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EinzelhandelDunkle Wolken am Black Friday 2022

Die Rabattschlacht kurz vor Weihnachten hat viele Freunde. Doch angesichts knapper Kassen und gedämpfter Kauflust ist ungewiss, ob die Erfolgsgeschichte in diesem Jahr weitergeht. 24.11.2022 - 14:48 Uhr Quelle: dpa

Jedes Jahr am vierten Freitag im November reduzieren unzählige Händler und Online Shops für mindestens 24 Stunden ihre Preise und überbieten sich gegenseitig mit Rabatten und Sonderangeboten.

Foto: dpa

Eine Flut von Sonderangeboten wenige Wochen vor Weihnachten: Mit diesem Konzept ist der Black Friday in den vergangenen Jahren in Deutschland zu einem der wichtigsten Verkaufstage des Jahres geworden. Im vergangenen Jahr gaben die Verbraucherinnen und Verbraucher am Black Friday und dem folgenden Cyber Monday nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland (HDE) fast fünf Milliarden Euro aus.

Doch ist angesichts der Inflation und knapper Kassen ungewiss, ob die Aktion Ende November auch in diesem Jahr an die Erfolge anknüpfen kann. Zumal viele Verbraucher fürchten, dass das Angebot diesmal weniger attraktiv sein könnte. Schließlich kämpfen auch die Händler mit steigenden Kosten.

Optimistisch ist der HDE: Er rechnet gestützt auf eine Umfrage unter 1000 Onlineshoppern rund um die Rabatttage mit einem Umsatzrekord von 5,7 Milliarden Euro. Das wären 22 Prozent mehr als im Vorjahr.

Wegen der Inflation

Viele Menschen machen Abstriche bei Lebensstandard

Black Friday 2022: Jetzt erst recht

„Die Wachstumsgeschichte des Black Friday und des Cyber Monday setzt sich auch unter den aktuell schwierigen Rahmenbedingungen und trotz der schlechten Konsumstimmung fort“, ist der stellvertretende HDE-Hauptgeschäftsführer Stephan Tromp überzeugt. „Viele Kundinnen und Kunden gehen jetzt erst recht auf Schnäppchenjagd und wollen die Angebote der beiden Tage nutzen.“ Die Rabatttage, in diesem Jahr am 25. und 28. November, würden mittlerweile auch gerne genutzt, um nach Weihnachtsgeschenken Ausschau zu halten. Insgesamt könnten dann Geschenke im Wert von 1,7 Milliarden Euro gekauft werden.

Nicht alle Branchenkenner sind so optimistisch. Der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein geht zwar davon aus, dass der Handel zum Black Friday alle Register ziehen wird, um ein schwieriges Jahr zu retten. Doch hat er Zweifel, dass das gelingt. „Alles in allem stehen die Zeichen doch nicht so gut, dass sich dieses Jahr erneut ein Verkaufsrekord einstellt“, meint Heinemann - auch weil es weiter Probleme in der Lieferkette gebe.

Skeptisch ist auch der Handelsexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU in Düsseldorf: „Die Menschen wollen wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage ihr Geld zusammenhalten. Das wird auch am Black Friday zu spüren sein. Die Umsätze werden am Ende niedriger sein als in früheren Jahren.“

Schneller schlau: Rezession
Der Begriff Rezession bedeutet Rückgang und stammt aus dem Lateinischen. Es handelt sich um eine Rezession, wenn die Wirtschaft nicht wächst, sondern schrumpft – sich also in einem Abschwung beziehungsweise Rückgang befindet. Für die Bemessung der Konjunktur dient das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Offiziell tritt eine sogenannte technische Rezession ein, wenn das BIP in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen im Vergleich zu den jeweiligen Vorjahresquartalen nicht wächst, sondern zurückgeht.Die Rezession ist eine der vier Phasen, die der Konjunkturzyklus einer Volkswirtschaft durchlaufen kann. Sie folgt auf die Phase der Hochkonjunktur und kann im schlimmsten Fall in eine Depression übergehen. Auf eine Depression folgt dann früher oder später ein Aufschwung.
Eine Rezession zeichnet sich durch unterschiedliche Merkmale aus. Dazu gehören unter anderem:Rückgang der Nachfrageüberfüllte LagerAbbau von Überstunden und beginnende KurzarbeitEntlassung von Arbeitskräftenausbleibende Investitionenteilweise Stilllegung von Produktionsanlagenstagnierende oder sinkende Preise, Löhne und Zinsenfallende Börsenkurse
Zu den Ursachen einer Rezession gehören unterschiedliche Punkte, die sich nur schwerlich verallgemeinern lassen. Aktuell wirkt sich etwa der Krieg in der Ukraine erheblich auf die Konjunktur in Europa und den USA aus.
In einer Rezession halten Unternehmen und private Haushalte ihr Geld in der Regel beisammen. Zu den Folgen einer Rezession zählen steigende Arbeitslosenzahlen, außerdem arbeiten mehr Menschen in Kurzarbeit. Beides führt zu geringerer Nachfrage. Denn wenn die Bürger weniger Geld verdienen, konsumieren sie auch weniger. Dies ist wiederum schlecht für Unternehmen, die dadurch weniger verkaufen und auf ihren Lagerbeständen sitzen bleiben. Die fehlenden Einnahmen können zu weiteren Entlassungen führen, sodass die Arbeitslosigkeit weiter steigt.Auch Menschen, die auf der Suche nach einem neuen Job sind, stehen in einer Rezession vor Problemen. Denn wer sich um eine neue Stelle bewirbt, dürfte während einer Rezession Schwierigkeiten haben eine entsprechende Stelle zu finden – denn geht es Unternehmen wirtschaftlich schlechter, stoppen sie Neueinstellungen.
Durch eine steigende Inflation sinkt die Kaufkraft der Menschen. Durch eine sinkende Kaufkraft sinkt wiederum die Konsumbereitschaft der Menschen, da sie ihr Geld beisammen halten, statt es für Waren und Güter auszugeben.

Werden Hoffnungen dennoch enttäuscht?

Auch Nina Scharwenka von der Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners ist überzeugt: „Hoffnungen, dass die Verbraucher ihre Ausgaben in Deutschland während der vorweihnachtlichen Aktionstage deutlich erhöhen und die Unternehmen dadurch im bisherigen Jahresverlauf schwächere Verkaufszahlen ausgleichen können, werden wahrscheinlich enttäuscht.“

Grundsätzlich ist das Interesse der Menschen am Black Friday nach wie vor hoch. Nach einer repräsentativen Umfrage der Unternehmensberatung PwC, für die mehr als 2000 Personen befragt wurden, wollen trotz Inflation und knapper Kassen gut zwei Drittel rund um den Black Friday auf Schnäppchenjagd gehen - so viele wie im Vorjahr.

Doch hat sich ihr Einkaufsverhalten verändert. Einerseits seien die Konsumenten beim Geldausgeben zurückhaltender, sagt PwC-Handelsexperte Christian Wulff. „Andererseits wollen sie die Sonderangebote rund um den Black Friday 2022 bewusst nutzen, weil sie davon ausgehen, dass sich die Preisspirale weiter drehen wird.“

Black Friday und Cyber Week

Diese vier Grafiken zeigen, wie die Deutschen online einkaufen

von Michael Kroker

Nur kaufen, was man braucht

Knapp 40 Prozent der Schnäppchenjäger wollen der Umfrage zufolge nur das kaufen, was sie benötigen. Jeder Fünfte will aufgrund der Umstände weniger kaufen. Ähnlich viele Schnäppchenjäger wollen bevorzugt günstige Einzelhändler und Onlineshops aufsuchen oder schauen gezielt nach preiswerten Produkten wie Eigenmarken oder gebrauchten Artikeln.

Rund 40 Prozent der Verbraucher befürchten, dass die Black-Friday-Angebote weniger attraktiv sein werden als in den Vorjahren. Ebenso viele rechnen damit, dass bestimmte Produkte aufgrund von Lieferproblemen nicht verfügbar sein werden. Knapp ein Drittel erwartet, dass sich weniger Händler an der Rabattschlacht beteiligen werden, da auch diese mit steigenden Kosten zu kämpfen haben.

Simon-Kucher zufolge haben sich die Schnäppchenjäger außerdem in diesem Jahr gut vorbereitet. Rund 70 Prozent hätten bereits in den Wochen vor dem Black Friday die Preise der Artikel, für die sie sich interessierten, beobachtet.

Dieses Vorgehen empfiehlt sich wohl tatsächlich. Denn eine Studie des des Preisvergleichsportals Idealo, für die die Preisentwicklung von rund 10 000 Produkten aus 1000 Kategorien analysiert wurde, zeigt: Wirkliche Schnäppchen sind auch am Black Friday rar. Im Durchschnitt waren die Angebote im vergangenen Jahr gerade einmal fünf Prozent billiger als im Monat vor der Aktion.

Lesen Sie auch: Ein schwarz-grauer Freitag für den Handel

dpa
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