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  4. Ukraine-Krieg: Berlin liefert Panzerhaubitzen

Zelte, Betten, HandgranatenWas Deutschland bislang wirklich in die Ukraine geliefert hat

Im Zuge des Ukraine-Kriegs hat Deutschland nun die ersten Panzerhaubitzen in das Land geliefert. Die Bundesregierung nahm das zum Anlass, erstmals die Liste aller bisherigen Lieferungen zu veröffentlichen. 22.06.2022 - 09:34 Uhr

Die Panzerhaubitze 2000 ist das modernste Artilleriegeschütz in der Bundeswehr. Bei einem Kaliber von 155 mm hat sie eine Reichweite von bis zu 40 km.

Foto: imago images

Über kaum etwas wird in Deutschland derzeit so intensiv diskutiert wie über Waffenlieferungen an die Ukraine. Liefern wir viel zu wenig – oder sollten wir ganz im Gegenteil lieber gar keine Waffen liefern, um den Krieg nicht unnötig anzuheizen?

Wenig bekannt war lange auch, was die Bundesregierung denn bislang nicht nur versprochen, sondern auch tatsächlich geliefert hat. Klar ist jetzt: Knapp vier Monate nach Kriegsbeginn sind mit den Artilleriegeschützen vom Typ Panzerhaubitze 2000 die ersten schweren Waffen aus Deutschland in der Ukraine eingetroffen.

Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk sagte der Deutschen Presse-Agentur, es seien alle sieben versprochenen Geschütze in der Ukraine eingetroffen. Melnyk dankte dafür, rief die Bundesregierung zugleich auf, weitere Lieferungen zu organisieren.

Kanzler Scholz verteidigte am Dienstagabend deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine. „Das ist jetzt notwendig“, sagte Scholz bei der traditionellen Spargelfahrt des Seeheimer Kreises der SPD-Fraktion. Neben den Waffen lieferte die Bundesregierung auch Unterstützungsleistungen wie Lebensmittel, Zelte und Kraftstoff.

Deutsche Waffen und Rüstungsgüter für die Ukraine
Die Bundesregierung hat in den ersten gut drei Monaten des Ukraine-Kriegs die Lieferung von Waffen und anderen Rüstungsgütern im Wert von 350,1 Millionen Euro in das von Russland angegriffene Land genehmigt. Quelle: Antwort des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz auf eine Anfrage der Linken, 13. Juni 2022
Vom ersten Kriegstag, dem 24. Februar, bis zum 1. Juni gab die Regierung grünes Licht für die Lieferung von:- Kriegswaffen für 219,8 Millionen Euro,- sonstige Rüstungsgüter wie Helme und Schutzwesten für 85,2 Millionen Euro- Waffen und Ausrüstung der Bundeswehr für 45,1 Millionen Euro, die ab dem 1. April in einem vereinfachten Verfahren genehmigt wurden. Hierfür gibt es keine Aufschlüsselung in Kriegswaffen und sonstige Rüstungsgüter.
Zum Vergleich: Die USA haben der Ukraine von Kriegsbeginn bis zum 1. Juni nach Regierungsangaben Waffen und Ausrüstung im Wert von 4,6 Milliarden Dollar (4,37 Milliarden Euro) zugesagt oder geliefert. Dazu gehören zahlreiche schwere Waffen, zum Beispiel Haubitzen und Mehrfach-Raketenwerfer.

Was genau die Bundesregierung bislang in die Ukraine geliefert hat, macht sie nun auch erstmals transparent. Auf ihrer Website veröffentlicht sie eine Liste aller gelieferten „letalen und nicht-letalen militärischen Unterstützungsleistungen“. Neben Maschinengewehren und Handgranaten sowie den berühmt gewordenen Helmen finden sich dort auch 15 Paletten Kleidung oder 165 Ferngläser.

Die Liste der gelieferten Waffen und anderen Unterstützungen im Detail:

  • 3000 Patronen „Panzerfaust 3“ zuzüglich 900 Griffstücke
  • 14.900 Panzerabwehrminen
  • 500 Fliegerabwehrraketen STINGER
  • 2700 Fliegerfäuste STRELA
  • 7 Panzerhaubitzen 2000 inklusive Anpassung, Ausbildung und Ersatzteile (gemeinsames Projekt mit den Niederlanden)
  • 16 Millionen Schuss Handwaffenmunition
  • 50 Bunkerfäuste
  • 100 Maschinengewehre MG 3 mit 500 Ersatzrohren und Verschlüssen
  • 100.000 Handgranaten
  • 5.300 Sprengladungen
  • 100.000 Meter Sprengschnur und 100.000 Sprengkapseln
  • 350.000 Zünder
  • 23.000 Gefechtshelme
  • 15 Paletten Bekleidung
  • 178 Kraftfahrzeuge (Lkw, Kleinbusse, Geländewagen)
  • 100 Zelte
  • 12 Stromerzeuger
  • 6 Paletten Material für Kampfmittelbeseitigung
  • 125 Doppelfernrohre
  • 1200 Krankenhausbetten
  • 18 Paletten Sanitätsmaterial, 60 OP-Leuchten
  • Schutzbekleidung, OP-Masken
  • 10.000 Schlafsäcke
  • 600 Schießbrillen
  • 1 Radiofrequenzsystem
  • 3000 Feldfernsprecher mit 5.000 Rollen Feldkabel und Trageausstattung
  • 1 Feldlazarett (gemeinsames Projekt mit Estland)
  • 353 Nachtsichtbrillen
  • 4 elektronische Drohnenabwehrgeräte
  • 165 Ferngläser
  • Sanitätsmaterial (unter anderem Rucksäcke, Verbandspäckchen)
  • 38 Laserentfernungsmesser
  • Kraftstoff Diesel und Benzin (laufende Lieferung)
  • 10 Tonnen AdBlue
  • 500 Stück Wundauflagen zur Blutstillung
  • 500 Stück Verpflegungsrationen
  • Lebensmittel: 2.025 Paletten (68 Lkw-Ladungen) mit 360.000 Rationen Einpersonenpackungen (EPa)
    MiG-29 Ersatzteile
  • 30 sondergeschützte Fahrzeuge

Auch Polen hat nach Angaben von Präsident Andrzej Duda bislang mehr als 240 Panzer und 100 gepanzerte Fahrzeuge an die Ukraine geliefert. Außerdem habe das östliche Nachbarland auch Raketensysteme, Maschinengewehre sowie Munition erhalten, sagte Duda am Dienstag in Warschau bei einem Treffen mit den Botschaftern seines Landes. Er betonte erneut, Polens militärische Unterstützung für die Ukraine habe einen Umfang von mehr als 1,6 Milliarden Dollar. Ziel dieser Hilfe sei es, die russische Aggression zu stoppen und sie noch auf ukrainischem Gebiet abzuwehren, damit sie sich nicht auf Polen ausweite.

Lesen Sie auch: Olaf Scholz und das Panzer-Drama

kas, dpa
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