Prahlereien, Pleiten und Pannen: Wer kauft Donald Trump noch etwas ab?
Es war wenige Wochen vor der US-Präsidentschaftswahl, Donald Trump hätte Wähler in Florida treffen können, dem so wichtigen US-Bundesstaat. Er hätte Reporter versammeln können, um ihnen zu zeigen, wie hart er um jede einzelne Stimme im Sonnenstaat kämpft.
Aber Trump hatte Besseres zu tun. Er lud die Berichterstatter in den Golfclub Doral bei Miami. Dessen Eigentümer: Donald Trump. Stolz präsentierte der Hausherr die edlen Säle und das akkurat gestutzte Grün, normalerweise begehbar nur gegen Mitgliedsbeiträge, die jedoch gerade für Trumps Kernwähler mit latenter Abstiegsangst unerschwinglich bleiben dürften.
Doch sein eigenes wirtschaftliches Wohlergehen war Trump an diesem Tag im Oktober wichtiger als die Gefühle seiner Wähler. Ihm ging es vor allem um eines: schöne Werbebilder für seinen Golfkomplex.
Casinos
Neben zahlreichen Gebäudekomplexen, besaß Trump einst auch Casinos. Unter dem Label „Trump Entertainment Resorts“ liefen drei Spielhäuser auf seinen Namen: Trump Taj Mahal, Trump Plaza und Trump Marina. 2014 meldete Trump Entertainments allerdings zum wiederholten Male Insolvenz an. Seiner Meinung nach ein gekonnter Schachzug: „Wir nutzen die Gesetze. Wir eröffnen ein Verfahren, wir verhandeln mit den Banken, wir machen einen fantastischen Deal“, sagte er 2011 in der ABC-Talkshow „This Week“. Die Investmentfirma des bekannten Großinvestors Carl Icahn kaufte "Trump Entertainment" im vergangenen Monat mitten im Wahlkampf und im laufendem Insolvenzplan auf. Er habe mit Casinos nichts zu tun, da stünde nur sein Name drauf, sagt der Milliardär Trump heute.
Foto: PRHypotheken
Auf die Idee von „Trump Mortgage“, zu deutsch Hypothek, kam der Geschäftsmann im Jahr 2006 - genau ein Jahr bevor die Immobilienblase in den USA platzte. Damals sagte er gegenüber dem Fernsehsender CNBC: „Ich denke, es ist eine großartige Zeit ein Hypotheken-Unternehmen aufzuziehen. Der Immobilienmarkt wird noch für eine lange Zeit sehr stark sein.“ Das scheint Trump allerdings vergessen zu haben. Er behauptete im Vorwahlkampf, er habe die Krise kommen sehen.
Foto: REUTERSFluglinie
1989 kaufte Trump seine eigene Airline. Er baute die Fluggesellschaft zu einer Luxusvariante um und nannte sie „Trump Shuttle“. Die sollte Geschäftsleute zwischen New York, Boston und Washington hin- und herfliegen. Das Innere der Boeing 727 wurde nobel mit Ahorn-Täfelung und verchromten Sitzgurt-Schnallen ausgestattet, in den Toiletten wurden goldene Armaturen angebracht. Aber die Passagiere wollten lieber bessere Verbindungen. Als dann in Folge des Einmarsches irakischer Truppen in Kuwait der Ölpreis in die Höhe schnellte und der Nordosten der USA selber in eine Rezession schlitterte, war es vorbei. Trump Shuttle war überschuldet. Das Unternehmen wurde verkauft. Am Ende ging Trumps Flotte in US Airways auf.
Foto: APBrettspiel ums Geld
1989 benannte Trump ein Brettspiel nach sich. Natürlich ging es im Stil von Monopoly darum, wer am Ende das meiste Geld hat. Kurz nach seiner Veröffentlichung wurde die Produktion des Spiels eingestellt. 2005 versuchte er es mit einer Neuauflage in Zusammenarbeit mit Parker Brothers. Aber auch diese Version war ein Flop.
