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Emilia Fester als Gen Z im Bundestag„Mir war bewusst, dass ich nicht in das Bild einer typischen Politikerin passe“

Seit 2021 sitzt Emilia Fester im Bundestag. Anfang des Jahres gab sie den Staffelstab der jüngsten Abgeordneten ab. Im Interview spricht sie über das Miteinander der jungen Abgeordneten und über Shitstorms auf Twitter.Anabel Schröter 09.06.2023 - 10:53 Uhr

Als jüngste Abgeordnete zog Fester 2021 in den Bundestag.

Foto: Henning Angerer

WirtschaftsWoche: Emilia, 2016 bist du den Grünen beigetreten. Was hat dich damals bewegt in die Politik zu gehen?
Emilia Fester: Ich war schon immer politisch. Irgendwann gab es den Punkt, an dem es mir nicht mehr gereicht hat, Schulsprecherin zu sein und meine Theaterprojekte zu machen. Ich wollte mich um die Gesellschaft kümmern und die Strukturen unseres Zusammenlebens hinterfragen. Damals war Umwelt- und Klimaschutz ein Randthema – aber schon Teil der Debatte der Grünen. Es standen vor allem Atomkraft, Tierschutz und auch feministische Punkte auf der Agenda. Ich war schon immer grün und deswegen war der Sprung in die Grüne Jugend ein logischer Schritt für mich.

Auf deiner Webseite steht, dass du als Kind bei Kulturschaffenden schon früh politisiert wurdest. Wie meinst du das?
Kunst und Kultur sind ein Spiegel der Gesellschaft. Die Gesellschaft ist sehr krisenhaft – und war es auch schon, als ich aufgewachsen bin. Meine Eltern und ich diskutierten viel, wir sprachen über unsere Gesellschaft. Aber da es drumherum immer um Politik geht, hat Politik schon immer eine Rolle gespielt. Als Kind war ich oft erzürnt oder schockiert darüber, wie die Dinge sind und weshalb sie so sind. Ich fand viele Punkte ungerecht. Meine Mutter dachte eine Zeit lang, dass ich vielleicht mal Richterin werde. Mein Gerechtigkeitssinn war schon damals sehr ausgeprägt. Ich war also schon früh politisiert, ohne dass ich behauptet hätte, politisch zu sein. Dass meine Gedanken bereits politisch sind, habe ich erst später verstanden.

Eins deiner Hauptthemen in der Politik ist das Thema Gerechtigkeit. Was bedeutet für dich Gerechtigkeit?
Eine gerechte Welt ist frei von jeglicher Form von Diskriminierung. Und alle Menschen, vor allem die jungen, bekommen die Möglichkeit ihre Talente zu nutzen und unabhängig zu sein. Sie sollen sich immer bewusst sein, dass egal wie sie sich entscheiden, sie ein gutes Leben haben. Das ist eine gerechte Welt für mich: Gleichheit, aber eben auch Unterstützung.

Zur Person
Emilia zog 2021 als jüngste Abgeordnete für die Grünen in den Bundestag ein. Die 25-Jährige ist Vorsitzende der Kinderkommission und sitzt als Obfrau im Unterausschuss Bürgerschaftliches Engagement.

Du hast bereits die junge Sicht angesprochen. Du wurdest in der vergangenen Wahl für die derzeitige Legislaturperiode als jüngste Abgeordnete in den Bundestag gewählt. Mittlerweile bist du nur noch die zweitjüngste, da Emily Vontz für die SPD nachgerückt ist. Wie war es für dich als junger Mensch in den Bundestag einzuziehen?
Im Wahlkampf trat ich bereits als Kandidatin für die Jugend an. Mir war bewusst, dass ich nicht in das Bild einer typischen Politikerin passe. Normalerweise sehen die Menschen das Bild von einem eher älteren Herrn, wenn sie an einen Politiker denken. Alles was davon abweicht, fällt auf. Ich bin queer. Ich bin jung. Ich bin laut und ich habe keinen akademischen Abschluss. Ich breche damit das typische Bild eines Politikers. Das spiegeln mir auch einige Menschen. Aber das ist der Kampf, den ich erwartet habe und nun auch antrete.

