1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Dienstleister
  4. Easyjet übernimmt Teile des Geschäfts

Air Berlin "sagt Tschüss"Easyjet übernimmt Teile des Geschäfts

Air Berlin ist Geschichte. Die letzte Linienmaschine der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft ist am Freitagabend in Berlin-Tegel gelandet. Dort will sich nun Easyjet engagieren. 28.10.2017 - 16:16 Uhr aktualisiert

Wasserfontänen zum Abschied: Mit Flug AB6210 der letzte Air-Berlin-Flieger in Tegel gelandet.

Foto: REUTERS

Die insolvente Air Berlin hat den Flugbetrieb eingestellt und sich mit Easyjet über den Verkauf der letzten Unternehmensteile geeinigt. Die britische Fluggesellschaft will von Air Berlin 25 Flugzeuge vom Typ A320 übernehmen. „Damit haben wir einen letzten wichtigen Meilenstein in den Bieterverhandlungen erreicht“, teilte der Generalbevollmächtigte im Insolvenzverfahren bei Air Berlin, Frank Kebekus, am Samstag mit. „Alle Unternehmensteile der Air Berlin sind jetzt verkauft.“

Die beiden Unternehmen unterzeichneten nach Angaben von Easyjet eine Vereinbarung über die Übernahme von Teilen des Flugbetriebs in Tegel. Bisher war Easyjet am Standort Berlin ausschließlich am Flughafen Schönefeld aktiv. Für die 25 Maschinen will Easyjet wiederum Leasingverträge abschließen. Die Transaktion soll im Dezember vollzogen werden, wie die britsche Airline mitteilte.

„Das ist gut für die Air-Berliner, die attraktive Arbeitsplatzangebote in Berlin erhalten“, teilte Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann mit. „Das ist auch gut für den Luftverkehrsstandort Deutschland, da Wettbewerb und attraktive Angebote erhalten bleiben.“ Bis zu 1000 Piloten und Flugbegleitern sollen Stellen bei Easyjet angeboten werden.

Touchdown in Tegel

Um 23.58 Uhr setzte die Maschine in Berlin auf. Der letzte Flug mit Kennung „AB“.

Foto: REUTERS

Ehrenrunden über Berlin

Die Flugroute über Berlin diente dazu, als wirklich letztes Flugzeug zu landen. Die Schleifen deuteten viele als die Form eines Herzens.

Foto: dpa

Joachim Hunold

Mit an Bord: der ehemalige Geschäftsführer der Fluggesellschaft und Mitglied im Verwaltungsrat, Joachim Hunold. Er hatte in 20 Jahren an der Konzernspitze aus einer Mini-Gesellschaft mit zwei Flugzeugen die Nummer zwei in Deutschland gemacht, in ihrer Hochzeit mit mehr als 35 Millionen Passagieren und vier Milliarden Euro Jahresumsatz.

Der heute 68-jährige Düsseldorfer war es aber auch, der seine Firma durch Zukäufe und schnelles Wachstum in eine komplexe Struktur und Kostenfalle trieb, aus der sie nie wieder herauskam.

Foto: dpa

Ende eines Kapitels deutscher Wirtschaftsgeschichte

Nach 39 Jahren mit teils rasantem Wachstum endet die Zeit von Air Berlin. Der letzte Flieger in Berlin-Tegel wird am späten Freitagabend gebührend empfangen.

Foto: REUTERS

Gruß der Flughafenfeuerwehr

Mit Wasserfontänen wird normalerweise die Ankunft einer neuen Fluggesellschaft an einem Airport gefeiert - jetzt gilt die Geste einem letzten Flug.

Foto: dpa

Spalier zum Abschied

Air-Berlin-Mitarbeiter nehmen Crew und Passagiere von AB6210 in Empfang.

Foto: dpa

„Unsere AB“

Ein Schluck Sekt auf das Ende der Airline. Flug AB6210 ist der letzte mit Air-Berlin-Kennung, der auf einem Flughafen gelandet ist.

Foto: dpa

Ein letztes Mal aussteigen

Passagiere verlassen den letzten Air-Berlin-Flug.

Foto: dpa

Gruß aus dem Cockpit

Die Piloten David McCaleb, Roland Koch und Co-Pilot Kai Dede nach Absolvierung des letzten AB-Flugs.

Foto: dpa

Abschied auf dem Vorfeld

Hunderte Mitarbeiter der insolventen Airline versammelten sich, um Abschied zu nehmen.

Foto: dpa

Die Crew nimmt Abschied

Für viele Mitarbeiter war der letzte Arbeitstag hoch emotional und für viele gibt es keine Gewissheit über die berufliche Zukunft.