Foto: APReiseportal
Wenn man heute GoTrump.com eingibt, wird man automatisch auf die offizielle Wahlkampfseite von Donald Trump weitergeleitet. Wo jetzt zu Spenden aufgerufen wird, befand sich vor zehn Jahren noch eine Reisesuchmaschine. Ein Jahr später war die Seite offline.
Foto: WirtschaftsWocheZeitschrift
Hier ist Trump bei einem Cover-Shooting für das TIME-Magazin zu sehen, es gab allerdings auch Zeiten als Trump sein ganz eigenes Magazin herausbrachte. Das beschrieb er bei der Veröffentlichung 2007 folgendermaßen: „Trump Magazine wird die Leidenschaften seiner wohlhabenden Leserschaft reflektieren.“ Nur anderthalb Jahre später wurde das Magazin für „VIPS und sehr einflussreiche Menschen“ eingestellt.
Foto: REUTERSEdel-Steaks
Ein Steak mit dem Namen Trump gebrandmarkt: Eigens für den Verkauf über die Händlermarke "Sharper Image" konnte man ab 2007 ganze 16 Steaks für bis zu 999 Dollar erwerben. Mittlerweile werden die Steaks nicht mehr frei für jedermann verkauft, dafür aber in jedem Gebäude serviert, das zum Trump-Imperium gehört. Für den Milliardär sind es "die besten Steaks der Welt.“
Foto: APFootball-Team
1984 kaufte Donald Trump sein eigenes Football-Team zurück, das er wenige Jahre zuvor verkauft hatte. Nach dem Rückkauf war das Team ein Jahr später pleite. Und die ganze United States Football League (USFL) gleich mit. Das war wohl wirklich Pech. Mal wieder.
Foto: APUniversität
Was braucht ein Mann, der schon alles hat? Natürlich eine eigene Universität. 2005 eröffnete Donald Trump die Trump University. Eine zahlungspflichtige Bildungseinrichtung, in der er den Massen seine Wirtschaftsexpertise für nur 35.000 Dollar Studiengebühren vermittelte. Nachdem vier Studenten Trump verklagten, wurde der Universität ihr Titel aberkannt. „The Donald“ benannte sie kurzerhand in „The Trump Entrepreneur Initiative“ um. New Yorks Generalbundesanwalt Eric Schneidermann verklagte Trump schließlich wegen „Betrugs von Tausenden Studenten“. Der zeigt sich uneinsichtig. Schließlich habe seine Universität eine Zustimmungsrate von 98 Prozent unter seinen Studenten. Die Geschäfte der Trump University wurden 2011 eingestellt.
Foto: AP,AP
Das für einen Wahlkampf in der Endphase eher ungewöhnliche Prozedere wiederholte sich nur wenige Tage später. Da tauchte Trump mit Reportern im Schlepptau bei der Eröffnung seines neuen 212 Millionen Dollar teuren Luxushotels in Washington auf, wenige Schritte vom Weißen Haus entfernt.
Er prahlte, das Hotel habe weniger gekostet und sei früher fertig geworden als geplant. Trump klang wie sein eigener PR-Sprecher. Nur mit Mühe schaffte er den Dreh zu seinem aktuellen politischen Hauptjob: „Das ist ein Zeichen dafür, was wir als Land schaffen können“, rief er der Besuchermenge zu, ehe er das Hotel für eröffnet erklärte. Solche Auftritte zeigen, was für ein Spagat Trumps Präsidentschaftskandidatur eigentlich ist.
Dabei handelt es sich um kein neues Phänomen. Es hat in den USA schon häufiger Geschäftsleute gegeben, die sich um hohe und höchste Ämter bewarben. Die Kennedys waren Unternehmer, manche sagen sogar Ganoven. Die Bushs hatten im Ölgeschäft Millionen verdient. Ross Perot, vielfacher Ölmilliardär, wollte gleich zweimal Präsident werden. Mike Bloomberg, einer der reichsten Menschen der Welt, regierte als Bürgermeister New York und dachte dieses Jahr ebenfalls über eine Kandidatur fürs Weiße Haus nach. Und selbst die Clintons avancierten spätestens nach ihrem Auszug aus dem Weißen Haus zu tüchtigen Geschäftsleuten in eigener Sache. Sie verdienten mit bezahlten Reden binnen eines Jahrzehnts über 200 Millionen Dollar.
Der Fall Trump liegt dennoch anders. Noch nie hat es einen Kandidaten in den USA gegeben, der so direkt und unverblümt zwischen wirtschaftlichen Interessen und neuer politischer Rolle hin und her wechselt. Und noch nie gab es einen mit solch schillernder geschäftlicher Vergangenheit. Trump war Baumogul, Golfplatz-Guru, Casinobetreiber, Vertreiber von Wodka, Krawatten, Steaks oder Gesellschaftsspielen. Zuletzt wirkte er als Star einer Reality-TV-Show, in der er erfolgshungrige Businessaspiranten nach Belieben feuerte. Dieser Geschäftssinn endet auch nicht mit dem Wahlkampf. Seine vielen Privatjetflüge etwa stellte Trump dem eigenen Unternehmen in Rechnung – verdiente also noch beim Buhlen um Wähler. Und zwar mit System.
Nun prangt Trumps Name auch in Washington D.C.
Donald Trump ist angekommen auf der Pennsylvania Avenue. Mitten im Zentrum Washingtons prangt sein Name nun von dem alten Postamt, einem Wahrzeichen der amerikanischen Hauptstadt. Das Fünf-Sterne-Haus Trump International Hotel ist das jüngste Prestigeobjekt des 70-jährigen New Yorker Unternehmers und Präsidentschaftskandidaten.
In der Nachbarschaft von Kapitol und Weißem Haus
Nicht weit entfernt erhebt sich die Kuppel des Kapitols; auf der anderen Seite kann man das Weiße Haus zwischen Bäumen und Sträuchern erkennen. Und wer auch immer im Januar Präsident sein wird, die traditionelle Parade nach der Amtseinführung wird sie oder ihn am Hotel vorbeiführen.
Foto: dpaEs ist eines der höchsten Gebäude der Stadt
Dass er hier nun ein Hotel hat, ist auch ein Statement. Das alte Postamt wirkt mit seinem rauen Mauerwerk und den Ecktürmchen wie eine Trutzburg. Dank des 96 Meter hohen Uhrenturms ist es eines der höchsten Gebäude der Stadt. Trump selbst schwärmte im Sender Fox News in den höchsten Tönen: „Das Hotel ist großartig. Es ist überragend. Ein solches Hotel hat Washington noch nie gesehen. Ein unglaubliches Projekt.“
Eine Präsidentensuite ist vorhanden
Die Zimmer kosten pro Nacht ab 806 US-Dollar (716 Euro) aufwärts. Wem die Standardausstattung nicht reicht, kann die Präsidentensuite wählen, samt Fitnessraum und Badezimmer voller Marmor.
Washington, das ist zum Synonym geworden für eine abgehobene Politelite - über die Trump gerne sagt, sie wisse nichts über die Probleme der Menschen im Rest des Landes.
Foto: APTrump ist nur Mieter
Trump und seine Tochter Ivanka bekamen 2012 den Zuschlag, das Gebäude in ein Hotel umzuwandeln. Es gehört einer Regierungsbehörde, die Miete beläuft sich Berichten zufolge auf drei Millionen US-Dollar jährlich.
Foto: APDemonstration gegen Trump
Die rund zwei Dutzend Demonstranten, die sich am 12. September vor dem Eingang versammelt haben, stören sich an Trumps Aussagen als US-Präsidentschaftskandidat der Republikaner.
Kein guter Name mehr
Trump hat seine politischen Ambitionen stets damit begründet, ein höchsterfolgreicher Geschäftsmann zu sein. Wird er das auch bleiben, sollte er diesen Wahlkampf krachend verlieren?