Wird es dir auch von den Abgeordneten gespiegelt?
Ja, aber nicht aus meiner eigenen Fraktion. Wir sind bei den Grünen – und bei der SPD – recht viele junge Abgeordnete. Unsere Fraktionsspitze war darauf vorbereitet und freut sich über diesen frischen Wind. Aber andere Fraktionen spiegeln es schon deutlich: Die AfD nimmt junge Menschen grundsätzlich nicht ernst. Sie interessieren sich auch nicht für die Bedürfnisse von ihnen. Aber auch einige Abgeordnete aus der Union haben ein Problem damit: Sie hören nicht richtig zu, was die jungen Abgeordneten sagen. Es gibt aber auch bei der Union sehr nette Kollegen und Kolleginnen.

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Gab es auch Situationen, bei denen du vom Sicherheitspersonal nicht als Abgeordnete erkannt wurdest?
Das passiert zwischendurch. Dabei besitze ich eine große Reichweite und habe auch schon einige mediale Aufmerksamkeit bekommen. Trotzdem fragen mich das Sicherheitspersonal oder ältere Abgeordnete manchmal, wo ich denn hingehöre oder wessen Praktikantin ich sei.

Du bist 25 Jahre alt und gehörst damit zur Generation Z. Ein Klischee ist es, dass die Generation faul sei. Bekommst du dieses Vorurteil auch von Abgeordneten gespiegelt?
Nein, das ist auf Bundestagsabgeordnete auch nicht anwendbar. Aber es stimmt auch nicht, die Einstellung der Gen Z als strukturell faul zu bezeichnen. Denn die Einstellungen hängen mit den Versprechen der älteren Generationen zusammen: Eine stabile Rente, gar eine eigene Immobilie und generell eine gute Zukunft stehen für die Gen Z auf der Kippe. Sie wissen nicht, wofür sie sich komplett aufopfern und ihre Freizeit aufgeben sollen. Was bleibt der jungen Generation nach 40 Jahren Arbeit übrig? Vermutlich wenig bis gar nichts. Als Frau ist es noch weniger – vor allem, wenn sie Kinder bekommt. Das erklärt auch, weshalb junge Frauen seltener Kinder bekommen möchten: Das Altersarmutsrisiko ist einfach sehr hoch. Aber mein Mandat im Bundestag unterscheidet sich stark: Ich habe beispielsweise eine gesicherte Altersvorsorge, das ist vergleichbar mit dem Beamtentum. Ich kämpfe im Bundestag dafür, dass diese alten Versprechen eingelöst werden.

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Wie sieht denn der Austausch zwischen den jungen Abgeordneten untereinander aus?
Viele von uns kennen sich bereits seit Jahren und haben Kontakt. Die jungen Abgeordneten der SPD und der Grünen haben auch eine inhaltliche Nähe. Die Jusos und die Grüne Jugend machen auch regelmäßig gemeinsame Aktionen, zum Beispiel am achten März. Natürlich gibt es zwischendurch auch inhaltliche Auseinandersetzungen, aber eben auch große Solidarität. Zwischen den jungen Grünen-Abgeordneten gibt es eine freundschaftliche Nähe und einen regen Austausch. Ich wohne auch mit zwei jungen Grünen-Abgeordneten zusammen.

Wie ist das Zusammenleben mit zwei weiteren Abgeordneten? Kannst du da überhaupt abschalten?
Da muss man sich nur die Frage stellen: Wie ist es in einer Studierenden-WG – kann dort auch niemand vom Uni-Alltag abschalten? Für mich ist es wertvoll, dass ich nach Hause komme und da zwei Personen sitzen, die genau wissen, worüber ich spreche. Das ist schön und es ist dabei egal, ob ich frustriert bin oder feiern möchte. Wir begegnen uns auf Augenhöhe. Das hat aber nichts mit der Arbeit zu tun, auch wenn sie meine Lieblingskolleginnen sind, aber sie sind eben auch mehr als das.

Auch zu Emily Vontz von der SPD hast du augenscheinlich ein engeres Verhältnis. Zuletzt habt ihr auf Instagram gemeinsam ein Video veröffentlicht. Wie wichtig ist es für dich, andere junge Abgeordnete zu unterstützen?
Wenn ich irgendwie unterstützen kann, dann mache ich das gerne. Ich pflege beispielsweise ein freundschaftliches Verhältnis zu Rasha Nasar. Auch mit Ria Schröder führe ich öfter Gespräche, wir begegnen uns oft in Hamburg. Wir sind inhaltlich nicht immer einer Meinung – trotzdem unterstützen wir uns, wenn uns jemand doof kommt. Ich unterstütze immer, wenn dadurch eine junge Stimme lauter wird. Emily kam zu einer Zeit, in dem alle schon ihre Wege kannten. Ich konnte damals zu Beginn der Legislaturperiode noch ein wenig mehr mitschwimmen. Sie hat dann auch direkt den ganzen Medienansturm abbekommen und sie konnte nicht einfach in Ruhe ankommen. Deshalb war es mir wichtig, ihr ein paar Ratschläge zu geben und mir anzuhören, welche Ziele sie verfolgt, um zu schauen, ob ich sie unterstützen kann.

Tom Blades, Bilfinger

Tom Blades, ehemaliger Vorstand von Linde und Bilfinger, widmete seine Freizeit schon während seiner Karriere dem Triathlon. Vor allem die Morgen- und Abendstunden nutzt er regelmäßig zum Training. Blades mag vor allem die „Freiheit, die beim Schwimmen und Joggen im Kopf entsteht“.

Foto: Illustration: Dmitri Broido, imago images

Hendrik Brandis, Earlybird

Hendrik Brandis, Mitbegründer des Risikokapitalgebers Earlybird, segelt – und zwar mit einigem Ehrgeiz: Er hat bereits Weltmeistertitel geholt. Im Alter von 17 Jahren ist er in einer Schleuseneinfahrt nahe seiner Heimat in einen heftigen Gewittersturm geraten. Es brach ein Mast, das Boot begann zu sinken. Er hatte Todesangst – und stand am nächsten Tag trotzdem wieder auf einem Segelboot.

Foto: Illustration: Dmitri Broido

Fabian Eckert, Recup

Fabian Eckert, Gründer und Chef des Pfandbecheranbieters Recup, träumte einst davon, Pilot zu werden. Daraus wurde nichts, weil er eine kleine Sehschwäche hat und grüne Farbtöne nicht zuverlässig erkennt. Heute schwingt er sich zumindest als Paraglider in die Lüfte. Wenn auch immer seltener, seit er vor kurzem Vater geworden ist.

Foto: Illustration: Dmitri Broido

Claus Hipp, Hipp

Der 84-jährige Unternehmer malt bis heute an jedem freien Abend in seinem Atelier. Er mag die „schöpferische Tätigkeit“, losgelöst von allem anderen etwas Neues schaffen zu können. Beim Malen habe er gelernt, Probleme zu lösen und Entscheidungen zu treffen.

Foto: imago images, Illustration: Dmitri Broido

Rolf Habben Jansen, Hapag-Lloyd

Der Vorstandsvorsitzende von Deutschlands größter Reederei Hapag-Lloyd guckt für sein Hobby nicht aufs Wasser, sondern aufs Eis: Rolf Habben Jansen schaut sich gerne Eishockeyspiele an, vor dem Fernseher oder auch live. Dafür fliegt er sogar einmal im Jahr nach Nordamerika. „Ich liebe die Geschwindigkeit“, sagt er. Und fürs Business lässt sich aus dem Eishockey auch was lernen: „Jeder Mensch darf Fehler machen, aber mich ärgert es, wenn Spieler immer wieder die gleichen Fehler machen.“

Foto: Illustration: Dmitri Broido

Fränzi Kühne, edding

Deutschlands jüngste Aufsichtsrätin sucht zum Abschalten ihre Kindheit auf. Dafür schnappt sich die Gründerin und Ex-Chefin der Digitalagentur Torben, Lucie und die gelbe Gefahr (TLGG) und Chief Digital Officer der edding AG ihren Kassettenrekorder und hört Folgen der Achtzigerjahre-Fernsehserie „Alf“. Der gefräßige Außerirdische vom Planeten Melmac bringt sie bis heute zum Lachen.

Foto: PR, Illustration: Dmitri Broido

Ijad Madisch, Researchgate

Ijad Madisch, Gründer und Chef der Plattform Researchgate, packte der Ehrgeiz, als seine damalige Freundin meinte, er sei mit Mitte 30 zu alt, um Beachvolleyball auf Profiniveau zu spielen. Inzwischen ist er Anfang 40 – und hat sich neben seinem Job in die Rangliste des Deutschen Volleyballverbands hoch gepritscht und gebaggert.

Foto: Illustration: Dmitri Broido

Satya Nadella, Microsoft

Microsoft-Chef Satya Nadella hat sich lange Zeit für Cricket begeistert – und nun in Seattle sogar in ein Team investiert.

Foto: Illustration: Dmitri Broido

Michael Otto, Otto Group

Der Aufsichtsratschef des Hamburger Versandhändlers kann besonders gut entspannen, wenn er die fernöstlichen Sportarten Yoga und Tai-Chi praktiziert. Vor allem auf Dienstreisen helfen ihm die Übungen dabei, stressreiche Terminmarathons zu bewältigen.

Foto: Illustration: Dmitri Broido, imago images

Reinhard Ploss, Infineon

Der ehemalige Infineon-Chef bastelt in der Freizeit gerne an Modellhubschraubern. Wer sich da nicht voll konzentrieren würde, sammle schnell die Einzelteile auf dem Acker zusammen. Die starke Fokussierung schaffe Distanz zum Berufsleben.

Foto: imago images, Illustration: Dmitri Broido

David Solomon, Goldman Sachs

Ein Investmentbanker als DJ? Warum nicht, sagt sich der Goldman-Sachs-CEO: „Viele Interessen führen zu einem ausgeglichenen Leben und einer besseren Karriere.“

Foto: Illustration: Dmitri Broido, Bloomberg

Meg Whitman, ehemals HP

Vor mehr als 20 Jahren suchte die Top-Managerin nach einem gemeinsamen Hobby für sich und ihren damals 13-jährigen Sohn – und lernte das Fliegenfischen schätzen: „Es hat etwas Meditatives“, sagt Whitman, „man denkt währenddessen an nichts anderes.“

Foto: Bloomberg, Illustration: Dmitri Broido

Mark Zuckerberg, Meta
Techmilliardär Mark Zuckerberg hat während der Coronapandemie mit dem Kampfsport Jiu Jitsu begonnen. Nun hat er bei seinem allerersten Wettkampf im US-Bundesstaat Kalifornien er eine Gold- und eine Silbermedaille gewonnen. Seit seiner Schulzeit bereits fechtet er, damals brachte er es zum Kapitän seiner Highschool-Mannschaft. In seiner Bewerbung für die Uni Harvard erklärte Zuckerberg, warum der Sport perfekt für anspruchsvolle Menschen sei: „Fechten fordert uns geistig und körperlich, ist kontrolliert, aber manchmal auch impulsiv.“

Foto: Illustration: Dmitri Broido

Stan Zurkiewicz, Dekra

Stan Zurkiewicz, der im vergangenen Jahr an die Spitze der Prüforganisation Dekra gerückt ist, hält einen schwarzen Gürtel in Judo und Taekwondo, außerdem ist er einen Ultramarathon durch die Wüste Gobi gelaufen.

Foto: Illustration: Dmitri Broido

Vergangenes Jahr hast du in einem Interview gegenüber dem „Spiegel“ gesagt, dass du deine Jugend für den Job aufopferst. Das hat auf Twitter für einigen Diskussionsstoff gesorgt. Wie gehst du mit negativen Kommentaren um?
Ich lese bei einem Shitstorm nicht mit. Ich verdiene sehr viel Geld und dass da Unmut durch dieses Zitat entstanden ist, kann ich nachvollziehen. Es ging in dem Interview aber darum, was mir neben dem Alltag im Bundestag noch möglich ist. Ich mag meinen Job und es ist auch ein riesiges Privileg. Aber trotzdem würde ich mich gerne mal mit einem Bier in den Park setzen können. Das ist aber zeitlich nicht möglich und durch meine Öffentlichkeitswirkung ist das schwierig. Viele kennen mein Gesicht, da werde ich in der Öffentlichkeit angesprochen und auch mal angefeindet. Will ich feiern gehen, dann muss ich mir die Frage stellen, ob da jemand ein Foto machen könnte und mir später irgendwas vorwirft. Ich verbinde mit der Jugend, frei zu sein und reisen zu können. Das ist mit meinem Mandat schwierig – aber nicht unmöglich. In diesem Kontext ist damals auch das Zitat entstanden.

Hast du denn ein Hobby, das du regelmäßig ausübst?
Ich gehe zum Sport und habe eine gesunde Beziehung, auf die ich sehr stolz bin. Und wenn man es als Hobby bezeichnet, dann spiele ich auch gerne Gesellschaftsspiele und veranstalte Spielabende mit Freundinnen und Freunden.