Foto: dpa

Schokoherzen

Auch auf dem letzten Flug gab es noch den Abschiedsgruß für die Passagiere - ein Markenzeichen der Airline.

Foto: dpa

In Tegel geparkt

Pilot David McCaleb posiert für ein Abschiedsfoto.

Foto: dpa

„Last Flight 27.10.2017“

Von München nach Berlin ging der letzte Flug. In München erhielt die Crew Lebkuchenherzen vor dem Einsteigen.

Foto: dpa

Geste zum Abschied

Crewmitglieder zeigen die Erinnerungsherzen.

Foto: dpa

Gruß aus dem Cockpit

Auch in Düsseldorf landete am späten Freitagabend noch eine Maschine. Die Piloten winkten zum Abschied aus dem Cockpit.

Foto: dpa

Die neuen Mitarbeiter würden „in den kommenden Monaten eingestellt“, auf der Grundlage von mit der Gewerkschaft Verdi ausgehandelten Tarifverträgen, teilte Easyjet mit. Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle erklärte, für die Mitarbeiter solle es keine materiellen Einbußen geben. „Das gibt sehr vielen Beschäftigten von Air Berlin eine reelle Chance und berufliche Sicherheit für die Zukunft.“

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo bezeichnete das Jobangebot als „kleinen Lichtblick in dieser katastrophalen Situation“. Tarifvorstand Nicoley Baublies sagte dem Berliner Radiosender 105'5 Spreeradio: „Die schlechte Nachricht ist allerdings, dass sich die Beschäftigten bei Easyjet neu bewerben müssen. Was die Einstellungsverfahren angehe, werde „Ufo dafür sorgen, dass dort andere Einstellungsbedingungen als für Neuanfänger herrschen.“

Für weit mehr als 6000 Mitarbeiter haben sich Angaben von Air Berlin zufolge neue berufliche Perspektiven ergeben. Bereits vor zwei Wochen hatte sich die Lufthansa mit 81 Maschinen gut die Hälfte der Air-Berlin-Flotte gesichert. Lufthansa will die beiden Air-Berlin-Töchter Niki und LGW sowie weitere 20 Jets übernehmen, sofern die Kartellbehörden zustimmen. Niki und LGW sind nicht insolvent und fliegen weiter. Bis zu 3000 Mitarbeiter sollen bei der Lufthansa-Tochter Eurowings unterkommen. Davon sollen rund 1700 Mitarbeiter mit Niki und LGW direkt übernommen werden, auf die anderen 1300 Stellen können sich Interessenten bewerben.

Die Chronik von Air Berlin
Vor 38 Jahren hob der erste Air-Berlin-Flieger ab. Alles begann mit alliierten Sonderrechten zur Landung im geteilten Berlin. Nach der Wende wuchs Air Berlin zur Nummer Zwei am Himmel über Deutschland heran, doch dann folgte eine jahrelange Krise.
1978: Gründung als Chartergesellschaft durch den Ex-Pan-Am-Pilot Kim Lundgren. Erstflug am 28. April 1979 von Berlin-Tegel nach Mallorca. Die Flotte umfasst zwei Maschinen.1991: Im April kauft der LTU-Manager Joachim Hunold die Mehrheit der Anteile. Es gibt kurz darauf 15 Flüge pro Tag. Air Berlin expandiert und stationiert zunehmend auch Flugzeuge auf Regionalflughäfen.1998: Mit dem Mallorca Shuttle Einstieg ins Linienfluggeschäft.
Einstieg zu 25 Prozent bei der österreichischen Fluggesellschaft Niki des früheren Rennfahrers Niki Lauda.
Börsengang und Kauf der Fluggesellschaft dba.
Kauf des Ferienfliegers LTU, damit auch Interkontinentalflüge.
Air Berlin rutscht in die roten Zahlen, legt das erste Sparprogramm auf: Strecken fallen weg, Flugzeuge werden ausgemustert. Die Übernahme des Ferienfliegers Condor scheitert.
Air Berlin kündigt für 2012 den Eintritt in das Luftfahrtbündnis Oneworld an.
Hunold wirft das Handtuch, Hartmut Mehdorn übernimmt. Ein weiteres Sparprogramm soll das operative Ergebnis um 200 Millionen Euro verbessern. 18 der 170 Maschinen werden verkauft.
Die arabische Staatsairline Etihad erhöht ihren Anteil von knapp 3 auf 29,2 Prozent und stützt die Airline mit einem 255-Millionen-Dollar-Kredit. Ein neues Sparprogramm beginnt. Der Verkauf des Vielfliegerprogramms an Großaktionär Etihad bringt nur vorübergehend wieder schwarze Zahlen.
Wolfgang Prock-Schauer wird Vorstandschef und verschärft das von Mehdorn im Vorjahr aufgelegte neue Sparprogramm. Jeder zehnte Arbeitsplatz fällt weg, die Flotte schrumpft auf 142 Maschinen.
Im Februar löst Stefan Pichler den glücklosen Prock-Schauer ab. Air Berlin macht 447 Millionen Euro Verlust - so viel wie nie.
Nach einem juristischen Tauziehen kann Air Berlin den größten Teil der wichtigen Gemeinschaftsflüge mit Etihad weiter anbieten. Die Zahlen bessern sich nicht. Gespräche mit Lufthansa über einen Verkauf von Geschäftsteilen beginnen. Mit einem tiefgreifenden Umbau und der Streichung von bis zu 1200 Arbeitsplätzen will Air Berlin seine Krise überwinden.
Air Berlin bekommt einen neuen Chef. Der Lufthansa-Manager und früheren Germanwings-Chef Thomas Winkelmann wird Vorstandschef. Air Berlin führt ihren Flugbetrieb in zwei getrennten Geschäftsfeldern weiter: Langstreckenflüge und Städteverbindungen in Europa werden zusammengefasst, Urlaubsflüge unter der Marke Niki geführt. Lufthansa erklärt sich bereit, Air Berlin zu übernehmen, wenn der Großaktionär Etihad zuvor die Schulden übernähme.
Air Berlin meldet Insolvenz an. Zuvor hatte Etihad seine finanzielle Unterstützung eingestellt. Ein 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes soll den Flugbetrieb zunächst sichern.
Fast 40 Jahre nach dem Start der ersten Air-Berlin-Maschine in Berlin-Tegel landet am 27. Oktober 2017 um 23.45 Uhr der letzte Air-Berlin-Flieger dort. Die Zukunft der Angestellten und vieler Unternehmensteile ist zu diesem Zeitpunkt noch ungewiss.