Schließlich hat Trump seiner Marke einiges zugemutet. US-Journalisten haben in den vergangenen Monaten genüsslich ausgegraben, wie er in einem einzigen Geschäftsjahr einen Verlust von fast einer Milliarde Dollar anhäufte. Sie haben aufgelistet, wie viele seiner Unternehmungen Schiffbruch erlitten – und dass einmal sogar Trumps Vater Jetons in einem seiner Casinos kaufen musste, um den Sohnemann vor dem drohenden Bankrott zu retten. Trump wurde sogar vorgerechnet, er könne doppelt so viel Geld haben wie jetzt, hätte er es konservativ in einem Investmentfonds angelegt, statt sich immer wieder als Geschäftsmann zu versuchen.
1946
Geboren am 14. Juni als viertes von fünf Kindern von Mary und Frederick C. Trump (links): Donald Trump ist der Sohn deutscher Einwanderer und erfolgreicher Immobilienunternehmer.
1959-1964
Schüler der New York Military Academy.
1964-1966
Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Fordham University in New York.
1966-1968
Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Wharton Business School in Philadelphia (im Bild).
1968
Eintritt ins Familienunternehmen "Elizabeth Trump & Son", Bauträger und Immobilien.
1971
Übernahme des Unternehmens vom Vater.
ab 1974
Investitionen in Hotels, Casinos und Luxus-Apartment-Gebäude; Rechte an Miss-Wahlen, mehrere Biografien, eigene Möbel- und Modemarken.
1977
Hochzeit mit dem Model Ivana Marie Zelnickova und Geburt von Sohn Donald Jr. (im Bild).
1981
Geburt von Tochter Ivanka.
1983
Eröffnung des "Trump Tower" an der New Yorker 5th Avenue.
1991
Erste Insolvenz, danach zunächst erfolgreiche Umstrukturierung des Unternehmens.
1992
Zweite Insolvenz, erneute Umstrukturierung des Unternehmens und Scheidung von Ehefrau Ivana.
1984
Geburt von Eric, dem zweiten Sohn.
1993
Hochzeit mit Schauspielerin Marla Maples und Geburt von Tiffany, der zweiten Tochter (im Bild).
1995
Börsengang von "Trump Hotels & Casino Resorts Inc."
1999
Scheidung von Marla, der zweiten Ehefrau.
1999-2000
Erfolgloser Versuch einer Präsidentschaftskandidatur in der von Ross Perot gegründeten Reform Party.
2004-2015
Eigene TV-Reality-Show "The Celebrity Apprentice".
2004
Dritte Insolvenz, wieder erfolgreiche Umstrukturierung des Unternehmens.
2005
Hochzeit mit dem Model Melania Knauss.
2006
Geburt von Sohn Barron William, dem fünften Kind.
2009
Vierte Insolvenz, erneut erfolgreiche Umstrukturierung des Unternehmens.
2016
Trump siegt in der Präsidentschaftswahl und wird der 45. US-Präsident.
Alles rund um die Wahl finden Sie hier
Foto: AP
Doch Trump beharrt unbeirrt weiter, er könne gar kein Verlierer sein. Verwandele er doch selbst schlimme Rückschläge noch in Siege. Bei den potenziellen Wählern kommt das immer weniger an: 61 Prozent der Amerikaner sagen laut einer Bloomberg-Umfrage mittlerweile, von seiner Geschäftstüchtigkeit „weniger beeindruckt“ zu sein.
Trump ist schon allein deshalb verwundbar, weil er sein Geld längst nicht mehr maßgeblich als klassischer Bauunternehmer verdient. Er ist vor allem als geschickter Selbstvermarkter tätig. Viele seiner Gebäude, auf denen dick Trump steht, gehören ihm gar nicht, er erhält nur Tantiemen, um seinen – guten? – Namen auszustellen.
Der letzte macht die Tür zu: Um 11.59 Uhr deutscher Zeit hat das Kasinohotel „Trump Taj Mahal“ in Atlantic City (New Jersey) am 10. Oktober endgültig seine Pforten geschlossen.
Foto: APDas Hotel trägt den Namen des US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, der das Projekt entwickelte. Das Bild zeigt Trump bei der Eröffnung im April 1990.
