazu fürchtet UFO gegen die Konkurrenz von Verdi ausgespielt zu werden, die dank des Zuwachses durch Air Berlin nun wieder eine Vorreiterrolle bei Tarifverhandlungen fordern könnte. „Wir schauen Ver.di genau auf die Finger“, sagt UFO-Sprecher Nicoley Baublies.

Zudem könnten aus UFO-Sicht durch Air Berlin Jobs verloren gehen. Schließlich verkündete Eurowings-Chef Garnadt, Air Berlin nur beschäftigen zu wollen, wenn deren Flüge nicht mehr kosten als die Dienste bei der günstigsten seiner bislang fünf Eurowings-Flugbetriebe. „Das bedeutet im Klartext: Bis zu vier der heutigen Töchter sind dann teurer als Air Berlin und würden dann bei Kürzungen als erste runtergefahren“, so ein Arbeitnehmervertreter.

Die Gefahr ist real. Denn bei der Air Berlin-Übernahme gibt es neben den genannten internen Hürden noch ein großes Hindernis von außen: Die Wettbewerbsbehörden. Die könnten etwa verlangen, dass Lufthansa an Flughäfen wie Hamburg oder Köln Flugrechte abgibt und weniger Flugzeuge betreibt als geplant. Für den Fall wird laut Unternehmenskenner bei Lufthansa intern bereits diskutiert bis zu zehn Maschinen der bisherigen Flotte – zumindest vorüber gehend – am Boden zu lassen.

Doch am Ende schrecken die Risiken durch Air Berlin die Eurowings-Macher nicht ab. „So schlimm es auch werden mag, wenn wir den Air-Berlin-Deal sein lassen, schrumpft Air Berlin trotzdem oder verschwindet – und dann wird es richtig ungemütlich“, so ein Lufthanseat.

Wie sehr, das zeigte Ryanair-Chef Michael O’Leary zu Beginn der Woche. Er startete eine neue Niederlassung in Nürnberg, erweiterte sein Angebot in Hamburg sowie Köln und garnierte es mit den Worten: „Ich freue mich auf einen Preiskampf.“

Wie der aussieht hat Eurowings in Köln bereits erlebt. hier musste die Linie den Flug nach Berlin-Schönefeld streichen, weil bei Ryanair die Tickets in der Regel nur halb so teuer waren.

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