Zschabers Börsenblick: Ein Katalysator zu Weihnachten
ARCHIV - Im Amazon Logistikzentrum Pforzheim (Baden-Württemberg) laufen am 01.12.2016 Pakete auf einem Band zum Versand. Foto: Uli Deck/dpa (zu dpa "Internet-Käufe verderben dem Einzelhandel das Weihnachtsgeschäft" vom 22.12.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Foto: dpaWenn in diesen Tagen die Straßen in Deutschland noch mehr frequentiert sind als ohnehin schon, liegt das unter Umständen an den Fahrzeugen von Paketzustellern wie DHL, UPS oder FedEx, die traditionsgemäß vor Weihnachten besonders häufig unterwegs sind, um die Geschenke zu deren Käufern zu bringen.
Unerwartet kommt das natürlich nicht. Daher ist es auch fragwürdig, ob diese Saisonalität von Börsianern zum Anlass für eine kurzfristige Spekulation auf Logistikunternehmen genommen werden sollte – im Dezember auf mögliche Gewinner des Weihnachtsgeschäfts zu setzen, ist allein schon deshalb etwas blauäugig, da an der Börse bekanntlich die Zukunft gehandelt wird; die meisten potenziellen Gewinner der näheren Zukunft sind da längst identifiziert und mögliche positive Überraschungen eingepreist.
Wer allerdings strategisch und perspektivisch agiert, der könnte das aktuell hohe „Logistikeraufkommen“ auf der Straße ja zum Anlass nehmen, einmal über die grundsätzlichen langfristigen Aussichten der Transport- und Logistikindustrie nachzudenken. Welche Relevanz sie für den weltweiten Handel grundsätzlich hat, führte uns allen nicht zuletzt die Havarie des Containerschiffriesen „Ever Given“ im Frühjahr des vergangenen Jahres im Suezkanal vor Augen: Sind die Lieferketten an neuralgischen Stellen unterbrochen, bricht der globale Handel zusammen.
Überhaupt geht es auch gar nicht nur um das diesjährige Weihnachtsfest, sondern vielmehr um den langjährigen Trend. Und der hat im Laufe der vergangenen drei Jahre besondere Impulse erhalten. So stellten während der ersten Phase der Coronapandemie, als umfangreiche wochenlange Lockdowns den Einkauf in Geschäften und Läden verhinderten, Online-Shops eine Alternative dar, die viele Bürgerinnen und Bürger erstmals für sich entdeckten. Davon profitierten auch die Logistiker, die gekauften Artikel mussten ja schließlich auch an den Mann und die Frau gebracht werden.
Weihnachtseinkäufe? Lieber online vom Sofa aus
Nun findet zwar in diesem Jahr zum ersten Mal wieder ein ansatzweise normales Weihnachtsgeschäft statt – doch gerade die damit verbundenen überfüllten Straßen, Weihnachtsmärkte und Läden dürften manch einen, der in den vergangenen Jahren coronabedingt ein Faible fürs Online-Shoppen entwickelt hat, dazu verleiten, die Weihnachtseinkäufe lieber online vom Sofa aus zu tätigen. Schön in Ruhe und für sich allein. Wie in vielen anderen Bereichen – Stichwort „New Work“ und Homeoffice – hat die Corona-Zeit auch beim Online-Shopping als Katalysator einer sich schon länger abzeichnenden Entwicklung gewirkt.
Allein die drei umsatzstärksten Online-Shops für physische Güter in Deutschland – Amazon, MediaMarkt und Otto – waren laut Statista im vergangenen Gesamtjahr für Erlöse in diesem Bereich von 23,3 Milliarden Euro Umsatz verantwortlich. Noch beeindruckender ist ein Blick auf den Gesamtmarkt – und vor allem dessen Aussichten: Allein in Deutschland wird laut Statista der Umsatz im E-Commerce von rund 103 Milliarden Euro in diesem Jahr auf etwa 180 Milliarden Euro im Jahr 2027 zulegen, das entspricht einem jährlichen Wachstum von knapp zwölf Prozent.
Wie gesagt, E-Commerce und Logistik sind eng miteinander verbunden. Zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass der Bereich Transport und Logistik stark mit der Konjunktur korreliert: Boomt diese, laufen auch die Geschäfte bei den Logistikern blendend; schwächelt sie, nimmt insgesamt auch das Volumen an zu transportierenden Gütern ab. Wer aber mit Schwankungen umzugehen weiß – und das sollten langfristig orientierte Anleger immer –, kann in diesen Trend gut über einen ETF investieren, der auf einem Index wie dem Solactive eCommerce Logistics Index basiert. Letzterer beinhaltet sogar neben Transport- und Logistikunternehmen wie Deutsche Post und Fedex auch gleich E-Commerce-Größen von Amazon bis Zalando. Und sorgt im Falle einer guten langfristigen Entwicklung dieser Branchen für – um im Weihnachtsbild zu bleiben – die doppelte Bescherung.
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