Foto: APTrump nannte das Kasino ein „achtes Weltwunder“. Mit dem Trump Taj Mahal hat Trump seit langem aber nichts mehr zu tun. Seit dem Bankrott 2009 gehörten ihm nur noch zehn Prozent, die er dann bei der Pleite 2014 auch verlor.
Foto: APHedgefonds-Manager Carl Icahn übernahm vor knapp zwei Jahren das Kasino aus einem Konkursverfahren: Nach eigenen Angaben hat der Investor mit dem Untergang nun insgesamt 350 Millionen Dollar in den Sand gesetzt. In einem offiziellen Statement spricht der Star-Investor von einem traurigen Tag für Atlantic City und bedauert, dass das Taj Mahal trotz größter Anstrengung nicht gerettet werden konnte.
Foto: REUTERSVerärgerte Mitarbeiter in den letzten Monaten: Rund ein Drittel der Belegschaft streikte und forderte mehr Geld. In einer Erklärung sagte Tony Rodio, Chef des Betreibers Tropicana Entertainment, man könne nicht „weiterhin zig zweistellige Millionenbeträge verbrennen, wenn die Gewerkschaft den Weg zur Profitabilität versperrt“.
Foto: APMit der Schließung des Kasinos verlieren nun 3000 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz.
Foto: APIm Konkursverfahren gab es eine Auseinandersetzung um die vom Unternehmen bezahlte Krankenversicherung und andere Absicherungen.
Foto: APLeere Spielhallen: Laut dem Empfehlungsdienst Foursquare meiden Amerikaner seit Trumps Präsidentschaftskandidatur dessen Geschäfte wie Hotels, Golfklubs oder Kasinos: Die Besucherzahl fiel seit Juni 2015 um durchschnittlich 27 Prozent.
Foto: APGründe für das Aus: Atlantic City als Kasinostandort ist im Abschwung. Das Wetter ist ein entscheidender Faktor: Während in Las Vegas das ganze Jahr über warme Temperaturen herrschen, ist es an der Küste New Jersey nur drei bis vier Monate richtig warm.
Foto: APGebäudekomplex mit 2010 Zimmern: Noch 2008 war das Gebäude erweitert worden.
Foto: APPoker-Spieler am Tisch. Momentaufnahme aus den letzten Monaten des Kasino-Betriebs.
Foto: AP
Doch wie gut wird der Name in Zukunft sein? Trumps Ausfälle gegen Migranten und Mexikaner („alles Vergewaltiger“) kosteten ihn Werbedeals und Aufträge quer durch die USA und sogar rund um den Globus. Und seit bekannt wurde, wie respektlos er über Frauen redet, scheint es gar kein Halten mehr zu geben. In den US-Medien häufen sich Berichte von Kunden, die Reisen in seine Golfresorts absagen. Oder Unternehmen, die ihren Reisebüros verbieten, für sie Zimmer in Trump-Hotels zu buchen. Laut der Onlinereiseagentur Hipmunk sind die Buchungen in diesen Herbergen im ersten Halbjahr 2016 um fast 60 Prozent eingebrochen. Sogar Trumps geschäftstüchtige Familienmitglieder müssen büßen. Kunden der Modelinie von Tochter Ivanka, so ist zu lesen, marschieren derzeit in US-Kaufhäuser, um die erworbenen Kleider und Schuhe wieder umzutauschen – mit der Begründung, die Familie finanziell nicht unterstützen zu wollen.
Der 45. Präsident der USA heißt Donald Trump, die First Lady Melania. Für den Wahlsieger spielte seine Familie eine wichtige Rolle im Wahlkampf – und tut es auch während der Präsidentschaft noch. Denn Donald Trump misstraut den meisten politischen Beratern. Nur seine engsten Angehörigen dürfen ihm die Meinung sagen und Ratschläge geben.