Für 1200 Beschäftigte des Bodenpersonals in Berlin und 550 Mitarbeiter der Air-Berlin-Technik besteht die Möglichkeit, in eine Transfergesellschaft zu gehen. 300 Mitarbeiter der Air-Berlin-Technik sollen von der Berliner Logistikfirma Zeitfracht und der Wartungsfirma Nayak übernommen werden. Mehrere Hundert Mitarbeiter haben Unternehmensangaben zufolge Air Berlin bereits in Richtung neuer Arbeitgeber verlassen.

Die letzte Maschine von Air Berlin wurde in Berlin-Tegel von vielen bisherigen Mitarbeitern, Bodenpersonal und Schaulustigen auf der Besuchertribüne erwartet. Die Flughafen-Feuerwehr empfing die Maschine mit Wasserfontänen. Vor dem Abflug in München und nach dem Ausrollen in Berlin hielt die Crew aus einem Fenster des Cockpits eine Fahne mit dem Emblem von Air Berlin und den Worten „sagt Tschüss“. Auf anderen Flughäfen wie Düsseldorf und Hamburg gab es für die letzten Flüge ähnliche emotionale Aktionen.

Von heute auf morgen fallen nun rund 250 innerdeutsche und Europa-Flüge aus dem Angebot. Noch im vergangenen Jahr hatte Air Berlin rund 800 Flüge täglich im Programm.

Ein Crewmitglied rollt am 27.10.2017 im Cockpit der Maschine, mit der der letzte Air Berlin Flug durchgeführt wird, ein Banner mit der Aufschrift "Air Berlin sagt tschüss." zusammen.

Foto: dpa

Air Berlin war nach Lufthansa seit dem Jahr 2003 die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft. Im Rekordjahr 2011 kam sie auf mehr als 35 Millionen Passagiere bei 4,2 Milliarden Euro Umsatz. Mit 1,5 Milliarden Euro verschuldet musste Air Berlin Mitte August Insolvenz anmelden. Der Flugbetrieb konnte dank eines Überbrückungskredites des Bundes über 150 Millionen Euro bis Freitag aufrechterhalten werden.

Die letzte Maschine von Air Berlin wurde in Berlin-Tegel von vielen bisherigen Mitarbeitern, Bodenpersonal und Schaulustigen auf der Besuchertribüne erwartet. Die Flughafen-Feuerwehr empfing die Maschine mit Wasserfontänen. Vor dem Abflug in München und nach dem Ausrollen in Berlin hielt die Crew aus einem Fenster des Cockpits eine Fahne mit dem Emblem von Air Berlin und den Worten „sagt Tschüss“. Auf anderen Flughäfen wie Düsseldorf und Hamburg gab es für die letzten Flüge ähnliche emotionale Aktionen.

dpa, sha
Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick