US-Wahl: Wird Präsident Trump tun, was er als Kandidat versprach?
Am Tag der US-Wahl gehen manche Bürger aus voller Überzeugung für einen Kandidaten zur Urne, andere machen sich die Entscheidung schwer. David Hansen aus Minnesota: „Die Republikaner werden zu weit rechts sein und die Demokraten zu weit links, ich konnte für keinen der beiden stimmen.“ Der 63-Jährige gab an, daher den Libertären Gary Johnson gewählt zu haben. „Es scheint so, als würde Hillary versuchen, das zu tun, was man ihr gesagt hat. Trump macht einfach das, was er tun will - und er ist nicht fit genug für das Präsidentenamt.“
Foto: APRuss Van Deursen aus New Hampshire: „Unser Land muss Fortschritte machen und ich glaube nicht, dass es unter einem Präsidenten Donald Trump positiv nach vorne gehen wird.“ Er gehörte zu den ersten Wählern des Wahltages in dem winzigen Dorf Dixville, in dem am Dienstag gleich nach Mitternacht abgestimmt wurde.
Foto: dpaVon den insgesamt acht vergebenen Stimmen in der Ortschaft gingen vier an Clinton, zwei an Trump und eine an den Libertären Gary Johnson. Auch Mitt Romney erhielt eine Stimme, stand aber gar nicht auf dem Wahlzettel.
Foto: dpaIm Wahlbüro P.S. 59 in New York wird eine halbnackte Demonstrantin abgeführt, kurz bevor Präsidentschaftskandidat Donald Trump zur Abstimmung kommt.
Foto: REUTERSDer republikanische Präsidentschaftskandidat stimmte am Vormittag ab. Mit im Bild: Ivanka und Arabella Trump.
Foto: APNa, ob Melania Trump ihr Kreuzchen auch am richtigen Fleck macht? Donald Trump scheint sich da nicht so ganz sicher zu sein...
Foto: REUTERSAufkleber für jeden Wähler: Wer seine Stimme abgegeben hat, erhält einen „I voted“-Sticker, auch die Präsidentschaftskandidaten.
Foto: REUTERSDie demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton bei der Abstimmung in Chappaqua, New York.
Foto: REUTERSAn Hillarys Seite: ihr Ehemann und Ex-US-Präsident Bill Clinton.
Foto: APEine Menge jubelnder Anhänger machte Fotos. Sie empfinde „größte Demut“, sagte die frühere Außenministerin und First Lady. „Ich weiß, wie viel Verantwortung damit zusammenhängt.“
Foto: APClintons Vizepräsidentschafts-Kandidat Tim Kaine (l.) bei der Abstimmung in Richmond, Virginia.
Foto: APDer republikanische US-Vizepräsidentschaftskandidat und Gouverneur von Indiana, Mike Pence, hat in Indianapolis gewählt. Er und seine Frau Karen wurden mit keinen Warteschlangen konfrontiert und nahmen sich rund fünf Minuten Zeit für die Stimmabgabe. Danach sagte Pence vor einer kleinen Gruppe, er sei dankbar für die Unterstützung und die Gebete in ganz Amerika. Er versprach, mit Trump als US-Präsident werde das Land wirtschaftlich erfolgreicher werden.
Foto: dpaMehr als 40 Millionen Frühwähler haben schon vor dem 8. November ihre Stimme abgegeben. Wer am Dienstag wählt, muss mit langen Schlangen vor den Wahllokalen rechnen.
Foto: dpaAbstimmung in der Feuerwache: Ein Wahllokal in Arlington, Virginia. Auch hier stehen die Wähler Schlange, um ihre Stimme abzugeben.
Foto: dpaEin Wahllokal in einer Schule im New Yorker Stadtteil Chelsea. Unter anderem in New York gab es Berichte über lange Warteschlangen und einzelne Wahllokale, die zu spät geöffnet hätten.