Foto: REUTERSIvanka Trump
Trumps Tochter Ivanka zeichnete im Wahlkampf ihres Vaters das Bild eines titanischen Menschen mit unglaublichen Fähigkeiten für die USA. Das Verhältnis zwischen Vater und Tochter soll so stark sein, dass sich US-Medien zeitweise ernsthaft mit der Möglichkeit beschäftigten, dass Trump seine Tochter zu seiner Stellvertreterin ernennen könnte. Die 34-Jährige zielte vor allem auf weibliche Wähler ab. Sie hat Wirtschaft studiert und führt gemeinsam mit Donald und Eric das operative Geschäft bei der Trump Organization. Ivanka Trump ist die Tochter von Trumps Ex-Frau Ivana.
Foto: APDonald Trump Jr
„Es ist mir eine Ehre, heute Abend in der Lage zu sein, Donald Trump über die nötige Hürde der Delegiertenstimmen zu verhelfen.“ Das sagte Donald Trump Jr. in Cleveland bei der Bekanntgabe der Delegiertenstimmen aus Trumps Heimatstaat New York. Diese verhalfen dem Präsidentschaftskandidaten formal zur Mehrheit in den Vorwahlen. „Glückwunsch, Dad. Wir lieben dich!“, rief er.
Donald Trump Jr. ist der älteste Sohn des Kandidaten und Vizepräsident der Trump Organisation. Studiert hat er genauso wie seine Halbschwester Tiffany in Philadelphia. Trump Jr. ist seit 2005 mit Vanessa Haydon verheiratet und hat fünf Kinder. „In unternehmerischen und politischen Fragen können wir das Denken unseres Vaters natürlich beeinflussen, auch wenn er am Ende immer selbst entscheidet“, sagt Donald Trump Jr. „Ivanka, Eric und ich können ehrlich mit ihm sein.“
Foto: APTiffany Trump
Trumps jüngste Tochter Tiffany empfahl ihren Vater in ihrer Parteitagsrede als „natürlichen Mutmacher.“ Er habe sie dazu motiviert, ihr Bestes zu geben, sagte die 22-Jährige. Vor den Delegierten legte sie während der Vorwahlen zudem Zeugnis über den Charakter ihres Vaters ab...
Foto: REUTERSTiffany Trump
Es sei Trumps Art, nie zurückzuweichen oder sich von Angst blockieren zu lassen, sagte Tiffany. Ihr Vater würde nie jemandem raten, Ansprüche herunterzuschrauben oder einen Traum aufzugeben.
Die 22-Jährige ging aus der Ehe mit der Schauspielerin Marla Maples hervor, mit der Donald Trump von 1993 bis 1999 verheiratet war. Tiffany Trump hat in diesem Jahr ihren Abschluss an der Universität von Pennsylvania gemacht. Ihr gehören drei Trump-Gebäude.
Foto: REUTERSEric Trump
Auch Eric Trump warb öffentlich für seinen Vater. Er ist der Sohn von Ivana Trump, der ersten Ehefrau des Milliardärs.
Foto: APSeine Ehefrau Lara Yunaska stand ihm bei jeder Wahlkampfveranstaltung seines Vaters zur Seite. Eric ist der Sohn von Ivana Trump, Trumps erster Ehefrau. Im Jahr 2012 wurde Eric vom „Forbes“-Magazin zu einem der Top 30-Immobiliengurus gekürt. Er leitet gemeinsam mit seinen Geschwistern das Trump Imperium und ist Gründer.
Foto: REUTERSMelania Trump
Nicht nur seine Kinder stärkten Trump in seinem Wahlkampf den Rücken. Zu Beginn des Parteitags hielt Trumps Ehefrau Melania eine Rede. Dabei konzentrierte sie sich auf die Charaktereigenschaften ihres Mannes. „Er kann hart sein, wenn er will, aber er ist auch nett und fair und fürsorglich“, sagte das ehemalige Topmodel. „Diese Güte wird nicht immer bemerkt, aber jeder kann sie sehen. Das ist einer der Gründe, warum ich mich überhaupt in ihn verliebt habe.“
Foto: AP
Barron Trump
Donald und Melania Trump haben einen gemeinsamen Sohn: Barron. Er dürfte sein jüngster Unterstützer in der Familie sein. Er wohnt mit seinen Eltern gemeinsam im Weißen Haus.