Und wie oft siehst du noch deine Freunde?
Wie so oft in Alltagssituationen sucht man sich seine Freundinnen und Freunde in Alltag. Und meine besten Freundinnen sind meine Mitbewohnerinnen Saskia Weishaupt und Marlene Schönberger. Und natürlich mein Team – was mein großes Glück ist. Viel mehr brauche ich gerade auch gar nicht.

Noch mal zurück zu den ganzen Twitter-Shitstorms. Vor einigen Wochen hat ein Video auf dem YouTube-Kanal MrWissentogo für Aufsehen gesorgt. Du konntest Bismarck nicht als Kanzler einordnen und das hat wieder für einige Diskussionen gesorgt. Was sagst du dazu?
Zu einer guten Fehlerkultur gehört es dazu, dass nicht jeder Mensch alles weiß. Es gab eine Äußerung eines angehenden Historikers, die ich sehr schön fand. Er schrieb, dass es seine Aufgabe wäre, die Geschichte in den Kontext der heutigen Welt zu setzen und die Aufgabe der Politiker und Politikerinnen sei es, die Zukunft zu gestalten. Das war ein angenehmes Verständnis. Ich habe bei dem Format mitgemacht, da es spielerisch ist und junge Menschen erreicht werden. Mich ärgert vor allem die persönliche Demontage auf Twitter. Aber am Ende des Tages darf man sich auch nicht ändern lassen. Es ist egal, was ich mache, der Hass im Internet ist am Start. Deshalb gehe ich erst recht weiter mit Mut voran.

Aus den Kommentaren hast du dir einige lustige rausgesucht und in deine Story gepostet. Machst du das jetzt häufiger?
Das haben wir tatsächlich schon häufiger gemacht. Ich lese die Kommentare selbst nicht mehr, deshalb habe ich mein Team gefragt, ob es drei lustige Kommentare gibt. Im Laufe der Zeit gewöhnen wir uns hier auch einfach Sarkasmus als Umgang an.

Sind die sozialen Netzwerke für dich denn auch ein Reizthema?
Social Media ist für mich wichtig. Twitter wurde gerade im vergangenen Jahr wirklich kaputt gemacht und ist inzwischen ein toxischer Ort. Aber Social Media umfasst zum Glück auch andere Netzwerke, wie Instagram und Tiktok. Dort betreibe ich politische Bildung und zeige meine Arbeit und meinen Alltag. Dort bin ich nahbar und bin an den Menschen dran, für die ich in der Politik bin. Das ist für mich wirklich wertvoll.
Auf Instagram bist du sehr aktiv und nimmst deine Follower viel in deinem Alltag mit. Ist es für dich so einfacher, junge Menschen zu erreichen als über andere Wege?
Total. Für viele ist das, was Politik macht, eine Art Blackbox – insbesondere für junge Leute. Im Politikunterricht lernen die Schüler und Schülerinnen, was Legislative, Exekutive, Judikative sind. Das heißt nicht, dass allen klar wird, wie Politik in der Realität funktioniert. Deswegen ist es mir wichtig, zu zeigen, wie es läuft. Soweit ich das selbst beleuchten kann, wie manche Entscheidungen entstehen. Gerade bei der FDP habe ich das Gefühl, dass sie ihre eigene Politik auch öfter nicht verstehen.

Als letzte Frage würde ich noch gerne von dir wissen, was für dich gute Wirtschaftspolitik ist?
Eine gute Wirtschaftspolitik ist eine Politik, die in Einklang bringt, was gerade aus dem Lot geraten ist. Sie findet gute Regeln dafür, sodass die Wirtschaft weiter funktioniert. Aber nicht auf Kosten von allem anderen, sondern in einem sozialen Konstrukt. Und deswegen ist das Bild der Grünen die sozial-ökologische Transformation. Die hat viel mit der Wirtschaft zu tun: Es muss sich was verändern, sonst wird es auch für die Wirtschaft schwierig. Vor allem, wenn wir jetzt keinen Klimaschutz machen und wir nicht dafür sorgen, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich schließt. Denn die Wirtschaft braucht auch Konsumenten. Und wenn sich niemand mehr irgendwas leisten kann, dann stirbt auch unsere Wirtschaft. Und ich glaube, deswegen ist gute Wirtschaftspolitik eine Politik, die die Wirtschaft nachhaltig stärkt und schützt. Aber auch eine Politik, die alle anderen Bereiche, Fächer, Sachthemen in den Kontext von Nachhaltigkeit rückt.

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