Foto: APViele Wähler äußerten Erleichterung, dass nach zwei Jahren des Wahlkampfs, einer rassistisch geladenen Rhetorik und scharfen Vorwürfen gegen die Kandidaten das Ende in Sicht sei. „Ich bin die Schlammschlacht leid“, sagte etwa eine Republikanerin aus Minnesota.
Foto: dpaAuch in Übersee, wie hier in Japan, wird das Ergebnis aus den USA mit Spannung erwartet.
Foto: APPatrick Murphy hat in Florida gegen Marco Rubio verloren. Er bedankte sich bei seinen Unterstützern.
Foto: APHoffen und Beten im Lager von Hillary Clinton. Sie liegt deutlich hinter ihrem Konkurrenten.
Foto: REUTERSDafür bei den Trump-Anhängern großer Jubel. Je näher ein Sieg des Republikaners rückt, desto euphorischer wird die Stimmung auf den republikanischen Wahlpartys.
Foto: APNachdem ein Großteil der Stimmen ausgezählt ist und alles nach einem Sieg für Donald Trump aussieht, sieht man bei Clinton-Anhänger in durchweg entsetzte Gesichter.
Foto: REUTERSHillary Clinton geht an diesem Wahlabend nicht mehr auf die Bühne. Ihr Wahlkampfleiter vertröstete ihre Anhänger auf den nächsten Tag. CNN berichtete, Hillary Clinton habe Trump angerufen und dessen Sieg eingeräumt.
Foto: REUTERSDonald Trump betritt als frisch gekürter nächster Präsident der USA gemeinsam mit seiner Familie die Bühne. Zudem erklärt er, Hilary Clinton Hillary habe hart gearbeitet und man schulde ihr Dank. Es sei ein sehr harter Wahlkampf gewesen. Jetzt sei es Zeit für alle Amerikaner, zusammenzukommen. Er versprach, er wolle ein Präsident für alle US-Amerikaner werden.
Foto: REUTERSAm 20. Januar 2017 wird Donald J. Trump auf den Stufen des Kapitols seinen Amtseid als US-Präsident ablegen. Fünf Monate vor seinem 71. Geburtstag wird er der bei Amtsantritt älteste US-Präsident, sieben Monate älter als damals Ronald Reagan.
Was wird Trump außenpolitisch tun?
Er wird sich an seinem Motto „Amerika zuerst“ orientieren. Die geopolitische Positionierung der Supermacht will er grundsätzlich ändern. Schon im April 2015 sagte er markig: „Ich möchte alles von der Welt zurück, was wir ihr gegeben haben.“
Den Sinn der Nato und den Schutz des Bündnisses will Trump neu definieren. Länder wie Deutschland, Südkorea oder Japan will er für den „Schutz“ der USA zur Kasse bitten. „Das hat sowas von Mafioso-Schutzgeld-Prinzip“, sagt Marc Redlich, Direktor des „Boston Warburg Chapter of the American Council of Germany“ in Harvard zur dpa. Temperament und Reizbarkeit des Republikaners sprächen für eine profunde Änderung des Tons zwischen den USA und dem Rest der Welt.
Wird er beim Thema illegale Einwanderung durchziehen?
Ja - ein viel härterer Umgang mit Einwanderung generell war ein roter Faden des Trump-Wahlkampfs. Das Projekt einer Mauer zu Mexiko hat er sicher hundertfach angekündigt. Auf den kompletten 3000 Kilometern Grenze soll sie stehen, zwischen gut zehn und 15 Metern hoch sein, massiv aus Stahl und „wunderschönem“ Beton. Unabhängige Analysen schätzen die Kosten auf 25 Milliarden US-Dollar und die Bauzeit auf vier Jahre. Beides macht es laut US-Medien eher wahrscheinlich, dass am Ende eine symbolische Erweiterung des bestehenden Zauns Trumps Mittel der Wahl wäre.
Und Trumps Pläne zur Deportation illegal eingereister Migranten?