Foto: APDie Trump-Kinder versuchten im Wahlkampf, ihren schroffen und provokant auftretenden Vater weich zu zeichnen und den Rechtspopulisten so auch für moderatere Wähler akzeptabel erscheinen zu lassen.
Foto: REUTERSDonald Trump und Mike Pence
Dass Trump sich für Mike Pence (r) als Vize entschied, soll auch mit seinen Kindern zu tun haben. Der strammkonservative Gouverneur von Indiana soll den rechten Parteiflügel auf Linie bringen. Trump nahm den Rat allerdings nur widerwillig an. Pence gilt als Mann der leisen Töne – auch wenn er strikte Positionen vertritt.
Foto: APDer einzige Nicht-Trump, der einen guten Draht zu Trump hat, scheint sein Schwiegersohn Jared Kushner zu sein. Der 35-Jährige stammt aus einer einflussreichen jüdischen Familie aus New York und berät den Clan-Chef vor allem in außenpolitischen Themen.
Foto: REUTERSNachdem Trump viele Juden mit der Aussage verunsichert hatte, er wolle im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern „neutral bleiben“, schrieb Kushner Trump eine pro-israelische Rede, mit der der Kandidat versuchte, die Zweifel an seinem Bekenntnis zu Amerikas wichtigsten Verbündeten im Nahen Osten auszuräumen.
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Wird er zum Verlierer?
Und dennoch: Auch wenn die Berichte überwiegend negativ sind, seine Marke hat durch die Omnipräsenz während des Wahlkampfs noch einmal deutlich an Bekanntheit gewonnen. Sollte Trump nicht Präsident werden, könnten seine Wähler anschließend doch zumindest zu Kunden werden? Unglücklicherweise gehören die allen Studien zufolge eher zu den sozialen Absteigern. Sie mögen vielleicht noch Trump-Sekt oder Steaks kaufen, kaum aber millionenteure Apartments oder kostspielige Golfmitgliedschaften.
Doch bliebe wohl ein Ausweg für Trump, der sich mit Fernsehauftritten und Twitter-Bombardements als eigene Medienmarke im Wahlkampf entpuppte. Schon heißt es, sein Schwiegersohn habe Gespräche mit Finanziers geführt, um gemeinsam einen Fernsehsender aufzubauen, in dem Trump präsent bleiben könne. Offiziell verneint er solche Pläne noch, aber das muss er vor der Wahl auch. Inoffiziell wäre durchaus auch eine Partnerschaft mit dem wegen eines Sex-Skandal gefeuerten Fox-News-Chef Roger Ailes denkbar.
Nur erwarten Analysten nicht, dass Trump so Milliarden scheffeln kann. Der Markt ist extrem umkämpft. Und bliebe er nur „TV-Gesicht“, fielen wohl eher Millionen ab als Milliarden – Peanuts für jenen Mann, der früher erbost in Redaktionen anrief, wenn diese ihn bloß als „Millionär“ titulierten.
Sollte sich der US-Wahlkampf nicht mehr massiv drehen, muss er sich wohl auf Einbußen einstellen. Am Trump Tower an der Fifth Avenue in New York, in dem der republikanische Hoffnungsträger in einem Triplex residiert, ist davon eine Vorahnung zu spüren. Vor dessen Eingang steht seit Tagen ein Cowboy, bekleidet nur mit Unterhose und Gitarre. Früher posierte der Mann am Times Square, nun hat er sich den Namen Trump auf seine Unterwäsche gemalt. Es bildet sich zuverlässig eine dichte Traube um ihn, Touristen und Besucher zücken ihre Handys, sie entrichten gerne einen Obulus für Bilder mit dem Cowboy. Die Geschäfte in der goldenen Arkade des Trump Tower liegen hingegen weitgehend verwaist. Andere Menschen, die mit seinem Namen Geschäfte machen – das würde Trump in seiner Welt ja wirklich zu einem Verlierer machen.