Dafür wären massive Razzien nötig, in Restaurants und auf Farmen, in Fabriken und auf Baustellen. Außerdem eine immense personelle Aufstockung bei Polizei und Behörden und nicht zuletzt Beförderungsmöglichkeiten für etwa elf Millionen Menschen. Das American Action Forum, ein konservativer Washingtoner Think Tank, schätzt die Gesamtsumme auf 600 Milliarden US-Dollar. Schon deswegen wirkt eine Umsetzung nicht sehr wahrscheinlich.
Kann Trump denn eine Art Alleinherrscher werden?
Nicht ganz. Für einige Änderungen wird Präsident Trump den Kongress brauchen: In die Gesundheitsversorgung „Obamacare“ kann er ebenso wenig alleine eingreifen wie in die Steuergesetzgebung.
Trump hat als Präsident die Macht, den Atom-Deal mit dem Iran neu zu verhandeln. Ebenso kann er einen Einreisebann für Muslime verhängen. Auch wenn dieser sofort unter Verweis auf Kernbestände der US-Verfassung juristisch angegriffen werden würde, mit beträchtlicher Aussicht auf Erfolg - erst einmal wären Fakten geschaffen.
Was ist mit dem umkämpften Supreme Court, dem Obersten Gericht?
Seine Besetzung wird zu den gravierendsten Änderungen unter einem Präsidenten Trump gehören. Ein Sitz ist nach dem Tod eines Richters vakant, andere Wechsel stehen aus Altersgründen an. Das Gericht hat eine Gestaltungsmacht, die es in Deutschland so nicht gibt. Abtreibung, Waffen, Gleichberechtigung, Einwanderung: Was der Supreme Court verhandelt, hat sehr oft mit der DNA der USA zu tun.
Trump hat alles versucht, rechte Zweifler davon zu überzeugen, dass er als Präsident ausschließlich Richter mit einer ultrakonservativen Agenda ernennen würde. Demokraten wie Republikaner wissen um die prägende Rolle des Gerichts sehr genau. Das Thema war im US-Wahlkampf ungleich gewichtiger als es in Europa durchdrang.
Wenn man in die USA selbst schaut, was ist dort zu erwarten?
Man weiß es nicht genau. Trump präsentierte kürzlich einen „Vertrag zwischen mir (also ihm) und dem amerikanischen Wähler“, der im Kern ein populistischer Sechs-Punkte-Plan ist. Er reicht von einer Begrenzung der Amtszeit von Kongress-Abgeordneten bis zu neuen Regelungen für politische Lobbyisten.
Wird Trump für Überraschungen gut sein?
Einerseits ja, er ist unberechenbar. Andererseits hat er immer sehr klar gemacht, was er will. „Um sich die Pläne einer Präsidentschaft Trumps auszumalen, musste man nie die eigene Vorstellungskraft bemühen“, schrieb der „New Yorker“. „Stolz hat er seine Prioritäten ausgebreitet, seine historischen Bezüge, man hat seine Instinkte unter Druck kennengelernt und kennt seine Einschätzung derjenigen, die seine Ideen in Politik umsetzen würden.“
Der „New Yorker“ kommt zum Schluss: „Angesichts einer Präsidentschaft Trumps muss die Vorstellungskraft nicht versagen, eher im Gegenteil. Nötig wäre der magische Glauben daran, dass seine Präsidentschaft irgendetwas anderes wäre als das, was seine Kampagne erschaffen hat.“
Was erwarten Begleiter, die Trump kennen?
Die „Washington Post“ hat alle Biografen Trumps nach ihren Aussichten auf eine Präsidentschaft des politischen Quereinsteigers gefragt. Antwort, unisono: Ein Präsident Trump wird tun, was der Kandidat Trump versprach. Es gebe nur diesen einen Trump. Eine verbesserte oder erweiterte Ausgabe, einen Trump 2.0, werde es nicht geben. Nie.